SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Neue archäologische Ausgrabung im Abri Peña Capón (Zentralspanien)

Dr. Manuel Alcaraz-Castaño ist Marie Skłodowska-Curie-Stipendiat mit dem Projekt “Testing population hiatuses in the Late Pleistocene of Central Iberia: a geoarchaeological approach” (s. Blogbeitrag 29. Juli 2015) und arbeitet zurzeit als Wissenschaftler im Neanderthal Museum. Ende letzten Jahres führte er im Nordwesten der Guadalajara Provinz in Zentralspanien, zusammen mit Dr. Javier Alcolea von der Alcalá Universität in Spanien und anderen spanischen Forschern, eine Ausgrabung durch. Das Projekt wird von Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger, dem Direktor des Neanderthal Museums, mitbetreut und von Dr. Martin Kehl aus dem Institut für Geographie der Universität zu Köln unterstützt.

Es handelt sich um die vierte Kampagne einer Serie von Ausgrabungskampagnen an drei spätpleistozänen Fundplätzen in Gualdajara. Neben Peña Capón waren auch die Höhle Los Casares und der Abri Peña Cabra Gegenstand von Ausgrabungen in den Jahren 2014 und 2015.

In Peña Capón ist eine wichtige jungpaläolithische Schichtenabfolge dokumentiert. 1970 wurde dort eine unsystematische Ausgrabung durchgeführt. Unglücklicherweise wurden die Ergebnisse dieser Kampagne nie veröffentlicht. Daher waren die Informationen über diesen Fundplatz seitdem immer unvollständig. Außerdem ist der Zugang zum Fundplatz sehr schwierig, da der Abri im Bereich des Beleña Damm liegt und daher sehr oft überflutet ist. Nach langer Wartezeit waren die Bedingungen im Herbst 2015 besonders günstig, um die lang ersehnte intensive Ausgrabung an diesem Fundplatz durchzuführen.

Die Schichtenabfolge in Peña Capón besitzt keine Parallelen aus dem Hinterland der Iberischen Halbinsel, wo die Fundplätze eher im Magdalénien besiedelt waren. Im Gegenteil, Peña Capón zeigt eine Abfolge von mehreren Besiedlungsschichten aus dem Solutréen, Proto-Solutréen und vielleicht sogar Gravettien. Diese Schichtenabfolge und die sehr gute Erhaltung des archäologischen Materials (bestehend aus Lithik, Fauna und Holzkohle) machen aus Peña Capón eine wichtige Fundstelle, um die Interaktionen des Menschen mit seiner Umwelt und die Populationsdynamiken während des späten Pleniglazials im Hinterland der Iberischen Halbinsel zu erforschen.

Die Ausgrabung in Peña Capón fand vom 19. Oktober bis 16. November 2015 statt. Ähnlich wie beim mittelpläolithischen Fundplatz Peña Cabra war der Zugang zum Abri nur mit einem Boot möglich. Das Ziel der Ausgrabung in Peña Capón war es, bisher fehlende Daten zur Chronologie, Paläoumwelt und moderner Geomorfologie zu sammeln. Daher war diese Kampagne auf die Entschlüsselung der Formationsprozesse des Fundplatzes, auf die Abfolge der menschlichen Besiedlungen in den archäologischen Schichten und die Beziehung zwischen Umweltveränderungen und technologisch-wirtschaftlichem Verhalten der Menschen fokussiert. Um diese Informationen zu erhalten, öffnete das Team einen 6 Quadratmeter großen Schnitt und dokumentierten eine große Anzahl an archäologischen Objekten (hauptsächlich Steinwerkzeuge und Tierknochen). Außerdem wurden Proben für Mikromorphologie, Sedimentologie, Radiokarbondatierung (Holzkohle und Knochen) und Pollenanalysen genommen. All diese Untersuchungen werden im Laufe des Jahres 2016 in verschiedenen Laboren in Deutschland und Spanien, u.a. Neanderthal Museum, Universität zu Köln und Universität Alcalá, untersucht.

Bis dahin!

Manuel Alcaraz-Castaño

(Übersetzt von Viviane Bolin)

 

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