Archiv der Kategorie: Neanderthal Museum

Forschung im Museum: Das Paläolithikum im Rheinland

Im September diesen Jahres startete im Neanderthal ein Projekt zum Paläolithikum im Rheinland mit einer Laufzeit von vier Jahren. Es wird gemeinschaftlich finanziert vom Landschaftsverband Rheinland und der Stiftung Neanderthal Museum in Kooperation mit dem Rheinischen Landesmuseum Bonn und dem Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Köln.

Worum geht es? Seit mehr als 100 Jahre werden vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege und seinen Vorgänger-Institutionen als paläolithisch registrierte Funde und Fundstellen archiviert. Das gesamte Archiv wird nun systematisch überprüft. Die sehr heterogenen Informationen werden vereinheitlicht, auf den neuesten Stand gebracht und den vier beteiligten Institutionen für ihre tägliche Arbeit zugänglich gemacht.

Karte der altsteinzeitlichen Fundstellen in den Regierungsbezirken Köln und Düsseldorf (blaue Punkte) auf der Verbreitung des eiszeitlichen Lösses (in den Kaltzeiten vom Wind abgelagerte feinkörnige Sedimente: Gelbtöne).

Dazu werden die vor vier Jahren erstmals aus unterschiedlichsten analogen und digitalen Archiven der rheinischen Bodendenkmalpflege in einer digitalen Gesamtdatenbank zusammengeführten Informationen lektoriert und, wo nötig und noch möglich, sukzessive am Fundmaterial und den Fundstellen selbst überprüft, aktualisiert und ergänzt.

Der Faustkeil von Hochdahl, das möglicherweise älteste Steinwerkzeug Nordrheinwestfalens (Foto: Rheinisches Landesmuseum Bonn)

Im aktualisierten Zustand wird die Datenbank nicht nur als Entscheidungsgrundlage die Planung und Ausführung zukünftiger bodendenkmalpflegerischer Maßnahmen erleichtern, sondern auch die Möglichkeit bieten, sowohl das wissenschaftliche Potential einzelner Fundstellen als auch die Funde in ihrer Gesamtheit neu zu bewerten. Auf der Datengrundlage können neue Forschungsfragen und Projekte entwickelt werden.

TIPP: Am Tag der Forschung reden wir mit euch gerne über unsere aktuelle Forschung und neue wissenschaftliche Projekte!

Kontakt:

Dr. Daniel Schyle

Why we love old mud so much – 600.000 Jahre alter Matsch

600.000 Jahre alter Matsch aus äthiopischen Bohrkernen (Chew Bahir See) verrät wie die Welt unserer Vorfahren aussah

Von Verena Foerster und Frank Schäbitz (Uni Köln)

Warum bringt so richtig alter Matsch Wissenschaftler aus aller Welt in helle Aufregung? Die
Antwort ist einfach: weil in diesen sogenannten Sedimentkernen aus Südäthiopien wertvolle
Informationen über den Lebensraum und die klimatische Veränderungen unserer Vorfahren
gespeichert sind! Man spricht auch von einem natürlichen Klimaarchiv. Und genau so ein
Klimaarchiv haben wir mit einem internationalen Team von Wissenschaftlern durch eine
Tiefbohrung in einen ausgetrockneten See im Afrikanischen Rift geborgen. Derzeit werden diese insgesamt 3 t Material (was etwa 500 m Bohrkern entspricht) in den den Laboren der beteiligten Universitäten in Deutschland, Äthiopien, Wales, USA aber auch bei uns an der Universität zu Köln untersucht.

Aus den feinen sedimentären Ablagerungen kann unser Forscherteam beispielsweise
entschlüsseln unter welchen Bedingungen unsere frühen Vorfahren sich entwickelten, also welche Zusammenhänge es möglicherweise zwischen Umweltveränderungen und Evolution und Migration gibt. Neben zahlreichen Fossilien und Mikrofossilien, die in den Schichten der
Sedimentablagerungen eingebettet sind, zeigen weitere solcher sogenannter Klimaproxys (z.B.
verschiedene Korngrössen, Minerale, Farbwechsel) sehr genau wie feucht oder wie trocken das
Klima in der Vergangenheit dort war.

Am Tag der Forschung am 25. November gibt es neben so einem Stück Klimageschichte in Form von einem Bohrkern auch Mikrofossilien und Minerale unter dem Mikroskop zu entdecken, Sedimentproben zu ertasten und echte Bohrwerkzeuge zu bestaunen! Wir erklären, wie sich aus diesem „richtig alten Matsch“ Klimageschichte lesen lässt.

Forschung im Museum: Das DISAPALE-Projekt

(Digitale Sammlung Paläolitischer Leitformen)

Das DISAPALE-Projekt verfolgt das Ziel, die ca. 500 bekannten Typen prähistorischer Steinartefakte zu digitalisieren, zu katalogisieren und der Öffentlichkeit und Forschung zugänglich zu machen. Hierzu sollen in den nächsten drei Jahren Steinartefakte 3D-gescannt und auf der Online-Plattform „NESPOS“ (Neanderthal Studies Professional Online Service) veröffentlicht werden (mehr zu NESPOS hier). Das Projekt ist eine Kollaboration des Neanderthal Museums mit der Friedrich-Alexander Universität Erlangen und wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Die wissenschaftliche Leitung des Projekts hat Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger (Neanderthal Museum), bearbeitet werden die Artefakte von den Projektmitarbeitern Gianpiero Di Maida (Post-Doc, Neanderthal Museum) und Jan Sabri Cetinkaya (wiss. Mitarbeiter, Neanderthal Museum).

Die Digitalisierung wird durch einen Streiflichtscanner der Marke Breuckmann (smart-scan 3D) und der aktuellen Software (Optoscan 2018) vorgenommen. Ergänzend sollen weitere Methoden, wie etwa ‚Structure from Motion‘, zum Einsatz kommen. Unsere Vorgehensweise zielt auf einen Vergleich der unterschiedlichen Digitalisierungstechniken ab. Die prähistorischen Artefakte, die im Zuge des Projekts digitalisiert werden, stammen aus der Lehrsammlung der Friedrich-Alexander Universität Erlangen und der Sammlung des Neanderthal Museums. Hier, in den Räumlichkeiten der Museums-Sammlung, werden sie auch von Herrn Di Maida und Herrn Cetinkaya gescannt.

Die Grundlage zur Umsetzung des Projekts bilden die bekannten Typologien prähistorischer Steinartefakte in der Fachliteratur, wie etwa Bordes: „Typologie du Paléolitique ancient et moyen” (Paris 2000) oder Floss (Hrsg.): „Steinartefakte. Vom Altpaläolithikum bis in die Neuzeit“ (Tübingen 2013). Ein weiteres Ziel des DISAPALE-Projekts ist, die bestehenden Typologien kritisch zu betrachten und mögliche Alternativen aufzuzeigen.

Das Projekt hat eine geplante Laufzeit von drei Jahren. In dieser Zeit wird das Projektteam in regelmäßigen Abständen Updates über seine Arbeit und den Fortgang des Projekts über die Social Media-Kanäle des Neanderthal Museums veröffentlichen. Up to date bleibt man am besten im Museumsblog, Facebook und Twitter: @ExpeditionNM

P.S. Am 25. November stellen sich unsere Forscher/innen am TAG DER FORSCHUNG im Museum persönlich unseren Besucher/innen vor! Auch die Kollegen von DISAPALE beantworten dort gerne Fragen zu ihrer Arbeit.

Kontakt zu DISAPALE:

 

ENGLISH TRANSLATION

DISAPALE stands for „Digitale Sammlung Pläolitischer Leitformen“, which is German for „Digital collection of lithic typological forms“. It is a project of the Neanderthal Museum in collaboration with the Friedrich-Alexander University of Erlangen-Nürnberg, financed by the BMBF, the Bundesministerium für Bildung und Forschung (Federal Ministry of Education and Research).

The main objective of DISAPALE, as the project title already suggests, is to digitalize about 500 different typological forms known in scientific literature (with about 4 or 5 variants per type) and make them available on the NESPOS platform for archaeology students and professionals alike.

The people involved in this project are Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger, the scientific supervisor; Gianpiero Di Maida, post-doc; and Jan Cetinkaya, scientific collaborator at the Neanderthal Museum.

The recording process will be done mainly using a Breuckmann smart-scan 3D and Optoscan software 2018. But case-by-case, the programme Structure from Motion will be tested on the way to compare results and to also produce new data about the methodology of the recording.

The basis for the realization of the planned catalogue will be the known-from-the-literature types’ lists (e.g. Bordes “Typologie du Paléolitique ancient et moyen” Paris 2000, or Floss’ (ed.) „Steinartefakte. Vom Altpaläolithikum bis in die Neuzeit“, Tübingen 2013). We are well aware of the constitutional problems that the typological approach at the study of the lithics brings with itself. Keeping these issues in mind, and in the light of most recent research (BIBLIO), another objective of the project aside from recording will be that of highlighting and then addressing possible elements of criticism on the classic typological approach and to suggest alternatives.

The project will last 3 years, regular updates will be given via the official channels of the Neanderthal Museum (this blog and the twitter account, @ExpeditionNM)!

Die letzten Ausgrabungen in der Cueva Ardales, Spanien

Diesen Sommer reiste das Forschungsteam des Neanderthal Museums für die letzte Grabungskampagne in der Cueva Ardales wieder nach Andalusien. Seit 2015 ist unser Team zweimal pro Jahr in der Höhle, welche Anfang 2018 mit der neuen Entdeckung von Neanderthaler-Kunst Schlagzeilen gemacht hatte. Um diese neuen Erkenntnisse zu bekräftigen und neue Daten zu gewinnen, arbeiteten wir wieder im Grabungsschnitt Zone 3, direkt unterhalb einer großen Wandfläche mit roten Punkten. In diesem Schnitt hatten wir bereits in den Kampagnen zuvor Bodenschichten des Mittelpaläolithikums entdeckt. Wir trafen auch unsere spanischen Kollegen wieder, mit denen wir bereits seit Anfang der Grabungen zusammenarbeiten, um die Ausgrabung nun zum Abschluss zu bringen.

Die tägliche Arbeit in Zone 3

Hier saßen wir nun, Schulter an Schulter, um Schichtverläufe und Funde zu dokumentieren, während andere Teammitglieder im Labor oder im Büro weitere Schritte der Nachbearbeitung unternahmen. Im Labor und dem Büro wurde Sediment gewaschen und sortiert, und hier wurden auch die Funde in unseren Katalog eingetragen. Wir freuten uns besonders auf die zahlreichen Besucherinnen und Besucher nach der diesjährigen ESHE Konferenz in Faro, unter anderem die Kollegen Dirk Hoffmann (Leipzig) und Chris Standish (Southhampton), die neue Proben der Wandkunst entnahmen.

Proben der Kunst aus Hoffmann et al., 2018 (Science 359/6378, S. 912-915)

Wir waren traurig, nach so vielen Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit Andalusien zurück zu lassen, aber freuen uns auf die nächste Phase des Projekts – die Datenauswertung. Nun, da die Fundstelle geschlossen ist, sind wir bereit neue Erkenntnisse aus den Daten zu gewinnen und weiter unseren Beitrag zur Erforschung der Kultur der Neanderthaler beizutragen.

Taylor Otto, Wissenschaftliche Museumsmitarbeiterin & Doktorandin an der Universität zu Köln

Letzte Vorbereitungen für den 5. Tag der Forschung im Neanderthal Museum

Am 25. November, 2018, findet der 5. Tag der Forschung im Neanderthal Museum statt! Wie jedes Jahr ist dieser Sonntag eine gute Gelegenheit für unsere Museumsbesucher, direkt mit den Forschern aus dem Neanderthal Museum, der Universität zu Köln und benachbarten Forschungseinrichtungen Kontakt aufzunehmen. Wir erwarten spannende Diskussionen über die vielfältigen Aspekte des wissenschaftlichen Alltags im Feld und im Labor.

Wir freuen uns, zahlreiche Wissenschaftler aus dem Sonderforschungsbereich 806 (www.sfb806.uni-koeln.de/index.php/projects) sowie KollegInnen aus benachbarten Universitäten und Forschungseinrichtungen willkommen zu heißen. Wir präsentieren neueste Ergebnisse aus der Sedimentologie, der Archäozoologie (www.archaeozoologie.de/) sowie Archive und Projekte aus der ganzen Welt.

Besonders gespannt sind wir auf die Stationen zum Fährtenlesen sowie die Präsentation von zerstörten Kulturdenkmälern in Syrien. Zusätzlich stellen die Forscherinnen und Forscher aus dem Neanderthal Museum die Ergebnisse ihrer jüngsten Projekte vor – inklusive der neuesten Erkenntnisse zur Neanderthaler-Felskunst aus der Cueva Ardales in Spanien!

Hoffmann et al, Science 23 Feb 2018: Vol. 359, Issue 6378, pp. 912-915

Zusätzlich freuen wir uns besonders auf einen Vortrag von Prof. Klaus Reicherter von der RWTH Aachen, der aus aktuellem Anlass zum Thema Tsunamis vortragen wird.

Die Vorbereitungen sind nun in der entscheidenden Phase. Feiern Sie mit uns dieses Jubiläum und erfahren Sie vor Ort, wie Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen vor Ihrer Haustür und in der weiten Welt arbeiten und neue Erkenntnisse ans Licht bringen!

Folgen Sie den neuesten Updates auf Facebook (www.facebook.com/neanderthalmuseum) und Twitter (twitter.com/Neandertal1).

Wir freuen uns, Sie am 25. November im Neanderthal Museum begrüßen zu dürfen!

Taylor Otto, Wissenschaftliche Museumsmitarbeiterin & Doktorandin an der Universität zu Köln

Jules Praktikum im Neanderthal Museum

Hi,

Mein Name ist Jule. Ich studiere im 2-Fach-Bachelor Archäologie und Kunstgeschichte und absolvierte im September ein dreiwöchiges Praktikum hier im Neanderthal Museum.

In diesem Beitrag möchte ich ein bisschen darüber erzählen, wie mein Praktikum so verlaufen ist.

Vorab kann ich sagen, dass alle anfängliche Nervosität am ersten Arbeitstag vollends unbegründet war. Dieser begann um neun Uhr morgens. Zuerst wurde ich dem wirklich ausnahmslos freundlichen Team vorgestellt, dessen  Mitglieder mir im Laufe der Wochen immer wieder bei Problemen und Fragen weiterhelfen konnten. Anschließend gab mir eine meiner Bezugspersonen eine Führung durch die Dauerausstellung des Museums, was mir die Möglichkeit bot, auch fachlich dazuzulernen. Ich half beim Putzen und begleitete den Kontrollrundgang, welchen ich dadurch später dann auch alleine übernehmen konnte.

In den nachfolgenden Tagen kamen viele neue Aufgaben hinzu. Flyer sortieren, Blätter laminieren und andere typische Praktikantenarbeiten gab es natürlich auch. Trotzdem hat es  mich immer wieder überrascht, wie viel Vertrauen man mir entgegengebracht hat. Ich durfte in der Sonderausstellung beim An- und Abmontieren der Fotografien helfen, habe Aufsicht im Museum gehalten, für Einkäufe recherchiert und hatte eine, im wahrsten Sinne des Wortes, tragende Rolle beim Transportieren wertvoller Schädelmodelle. Auch in der Steinzeitwerkstatt war ich willkommen. Ich durfte bei einigen Workshops zusehen und hin und wieder bei kleineren Arbeiten aushelfen. In einer Pause wurde mir sogar angeboten, selbst einmal einen Steinzeitbogen in die Hand zu nehmen und auf eine Zielscheibe zu schießen. Falls hin und wieder keine Aufgaben mehr für mich anstanden, gab man mir Artikel zu steinzeitlichen Themen und Fotos älterer Sonderausstellungen des Museums, die ich mir ansehen durfte.

Ich habe nicht nur umfangreiche Einblicke ins Berufsleben und wissenswerte Informationen zum Thema Archäologie erhalten, sondern auch viele nette Menschen kennengelernt. Alles in allem bin ich mehr als glücklich mein Praktikum hier absolviert zu haben.

Autorin: Jule Feichtner

Inklusion im Neanderthal

Diversity Challenge, Touchpoint Workshops, barrierefreie Fußgängerbrücken – ihr merkt, wir im Neanderthal Museum setzen uns immer mehr mit dem wichtigen Thema Inklusion auseinander.

Ein besonderer Fokus innerhalb dieses allumfassenden Themas liegt bei uns darauf, Menschen mit Sehbehinderung Zugang zu unseren Inhalten und Ausstellungen zu verschaffen. Die Frage dabei ist natürlich: WIE?

Wir Museen sind traditionell sehr visuell geprägt. Wir stellen empfindliche Objekte wie Schädel, Schwerter oder Bücher hinter Glas aus, weil wir davon ausgehen, dass unsere Besucherinnen und Besucher mit etwas Begleittext die großartige Geschichte hinter diesen Objekten nachvollziehen können. Das Problem ist nur: sieht man diese Objekte nicht und kann man auch die dazugehörigen Texte nicht lesen, hat ein Museumsbesuch wenig Nutzen…

Das möchten wir ändern. Wir finden, dass die Geschichte des Neanderthals, des Neanderthalers und die Humanevolution keinem vorenthalten werden darf.  Zum einen erweitern wir unser Bildungs- und Vermittlungsprogramm:

Mit dem Workshop TOUCHPOINT: Gefühlte Menschheitsentwicklung haben wir ein Tasterlebnis für Sehnende, Seheingeschränkte und Blinde geschaffen. Am reservierten Tisch in der Cafeteria – unserem TOUCHPOINT- sitzt man in gemütlicher Runde. Wir reichen euch Dinge, die ihr sehen, riechen, schmecken, tasten und hören könnt. Eine außergewöhnlich sinnliche Annäherung an die Menschheitsgeschichte! Wer möchte, bestellt sich dazu noch eine Tasse Kaffee oder ein Glas Wasser. Sehende bekommen eine Schlafmaske, um sich mehr auf ihre weiteren Sinne konzentrieren zu können.

Save the date: In der Woche des Sehens bieten wir von Dienstag (9.10.) bis Sonntag (14.10) das Programm täglich im Museums-Café an! Mehr dazu findet ihr unter www.woche-des-sehens.de/veranstaltungskalender/

Davon abgesehen planen wir mit Start im Jänner 2019 ein umfangreiches Forschungsprojekt – NMsee – in dessen Verlauf wir einen vollkommen neuen, inklusiven Zugang zu den Inhalten unserer Dauerausstellung schaffen werden. Dies gelingt über taktile Exponate, Bodenleitsysteme, taktile Schilder und ein inklusives App Game. Spannend, nicht wahr? Mehr zum Projekt und zu inklusiven Gaming liest ihr in diesem Blogeintrag: https://bkw.hypotheses.org/677

Unser Ziel ist es, das hoch angesetzte Ziel eines „Museums für Alle“ zu erreichen. Helft uns dabei, indem ihr uns eure Ideen und Wünsche mitteilt!

Spatenstich für den Masterplan!

Heute erfolgte bei strahlender Spätsommer/Herbstsonne (hier scheiden sich die Geister) der Spatenstich für den lange ersehnten Masterplan Neanderthal. Im Zuge dieses zweijähgrigen Bauprojektes wird das für Hominine und Museum namensgebende Tal ein frisches, modernes Anlitz erhalten.

Nach Dankesworten von Stiftungsratsvorsitzenden Prof. Gert Kaiser, Mettmanns Bürgermeister Thomas Dinkelmann, Landrat Thomas Hendele, Erkraths Bürgermeister Christoph Schultz und Detlef Reinders von der Bezirksregierung griffen die Herren zum Spaten und eröffneten damit offiziell die Baustelle. Wir im Museum sind sehr gespannt auf die Umsetzung der geplanten Maßnahmen, wei sie unseren Besucherinnen und Besuchern eine Unmenge an neuem Komfort, Unterhaltung und Naherholung bieten. Der Masterplan umfasst dabei (unter anderem) folgende Komponenten, alle im nahen Umfeld des Museumsgebäudes:

  1. Eine „Y“-förmige Brücke, die eine barrierefreie Verbindung zwischen Parkplatz, Spielplatz und Museum bietet:

    (Blick auf die „Museumsbrücke“ über Mettmanner Bach und Düssel, von Richtung Museumsvorplatz aus)

  2. Einen tollen neuen Steinzeit-Spielplatz am Düsselufer! *YEAH*

    Spielplatz-Entwürfe von KuKuk GmbH

     

  3. Die Renaturierung der Düssel, sowie die Anpassung des Einmündungsbereichs von Mettmanner Bach und Düssel. Es wird also langfristig wieder schön natürlich grün 😉

Alle Fans unserer alten Neanderthaler-Skulpturen können übrigens beruhigt sein: die Skultpuren sind sicher verwahrt und werden im Laufe des Umbaus an ihre neuen, aufgefrischten Standorte gebracht!

Während der Dauer der Bauarbeiten empfehlen wir autofahrenden Besucherinnen und Besuchern, den Parkplatz der S8-Station „Neanderthal/Museum“ zu nutzen. Nach Ende des großen Umbaus steht dann der Parkplatz direkt gegenüber des Museums wieder in seiner vollen Pracht zur Verfügung 😉 Auf der offiziellen Webiste des Masterplans findet ihr noch mehr Details und Planmaterial: http://www.masterplan-neandertal.de

Bis dahin sind wir schon neugierig auf alle kleinen und großen Fortschritte im Tal und halten euch am Laufenden!

 

Anna Riethus

Feste und Fotos

Planung, Vorbereitung & Umsetzung von Museumsfest und Sonderausstellung

Kurz vor der finalen Phase des Aufbaus der kommenden Sonderausstellung Wisent, Bison, Buffalo und nach dem sehr erfolgreichen und schönen Museumsfest wollen wir ein bisschen von unseren Vorbereitungen, Planungen und Umsetzungen für das Museumsfest und die kommende Sonderausstellung berichten. Wir, das sind Carina Bammesberger, wissenschaftliche Volontärin im Bereich Ausstellungsprojekte und Florian Gumboldt, wissenschaftlicher Volontär in der Abteilung Bildung und Vermittlung!

Die Organisation des Museumsfestes fällt immer in den Bereich des wissenschaftlichen Volontärs der Abteilung Bildung und Vermittlung. Wie auch im vergangenen Jahr ist es meine (Florian) Aufgabe gewesen, dass diesjährige Museumsfest zu planen und umzusetzen. Bereits im November des vergangenen Jahres hatte ich mit der Planung für das Fest begonnen. Erste Ideen für besondere Aktionen, „Save the Date“-Mails an unsere vielen externen Akteure und ein erster Material-Check gehörten zu dieser frühen Planungsphase. Weitere sollten folgen…!

Fröhliches Ofenbauen für das Brotbacken

Zwei Wochen vor dem Museumsfest gab es mein erstes persönliches Highlight. Nachdem im vergangenen Jahr unser alter Lehmofen, nach 20 Jahren, zerbrochen war, haben Archäologe Wolfgang Heuschen, Archäologie-Studentin Joana Steffens und ich einen neuen gebaut. Nach zwei Tagen harter Arbeit, Faszination, Frustration, Hitze, viel Wasser, Eis und Pommes (Vielen Dank an Biene!) konnte dieser endlich zum Trocknen im Museumsgarten aufgestellt werden. In den letzten zwei Wochen vor dem Museumsfest stand dann der letzte Materialcheck an, bei dem ich von unserer Praktikantin Maike unterstützt wurde. Für unsere Speerschleuder-Station wurden von uns die letzten Speere gefertigt, die fehlenden Ersatzteile für unsere Jurte besorgt (Die Jurte hatte sich im vergangenen Jahr, während eines Sturms, selber abgebaut!) und die Verpflegung für unsere Akteure und Helfer eingekauft.

Sommerliches Wetter am Museumsfest

Den Freitag vor dem Museumsfest haben wir genutzt, um die Drängelgitter, die Pavillons und Biergarten-Garnituren am Fundort und im Museumsgarten aufzubauen. Obwohl das Fest am Samstag erst um 14 Uhr seine Tore geöffnet hat, waren wir schon gegen 10 Uhr vor Ort. Vor Eröffnung musste das Material an die einzelnen Stände verteilt werden, die ankommenden Akteure und Helfer eingewiesen werden und letzte Probleme gelöst werden. Wie immer dauert dies bis zur letzten Minute (14:05!!!). Doch am Ende konnten wir eines der erfolgreichsten Museumsfest bisher feiern, vielen kleinen und großen Besuchern zwei unvergessliche Tage bieten und ein tolles Fest am Sonntagabend mit einem gemütlichen Grillabend für alle Akteure und Helfer abschließen. In der folgenden Woche wurden die letzten Materialien zurück an ihren Platz geräumt und danach der Abbau der Sonderausstellung „Eiszeit-Safari“ gestemmt. Die neue Sonderausstellung „Wisent, Bison, Buffalo“ kann kommen und das nächste Museumsfest, im kommenden Jahr, auch das nächste Museumsfest, im kommenden Jahr, auch!

Tinka mit Carina in der Wisentwelt

Die Planung und Gestaltung der kommenden Sonderausstellung Wisent, Bison, Buffalo fällt in meinen (Carina) Aufgabebereich. Bei der Ausstellung handelt es sich um eine Fotoausstellung mit Fotographien über amerikanische Buffalo von Heidi und Hans-Jürgen Koch. Da das Neanderthal Museum ein Vor- und Frühgeschichtliches Museum ist, war es unser Anliegen, auch die eiszeitlichen Steppenbisons und die noch heute lebenden Wisente in die Ausstellung zu integrieren. Beides sind übrigens Verwandte des amerikanischen Buffalos. Ich recherchierte nach eiszeitlichen Kleinkunstobjekten,  zumeist Schnitzereien aus Geweih, die Steppenbisons abbilden.

Höhlenkunst aus Niaux, Frankreich

Aus der hauseigenen Sammlung von Fotographien eiszeitlicher Höhlenbilder suchte ich die schönsten Darstellungen von Steppenbisons aus. Mit der Auswahl aller Objekte ging es an den Ausstellungsplan – wo und wie sollten die Objekte in unserer Ausstellungsfläche präsentiert werden? Informationstexte zu den einzelnen Bereichen der Ausstellung und zu jedem einzelnen Objekt dürfen in einer Ausstellung natürlich auch nicht fehlen. Um mich über die heute noch lebenden Wisente zu informieren, besuchte ich zusammen mit Florian die Wisentwelt in Wittgenstein. Von hier nahmen wir Anregungen für Kinderstationen in unserer Ausstellung und Infomaterial über die Wisentzucht mit, die in der Ausstellung für den Besucher zur Verfügung gestellt werden sollen. Die fertige Ausstellung, mit Kleinkunstobjekten, Höhlenmalereien und den beeindruckenden Buffalobildern, kann ab dem 15.9.2018 bestaunt werden!

Kollegin Hucklenbruch mit Staplerführerschein – bei Auf/Abbauten ein Hit!

 

Maikes Praktikum im Neanderthal Museum

Hi,

ich heiße Maike, studiere Archäologische Wissenschaften an der Ruhr-Uni Bochum und mache bis zum Museumsfest (25.-26. August) ein 4-wöchiges Praktikum im Neanderthalmuseum im Bereich Bildung und Vermittlung. In meinem Blogeintrag werde ich ein bisschen davon erzählen, was meine Tätigkeiten hier waren, ob es mir Spaß gemacht hat und ich ein Praktikum hier empfehlen kann oder nicht 😉

Einen typischen Tagesablauf gab es bei mir nicht unbedingt. Angefangen habe ich meistens um 9 Uhr in der Verwaltung an meinem Computerarbeitsplatz in der Mediathek. Dann habe ich oft den morgendlichen Kontrollrundgang durchs Museum mitgemacht, später auch alleine, oder mich Rechercheaufgaben zu bevorstehenden Sonderausstellungen gewidmet. Manchmal habe ich auch ein paar „typische Praktikantenarbeiten“ erledigt, wie z.B. Postkarten in Briefe legen oder die Eisgutscheine für warme Hitzewellen-Sonntage ausdrucken. Die meiste Zeit hatte ich aber spannendere Aufgaben. Ich habe auch meinen Beitrag zum Kinderprogramm „Steinzeitkrimi“ geleistet – was genau darf ich natürlich nicht verraten! Nur so viel: ich konnte dabei auch meine kreative Ader einsetzen. Sogar an einem Ausstellungstext für eine kommende Sonderausstellung durfte ich mich nach gründlicher Recherche versuchen.

Durch meine Vorgesetzte in der Verwaltung, Carina Bammesberger, bin ich sogar auf der Instagram-Seite des Museums zu sehen. Wir hatten montags Putztag, und beim Wischen des Stammbuschs* durfte ich hinter der Neanderthalerin Modell stehen.

Im Laufe des Tages wurde ich oft zu meinem anderen Vorgesetzten, Florian Gumboldt, in die Steinzeitwerkstatt gerufen. Die Aufgaben dort waren wieder vollkommen anders. Ich habe viel bei der Vorbereitung des Museumsfests am 25. und 26.8. geholfen, z.B. beim Bau von neuen Speeren. Zusätzlich habe ich an Kinderprogrammen teilgenommen und ein wenig meiner Archäologen-Tätigkeit, dem Graben, nachgehen können. Mit Florian zusammen habe ich einen Profilschnitt durch den alten Lehmofen des Museumsfests angefertigt. Von den Kinderprogrammen bin ich immer noch beeindruckt, da sie so realitätsnah wie möglich durchgeführt werden. Beim Workshop „Steinzeitmesser“ z.B. wird zum Kleben von Feuersteinklingen in Holzschäftungen eine Mischung aus Bienenwachs und Baumharz genommen, Rückstände die auch an steinzeitlichen Werkzeugen nachgewiesen wurden. Für mich persönlich war das Highlight aber das Feuermachen, das mit einem Feuerstein, Markasit (Katzengold), einem Stück Zunderpilz und Holzspähnen vor den Kindern gezeigt wurde. Das habe ich auch selbst lernen können und deswegen hat mir das Praktikum so gesehen auch beim Überleben in der Wildnis oder bei einem totalen Stromausfall geholfen.

Total super war, dass ich mich auch selbst am Bogenschießen probieren konnte. Jeden zweiten Mittwoch ist nachmittags an der Steinzeitwerkstatt ein Bogentreff mit größtenteils selbstgebauten Bögen. Ich durfte dort mitschießen und habe auch meinen Gefallen am Bogenschießen gefunden.

Durch Zufall habe ich im Museumsshop sogar einen neuen Rucksack für mich gefunden: Die Firma Kultbag hat für das Museum aus den alten Werbeplanen für die Sonderausstellungen Taschen und Rucksäcke hergestellt. Ich habe einen richtig schönen mit Schmetterlingen von der Ausstellung „Tierreich: Schwärme, Herden, Kolonien“ erworben.

Nun also dazu, ob ich ein Praktikum hier im Neanderthalmuseum empfehlenswert finde oder nicht: Wie man an meinem Bericht wahrscheinlich schon gemerkt hat, finde ich es definitiv empfehlenswert. Man erhält Einblicke in die verschiedenen Bereiche des Museums und darf hinter die Kulissen schauen. Das Praktikum ist wirklich vielseitig und wird absolut nicht langweilig. Die MitarbeiterInnen in der Verwaltung, der Haustechnik, im Museum, in der Steinzeitwerkstatt und der Forschungsabteilung dort sind alle super nett und man bekommt das Gefühl, ein Teil des Teams zu sein, dem Vertrauen entgegengebracht wird und nicht eine weitere Praktikantin zu sein, dem unwichtige Aufgaben erteilt werden.

Zum Schluss war es noch meine Aufgabe, ein Ausstellungsstück aus dem Museum zu wählen, das mich aus irgendeinem Grund besonders fasziniert hat oder in Erinnerung bleiben wird. Ich habe das Gehirn in seiner Vitrine ganz oben im Museum gewählt. Ich fand es schon am Anfang faszinierend, dass wirklich ein echtes Gehirn im Museum ausgestellt wurde und eine alte Frau es an das Museum gespendet hat. Und dann hatten Carina Bammesberger und ich die Aufgabe, unter anderem diese Vitrine zu putzen, was sich als super kompliziert herausgestellt hat. Wir waren mit einem unserer Haustechniker und einer Leiter am Werk und meine langen Arme waren definitiv von Vorteil, um alle Ecken der Vitrine zu erwischen.

Maike Bonnmann

*Der Stammbusch ist die offizielle Bezeichnung für die Holzinstallation, auf der sich die lebensechten Nachbildungen der Hominiden befinden. Stammbaum wäre hier nicht die richtig Bezeichnung, da man die Menschheitsentwicklung nicht als linearen Prozess von einer Form zur nächsten sehen kann. Die verschiedenen Hominiden haben ja auch nebeneinander existiert und sich untereinander vermischt.