Von wegen Bürojob – Ausstellungsaufbau im Museum

Mein Name ist Sophie. Ich habe letztes Jahr mein Abitur mit 17 Jahren absolviert, wollte allerdings aufgrund meines Alters noch nicht sofort anfangen zu studieren. Deshalb habe ich mich beim Neanderthal Museum für ein Praktikum beworben.

In den ersten zwei Wochen meines vierwöchigen Praktikums habe ich beim Aufbau für die Sonderausstellung „DUCKOMENTA – Die Enten kommen zurück“ mitgeholfen.

Dafür musste die alte Ausstellung „Zwerge & Riesen“ natürlich erst abgebaut werden.
Dies bedeutete: viel schrauben, schleppen und Klebereste von den Wänden abkratzen.

Als schließlich alles verstaut und verpackt war kamen auch schon die DUCKOMENTA-Exponate aus Mannheim an. Unzählige Kisten und Boxen in allen Formen und Größen stapelten sich von dem Sonderausstellungsbereich bis ins Auditorium.

Zuerst wurde kontrolliert, ob denn auch alles angekommen und in gutem Zustand ist.
Dann wurden einige Exponate schon einmal in die Ecken verschoben, wo sie nachher stehen sollten.

 

Es gab viel zu tun:

  • manche Vitrinen mussten geputzt und von Ruß befreit werden, wiederum andere wurden schon aufgebaut und ausgerichtet
  • Kabel für Bilder und Banner wurden von den Decken abgehängt
  • Schilder wurden geklebt
  • Gitter mussten abgeschrubbt und in der Dauerausstellung verhangen werden
  • Bilder mussten sowohl an die Gitter, als auch an Drahtseile gehangen werden
  • Hintergründe für die Vitrinenwände wurden beklebt
  • und vieles mehr…

Natürlich haben alle fleißig mitgeholfen. Durch die gute Teamarbeit und das gemeinsame Anpacken konnten wir die Ausstellung sogar noch fast einen kompletten Tag vor der Eröffnung fertigstellen.

Als schließlich alles stand und nur noch Kleinigkeiten zu tun waren, konnte ich kaum fassen wie schnell doch alles vorübergegangen war.

Viele Grüße aus dem Museum

Sophie

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Doch keine eiszeitliche Bilderhöhle in Deutschland

Schade, es wäre so schön gewesen, wenn auch wir in Deutschland eine eiszeitliche Bilderhöhle vorweisen könnten. Die Mäanderhöhle war ein aussichtsreicher Kandidat. Doch nun, nach Abschluss einer Examensarbeit an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg durch Frau Julia Blumenröther, steht fest: die in der Höhle gefundenen Linien sind nicht vom Menschen gemacht worden. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchungen, an denen das Neanderthal Museum maßgeblich beteiligt war, sind nun veröffentlicht. Unter dem Titel ‚Die Mäanderhöhle – eine altsteinzeitliche Bilderhöhle in Bayern?‚ ist jetzt kürzlich ein Bericht in den Denkmalpflege Informationen (Heft 163) erschienen. Und die Medien haben das Ergebnis interessiert aufgegriffen … SPIEGEL ONLINE.

Mit besten Grüßen, Andreas Pastoors

 

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Tagung in Budapest

Ende März fand erneut die Tagung der Hugo Obermaier-Gesellschaft für Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit in Ungarn statt. Einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder der Gesellschaft und diskutieren die neusten Erkenntnisse im Hinblick auf die Erforschung des Steinzeitmenschen, seiner Umwelt und seiner Kulturen. Dieses Jahr hatte das Archäologische Institut der Eötvös Loránd Universität nach Budapest eingeladen. Der Themenschwerpunkt war das späte Mittel- und frühe Jungpaläolithikum zwischen den Alpen und dem Schwarzen Meer.

An den ersten drei Tagen gab es reichlich Vorträge zu den unterschiedlichsten Fundplätzen und Technokomplexen in Osteuropa. Dabei sind nicht nur die Archäologie, sondern auch andere Disziplinen, wie z.B. die Geologie oder Paläoklimatologie vertreten. Begonnen wurde am Dienstag mit Präsentationen zum Thema Alt- und Mittelpaläolithikum. Nachmittags fand die Posterausstellung statt. Die Forscher stellen hier ihre Fragestellungen oder Analysen auf einem Poster vor. Am zweiten Tag folgten dann die Vorträge zum Themenschwerpunkt und am dritten Tag die Präsentationen zum Jungpaläolithikum und Mesolithikum.

Prof. Dr. Weniger, Dr. Andreas Pastoors, Dr. Yvonne Tafelmaier, Viviane Bolin und Henning Hundsdörfer waren dieses Jahr als Vertreter des Neanderthal Museums auf der Tagung dabei. Dr. Pastoors stellte Ergebnisse seiner langjährigen Forschungen zur Territorienbildung und Landnutzung der Jäger- und Sammlergruppen anhand der jungpaläolithischen Kleinkunstfunde aus Höhlen der französischen Pyrenäen vor. Zusammen mit Dr. Tafelmaier stellten sie ein Poster zum Schwerpunktthema des Sonderforschungsbereiches der Universität zu Köln vor (SFB 806 – Our Way to Europe). Dabei diskutierten sie die theoretischen Rahmenbedingungen einer Kontaktaufnahme zwischen verschiedenen Menschengruppen während der Eiszeit über die Meerenge bei Gibraltar nach Nordafrika. Viviane Bolin stellte auf einem Poster ihre Analysen zur Verbreitung der eiszeitlichen Kunstfundplätze in Spanien vor und Henning Hundsdörfer die Ergebnisse der Ausgrabungen in Troisdorf-Ravensberg (s. Blogbeitrag vom 24.08.2015).

An den letzten beiden Tagen finden gewöhnlich Exkursionen statt. Dieses Jahr besuchten die Tagungsteilnehmer mehrere mittelpaläolithische Fundstellen. Zum einen Vértesszölös und Tata, zwei ausgetrocknete Becken ehemaliger heißer Quellen, die von Neanderthalern aufgrund der optimalen Bedingungen als Siedlungsplatz genutzt wurden. In Tata konnten die Archäologen außerdem ein geologisches Freilichtmuseum besichtigen, dessen Steinformationen und Fossilien bis in das erdgeschichtliche Zeitalter der Trias (250-200 Millionen Jahre) zurückreichen.

Zum anderen kletterte die Gruppe bis zur Jankovich Höhle in Bajót hinauf und genoss den Ausblick auf die weite Ebene. In Paks und Dunaföldvár konnten die Mitglieder der Gesellschaft sich außerdem noch zwei Lössprofile anschauen, die wichtige Sedimentabflogen der Gegend aufzeigen und mit deren Hilfe Aussagen über Auswirkungen regionaler Klimaveränderungen getroffen werden können. Als Abschluss besichtigte die Gruppe noch das römische Kastell Lussonium und ein Dorf mit Grabhügellandschaft aus der Bronze- und Eisenzeit in Százalombatta.

Grüße

Viviane Bolin

PS: Wie immer können die Forschungsreisen der Wissenschaftler des Museums auch auf Twitter live miterlebt werden, sogar ohne Anmeldung!

#architectureMW – Neanderthal Museum

„Der Mensch ist mehr, als er von sich weiß. Er ist nicht, was er ein für alle Mal ist, sondern er ist der Weg.“ Mit diesen Worten eröffnete der damalige Ministerpräsident Dr.h.c. Johannes Rau am 10. Oktober 1996 – genau einhundertvierzig Jahre nach der Entdeckung der ersten Neanderthaler-Knochen im gleichnamigen Tal – das neue Neanderthal Museum in Mettmann und sprach damit bereits einen Kernaspekt der pädagogischen Gestaltung des Museums an. Im Jahr 2006, auf Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse überarbeitet und aktualisiert, thematisiert die Dauerausstellung des Museums, wie sich bereits aus dem Namen des Museums erahnen lässt, in seinem Schwerpunkt jedoch vor allem den in der menschlichen Evolutionsgeschichte neben Homo sapiens sapiens existierenden Homo sapiens neanderthalensis.

Zusätzlich vermittelt das Museum jedoch auch andere human-biologische und anthropologische Erkenntnisse zur Entwicklungsgeschichte des Menschen. Von den frühesten Anfängen in der Savanne bis zu den hochentwickeltsten Techniken des Jetzt-Menschen wird den Besuchern auf 1.200 m² mithilfe von lebensechten Figuren, die auf Basis von Originalfunden rekonstruiert wurden, multimedialen Inszenierungen, Hörerlebnissen und den klassischen Medien, wie Exponaten und Lesetexten, die Forschungsgeschichte aus Archäologie und Paläoanthropologie näher gebracht. Im Anschluss an die Dauerausstellung, die sich in die fünf Themengebiete „Leben und Überleben“, „Werkzeug und Wissen“, „Mythos und Religion“, „Umwelt und Ernährung“, „Kommunikation und Gesellschaft“ einteilen lässt, ist in dem 250 m² großen Untergeschoss des Gebäudes die ca. drei- bis viermal jährlich wechselnde Sonderausstellung untergebracht. Das Gebäude in Form „eine[r] langsam aus der Erde ansteigende[n] Rampe, die sich über vier Ebenen erstreckt – [deutet bereits auf das] Sinnbild (…) allen Lebens – der spiralförmigen Doppelhelix“, Zeichen für die Evolution und ihre Unendlichkeit.

Ursprünglich war diese, beim ersten Eindruck eher plump wirkende Form, als zweiter Platz des Architekturwettbewerbs tituliert worden, welchen die Stiftung Neanderthal Museum für den Neubau beworben hatte. Der Entwurf von Günter Zamp Kelp, Juluis Krauss und Arno Brandhuber gewinnt jedoch nach einer Überplanung vor dem ursprünglichen Siegerbüro. Der geschlossene Betonkörper, mit einer Fassade aus Japanglas gewann in den Folgejahren zahlreiche Architekturwettbewerbe und begeistert in einer speziellen Architekturführung zahlreiche Besucher.

Neben Dauer- und Sonderausstellung im Museumsgebäude bildet die Museumspädagogik, untergebracht in der ca. 500 m vom Museum entfernt liegenden Steinzeitwerkstatt, einen weiteren Schwerpunkt der musealen Vermittlungsarbeit. Die parkähnlich gestaltete Fundstelle eröffnete im Jahr 2002 ihre Pforten, nachdem durch Ausgrabungen in den Jahren 1997 und 2000 die ehemalige Topografie des Fundgeländes (Feldhofer Grotte) rekonstruiert werden konnte. Der Kunstweg „Menschenspuren“ sowie das „Eiszeitliche Wildgehege“ ermöglichen es den Besuchern, auch außerhalb der Öffnungszeiten des Museums die Spuren der Evolutionsgeschichte im Neandertal zu verfolgen.

 

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Neue archäologische Ausgrabung im Abri Peña Capón (Zentralspanien)

Dr. Manuel Alcaraz-Castaño ist Marie Skłodowska-Curie-Stipendiat mit dem Projekt “Testing population hiatuses in the Late Pleistocene of Central Iberia: a geoarchaeological approach” (s. Blogbeitrag 29. Juli 2015) und arbeitet zurzeit als Wissenschaftler im Neanderthal Museum. Ende letzten Jahres führte er im Nordwesten der Guadalajara Provinz in Zentralspanien, zusammen mit Dr. Javier Alcolea von der Alcalá Universität in Spanien und anderen spanischen Forschern, eine Ausgrabung durch. Das Projekt wird von Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger, dem Direktor des Neanderthal Museums, mitbetreut und von Dr. Martin Kehl aus dem Institut für Geographie der Universität zu Köln unterstützt.

Es handelt sich um die vierte Kampagne einer Serie von Ausgrabungskampagnen an drei spätpleistozänen Fundplätzen in Gualdajara. Neben Peña Capón waren auch die Höhle Los Casares und der Abri Peña Cabra Gegenstand von Ausgrabungen in den Jahren 2014 und 2015.

In Peña Capón ist eine wichtige jungpaläolithische Schichtenabfolge dokumentiert. 1970 wurde dort eine unsystematische Ausgrabung durchgeführt. Unglücklicherweise wurden die Ergebnisse dieser Kampagne nie veröffentlicht. Daher waren die Informationen über diesen Fundplatz seitdem immer unvollständig. Außerdem ist der Zugang zum Fundplatz sehr schwierig, da der Abri im Bereich des Beleña Damm liegt und daher sehr oft überflutet ist. Nach langer Wartezeit waren die Bedingungen im Herbst 2015 besonders günstig, um die lang ersehnte intensive Ausgrabung an diesem Fundplatz durchzuführen.

Die Schichtenabfolge in Peña Capón besitzt keine Parallelen aus dem Hinterland der Iberischen Halbinsel, wo die Fundplätze eher im Magdalénien besiedelt waren. Im Gegenteil, Peña Capón zeigt eine Abfolge von mehreren Besiedlungsschichten aus dem Solutréen, Proto-Solutréen und vielleicht sogar Gravettien. Diese Schichtenabfolge und die sehr gute Erhaltung des archäologischen Materials (bestehend aus Lithik, Fauna und Holzkohle) machen aus Peña Capón eine wichtige Fundstelle, um die Interaktionen des Menschen mit seiner Umwelt und die Populationsdynamiken während des späten Pleniglazials im Hinterland der Iberischen Halbinsel zu erforschen.

Die Ausgrabung in Peña Capón fand vom 19. Oktober bis 16. November 2015 statt. Ähnlich wie beim mittelpläolithischen Fundplatz Peña Cabra war der Zugang zum Abri nur mit einem Boot möglich. Das Ziel der Ausgrabung in Peña Capón war es, bisher fehlende Daten zur Chronologie, Paläoumwelt und moderner Geomorfologie zu sammeln. Daher war diese Kampagne auf die Entschlüsselung der Formationsprozesse des Fundplatzes, auf die Abfolge der menschlichen Besiedlungen in den archäologischen Schichten und die Beziehung zwischen Umweltveränderungen und technologisch-wirtschaftlichem Verhalten der Menschen fokussiert. Um diese Informationen zu erhalten, öffnete das Team einen 6 Quadratmeter großen Schnitt und dokumentierten eine große Anzahl an archäologischen Objekten (hauptsächlich Steinwerkzeuge und Tierknochen). Außerdem wurden Proben für Mikromorphologie, Sedimentologie, Radiokarbondatierung (Holzkohle und Knochen) und Pollenanalysen genommen. All diese Untersuchungen werden im Laufe des Jahres 2016 in verschiedenen Laboren in Deutschland und Spanien, u.a. Neanderthal Museum, Universität zu Köln und Universität Alcalá, untersucht.

Bis dahin!

Manuel Alcaraz-Castaño

(Übersetzt von Viviane Bolin)

 

Bärenkult und Schamanenzauber in Frankfurt

Im Dezember 2015 eröffnete eine Schamanenausstellung im Archäologischen Museum Frankfurt. Die selbstkonzipierten Ausstellungen des Neanderthal Museums wandern gerne mal in andere Museen und Städte. Herr Dr. Wamers, Direktor des Frankfurter Museums, übernahm einen Teil unserer Ausstellung, die wir zusammen mit den Reiss-Engelhorn Museen in Mannheim kreiert haben, und gab ihr einen neuen Fokus. Hier geht es nicht mehr um den Lebenslauf eines sibirischen Schamanen (s. Blogbeitrag zu Schamanen – Jäger und Heiler Sibiriens), sondern um die schamanischen Kultzeremonien, bei denen Bären, Hirsche und Elche im Schwerpunkt stehen. Die Hauptdarsteller sind nun verschiedene Völker Skandinaviens und Russlands, die seit jeher Rituale wie Bärenbestattungen und rituelle Tötungen vornehmen.

Nach einem kleinen Rückblick in die Altsteinzeit – Bären und Hirsche in der Höhlenkunst, Bärenkult bei den Neanderthalern? – werden die Rituale der Mittelsteinzeit beleuchtet. Einerseits wurden Menschen, vielleicht Schamanen?, mit Hirschgeweihen und Hirsch- oder Elchfiguren aus Speckstein oder anderen Materialien bestattet; andererseits haben die Menschen dieser Zeit Bärenknochen genauso sorgsam wie Menschenknochen „bestattet“. Weiterhin beschäftigt sich die Ausstellung mit dem Bärenkult der Lappen in anschaulichen Bildern, Filmen und Texten. Die Schamanen Sibiriens werden mit einer prächtigen Schamanentracht und vielen Amuletten und einer Trommel gezeigt. Es gibt sogar eine Ecke mit Bärenfell, Knochen und Geweihen zum Anfassen.

Die Eröffnung fand in sehr feierlicher Atmosphäre in der Kirche des ehemaligen Karmeliterklosters statt. Neben verschiedenen Reden von Direktor Wamers, dem Vertreter des schwedischen Botschafters, einer norwegischen Professorin und einem Vertreter der Stadt Frankfurt trat auch ein samischer Künstler auf, der den Kehlkopfgesang Joik beherrscht und das Publikum mit verschiedenen Joik-Versionen vom Bären, Hirsch und dem Wind in Trance versetzte.

Die Sonderausstellung und ein umfangreiches museumspädagogisches Programm ist bis Ende März im Archäologischen Museum in Frankfurt zu besichtigen.

Grüße

Viviane Bolin

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Ausgrabungskampagne in Malaga Teil 2

In der letzten Novemberwoche sind die Wissenschaftler des Neanderthal Museums für eine zweite kurze Ausgrabungskampagne in der Höhle Ardales erneut nach Malaga aufgebrochen (s. Blogbeitrag erste Kampagne).

Ziel war es diesmal, in einer anderen Zone zu graben und nach Spuren des Menschen Ausschau zu halten. Im September hatten wir in Zone 5, einem Bereich mit Höhlenmalerei, drei Quadratmeter geöffnet und nach Werkzeugen oder ähnlichen Hinterlassenschaften gesucht. Im November haben wir nun in Zone 2 an einem Hang gegraben, um das Schichtenprofil genauer zu untersuchen. Natürlich waren wir sehr erfreut, viele Steinwerkzeuge aus dem Jungpaläolithikum zu finden. Außerdem haben wir neue Einblicke in die Schichtenbildung an dieser Stelle gelernt. Zwischen den Erdschichten bilden sich in Höhlen häufig sehr dicke Sinterschichten, die wir hier sogar mit einer Flex durchsägen mussten!

Nach einer knappen Woche Ausgrabung und Fundbearbeitung sind wir nun wieder im Museum angekommen. Der nächste Schritt ist nun, die beiden Kampagnen von 2015 aufzuarbeiten und zusammenfassend zu veröffentlichen. Aber keine Angst, die nächste Ausgrabung wartet schon im Frühjahr auf uns.

Bis dahin!

Grüße

Viviane Bolin

2. Tag der Forschung im Neanderthal Museum

Wollten Sie nicht schon immer wissen, wie Archäologen arbeiten?

Wo genau kriegen sie eigentlich ihre Antworten her? Was für Methoden gibt es?

Am Sonntag, 15. November 2015, findet im Neanderthal Museum der 2. Tag der Forschung statt. Hier können Sie ganz unverblümt alles erfragen, was Sie an der archäologischen Forschung schon immer interessiert hat. So erfahren Sie, wo und vor allem wie momentan auf der Welt geforscht wird. Denn die Wissenschaftler von der Universität Köln, Bonn und Aachen und die wissenschaftlichen Kollegen Neanderthal Museums stellen ihre aktuellen Projekte vor. Nicht nur Archäologen, sondern auch Experten aus anderen Fachbereichen – wie Geologie, Geografie, Datierungsmethoden, Klimaforschung -, die eng mit den Archäologen zusammen arbeiten, werden vor Ort sein!

Wir präsentieren echte Steinwerkzeuge zum Anfassen aus Marokko, einen Simulator für Tsunamiphänomene, Projekte zu steinzeitlicher Höhlenkunst, unseren eigenen 3D Scanner aus dem Haus und vieles mehr für Groß und Klein!

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann schauen Sie doch mal vorbei. Am Sonntag, 15. November, von 11 bis 16 Uhr im Neanderthal Museum.

Ab Montag gibt es außerdem spannende Rätselfragen auf Facebook! Viel Spaß

Grüße

Viviane Bolin

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Spannende Untersuchungen eiszeitlicher Felskunst auf Sizilien

Seit November 2014 schreibt Gianpiero di Maida am Graduiertenzentrum an der Universität Kiel seine Dissertation u.a. über Aspekte der späteiszeitlichen Felskunst auf Sizilien. Auf der Insel ist eine Reihe von Bilderhöhlen, die dem Epigravettien (auf Sizilien zwischen 15.500 und 12.000 Jahren vor heute) zugeordnet werden, bekannt.

Im Rahmen der Dissertation soll ein Teil dieser Fundstellten auf den aktuellen Stand der Forschung gebracht werden. Hierzu zählt u.a. die präzise Dokumentation der Felsbilder mit hochauflösenden 3D-Scans.

Das Neanderthal Museum hat dieses spannende Forschungsprojekt von Beginn an unterstützt. Bereits im Jahr 2012 wurden in der Grotta di Cala dei Genovesi Felsbilder gescannt.

Jetzt war der 3D-Scanner wieder auf Sizilien im Einsatz. Diesmal hatten wir die außergewöhnliche Gelegenheit, Gravierungen in der Grotta dell’Addaura nahe bei Palermo zu dokumentieren. Die Höhle ist vor allem für die Darstellungen von anthropogenen Figuren bekannt, die in der Eiszeitkunst in Europa ihresgleichen suchen.

In einem ersten Arbeitsschritt wurde das komplette Bildfeld mit einer Fläche von rund 3m x 2,5m mit einer Auflösung von 0,35mm pro Pixel aufgenommen. Dazu sind über 130 Einzelscans notwendig, die dann zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden. Details zur Rekonstruktion der Biographie des Bildfeldes wurden an sieben verschiedenen Stellen mit einer Auflösung von 0,1mm pro Pixel gescannt. Auf diese Weise können Überlagerungen von Linien, Aussplitterungen bzw. Beschädigungen sehr gut sichtbar gemacht und untersucht werden.

Das Scannen selbst bedurfte oft Improvisationskunst, denn das Gerät muss mit einem Abstand von 70cm möglichst im rechten Winkel zu der zu scannenden Fläche in Position gebracht werden. Nicht ganz leicht, bei einem solch großen Bildfeld.

Die gescannten Feldbilder werden nun im Anschluss an ihre Nachbearbeitung und Auswertung in der NESPOS-Datenbank abgelegt werden.

Im Anschluss an die Scanarbeiten wurden durch das Team um João Zilhão (Universität Barcelona) und Dirk Hoffmann (Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig) Gravierungen überlagernde Kalzitschichten beprobt, um mittels naturwissenschaftlicher Datierungsverfahren ein Minimalalter für der Felsbilder zu bekommen.

Mit bestem Gruß, Andreas Pastoors

 

 

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Grabungskampagne im September in Málaga

Im Monat September hat ein Team von Wissenschaftlern aus dem Neanderthal Museum und der Universität zu Köln gemeinsam mit spanischen Kollegen der Universität Cadiz (Spanien) ein vierwöchige Ausgrabungskampagne an den paläolithischen Fundplätzen Cueva de Ardales und Sima de Las Palomas in Malaga (Südspanien) durchgeführt (s. Blog vom 27. August 2015).

Das relativ große Team, bestehend aus 6 Spaniern und 6 Deutschen, konnte parallel an beiden Fundstellen ausgraben. Zunächst wurde die Fundstelle Sima de Las Palomas „grabungsfertig“ gemacht (Gestrüpp und Steine entfernen, die erste Oberflächenschicht abgraben und durchsieben). Nachdem die zu grabenden Quadrate ausgemessen und das meiste Oberflächensediment gesiebt war, konnte nun die richtige Ausgrabung losgehen. Der Fundplatz liegt an einem windigen Hang und ist der Sonne und Hitze ab ca. 12.30 Uhr komplett ausgesetzt, weshalb die Grabungsarbeiten schon um 14.00 Uhr endeten und mit der Fundbearbeitung begonnen wurde. Das Ziel dieser Grabung war, den Bereich vor der Felswand des 9m tiefen Erdloches (spanisch: Sima) zu erkunden und herauszufinden, ob und wann die Menschen dort gesiedelt haben. Die große Hoffnung ist es natürlich, mittel- und jungpaläolithische Schichten zu entdecken und dokumentieren. Dem Ziel sind wir ein kleines bisschen näher gekommen, aber in der nächsten Kampagne 2016 werden wir dann noch weiter und tiefer graben, um die Schichten mit Material aus der Steinzeit zu erreichen.

In der Höhle Ardales sahen die Aufgaben ein wenig anders aus. Das Ziel dieser Grabung war die Suche nach den kleinsten Spuren, die der steinzeitliche Besucher auf seinen Erkundungstouren durch die Höhle vielleicht hinterlassen hat. Dafür wurden in einer Zone, in der sich auch Höhlenmalerei befindet, mehrere Quadrate geöffnet und nach den kleinsten Werkzeugen und anderen Artefakten Ausschau gehalten. Auch hier haben wir einen guten Anfang gemacht und die Grabungen werden im November diesen Jahres und auch nächstes Jahr fortgesetzt.

Aber natürlich gibt es nicht nur Arbeit, sondern auch in bisschen Vergnügen. An unseren freien Tagen haben wir bekannte Fundplätze dieser Gegend besucht, wie z.B. die Bilderhöhlen Nerja und La Pileta.

In der letzten Woche sind wir dann auf dem Caminito del Rey, einem bekannten und gerade wieder neueröffneten Klettersteig, gewandert und haben die atemberaubende Landschaft bewundert.

Das Team war während der Kampagne sehr nett in einem Campingplatz in der Nähe des kleinen Dorfes Ardales untergebracht, direkt am Stausee mit seinem blaugrünen Wasser und seiner atemberaubenden Uferlandschaft, und manch einer hat sich nach der Arbeit eine wohlverdiente Abkühlung im See gegönnt.

Die Kommunkation und Zusammenarbeit mit dem spanischen Team lief selbst mit kleineren kleineren Sprachschwierigkeiten einwandfrei ab und wir freuen uns, bald wieder zusammen in Malaga zu arbeiten.

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Bis dahin,

Grüße

 

Viviane Bolin