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SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Die letzten Neanderthaler in Zentralspanien: die Erforschung des archäologischen Fundplatzes ‚Abrigo del Molino‘ (Segovia)

Der archäologische Fundplatz “Abrigo del Molino” wurde 2012 entdeckt und wird seitdem im Rahmen des multidisziplinären Forschungsprojektes “Primeros Pobladores de Segovia” (Die ersten Siedler Segovias) erforscht, welches die Landesregierung in Castilla und León finanziert. Abrigo del Molino liegt im Tal des Eresma-Flusses, einem Nebenfluss des Douro, in der Nähe der Stadt Segovia in Zentralspanien. Es handelt sich um einen Felsvorsprung, der im Fluviokarst entstand und komplett mit Sediment gefüllt war. Unglücklicherweise wurden Teile des archäologischen Fundplatzes in den frühen 1980er Jahren durch die Legung von Abwasserrohren zerstört. Daraufhin waren die Sedimente fast 20 Jahre den Umweltbedingungen ausgesetzt, bevor Feuersteinartefakte und Knochenreste dort zum Vorschein kamen.

Seit Juli 2013 haben bereits vier Kampagnen stattgefunden. Die Leiter der Ausgrabungen, David Álvarez-Alonso, María de Andrés-Herrero und Andrés Díez-Herrero, arbeiten eng mit dem Sonderforschungsbereich SFB-806 „Our Way to Europe“ der Universität zu Köln und dem Neanderthal Museum zusammen, z.B. bei der Analyse der Mikromorphologie und der OSL- und Radiokarbondatierungen.

Als die Ausgrabungen begannen, schätzten die Forscher Abrigo del Molino als wichtigen Ort für die lokale Geschichte ein, da es sich um die älteste Besiedlung bei Segovia handelte. Von einem regionalen Standpunkt aus gesehen, ist es der einzige Fundplatz mit guter Stratigraphie in der Gegend nördlich des Iberischen Scheidegebirges. Dort sind bisher nur wenige Freilandfundstellen mit Mousterien-Besiedlungen (mittelpaläolithische Werkzeugkultur des Neanderthalers) bekannt. Heute ist dieser außergewöhnliche Fundplatz dank der neusten Datierungsergebnisse eine der wichtigsten Neanderthalerbesiedlungen der Iberischen Halbinsel und Südwesteuropas. Denn Abrigo del Molino zeigt die jüngste, chronologisch gut eingeordnete Schichtenabfolge mit Hinterlassenschaften des Neanderthalers in Zentralspanien.

Der Zeitpunkt, an dem die letzten Neanderthalerpopulationen von der Iberischen Halbinsel verschwanden, wird in der paläolithischen Archäologie viel diskutiert. Daher sind sorgfältige und genaue Datierungen von Neanderthalerfundplätzen entscheidend für die Frage, ob die Neanderthaler verschwanden, bevor der anatomisch moderne Mensch auf der Iberischen Halbinsel einwanderte, oder ob beide dort zeitglich nebeneinander lebten und sich möglicherweise auch dort vermischten – so wie es bisher nur aus Osteuropa und Westasien anhand von genetischen Untersuchungen nachgewiesen ist.

Basierend auf den neuen Radiokarbondatierungen sind die Schichten im Abrigo del Molino zwischen 42,000 und 44,000 Jahre alt, d.h. es handelt sich hierbei um die jüngste Neanderthalerbesiedlung in Zentraspanien. Das bedeutet einerseits, dass die Neanderthaler noch in Zentralspanien lebten, als anatomisch moderne Menschen zunächst in Nordspanien einwanderten – die ältesten Spuren des modernen Menschen stammen aus der Höhle El Castillo in Kantabrien. Andererseits zeigt es auch, dass die Neanderthaler in Zentralspanien früher verschwanden als im Süden der Halbinsel. Die letzten Spuren des Mousterien datieren in den südspanischen und portugiesischen Fundstellen Cueva Antón, Gruta da Oliveira und Foz do Enxarique auf zwischen 35,000 und 37,000 Jahre.

María de Andrés-Herrero

(aus dem Englischen übersetzt von Viviane Bolin)

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Grabungskampagne im September in Málaga

Im Monat September hat ein Team von Wissenschaftlern aus dem Neanderthal Museum und der Universität zu Köln gemeinsam mit spanischen Kollegen der Universität Cadiz (Spanien) ein vierwöchige Ausgrabungskampagne an den paläolithischen Fundplätzen Cueva de Ardales und Sima de Las Palomas in Malaga (Südspanien) durchgeführt (s. Blog vom 27. August 2015).

Das relativ große Team, bestehend aus 6 Spaniern und 6 Deutschen, konnte parallel an beiden Fundstellen ausgraben. Zunächst wurde die Fundstelle Sima de Las Palomas „grabungsfertig“ gemacht (Gestrüpp und Steine entfernen, die erste Oberflächenschicht abgraben und durchsieben). Nachdem die zu grabenden Quadrate ausgemessen und das meiste Oberflächensediment gesiebt war, konnte nun die richtige Ausgrabung losgehen. Der Fundplatz liegt an einem windigen Hang und ist der Sonne und Hitze ab ca. 12.30 Uhr komplett ausgesetzt, weshalb die Grabungsarbeiten schon um 14.00 Uhr endeten und mit der Fundbearbeitung begonnen wurde. Das Ziel dieser Grabung war, den Bereich vor der Felswand des 9m tiefen Erdloches (spanisch: Sima) zu erkunden und herauszufinden, ob und wann die Menschen dort gesiedelt haben. Die große Hoffnung ist es natürlich, mittel- und jungpaläolithische Schichten zu entdecken und dokumentieren. Dem Ziel sind wir ein kleines bisschen näher gekommen, aber in der nächsten Kampagne 2016 werden wir dann noch weiter und tiefer graben, um die Schichten mit Material aus der Steinzeit zu erreichen.

In der Höhle Ardales sahen die Aufgaben ein wenig anders aus. Das Ziel dieser Grabung war die Suche nach den kleinsten Spuren, die der steinzeitliche Besucher auf seinen Erkundungstouren durch die Höhle vielleicht hinterlassen hat. Dafür wurden in einer Zone, in der sich auch Höhlenmalerei befindet, mehrere Quadrate geöffnet und nach den kleinsten Werkzeugen und anderen Artefakten Ausschau gehalten. Auch hier haben wir einen guten Anfang gemacht und die Grabungen werden im November diesen Jahres und auch nächstes Jahr fortgesetzt.

Aber natürlich gibt es nicht nur Arbeit, sondern auch in bisschen Vergnügen. An unseren freien Tagen haben wir bekannte Fundplätze dieser Gegend besucht, wie z.B. die Bilderhöhlen Nerja und La Pileta.

In der letzten Woche sind wir dann auf dem Caminito del Rey, einem bekannten und gerade wieder neueröffneten Klettersteig, gewandert und haben die atemberaubende Landschaft bewundert.

Das Team war während der Kampagne sehr nett in einem Campingplatz in der Nähe des kleinen Dorfes Ardales untergebracht, direkt am Stausee mit seinem blaugrünen Wasser und seiner atemberaubenden Uferlandschaft, und manch einer hat sich nach der Arbeit eine wohlverdiente Abkühlung im See gegönnt.

Die Kommunkation und Zusammenarbeit mit dem spanischen Team lief selbst mit kleineren kleineren Sprachschwierigkeiten einwandfrei ab und wir freuen uns, bald wieder zusammen in Malaga zu arbeiten.

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Bis dahin,

Grüße

 

Viviane Bolin

 

Der Ruf des Neanderthalers

Da bin ich. Im Neandertal. An „dem“ Fundort des wohl bekanntesten und beliebten Urmenschen. Im Ruhrgebiet aufgewachsen, faszinierten und fesselten mich schon als i-Dötzchen im Sachkundeunterricht Bilder von mini Menschen, die mega Mammute jagten. Aufregende Ur- und Frühgeschichte. Das sollte es dann auch im Studium sein. Zwar habe ich die Neanderthaler im Studium an der Philipps- Universität Marburg wieder aus den Augen verloren, aber nie das Interesse an ihnen. Nach dem Studium folgten sechs Jahre vagabundenhaftes Leben auf Ausgrabungen, bei denen ich mich quer durch Hessen, Dresden und Münster gegraben habe, bis ich 2011 schließlich im Museum gelandet bin. Und bei den Neanderthalern. Im Staatlichen Museum für Archäologie Chemnitz (smac) hatte ich die Chance mich ausgiebig mit den frühen Menschen und den Tieren und Pflanzen der Eiszeit zu beschäftigen. Ich habe ausgestopfte Elche geknutscht und den „gläsernen Neandertaler“ zum Strahlen gebracht. Fast 3 Jahre lang durfte ich die Dauerausstellung im smac mitgestalten und ihre Entstehung bis zur Museumseröffnung im Mai 2014 mit Freude, Spaß, Schweiß und Tränen begleiten. In Sachsen, fernab von der Heimat, hatte mich der Neanderthaler wieder in seinen Bann gezogen – und er rief nach mir. Also habe ich die Zelte in Sachsen im Juni abgebrochen und folgte dem Ruf ins Neandertal. Da bin ich nun wieder. Daheim. Zurück im 1Live- Sektor. Dort, wo die Eierkuchen Pfannkuchen heißen und die Pfannkuchen Berliner. Dort, wo es Viertel nach 9 ist und nicht Viertel 10 und meine neuen Kollegen schon früh morgens durch ihre rheinische Frohnatur gute Laune verbreiten. Hier bin ich angekommen und freue mich auf eine schöne und spannende Zeit!

Die spannende Zeit hat schon mit dem ersten Tag hier begonnen, als ich mit meinen zukünftigen Aufgaben im Neanderthal Museum bekannt gemacht worden bin. „Ausstellungsmanagement“. Hinter diesem Wort steckt eine Fülle an Aufgaben. Es dreht sich also alles um die Ausstellung(en). Genauer gesagt bin ich für die Pflege und Aktualisierung der Dauerausstellung zuständig. Die Besucher sollen ja eine möglichst attraktive, funktionierende und aktuelle Ausstellung präsentiert bekommen.

Darüber hinaus werde ich die kommenden Sonderausstellungen „Fleisch! Jäger, Fischer, Fallensteller in der Steinzeit“ (22.11.2014- 15.03.2015) und die Fotoausstellungen „Pferde“ (28.3.- 21.6.2015) und ARCHITEKTER (27.6. -01.11.2015) organisatorisch begleiten. Diese Ausstellungen sind nicht vom Neanderthal Museum konzipiert worden und werden als Leihausstellungen im Haus gezeigt.

Meine größte Aufgabe ist jedoch die Konzipierung und Umsetzung einer eigenen Sonderausstellung zum Thema „Zwerge und Riesen“, die vom 21.11. 2015- 01.05.2016 im Neanderthal Museum zu sehen sein wird. Neben der Themenrecherche kümmere ich mich auch um die räumliche Gestaltung der Ausstellung sowie die Auswahl passender Objekte und Bilder. Auch das Schreiben der Ausstellungstexte liegt in meiner Hand. Zusammen mit Experten werden Grafik und Medien gestaltet. Mit der Ausstellung „Zwerge und Riese“ schließt sich der Kreis und wir sind wieder am Anfang. Fast schicksalshaft scheine ich den Zwergen (mini Menschen) und den Riesen (mega Mammute) meine Aufmerksamkeit zu schenken. Doch in der Ausstellung wird es weit mehr zu sehen geben, als es das Augenscheinliche vermuten lässt. Man darf gespannt sein…….

Viele Grüße aus dem Neandertal

Melanie Wunsch