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Von wegen Bürojob – Ausstellungsaufbau im Museum

Mein Name ist Sophie. Ich habe letztes Jahr mein Abitur mit 17 Jahren absolviert, wollte allerdings aufgrund meines Alters noch nicht sofort anfangen zu studieren. Deshalb habe ich mich beim Neanderthal Museum für ein Praktikum beworben.

In den ersten zwei Wochen meines vierwöchigen Praktikums habe ich beim Aufbau für die Sonderausstellung „DUCKOMENTA – Die Enten kommen zurück“ mitgeholfen.

Dafür musste die alte Ausstellung „Zwerge & Riesen“ natürlich erst abgebaut werden.
Dies bedeutete: viel schrauben, schleppen und Klebereste von den Wänden abkratzen.

Als schließlich alles verstaut und verpackt war kamen auch schon die DUCKOMENTA-Exponate aus Mannheim an. Unzählige Kisten und Boxen in allen Formen und Größen stapelten sich von dem Sonderausstellungsbereich bis ins Auditorium.

Zuerst wurde kontrolliert, ob denn auch alles angekommen und in gutem Zustand ist.
Dann wurden einige Exponate schon einmal in die Ecken verschoben, wo sie nachher stehen sollten.

 

Es gab viel zu tun:

  • manche Vitrinen mussten geputzt und von Ruß befreit werden, wiederum andere wurden schon aufgebaut und ausgerichtet
  • Kabel für Bilder und Banner wurden von den Decken abgehängt
  • Schilder wurden geklebt
  • Gitter mussten abgeschrubbt und in der Dauerausstellung verhangen werden
  • Bilder mussten sowohl an die Gitter, als auch an Drahtseile gehangen werden
  • Hintergründe für die Vitrinenwände wurden beklebt
  • und vieles mehr…

Natürlich haben alle fleißig mitgeholfen. Durch die gute Teamarbeit und das gemeinsame Anpacken konnten wir die Ausstellung sogar noch fast einen kompletten Tag vor der Eröffnung fertigstellen.

Als schließlich alles stand und nur noch Kleinigkeiten zu tun waren, konnte ich kaum fassen wie schnell doch alles vorübergegangen war.

Viele Grüße aus dem Museum

Sophie

Bärenkult und Schamanenzauber in Frankfurt

Im Dezember 2015 eröffnete eine Schamanenausstellung im Archäologischen Museum Frankfurt. Die selbstkonzipierten Ausstellungen des Neanderthal Museums wandern gerne mal in andere Museen und Städte. Herr Dr. Wamers, Direktor des Frankfurter Museums, übernahm einen Teil unserer Ausstellung, die wir zusammen mit den Reiss-Engelhorn Museen in Mannheim kreiert haben, und gab ihr einen neuen Fokus. Hier geht es nicht mehr um den Lebenslauf eines sibirischen Schamanen (s. Blogbeitrag zu Schamanen – Jäger und Heiler Sibiriens), sondern um die schamanischen Kultzeremonien, bei denen Bären, Hirsche und Elche im Schwerpunkt stehen. Die Hauptdarsteller sind nun verschiedene Völker Skandinaviens und Russlands, die seit jeher Rituale wie Bärenbestattungen und rituelle Tötungen vornehmen.

Nach einem kleinen Rückblick in die Altsteinzeit – Bären und Hirsche in der Höhlenkunst, Bärenkult bei den Neanderthalern? – werden die Rituale der Mittelsteinzeit beleuchtet. Einerseits wurden Menschen, vielleicht Schamanen?, mit Hirschgeweihen und Hirsch- oder Elchfiguren aus Speckstein oder anderen Materialien bestattet; andererseits haben die Menschen dieser Zeit Bärenknochen genauso sorgsam wie Menschenknochen „bestattet“. Weiterhin beschäftigt sich die Ausstellung mit dem Bärenkult der Lappen in anschaulichen Bildern, Filmen und Texten. Die Schamanen Sibiriens werden mit einer prächtigen Schamanentracht und vielen Amuletten und einer Trommel gezeigt. Es gibt sogar eine Ecke mit Bärenfell, Knochen und Geweihen zum Anfassen.

Die Eröffnung fand in sehr feierlicher Atmosphäre in der Kirche des ehemaligen Karmeliterklosters statt. Neben verschiedenen Reden von Direktor Wamers, dem Vertreter des schwedischen Botschafters, einer norwegischen Professorin und einem Vertreter der Stadt Frankfurt trat auch ein samischer Künstler auf, der den Kehlkopfgesang Joik beherrscht und das Publikum mit verschiedenen Joik-Versionen vom Bären, Hirsch und dem Wind in Trance versetzte.

Die Sonderausstellung und ein umfangreiches museumspädagogisches Programm ist bis Ende März im Archäologischen Museum in Frankfurt zu besichtigen.

Grüße

Viviane Bolin

Jagdsaison!

 

Das ganze Rheinland scheint diesen Herbst im (steinzeitlichen) Jagdfieber zu sein.

Zum hundertsten Mal (1914-2014) jährt sich der berühmte Fund des späteiszeitlichen, 15.000 Jahre alten Doppelgrabes (mit Hund!) von Bonn-Oberkassel.

Das Bonner LVR-LandesMuseum nimmt das Jubiläum zum Anlass und feiert seine Funde mit einer brandneuen, großen Sonderausstellung:

„Eiszeitjäger – Leben im Paradies. Europa vor 15.000 Jahren“

Wir waren natürlich gespannt! Beate Schneider und ich reisten zur Ausstellungseröffnung am vergangenen Mittwoch.

Schon der Eröffnungsvortrag von Ralf W. Schmitz, der gemeinsam mit Liane Giemsch die Sonderausstellung kuratierte und seines Zeichens Fachreferent für Vorgeschichte am LVR-LandesMuseum Bonn ist, legte die Messlatte hoch.
Ganz klar, hier geht es nicht um die kargen Reste irgendwelcher altsteinzeitlicher Knochen. Es sind Superlative. Zu sehen sind die überdurchschnittlich gut erhaltenen Überreste einer Frau von etwa 25 Jahren und eines etwa 50-jährigen Mannes, in Begleitung des ältesten Hundeskeletts Europas. Die Menschenskelette gehören zu den am besten erhaltenen, kaltzeitlichen Funden des Homo sapiens in Europa. Etwa 15.000 Jahre alt das Ganze (14C-datiert, spätestes Magdalénien / Federmessergruppe).

Gefunden hat man die drei Skelette im Februar 1914 bei Steinbrucharbeiten. Man war sich früh der Bedeutung jenes Fundes bewusst, sicherte die Relikte und versuchte, leider weitestgehend erfolglos, weitere Knochen und Artefakte zu finden. Zwar erschließt sich die genaue Lage der Toten heute nicht mehr aus dem Grabungsbericht, klar ist jedoch, es handelte sich um eine Bestattung mindestens zweier Toter, die darüber hinaus komplett mit rotem pulverisiertem Hämatit bestreut wurden.

Spannend! Und da lag das Gespann nun vor uns. Der Schädel des Mannes wirkt merkwürdig breit. Die junge Frau dagegen eher grazil. Mit modernsten Verfahren – wir im Neanderthal kennen uns ja damit aus – hat man ihre ehemaligen Gesichter rekonstruieren können und den leeren Augenhöhlen wieder etwas Leben eingehaucht. Trotz alledem, ihr Aussehen wirkt archaisch.
Die Toten erhielten auch Beigaben. Darunter ein 20 cm langer Knochenstab mit Tierkopfende, der nach Angabe der Finder am Kopf der Frau lag, dessen Funktion jedoch bis heute unverstanden bleibt. Eine weitere aus Rengeweih geschnitzte Tierfigur hat Ähnlichkeit mit Objekten aus Frankreich und Spanien, die als das verzierte Widerhakenende von Speerschleudern interpretiert werden.

Wie muss man sich ihr Leben nun vorstellen, vor 15.000 Jahren?

Die letzte Kaltzeit neigt sich dem Ende zu. Das eiszeitliche Europa hat jedoch noch wenig mit dem Kontinent gemein, den wir heute kennen. Der Meeresspiegel lag etwa 70 m unter dem heutigen Stand, das Wasser gebunden in gigantischen Gletschern. Zwischen Schottland und Norddeutschland erstreckte sich eine riesige Grassteppe, auf der sich Wildpferde, Rentiere, Wisente, Wollnashörner und Mammuts tummelten. Auch den Zusammenfluss von Themse und Rhein muss man sich als spannende Landschaft vorstellen. Und mittendrin Wildbeuter. Jäger und Sammler. Die Menschen jener Zeit (es handelt sich um den Homo sapiens, unsere Menschenart, während der Neanderthaler als solcher zu jener Zeit schon lange von der Erdoberfläche verschwunden war) ernährten sich von den Pflanzen, die sie gezielt sammelten und den Tieren, die sie jagten. Bewaffnet waren sie dabei mit Speerschleudern, einer typischen und äußerst effektiven Jagdwaffe. Abgelöst wurde diese Technologie erst durch Pfeil und Bogen, deren Erfindung sich spätestens zu etwas jüngerer Zeit vollzogen haben muss. Gejagt wurde sicher auch mit Hunden, die zu diesem Zeitpunkt auf eine lange, uns jedoch bisher unbekannte Zuchtlinie zurückblickten, und deren Äußeres noch stark dem des Wolfes ähnelte (erinnert Ihr Euch an unsere „Wölfe“-Ausstellung? Wir hatten jene Hundeknochen zu Gast). Das Fell und Leder der erlegten Tiere wärmte nun als Kleidung die Menschen in dieser phasenweise außerordentlich kalten Zeit. Das Fleisch ernährte sie, die Knochen, das Geweih und das Horn der Tiere nützte zur Herstellung von Werkzeugen aller Art. Feuerstein, gesammelt an Flüssen, dem Meer oder an der Erdoberfläche, diente als Werkstoff zur Herstellung verschiedenster technisch anspruchsvoller Schneide- oder Schabewerkzeuge und stellte damit eine existenzielle Lebensgrundlage dar.

Und rund 15.000 Jahre ist es nun her, dass dort im rechtsrheinischen Bonn-Oberkassel, im direkten Vorfeld einer Basaltsteilwand, eine junge Frau, ein Mann und ein Hund gemeinsam in einem Grab beerdigt wurden, das anschließend mit rotem Hämatit bestreut worden ist. Der Grund für diesen Ritus, der übrigens immer wieder in der Urgeschichte auftritt, ist bis heute unbekannt.

Die Sonderausstellung…

…lässt die BesucherInnen eintauchen in diese Welt. Zu sehen sind neben den originalen Funden aus Bonn-Oberkassel auch weitere Artefakte benachbarter Fundstellen. Darunter die berühmten Fundstellen von Andernach-Martinsberg und Neuwied-Gönnersdorf. Die in Gönnersdorf gefundenen, figürlich verzierten Schieferplatten, die teilweise ausgestellt sind, sorgten weltweit für Aufsehen. Ebenso der ausgegrabene Zeltgrundriss. Bisher nur in Zeichnungen rekonstruiert, kann man eine halbseitige, mit Leder verkleidete Jurte nun in der Ausstellung bewundern. Zum Ausprobieren lädt hier eine späteiszeitliche Kochstelle ein. Die Aufgabe scheint simpel, die Kochgrube muss mit Zutaten gefüllt werden. So sorgt ein hinzugefügtes Plüsch-Rentier für zufriedene Stille, während eine Tomate, die ursprünglich aus Amerika stammt und erst in der Neuzeit nach Europa gelangte, dem Besucher seinen „Kochfehler“ mit einem Signalton verdeutlicht. Und während man durch die beleuchteten Vitrinen mit Artefakten und Tierpräparaten wandelt, gelangt man immer wieder an interaktive Stationen. Mal müssen mit Markasit („Katzengold“) und Feuerstein Funken geschlagen, mal mit einer Feuersteinklinge Leder geschnitten werden und mal kann man an Birkenpech, dem beliebten prähistorischen Kleber schnuppern. Spektakulär auch die Möglichkeit die Speerschleuder praktisch im Museum auszuprobieren und in steinzeitliche Lederkleidung zu schlüpfen.

Ob es sich nun damals um ein „Paradies“ für die Menschen gehandelt hat, wie der Untertitel der Sonderschau verheißt, oder, ob es sich nicht viel mehr um unsere moderne, zivilisationsmüde Projektion handelt, muss dahingestellt bleiben. Sicher ist jedoch, dass das LVR- LandesMuseum in Bonn mit ihren „Eiszeitjägern“ eine erfrischende Vielseitigkeit an den Tag legt, die Spaß an der Steinzeit macht.

Umso mehr freuen wir uns – das Team vom Neanderthal Museum – auf unsere eigene, kommende Sonderausstellung „Fleisch! Jäger, Fischer, Fallensteller in der Steinzeit“, die am 22. November 2014 startet und bis zum 15. März 2015 alles bereithält, was das steinzeitliche Jagdleben mit seiner ganzen Kulinarik zu bieten hatte.

Das Bonner LVR-LandesMuseum hat Appetit gemacht. Das Neanderthal Museum liefert den großen Nachschlag, ab dem 22. November 2014. Wir freuen uns drauf!

 

Mit besten Grüßen aus der Steinzeitwerkstatt

Till Knechtges

Abteilung Bildung und Vermittlung

 

 

Warum gibt es eigentlich einen gähnenden Neanderthaler in Forscherbox Nr. 2 „Leben und Überleben“?

Seit Mitte 2013 kann man immer wieder gähnende Besucher an Forscherbox Nr. 2 beobachten. Warum? Ganz einfach: Die Rekonstruktion des gähnenden Neanderthalers von Studentin Livia Enderli steckt  mit seinem Gähnen an!

http://www.wissen.de/raetsel/wieso-ist-gaehnen-ansteckend

Als Studentin der Züricher Hochschule der Künste untersuchte Livia Gesichtsausdrücke und deren Wirkung auf Menschen. Zudem sollte aus dieser Untersuchung und im Zuge ihrer Bachelorarbeit eine lebensechte Gesichtsrekonstruktion entstehen. Aus ihrer persönlichen Faszination zu dem Fach der Ur- und Frühgeschichte entschied sie sich dazu, ein Gesicht von Homo sapiens neanderthalensis zu modellieren.

Aber warum wurde es ein gähnender Neanderthaler ?

Livia wollte mit ihrer Arbeit ein ganz traditionelles Vorurteil wiederlegen, welches den Neanderthaler als emotionsloses, keulenschwingendes Wesen darstellt. Da Emotionen wie Lachen, Weinen, Wut und Ärger beim Neanderthaler bisher noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen wurden, entschied sie sich dazu, einen gähnenden Neanderthaler nachzubilden. Eine Emotion, die allen Säugetieren von Natur aus gegeben ist – also auch dem Neanderthaler!

Livia wollte ihre Nachbildung jedoch nicht auf traditioneller Weise rekonstruieren, indem über einen Abguss des Originalschädels mit Ton, Wachs oder Silikon modelliert wird, sondern nahm sich vor, eine Rekonstruktion mit der neuesten digitalen Technik zu gestalten.

Auf Grundlage eines 3D-Scans vom Schädel des dreizehnjährigen Jungen aus dem Teshik-Tash-Höhlen in Usbekistan, das Livia vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig zur Verfügung gestellt wurde und auf Grundlage von eigenen Fotostudien gähnender Menschen, fertigte Livia Zeichnungen an, die sich mit Gesichtern und Gesichtszügen von Homo sapiens sapiens und Homo sapiens neanderthalensis beschäftigten.

Auf Grundlage des Schädels vom Neanderthaler-Jungen und den Gesichtszügen heute lebender Menschen entstand nach vielen Skizzen und Versuchen, eine Zeichnung, deren Proportionen genau zu denen des Schädels des Neanderthalers 3D-Scans passte. Die Zeichnung wurde eingescannt und von Livia in das Bildbearbeitungsprogramm „Cinema 4D“ übertragen.

Auf Grundlage der Zeichnung modellierte Livia im nächsten Schritt und mithilfe des Programms, Punkt für Punkt und Polygon für Polygon, das virtuelle Gesicht.

Probleme machte dabei zum Beispiel die Rekonstruktion eines Ohrs, dass jedoch von Livia auf Grundlage eines Bildes aus dem Internet, bestens nachgestellt wurde.

http://de.wikipedia.org/wiki/Cinema_4D

Der fertige digitale 3D-Schädel wurde per 3D-Drucker mit Gips gedruckt und anschließend von Livia in sorgfältiger Handarbeit mit Kunststoff-Harz gehärtet. Um den rekonstruierten Kopf zum stehen zu bekommen, wurde in dem Hohlraum Isolationsmaterial eingeschäumt und ein Kugelgelenk befestigt, an dem ein Metall-Stab angebracht wurde.

Fertig ist die Rekonstruktion!

Doch nicht für Livia. Sie verlieh dem Gesicht noch einen persönlichen Charakter, indem sie im Cinema 4D mit verschiedenen Hauttönen, unterschiedlichem Lichteinfall und verschiedenen Haarfarben experimentierte. Um den verschiedenen Ausprägungen, der nun entstandenen Gesichter, noch mehr Persönlichkeit zu verleihen, druckte sie die Rekonstruktionen aus und überzeichnete sie mit Aquarellfarbe, Tusche oder Bleistift.

Nach Anerkennung des Bachelors war klar: Soviel Arbeit darf nicht in irgendeinem Regal verstauben. Livia nahm Kontakt mit dem Neanderthal Museum auf, welches sie ihr auch bereits in der Ausarbeitung der Rekonstruktion beratend zur Seite stand, und stellte sie für die Ausstellung zur Verfügung.

Wir freuen uns sehr den Besuchern solch eine tolle Rekonstruktion zeigen zu können, zumal das Gähnen den Besucher „ansteckt“ und so eine direkte Verbindung zwischen dem 3D-Druck und dem Besucher entstehen lässt.

Vielen Dank liebe Livia! Und weiterhin viel Erfolg bei deinem Studium!

Falls interessierte Leser mehr über Livia Enderli und ihre Arbeit erfahren wollen, ist hier der Link zu ihrer Website: http://www.liviaenderli.com

Herzliche Grüße aus dem Neandertal

Saskia Adolphy

Britain. One Million Years of the Human Story

Am 11. Februar hatte ich die große Ehre, der Eröffnung der neuen Ausstellung im Natural History Museum in London beizuwohnen: Britain. One Million Years of the Human Story. (http://www.nhm.ac.uk/visit-us/whats-on/temporary-exhibitions/britain-million-years/index.html). Die Eröffnung war ein perfekt inszeniertes Event. Der Ausstellungstitel wurde auf die Fassade des ehrwürdigen Gebäudes projiziert, die große Eingangshalle in rot-grünes Licht getaucht. Statt langweiliger Reden gab es ein Podiumsgespräch mit beteiligten Wissenschaftlern, moderiert von  einer BBC-Moderatorin. Die Ausstellung selbst ist sehr gut gemacht. Einzigartige Exponate sind zu sehen, erstmals ist alles versammelt, was es an Funden und Befunden zur eiszeitlichen Besiedlung Englands gibt. Dazu diverse Medien und überaus knackige Texte. Ein Highlight war das Wiedersehen mit Alfons und Adrie Kennis, die einen Neanderthaler und einen modernen Menschen für die Ausstellung geschaffen haben. Seit  unserer Ausstellung „Ahngesichter“ 2001, mit Abgüssen von Hominidenschädeln, Kopfrekonstruktionen und Illustrationen der Kennisse, arbeiten wir immer wieder mit ihnen zusammen. Damals haben sie noch keine Ganzkörperrekonstruktionen erstellt, nur Köpfe als Modelle für Zeichnungen. Zum Glück bereichern sie aber seit einigen Jahren mit ihren entspannten, stolzen Individuen die Museumsszene. Bei uns stehen die Herren N und Mr. 4%. Ebenfalls getroffen habe ich Nick Powe von Kent’s Cavern http://www.kents-cavern.co.uk/ , mit dem wir durch das Netzwerk www.ice-age-europe.eu freundschaftlich verbunden sind.

Wer in den nächsten Monaten nach London kommt, dem sei ein Besuch der Ausstellung dringend empfohlen!

Beste Grüße aus dem Neandertal

Bärbel Auffermann

Die Mumien an der Düssel

Passend zur dunklen Jahreszeit bewohnen zurzeit die Mumien das Neanderthal Museum. Seit dem letzten Wochenende und bis zum 27. April 2014 können die Mumifizierungstechniken, die Grabbeigaben und natürlich echte Mumien in der klassisch sehr schön eingerichteten Sonderausstellung bestaunt werden.

Am 22. November um 19.00 Uhr fand die Eröffnung im Auditorium des Museums statt. Frau Maria Christina Guidotti, Direktorin des Ägyptischen Museums in Florenz, berichtete im Einführungsvortrag von den 80 Originalexponaten, die z.T. vom berühmten Jean-Francois Champollion (erste Entzifferer der Hieroglyphen) von seiner Expedition im Jahre 1829 nach Italien gebracht wurden, und nun in der Sonderausstellung „Mumien – Reise in die Unsterblichkeit“ auch bei uns zu sehen sind.

Der Weg durch die Ausstellung beginnt mit dem Mythos des Osiris, dem mumifizierten Herrscher der Unterwelt, führt den Besucher von den Techniken der Mumifizierung (Leichentücher, Amulette, Gefäße für die inneren Organe, Werkzeuge für die Entnahme des Gehirns aus der Nase!) über die bildreichen Sarkophage zu der Grabausstattung mit rituellen, aber auch alltäglichen Beigaben (Spiegel, Sandalen). Nicht zu vergessen, die zwei echten Mumien, die andächtig in großen schwarzen Kästen mit bunten Rückwänden betrachtet werden können.

Wir freuen uns über den großen Anklang, den diese Sonderausstellung bisher bei den Besuchern findet. Die Jenseitsvorstellungen der alten Ägypter faszinieren uns ja schon seit jeher und auch Mr. N scheint die neuen Mitbewohner zu mögen.

Schauen Sie doch mal vorbei!

Schöne Grüße aus dem Neandertal

Viviane Bolin

Post aus Fernost – Museen und soziale Verantwortung

Letzte Woche hatte ich die einmalige Gelegenheit, an der Tagung Museum 2012: The Socially Purposeful Museum im fernen Taipei, Taiwan, teilzunehmen. Organisiert wurde die Tagung gemeinsam von der Staatlichen Pädagogischen Hochschule Taipei, dem Forschungszentrum für Museen und Galerien an der Universität Leicester, den Staatlichen Museen Liverpool und dem Staatlichen Historischen Museum Taipei. Teilnehmer aus mehr als 20 verschiedenen Ländern kamen zu intensiven Diskussionen zusammen.

In rund 70 Vorträgen ging es um soziale Verantwortung von Museen. Ein Schwerpunkt lag auf den Museumsbesuchern. Diskutiert wurde, wie man ein breites und buntes Publikum ins Museum holen kann, inklusive Menschen aus allen Einkommens- oder Bildungsschichten. Diese Frage betrifft alle Bereiche eines Museums – von der Ausstellungsgestaltung über die Pädagogik über das Marketing bis hin zum Leitbild des Museums selbst. Dementsprechend vielfältig waren auch die Vorträge. Ein Beispiel: Immer mehr Museen haben Angebote, die gezielt auf Gruppen zugeschnitten sind, die sonst nicht ins Museum gehen (können), wie z.B. sozial benachteiligte Jugendliche, blinde und taube Menschen oder sogar Gefängnisinsassen. Besonders spannend fand ich ein Projekt aus Norwegen, das Alzheimer Patienten ins Museum holt und damit sehr positive Erfahrungen gemacht hat.

Gerade in Großbrittanien gehen Museen inzwischen häufig einen Schritt weiter und holen die Menschen nicht nur als passive Betrachter ins Museum, sondern um aktiv am Museumsprozess teilzuhaben. So werden Ausstellungen „co-creative“ erstellt, das heisst in enger Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort – mit Kindern, Künstlern, Nachbarn. Noch weiter geht das Freilichtmuseum Museum of East Anglian Life in Suffolk: es begreift sich im Kern als soziale Institution und beschäftigt z.B. Langzeitarbeitslose oder arbeitet mit Gefangenen und Kranken zusammen. Durch das Projekt Happy Museum sollen dieses und 11 andere beteiligte Museen zu Orten des Wohlbefindens werden. Insgesamt ging es also auch darum, das Museum an sich umzudefinieren, es als Ort für neue Ideen und Dialoge zu begreifen. So besagt beispielsweise das Leitbild der Staatlichen Museen Liverpool, dass Museen dazu da seien „Leben zu verändern“

Der zweite Schwerpunkt der Vorträge war die Ausstellungsgestaltung. Einerseits ging es darum, Ausstellungen über aktuelle Themen von Umweltschutz bis Menschenrechte zu gestalten, so zum Beispiel eine Ausstellung über Menschenhandel am Museum of London. In diesen Kontext gehörte auch mein Vortrag über unsere Ausstellung Wie Menschen Affen Sehen, in der wir die schwierige Balance zwischen ernsten, aktuellen Themen und Unterhaltung versucht haben. Darüber hinaus ging es darum, auch Ausstellungen zu allen anderen Themen inklusiver zu gestalten, d.h. einen bunten Querschnitt durch die Gesellschaft zu repräsentieren und vielfältige Geschichten zu erzählen. So baut z.B. das Science Museum in London gerade seine Dauerausstellung zur Kommunikationstechnik um. Ziel dabei ist auch, nicht nur „gebildete, weiße, bärtige, heterosexuelle Männer“ darin vorkommen zu lassen. So erzählen z.B. in der Ausstellung auch die Frauen, die früher täglich mit einer Telefonanlage gearbeitet haben, von ihren persönlichen Erfahrungen mit der Technik.

Wie es sich für eine Museumstagung gehört, fanden auch einige Veranstaltungspunkte in Museen statt. So gab es einen Abendempfang im staatlichen Historischen Museum, welches äußerlich einem chinesischen Palast aus der Ming oder Qing Zeit nachempfunden ist und innen zahlreiche Schätze aus Chinas Archäologie und Kunst beherbergt. Eine besonders bewegende Veranstaltung fand im Jingmei Museum für Menschenrechte statt, welches erst im nächsten Jahr offiziell eröffnen wird. Das Museum ist eine Gedenkstätte in einem ehemaligen Militärgefängnis, in dem in den 60er bis 80er Jahren unzählige politische Gefangene unter menschenunwürdigen Bedingungen verurteilt und festgehalten wurden. Wir bekamen die Gelegenheit, ausführlich mit einem ehemaligen Insassen zu diskutieren.

Nach der Tagung haben die meisten Teilnehmer die Chance genutzt, das Land Taiwan und natürlich seine Museumslandschaft weiter zu erkunden. Ein Pflichttermin war dabei das Nationale Palastmuseum in Taipei, in dem weit über eine halbe Millionen Schätze aus rund 8.000 Jahren chinesischer Geschichte aufgehoben sind. Zum Ende des chinesischen Bürgerkriegs Ende der 1940er nahmen die chinesischen Nationalisten auf ihrer Flucht vor den Kommunisten wichtige Teile der staatlichen Sammlung mit nach Taiwan. Dort liegt sie auch heute noch, weshalb die Sammlung in Taipei absolut sehenswert ist. Einen Besuch wert ist auch Taipei selbst, eine bunte, lebendige Metropole die alt und neu verbindet.

Insgesamt war es eine inspirierende Tagung mit guten Gesprächen in und zwischen den Veranstaltungen. Nicht zuletzt dank der sehr herzlichen Gastgeber herrschte durchgängig eine gute Atmosphäre. Die Menschen Taiwans sind sehr gastfreundlich – am letzten Abend lud zum Beispiel eine Kollegin aus dem Staatlichen Naturwissenschaftlichen Museum in Taichung, Taiwan, eine ganze Runde europäischer Kollegen ein zu einer traditionellen Teezeremonie, zu einem sehr leckeren taiwanesischen Essen und zu einem Spaziergang durch eine alte Straße Taipeis.

Inspirierte Grüße aus Fernost

Kerstin Pannhorst

 

Die „Affen“ sind los…

Das Jahr 2012 ist unser Jubiläumsjahr!!! 75. Jahre besteht nun das Neanderthal Museum.

Zuerst in einem kleinen Museum, seit 1996 in dem neu errichteten Spiralgebäude können Besucher täglich die Geschichte der Menschheit erlesen, betrachten und erfahren.

Wenn dies kein Grund zu feiern ist, was dann?

Unsere Jubiläumsausstellung  „Wie Menschen Affen sehen“ ist seit dem 31. März für kleine und große Besucher geöffnet. Zwei Wochen Osterferien bescherten unseren „Affen“ enorme Besucherzahlen.

Ob Schimpanse, Gorilla, Orang-Utan oder Bonobo –  die Menschenaffen sind unsere nächsten Verwandten und deswegen wahrscheinlich so interessant für uns. (Und wir auch für sie?)

Die Ausstellung beleuchtet neben grundsätzlichen Themen, wie die komplexen Sozialstrukturen und die intelligente Werkzeugnutzung der Menschenaffen, auch die wohl nicht offensichtliche, aber bereits weit voran geschrittene Bedrohung,  Ausrottung und Vernichtung  unserer Verwandten.

Zentrales Anliegen unserer Jubiläumsausstellung ist jedoch der kulturgeschichtliche Blick auf den Menschenaffen.

Seit Jahrzehnten muss der uns so ähnliche Menschenaffe als Schauobjekt für Zoobesucher herhalten, in kleinste Käfige isoliert gepfercht und alles andere als artgerecht gehalten. In einem großen eisernen Käfig, ganz am Ende der Ausstellung, kann der Besucher nun selbst einmal „Affe im Zoo“ spielen. Ein Umdenken hat inzwischen schon einmal für einen Teil von in Gefangenschaft gehaltenen Tieren dafür gesorgt, dass artgerechte Anlagen, ausgerichtet auf die Bedürfnisse der Tiere angelegt wurden. Aber nicht nur der Affe im Zoo musste viel über sich ergehen lassen, auch Stars wie „Cheetah“, „Unser Charly“ oder „King Kong“ prägen in bunten Kostümen, absolut vermenschlicht, die Wahrnehmung von uns allen bis heute.

Ein Umdenken vor allem in unserer westlich orientierten Kultur, gibt es spätestens, seitdem sich Vorreiter wie Jane Goodall, Dian Fossey oder Biruté Galdikas  einen Namen in der Verhaltensforschung gemacht haben. Teilweise jahrelang lebten sie mit Schimpansen, Gorillas und Orang-Urans in der Wildnis, wo sie herausgefunden haben, dass Menschenaffen weitaus intelligenter  und uns vor allem, auch weitaus ähnlicher sind als bisher angenommen.

Eben doch nicht nur ein Clown im Affenkostüm!

 

Leider gibt es immer noch Länder, in denen illegal Dutzende von Affen angeboten werden. Als Jungtier gefangen, dienen sie bis zur Pubertät, in der sie unberechenbar werden, als Touristenattraktion, als Versuchstier, als lebender Medizinvorrat oder als Belustigung in Bordellen.

Sehr direkt und anschaulich, manchmal bedrückend, führt die Ausstellung mit offen präsentierten Tatsachen letztlich zu Wahrheiten, vor denen immer noch viele von uns die Augen verschließen. Trotzdem verlässt man das Museum nach dem Besuch keineswegs in bedrückter Stimmung. Metallboxen mit Löchern, häufig für die Beschäftigung von Zoo-Affen aufgestellt, sollen den Besucher animieren, sich Leckereien mit Hilfe von einem Holzstöckchen herauszuangeln.  Eine spaßige Angelegenheit, die jedoch auch Geschick und Konzentration benötigt!

Im Foyer des Museums kann man anschließend dann noch eine gute Tat verrichten, indem man Althandys in die dafür vorgesehene Plexiglas-Säule wirft. In Kooperation mit dem Kölner Zoo sammelt das Museum sie für ein Gorilla-Schutzprojekt.

Viele Grüße aus der Mediathek

Saskia Adolphy

 

Schädelkult

Heute gebe ich hier einen Ausstellungstipp. Am Samstag war die Eröffnung der Ausstellung Schädelkult  in Mannheim. Eine beeindruckende Zusammenstellung, die einen umfassenden Überblick über den Umgang mit Kopf und Schädel in verschiedenen Zeiten und Regionen gibt.

Beste Grüße aus dem Neandertal 

Bärbel Auffermann 

 

 

Natural History Museum und die natürlichste Sache der Welt

Ich komme gerade von der Preview der neuen Sonderausstellung „Sexual Nature“ aus dem Natural History Museum London zurück (s. www.nhm.ac.uk/sexualnature, http://blog.visitlondon.com/2011/02/sexual-nature-at-the-natural-history-museum/). Wir überlegen, ob wir die Ausstellung 2013 ins Neandertal holen. Sie ist sehr gut gemacht und schafft genau die richtige Balance zwischen wissenschaftlichen Fakten und Unterhaltung.

Copyright des Fotos mit Ronnie Wood: Natural History Museum London

Beeindruckend fand ich auch das Darwin Centre. Der Cocoon beherbergt Sammlungen und Labore und die Besucher erfahren in einer spannenden interaktiven Ausstellung wie Wissenschaftler arbeiten. Diese Art des Einbeziehens der Besucher ist sicher einzigartig und war ein überaus nachhaltiger Beitrag zum Darwinjahr 2009.

 

Beste Grüße aus dem Neandertal

Bärbel Auffermann