Schlagwort-Archive: Eiszeit

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Tagung in Budapest

Ende März fand erneut die Tagung der Hugo Obermaier-Gesellschaft für Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit in Ungarn statt. Einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder der Gesellschaft und diskutieren die neusten Erkenntnisse im Hinblick auf die Erforschung des Steinzeitmenschen, seiner Umwelt und seiner Kulturen. Dieses Jahr hatte das Archäologische Institut der Eötvös Loránd Universität nach Budapest eingeladen. Der Themenschwerpunkt war das späte Mittel- und frühe Jungpaläolithikum zwischen den Alpen und dem Schwarzen Meer.

An den ersten drei Tagen gab es reichlich Vorträge zu den unterschiedlichsten Fundplätzen und Technokomplexen in Osteuropa. Dabei sind nicht nur die Archäologie, sondern auch andere Disziplinen, wie z.B. die Geologie oder Paläoklimatologie vertreten. Begonnen wurde am Dienstag mit Präsentationen zum Thema Alt- und Mittelpaläolithikum. Nachmittags fand die Posterausstellung statt. Die Forscher stellen hier ihre Fragestellungen oder Analysen auf einem Poster vor. Am zweiten Tag folgten dann die Vorträge zum Themenschwerpunkt und am dritten Tag die Präsentationen zum Jungpaläolithikum und Mesolithikum.

Prof. Dr. Weniger, Dr. Andreas Pastoors, Dr. Yvonne Tafelmaier, Viviane Bolin und Henning Hundsdörfer waren dieses Jahr als Vertreter des Neanderthal Museums auf der Tagung dabei. Dr. Pastoors stellte Ergebnisse seiner langjährigen Forschungen zur Territorienbildung und Landnutzung der Jäger- und Sammlergruppen anhand der jungpaläolithischen Kleinkunstfunde aus Höhlen der französischen Pyrenäen vor. Zusammen mit Dr. Tafelmaier stellten sie ein Poster zum Schwerpunktthema des Sonderforschungsbereiches der Universität zu Köln vor (SFB 806 – Our Way to Europe). Dabei diskutierten sie die theoretischen Rahmenbedingungen einer Kontaktaufnahme zwischen verschiedenen Menschengruppen während der Eiszeit über die Meerenge bei Gibraltar nach Nordafrika. Viviane Bolin stellte auf einem Poster ihre Analysen zur Verbreitung der eiszeitlichen Kunstfundplätze in Spanien vor und Henning Hundsdörfer die Ergebnisse der Ausgrabungen in Troisdorf-Ravensberg (s. Blogbeitrag vom 24.08.2015).

An den letzten beiden Tagen finden gewöhnlich Exkursionen statt. Dieses Jahr besuchten die Tagungsteilnehmer mehrere mittelpaläolithische Fundstellen. Zum einen Vértesszölös und Tata, zwei ausgetrocknete Becken ehemaliger heißer Quellen, die von Neanderthalern aufgrund der optimalen Bedingungen als Siedlungsplatz genutzt wurden. In Tata konnten die Archäologen außerdem ein geologisches Freilichtmuseum besichtigen, dessen Steinformationen und Fossilien bis in das erdgeschichtliche Zeitalter der Trias (250-200 Millionen Jahre) zurückreichen.

Zum anderen kletterte die Gruppe bis zur Jankovich Höhle in Bajót hinauf und genoss den Ausblick auf die weite Ebene. In Paks und Dunaföldvár konnten die Mitglieder der Gesellschaft sich außerdem noch zwei Lössprofile anschauen, die wichtige Sedimentabflogen der Gegend aufzeigen und mit deren Hilfe Aussagen über Auswirkungen regionaler Klimaveränderungen getroffen werden können. Als Abschluss besichtigte die Gruppe noch das römische Kastell Lussonium und ein Dorf mit Grabhügellandschaft aus der Bronze- und Eisenzeit in Százalombatta.

Grüße

Viviane Bolin

PS: Wie immer können die Forschungsreisen der Wissenschaftler des Museums auch auf Twitter live miterlebt werden, sogar ohne Anmeldung!

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Grabungskampagne im September in Málaga

Im Monat September hat ein Team von Wissenschaftlern aus dem Neanderthal Museum und der Universität zu Köln gemeinsam mit spanischen Kollegen der Universität Cadiz (Spanien) ein vierwöchige Ausgrabungskampagne an den paläolithischen Fundplätzen Cueva de Ardales und Sima de Las Palomas in Malaga (Südspanien) durchgeführt (s. Blog vom 27. August 2015).

Das relativ große Team, bestehend aus 6 Spaniern und 6 Deutschen, konnte parallel an beiden Fundstellen ausgraben. Zunächst wurde die Fundstelle Sima de Las Palomas „grabungsfertig“ gemacht (Gestrüpp und Steine entfernen, die erste Oberflächenschicht abgraben und durchsieben). Nachdem die zu grabenden Quadrate ausgemessen und das meiste Oberflächensediment gesiebt war, konnte nun die richtige Ausgrabung losgehen. Der Fundplatz liegt an einem windigen Hang und ist der Sonne und Hitze ab ca. 12.30 Uhr komplett ausgesetzt, weshalb die Grabungsarbeiten schon um 14.00 Uhr endeten und mit der Fundbearbeitung begonnen wurde. Das Ziel dieser Grabung war, den Bereich vor der Felswand des 9m tiefen Erdloches (spanisch: Sima) zu erkunden und herauszufinden, ob und wann die Menschen dort gesiedelt haben. Die große Hoffnung ist es natürlich, mittel- und jungpaläolithische Schichten zu entdecken und dokumentieren. Dem Ziel sind wir ein kleines bisschen näher gekommen, aber in der nächsten Kampagne 2016 werden wir dann noch weiter und tiefer graben, um die Schichten mit Material aus der Steinzeit zu erreichen.

In der Höhle Ardales sahen die Aufgaben ein wenig anders aus. Das Ziel dieser Grabung war die Suche nach den kleinsten Spuren, die der steinzeitliche Besucher auf seinen Erkundungstouren durch die Höhle vielleicht hinterlassen hat. Dafür wurden in einer Zone, in der sich auch Höhlenmalerei befindet, mehrere Quadrate geöffnet und nach den kleinsten Werkzeugen und anderen Artefakten Ausschau gehalten. Auch hier haben wir einen guten Anfang gemacht und die Grabungen werden im November diesen Jahres und auch nächstes Jahr fortgesetzt.

Aber natürlich gibt es nicht nur Arbeit, sondern auch in bisschen Vergnügen. An unseren freien Tagen haben wir bekannte Fundplätze dieser Gegend besucht, wie z.B. die Bilderhöhlen Nerja und La Pileta.

In der letzten Woche sind wir dann auf dem Caminito del Rey, einem bekannten und gerade wieder neueröffneten Klettersteig, gewandert und haben die atemberaubende Landschaft bewundert.

Das Team war während der Kampagne sehr nett in einem Campingplatz in der Nähe des kleinen Dorfes Ardales untergebracht, direkt am Stausee mit seinem blaugrünen Wasser und seiner atemberaubenden Uferlandschaft, und manch einer hat sich nach der Arbeit eine wohlverdiente Abkühlung im See gegönnt.

Die Kommunkation und Zusammenarbeit mit dem spanischen Team lief selbst mit kleineren kleineren Sprachschwierigkeiten einwandfrei ab und wir freuen uns, bald wieder zusammen in Malaga zu arbeiten.

20150930_164409

Bis dahin,

Grüße

 

Viviane Bolin

 

Eiszeitkunst im Urwelt Museum

Letzte Woche hat im Urwelt-Museum Oberfranken die neue Sonderausstellung „Bilder im Dunkeln – Höhlenkunst der Eiszeit“ eröffnet. Diese Ausstellung wurde vor 10 Jahren vom Neanderthal Museum konzipiert und von Mai bis Oktober 2004 auch dort gezeigt. Bis heute tourt die Ausstellung durch ganz Deutschland. Das Thema, die hochqualitativen Fotografien Heinrich Wendels der berühmten französischen und spanischen Eiszeitkunst, wirkt als Publikumsmagnet. Sogar das Urwelt Museum in Bayreuth, das sich eigentlich mit der Urwelt, mit Dinosauriern, Ammoniten und Mineralien aus Millionen Jahren Erdgeschichte beschäftigt, konnte diese Ausstellung ihrem Publikum nicht vorenthalten. Auf zwei Etagen zeigen sie die großformatigen Bilder verschiedener Höhlenmalereien und Gravierungen aus der späten Altsteinzeit. Ergänzt werden die Fotografien durch Rekonstruktionen eiszeitlicher Kleinkunst, d.h. Frauen- und Tierfiguren aus Elfenbein, Knochen und Ton und von regionalen Feuersteinwerkzeugen.

Herr Dr. Rabold, der Museumsdirektor, lud mich zum Eröffnungsvortrag ein und ich habe freudig angenommen. Dem sehr interessierten Publikum konnte ich einen kleinen Überblick über die Eiszeitkunst geben und die Bedeutung des Wendel Archivs betonen. Heinrich Wendel war Bühnenbildner und Fotograf und hat in den 60er und 70er Jahren fast alle Höhlen in Südwestfrankreich und Nordspanien bereist, die Kunstwerke aus der Eiszeit fotografiert und somit die bedeutendste Fotografien-Sammlung geschaffen. Ohne seine Arbeit hätten die Archäologen keine so umfangreiche Dokumentation der Malerein und Gravuren dieser Periode.

Bei einem geselligen Beisammensein und in Gegenwart einiger ziemlich großer Dinos im Garten haben sie die Besucher noch angeregt und begeistert über das Thema Eiszeitkunst und ihre Interpretation unterhalten, bei kleinen Häppchen und Getränken und einer Demonstration des Steinzeit-Feuerzeugs. Alles in Allem ein sehr gelungener Abend und ein sehr empfehlenswertes Museum für alle Bayreuth Besucher, die dieses schöne Städtchen mal abseits von Wagner besuchen wollen… Tinka und Götz hatten auf jeden Fall ihren Spaß 😉

Sonnige Grüße

Viviane Bolin

Jagdsaison!

 

Das ganze Rheinland scheint diesen Herbst im (steinzeitlichen) Jagdfieber zu sein.

Zum hundertsten Mal (1914-2014) jährt sich der berühmte Fund des späteiszeitlichen, 15.000 Jahre alten Doppelgrabes (mit Hund!) von Bonn-Oberkassel.

Das Bonner LVR-LandesMuseum nimmt das Jubiläum zum Anlass und feiert seine Funde mit einer brandneuen, großen Sonderausstellung:

„Eiszeitjäger – Leben im Paradies. Europa vor 15.000 Jahren“

Wir waren natürlich gespannt! Beate Schneider und ich reisten zur Ausstellungseröffnung am vergangenen Mittwoch.

Schon der Eröffnungsvortrag von Ralf W. Schmitz, der gemeinsam mit Liane Giemsch die Sonderausstellung kuratierte und seines Zeichens Fachreferent für Vorgeschichte am LVR-LandesMuseum Bonn ist, legte die Messlatte hoch.
Ganz klar, hier geht es nicht um die kargen Reste irgendwelcher altsteinzeitlicher Knochen. Es sind Superlative. Zu sehen sind die überdurchschnittlich gut erhaltenen Überreste einer Frau von etwa 25 Jahren und eines etwa 50-jährigen Mannes, in Begleitung des ältesten Hundeskeletts Europas. Die Menschenskelette gehören zu den am besten erhaltenen, kaltzeitlichen Funden des Homo sapiens in Europa. Etwa 15.000 Jahre alt das Ganze (14C-datiert, spätestes Magdalénien / Federmessergruppe).

Gefunden hat man die drei Skelette im Februar 1914 bei Steinbrucharbeiten. Man war sich früh der Bedeutung jenes Fundes bewusst, sicherte die Relikte und versuchte, leider weitestgehend erfolglos, weitere Knochen und Artefakte zu finden. Zwar erschließt sich die genaue Lage der Toten heute nicht mehr aus dem Grabungsbericht, klar ist jedoch, es handelte sich um eine Bestattung mindestens zweier Toter, die darüber hinaus komplett mit rotem pulverisiertem Hämatit bestreut wurden.

Spannend! Und da lag das Gespann nun vor uns. Der Schädel des Mannes wirkt merkwürdig breit. Die junge Frau dagegen eher grazil. Mit modernsten Verfahren – wir im Neanderthal kennen uns ja damit aus – hat man ihre ehemaligen Gesichter rekonstruieren können und den leeren Augenhöhlen wieder etwas Leben eingehaucht. Trotz alledem, ihr Aussehen wirkt archaisch.
Die Toten erhielten auch Beigaben. Darunter ein 20 cm langer Knochenstab mit Tierkopfende, der nach Angabe der Finder am Kopf der Frau lag, dessen Funktion jedoch bis heute unverstanden bleibt. Eine weitere aus Rengeweih geschnitzte Tierfigur hat Ähnlichkeit mit Objekten aus Frankreich und Spanien, die als das verzierte Widerhakenende von Speerschleudern interpretiert werden.

Wie muss man sich ihr Leben nun vorstellen, vor 15.000 Jahren?

Die letzte Kaltzeit neigt sich dem Ende zu. Das eiszeitliche Europa hat jedoch noch wenig mit dem Kontinent gemein, den wir heute kennen. Der Meeresspiegel lag etwa 70 m unter dem heutigen Stand, das Wasser gebunden in gigantischen Gletschern. Zwischen Schottland und Norddeutschland erstreckte sich eine riesige Grassteppe, auf der sich Wildpferde, Rentiere, Wisente, Wollnashörner und Mammuts tummelten. Auch den Zusammenfluss von Themse und Rhein muss man sich als spannende Landschaft vorstellen. Und mittendrin Wildbeuter. Jäger und Sammler. Die Menschen jener Zeit (es handelt sich um den Homo sapiens, unsere Menschenart, während der Neanderthaler als solcher zu jener Zeit schon lange von der Erdoberfläche verschwunden war) ernährten sich von den Pflanzen, die sie gezielt sammelten und den Tieren, die sie jagten. Bewaffnet waren sie dabei mit Speerschleudern, einer typischen und äußerst effektiven Jagdwaffe. Abgelöst wurde diese Technologie erst durch Pfeil und Bogen, deren Erfindung sich spätestens zu etwas jüngerer Zeit vollzogen haben muss. Gejagt wurde sicher auch mit Hunden, die zu diesem Zeitpunkt auf eine lange, uns jedoch bisher unbekannte Zuchtlinie zurückblickten, und deren Äußeres noch stark dem des Wolfes ähnelte (erinnert Ihr Euch an unsere „Wölfe“-Ausstellung? Wir hatten jene Hundeknochen zu Gast). Das Fell und Leder der erlegten Tiere wärmte nun als Kleidung die Menschen in dieser phasenweise außerordentlich kalten Zeit. Das Fleisch ernährte sie, die Knochen, das Geweih und das Horn der Tiere nützte zur Herstellung von Werkzeugen aller Art. Feuerstein, gesammelt an Flüssen, dem Meer oder an der Erdoberfläche, diente als Werkstoff zur Herstellung verschiedenster technisch anspruchsvoller Schneide- oder Schabewerkzeuge und stellte damit eine existenzielle Lebensgrundlage dar.

Und rund 15.000 Jahre ist es nun her, dass dort im rechtsrheinischen Bonn-Oberkassel, im direkten Vorfeld einer Basaltsteilwand, eine junge Frau, ein Mann und ein Hund gemeinsam in einem Grab beerdigt wurden, das anschließend mit rotem Hämatit bestreut worden ist. Der Grund für diesen Ritus, der übrigens immer wieder in der Urgeschichte auftritt, ist bis heute unbekannt.

Die Sonderausstellung…

…lässt die BesucherInnen eintauchen in diese Welt. Zu sehen sind neben den originalen Funden aus Bonn-Oberkassel auch weitere Artefakte benachbarter Fundstellen. Darunter die berühmten Fundstellen von Andernach-Martinsberg und Neuwied-Gönnersdorf. Die in Gönnersdorf gefundenen, figürlich verzierten Schieferplatten, die teilweise ausgestellt sind, sorgten weltweit für Aufsehen. Ebenso der ausgegrabene Zeltgrundriss. Bisher nur in Zeichnungen rekonstruiert, kann man eine halbseitige, mit Leder verkleidete Jurte nun in der Ausstellung bewundern. Zum Ausprobieren lädt hier eine späteiszeitliche Kochstelle ein. Die Aufgabe scheint simpel, die Kochgrube muss mit Zutaten gefüllt werden. So sorgt ein hinzugefügtes Plüsch-Rentier für zufriedene Stille, während eine Tomate, die ursprünglich aus Amerika stammt und erst in der Neuzeit nach Europa gelangte, dem Besucher seinen „Kochfehler“ mit einem Signalton verdeutlicht. Und während man durch die beleuchteten Vitrinen mit Artefakten und Tierpräparaten wandelt, gelangt man immer wieder an interaktive Stationen. Mal müssen mit Markasit („Katzengold“) und Feuerstein Funken geschlagen, mal mit einer Feuersteinklinge Leder geschnitten werden und mal kann man an Birkenpech, dem beliebten prähistorischen Kleber schnuppern. Spektakulär auch die Möglichkeit die Speerschleuder praktisch im Museum auszuprobieren und in steinzeitliche Lederkleidung zu schlüpfen.

Ob es sich nun damals um ein „Paradies“ für die Menschen gehandelt hat, wie der Untertitel der Sonderschau verheißt, oder, ob es sich nicht viel mehr um unsere moderne, zivilisationsmüde Projektion handelt, muss dahingestellt bleiben. Sicher ist jedoch, dass das LVR- LandesMuseum in Bonn mit ihren „Eiszeitjägern“ eine erfrischende Vielseitigkeit an den Tag legt, die Spaß an der Steinzeit macht.

Umso mehr freuen wir uns – das Team vom Neanderthal Museum – auf unsere eigene, kommende Sonderausstellung „Fleisch! Jäger, Fischer, Fallensteller in der Steinzeit“, die am 22. November 2014 startet und bis zum 15. März 2015 alles bereithält, was das steinzeitliche Jagdleben mit seiner ganzen Kulinarik zu bieten hatte.

Das Bonner LVR-LandesMuseum hat Appetit gemacht. Das Neanderthal Museum liefert den großen Nachschlag, ab dem 22. November 2014. Wir freuen uns drauf!

 

Mit besten Grüßen aus der Steinzeitwerkstatt

Till Knechtges

Abteilung Bildung und Vermittlung

 

 

Filmstar Mr N

Einen ganzen Tag fehlte Publikumsliebling Mr. N, unser Neanderthaler der sonst Tag für Tag Besucher im Museumsfoyer begrüßt. Allerdings aus gutem Grund: er versuchte sich als Filmstar! Die BBC war hier und hat Filmaufnahmen gemacht für eine dreiteilige Dokumentation zum Thema Eiszeit, die im nächsten Frühjahr laufen soll. Das Ice Age Team war so begeistert von der von den Gebrüdern Kennis gestalteten Rekonstruktion, dass sie gar nicht mehr aufhören wollten mit Filmen: von morgens früh bis abends spät waren sie mit Drehen beschäftigt. Sie filmten Mr N von links, von rechts, von vorne, von hinten, von fern und in Nahaufnahme, sie bauten Kameraschienen und Kamerakran auf, sogar mit Laser und Nebel wurde gearbeitet. Beeindruckend! Wir jedenfalls können es kaum erwarten, das fertige Werk zu sehen.

Gespannte Grüße aus dem Neandertal

Kerstin Pannhorst

Tinka und Manni – das Mammuttraumpaar des Museums

Die letzte Weihnachtsferienwoche stand vollkommen unter dem Motto „LEGO“.

Vom 3. – 6. Januar bauten insgesamt 396 Kinder begeistert an zwei Mammutbabys in Lebensgröße. Zuerst sollte das ja nur eines werden, aber alle waren so enthusiastisch bei der Sache, dass es viel schneller ging und sogar zwei Tiere fertig wurden – na da fühlen sie sich wenigstens nicht so allein.

Die Aktion wurde von den beiden Experten betreut, die auch die Modelle für unsere Sonderausstellung „LEGO Zeitreise“ gebaut hatten. Eine besondere Herausforderung war es nämlich, dass diese Mammuts keinen Bauplan hatten, sondern individuell gebaut wurden. Die Kinder wussten zwar, dass ein Mammut keine quadratischen Beine hat, aber wie setzt man das dann um? Gar nicht so einfach…

Am Ende hat es aber sehr gut funktioniert und die beiden Mammuts wurden pünktlich zum Freitag fertig.

Wer die beiden und die LEGO Zeitreise noch einmal bestaunen möchte, der kann Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr gerne das Museum besuchen.

Mit besten Grüßen aus dem Neandertal

Eva Pohl

(Freiwilliges soziales Jahr in der Kultur)

 

20 Jahre Ötzi

Ötzis Entdeckung jährt sich Montag, den 19. September, zum 20. Mal.  Ötzi ist seit etwa 5400 Jahren tot und 47 Jahre hat er gelebt. 20 Jahre ist es jetzt schon her, dass seine Entdeckung ein unglaubliches Medienecho entfachte. Bis heute lässt sein Schicksal uns nicht los. Hier tritt ein Einzelner aus dem Dunkel der Geschichte. Ein Mensch, über dessen Leben und dramatisches Sterben die Forscher immer mehr herausfinden. Ötzi ist ein Glücksfall für die europäische Archäologie. Einer, von dem kein Kollege zu träumen gewagt hätte.

Ich erinnere mich noch, wie eine Anwohnerin uns bei einer Ausgrabung im Schwäbischen im September 1991 eine Zeitung mit der Schlagzeile brachte: Prähistorische Mumie in den Alpen entdeckt! Unglaublich schien uns das. Ein Jahr später sind wir dann in kleiner Gruppe von der Uni Tübingen gestartet und von Vent aus mit Prof. Leitner von der Uni Innsbruck zum Tisenjoch aufgestiegen. Die Nachgrabungen waren gerade beendet. Schnee und Eis an der Fundstelle hatten die Kollegen aufgetaut und der Stein, auf dem Ötzi über 5000 Jahre gelegen hatte, ragte aus dem Wasser. Ruhig war es dort oben auf dem Alpenhauptkamm, weit weg schien der Rummel um Ötzi. Der Blick hinab nach Südtirol ist von dort phantastisch. Damals wussten wir noch nicht, dass er von dort gekommen war, dass er „Südtiroler“ war und kein „Ötztaler“.

Einige Jahre später begegnete mir Ötzi wieder: Im Neandertal. „Ötzi – Der Eismann“ war vom 11.12.1996 bis 26.01.1997 die erste Sonderausstellung im neu eröffneten Neanderthal Museum. GEO hatte eine lebensechte Rekonstruktion von Elisabeth Daynès für die Jubiläumsausgabe seiner Zeitschrift anfertigen lassen. Ergänzt wird die Figur von originalgetreuen Rekonstruktionen seiner Kleidung und Ausrüstung, die Harm Paulsen angefertigt hat. Als im Dezember 1996 das Fax einer Münchener Anwaltskanzlei bei uns ausgespuckt wurde, staunten wir nicht schlecht: Die Landesregierung Bozen-Südtirol versuchte, diese Ausstellung zu verhindern: Die Nachbildung sei widerrechtlich, dem Neanderthal Museum wurde für jeden Ausstellungstag eine Vertragsstrafe von 30.000 Mark angedroht. Laut Artikel 51 des staatlichen Gesetzes vom 1. Juni 1939 sei es verboten, Abdrucke von Originalen und denkmalgeschützten Sachen, die im Eigentum des Staates stehen, anzufertigen. Nachdem alle Missverständnisse ausgeräumt waren, konnten wir die Ausstellung mit einigen Tagen Verspätung eröffnen. Die Menschen standen Schlange, um die Rekonstruktion des Ötzi zu sehen und noch Jahre später fanden sich Einträge im Gästebuch :“Wann kommt denn der Ötzi wieder?“

Die GEO-Ausstellung tourte von 1997 bis 2005 durch den gesamten deutschsprachigen Raum. GEO hat sie uns 2006 übergeben. Wir haben sie überarbeitet, inhaltlich aktualisiert und vom 17.02. bis 17.04.2006 erneut präsentiert :“Die Rückkehr des Ötzi“ lautete die Sonderausstellung. Diese tourt seitdem als Wanderausstellung weiter und ist aktuell in einer von Karol Schauer erweiterten Konzeption in der Arche Nebra zu sehen: http://www.himmelsscheibe-erleben.de/sonderschau_2011_oetzi/.

Am 28. Februar diesen Jahres folgte ich einer Einladung zur Eröffnung der Ausstellung „Ötzi 20“ http://www.iceman.it/de/sonderausstellung ins Südtiroler Archäologiemuseum, dem Aufbewahrungsort der Mumie. Das war endlich die Gelegenheit, Ötzi leibhaftig zu sehen!

 

Beste Grüße aus dem Neandertal 

Bärbel Auffermann

 

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Tagung zur Archäologie des Eiszeitalters in Leipzig

Auf Einladung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie fand die größte deutsche Tagung zur Archäologie des Eiszeitalters dieses Jahr vom 6. bis 10. April in Leipzig statt. Jedes Jahr veranstaltet die Hugo Obermaier-Gesellschaft diese bedeutende Tagung auf der international renommierte Wissenschaftler, Nachwuchswissenschaftler und Laien zusammenkommen. Auch das Neanderthal Museum war wieder gut vertreten: vier wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren dabei. Vorgestellt wurde durch uns ein Poster über die Ergebnisse eines Projekts zur Steingerätetechnologie des Neanderthalers an der Fundstelle der Balver Höhle (Sauerland). Darüber hinaus standen wir mit einem Vortrag über die Nutzung von eiszeitlichen Bilderhöhlen im Programm. An den letzten beiden Tagen führten uns zwei Exkursionen zu weltweit bedeutenden Fundstellen: Bilzingsleben (Humanfossilien) und Schöningen (hölzerne Speere).

Mit besten Grüßen, Andreas Pastoors