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SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Tagung in Budapest

Ende März fand erneut die Tagung der Hugo Obermaier-Gesellschaft für Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit in Ungarn statt. Einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder der Gesellschaft und diskutieren die neusten Erkenntnisse im Hinblick auf die Erforschung des Steinzeitmenschen, seiner Umwelt und seiner Kulturen. Dieses Jahr hatte das Archäologische Institut der Eötvös Loránd Universität nach Budapest eingeladen. Der Themenschwerpunkt war das späte Mittel- und frühe Jungpaläolithikum zwischen den Alpen und dem Schwarzen Meer.

An den ersten drei Tagen gab es reichlich Vorträge zu den unterschiedlichsten Fundplätzen und Technokomplexen in Osteuropa. Dabei sind nicht nur die Archäologie, sondern auch andere Disziplinen, wie z.B. die Geologie oder Paläoklimatologie vertreten. Begonnen wurde am Dienstag mit Präsentationen zum Thema Alt- und Mittelpaläolithikum. Nachmittags fand die Posterausstellung statt. Die Forscher stellen hier ihre Fragestellungen oder Analysen auf einem Poster vor. Am zweiten Tag folgten dann die Vorträge zum Themenschwerpunkt und am dritten Tag die Präsentationen zum Jungpaläolithikum und Mesolithikum.

Prof. Dr. Weniger, Dr. Andreas Pastoors, Dr. Yvonne Tafelmaier, Viviane Bolin und Henning Hundsdörfer waren dieses Jahr als Vertreter des Neanderthal Museums auf der Tagung dabei. Dr. Pastoors stellte Ergebnisse seiner langjährigen Forschungen zur Territorienbildung und Landnutzung der Jäger- und Sammlergruppen anhand der jungpaläolithischen Kleinkunstfunde aus Höhlen der französischen Pyrenäen vor. Zusammen mit Dr. Tafelmaier stellten sie ein Poster zum Schwerpunktthema des Sonderforschungsbereiches der Universität zu Köln vor (SFB 806 – Our Way to Europe). Dabei diskutierten sie die theoretischen Rahmenbedingungen einer Kontaktaufnahme zwischen verschiedenen Menschengruppen während der Eiszeit über die Meerenge bei Gibraltar nach Nordafrika. Viviane Bolin stellte auf einem Poster ihre Analysen zur Verbreitung der eiszeitlichen Kunstfundplätze in Spanien vor und Henning Hundsdörfer die Ergebnisse der Ausgrabungen in Troisdorf-Ravensberg (s. Blogbeitrag vom 24.08.2015).

An den letzten beiden Tagen finden gewöhnlich Exkursionen statt. Dieses Jahr besuchten die Tagungsteilnehmer mehrere mittelpaläolithische Fundstellen. Zum einen Vértesszölös und Tata, zwei ausgetrocknete Becken ehemaliger heißer Quellen, die von Neanderthalern aufgrund der optimalen Bedingungen als Siedlungsplatz genutzt wurden. In Tata konnten die Archäologen außerdem ein geologisches Freilichtmuseum besichtigen, dessen Steinformationen und Fossilien bis in das erdgeschichtliche Zeitalter der Trias (250-200 Millionen Jahre) zurückreichen.

Zum anderen kletterte die Gruppe bis zur Jankovich Höhle in Bajót hinauf und genoss den Ausblick auf die weite Ebene. In Paks und Dunaföldvár konnten die Mitglieder der Gesellschaft sich außerdem noch zwei Lössprofile anschauen, die wichtige Sedimentabflogen der Gegend aufzeigen und mit deren Hilfe Aussagen über Auswirkungen regionaler Klimaveränderungen getroffen werden können. Als Abschluss besichtigte die Gruppe noch das römische Kastell Lussonium und ein Dorf mit Grabhügellandschaft aus der Bronze- und Eisenzeit in Százalombatta.

Grüße

Viviane Bolin

PS: Wie immer können die Forschungsreisen der Wissenschaftler des Museums auch auf Twitter live miterlebt werden, sogar ohne Anmeldung!

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Eiszeitliche Felsbilder im Hunsrück?

Die Eindrücke vom Besuch in Gondershausen (Rheinland-Pfalz) beim ‚Felsen‘, wie er liebevoll bei den Ortsansässigen genannt wird, sind noch frisch. Wolfgang Welker, Vorsitzender des Vereins ARRATA e.V., hat gestern Tilman Lenssen-Erz und mir die Felszeichnungen gezeigt, die seit Juli dieses Jahres durch die Presse gehen: drei Pferde, gut zu erkennen, tief in den Schiefer geritzt.

Tilman Lenssen-Erz und Wolfgang Welker vor den Pferderitzungen.

Tilman Lenssen-Erz und Wolfgang Welker vor den Pferderitzungen.

Der 'Felsen' von der Seite aus gesehen.

Der ‚Felsen‘ von der Seite aus gesehen.

Von besonderem Interesse ist neben den Pferden vor allem das Ambiente. Wie aus dem Nichts ist sie da, die Felswand aus Schiefer mit den Pferderitzungen. Ohne die richtige Beleuchtung sind die Tiere leicht zu übersehen.

Der 'Felsen' mitten im Wald.

Der ‚Felsen‘ mitten im Wald.

Dies ist aber nicht das eigentliche Problem des ‚Felsens‘. Es wird eine wissenschaftliche Herausforderung, die Felszeichnungen sachgerecht archäologisch zu bewerten. Die Verlockung ist groß, sich an eiszeitlichen Vergleichen aus Südwesteuropa zu orientieren. Doch dies allein wäre vorschnell und der Sache nicht angemessen. Von entscheidender Bedeutung ist die Erforschung der Geschichte des Schiefersteinbruchs, inmitten dessen sich der Felsen befindet. Ohne diese Arbeiten wird es schwierig werden, über die Deskription der Bilder hinaus, etwas Verlässliches über diesen Fund aussagen zu können. Alle bislang in der Presse veröffentlichen Vermutungen über das Alter und die Funktion des ‚Felsens‘ sind reine Spekulation und austauschbar.

Ungeachtet der wissenschaftlichen Verortung der Pferderitzungen ist es unerlässlich, den ‚Felsen‘ vor Vandalismus zu schützen. Hier sind die zuständigen Behörden gefragt, eine adäquate Lösung zu finden.

Mit besten Grüßen, Andreas Pastoors

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Tracking in Caves wird zu „Tracking in Caves – The Homecoming“

Tracking in Caves steht vor seinem nächsten, großen öffentlichen Auftritt: am Samstag, 6. September um 20:15 läuft auf Arte die 90-minütige Dokumentation „Tracking in Caves – Fußspuren in die Vergangenheit“ von Sylvia Strasser – mit großartigen Bildern von Mark Falk.  Auch wegen dieser wunderschönen Aufnahmen hat es diese Dokumentation verdient, ihre Opulenz nicht nur auf kleinen Fernsehbildschirmen zu verschwenden. Darum wird sie in einer Vorpremiere am 27. August (19:30) auf der großen Leinwand eines etwas nostalgischen Kinos in Köln gezeigt, dem Odeon Lichtspieltheater in der Südstadt. Die Filmemacher werden voraussichtlich anwesend sein. Am Sonntag, 31. August, 12 Uhr,  folgt  noch eine Matinee am selben Ort.  Bei beiden Vorführungen wird es Gelegenheit geben, nicht nur zurück zu blicken und sich darüber auszutauschen, sondern auch die nahe Zukunft ins Auge zu fassen, denn:

Tracking in Caves wird zu „Tracking in Caves – The Homecoming“

Durch die Förderung der Andrea von Braun Stiftung wird es nun ermöglicht, dass Tracking in Caves „nach Hause“ zurückkehren kann. Mit der Englisch synchronisierten Fassung der Dokumentation wollen Andreas Pastoors und Tilman Lenssen-Erz nach Namibia zurückkehren, und das Team der Fährtenleser wieder zusammen bringen. Dann soll die Dokumentation zunächst in den drei Dörfern der Tracker gezeigt werden – es versteht sich, dass dabei alles im Gepäck sein muss, nicht nur der Film und ein Beamer, sondern auch Leinwand und Generator. Sodann möchte die gesamte Gruppe eine Rundreise zu verschiedenen San Gemeinschaften in Namibia und vielleicht auch Südafrika unternehmen, wo man den Film zeigt und die Bedeutung dieses allen San gemeinsamen kulturellen Erbes darlegt und diskutiert. Denn in seinem vernetzten Wissen ist das Spurenlesen eine ökologische ‚Folk science‘, deren Wertschätzung nicht hoch genug sein kann. Möglicherweise wird es auch zu dieser Unternehmung wieder eine mediale Begleitung geben.

Wer nicht bis August warten möchte, sollte sich das nächste Heft (7/2014) von bild der wissenschaft kaufen. Hierin ist ein ausführlicher Beitrag „Fährtenleser auf der Spur unserer Urahnen“ von Karin Schlott, in dem auch erste Ergebnisse vorgestellt werden.

Es geht weiter mit TiC …

Mit besten Grüßen, Andreas Pastoors & Tilman Lenssen-Erz

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Neanderthal Museum bekommt Jury Preis des Bernd Breuckmann Awards

Die Breuckmann GmbH als Hersteller von präzisen 3D Scannern hat letztes Jahr erstmals den Bernd Breuckmann Award verliehen bei dem besondere 3D Scanprojekte gewürdigt wurden. Das Neanderthal Museum hat sich an der Ausschreibung beteiligt und den Jury Preis für die ‚Digitalisierung eiszeitlicher Fußabdrücke in der Höhle Pech-Merle‘ bekommen.

Übergrabe des Bernd Breuckmann Award Jury Preis (Andreas Pastoors und Bernd Breuckmann).

Übergrabe des Bernd Breuckmann Award Jury Preis (Andreas Pastoors und Bernd Breuckmann).

Felsbilder in den Höhlen Südwestfrankreichs und Spaniens zählen zu den spektakulärsten Hinterlassenschaften des eiszeitlichen Menschen. Rund 350 solcher Höhlen sind bislang entdeckt worden. Obwohl die ersten Entdeckungen bereits rund 100 Jahre zurückreichen, ist die Bedeutung der Bilderhöhlen immer noch ungeklärt. In den letzten Jahren hat der die Bilder umgebende Kontext für die Analyse an Bedeutung gewonnen. Hierzu zählen neben dem Höhlenraum selber, die archäologischen Hinterlassenschaften und die überaus seltenen Fußabdrücke, die eiszeitliche Menschen im plastischen Untergrund hinterlassen haben. Solche Abdrücke im Lehm oder Sand sind Momentaufnahmen einzelner Menschen die Auskunft über das Verhalten im dunklen Höhlenraum geben. Insgesamt sind nicht mehr als zehn solcher Höhlen mit Fußabdrücken bekannt.

Im Sommer 2013 hat das Neanderthal Museum zusammen mit Dr. Tilman Lenssen-Erz von der Universität zu Köln ein Forschungsprojekt durchgeführt, in dem die Lektüre der eiszeitlichen Abdrücke im Fokus stand (Tracking in Caves). Hierzu wurden Fährtenleser der San aus dem Nordosten Namibias nach Frankreich eingeladen und unmittelbar mit den Fußabdrücken konfrontiert. Dabei wurden regelhaft Neuentdeckungen von Fußabdrücken durch die namibischen Fährtenleser gemacht. Dies besonders in der Höhle Pech-Merle. Auf einer kleinen etwa 3×3 Meter großen Fläche sind mehrere Fußabdrücke erhalten, die nach Untersuchung der Fährtenleser von fünf verschiedenen Personen hinterlassen wurden. Dies steht in deutlichem Widerspruch zu den bisherigen Meinungen, wonach hier eine Person maximal zwei Personen entlang gegangen sind, bzw. einen rituellen Tanz aufgeführt haben. Da die publizierten Zeichnungen der Fläche die Interpretationen der Fährtenleser nur unzureichend wieder geben lag es nahe, diese Fläche mit modernen Methoden 3D zu scannen. Auf dieser neu geschaffenen präzisen Grundlage, können dann die Ergebnisse der Untersuchungen durch die Fährtenleser sichtbar gemacht werden.

Bertrand Defois, Dirk Hoffmeister, Dirk Rieke-Zapp, Andreas Pastoors und Bernd Breuckmann in Pech-Merle.

Bertrand Defois, Dirk Hoffmeister, Dirk Rieke-Zapp, Andreas Pastoors und Bernd Breuckmann in Pech-Merle.

In der Woche vom 10.3. – 14.3.2014 konnte das Scanprojekt erfolgreich durchgeführt werden. Ergänzt wurden die Arbeiten durch 3D Laserscans des die Fußabdrücke umgebenden Höhlenraums die von Dr. Dirk Hoffmeister vom Geographischen Institut der Universität zu Köln durchgeführt wurden.

Streifenlichtscanner über den Fussabdrücken in Pech-Merle bei der Arbeit.

Streifenlichtscanner über den Fussabdrücken in Pech-Merle bei der Arbeit.

Laserscan bei der Arbeit in Pech-Merle.

Laserscan in Pech-Merle bei der Arbeit.

Mit besten Grüßen, Andreas Pastoors

 

 

Schulterblick Forschung – Auf den Spuren der letzten Neandertaler und der ersten modernen Menschen in Nordspanien

Zum dritten Mal in diesem Jahr bin ich nach Bilbao geflogen, um im Norden Spaniens Daten für meine Dissertation zum Übergang vom Mittel- zum Jungpaläolithikum auf der Iberischen Halbinsel zu sammeln. Im Gegensatz jedoch zu den letzten beiden Aufenthalten habe ich den Flughafen dieses Mal in Richtung Westen, nämlich nach Santander (Kantabrien) verlassen, um dort technologische Untersuchungen an Steinartefakten (Kernen, Klingen und Lamellen) des Châtelperronien sowie des Aurignacien aus der Cueva Morín durchzuführen. An dieser Stelle ein kleiner Tipp, sollten Sie einmal in den Genuss kommen, ins Baskenland zu reisen (und selbiges ist wirklich mehr als eine Reise wert!!!!): Nehmen Sie auf jeden Fall Ihren Regenschirm mit – diese Region zählt zu den regenreichsten Europas.

Mir war der Wettergott im Vergleich zu den letzten beiden Reisen dieses Mal wohlgesonnen und ich hatte lediglich an drei Tagen mit Regen (jedoch mit sehr, sehr viel) und Sturm zu kämpfen. Ja, Sie haben recht, ich war natürlich nicht zum Sonnenbaden dort, sondern zum Arbeiten. Aber auch der Weg zum Arbeitsplatz mit voller Ausrüstung (Computer- und Fotoequipment) kann bei nicht nachlassendem Regen zum schier unüberwindbaren Hindernis werden. Mein Arbeitsplatz war die neu eingerichtete Forschungsstelle mit dazugehörigem kleinem Museum (MUPAC – Museo de Prehistoria y Arqueología de Cantabria) in der Avenida los Castros 65-67, ganz in der Nähe der Universität. Dort hatte ich an insgesamt 9 Tagen Zeit, archäologisches Material zu sichten und zu untersuchen. Mit der Untersuchung von archäologischem Material in Museen, das bereits vor langer Zeit dem Boden entnommen wurde, ist es wie mit der archäologischen Ausgrabung selbst: man weiß nie genau, was einen beim Öffnen der Kartons und Kisten respektive des Bodens erwartet. Für mich hatte das sehr nette und hilfsbereite Team des MUPAC zunächst Kisten der Schicht 7 (Frühes Aurignacien) bereitgestellt und mir so die Beantwortung der Frage abgenommen, mit welcher Schicht ich denn nun anfangen solle.

Schicht 7 bildet die jüngste der für meine Fragestellung interessanten. Auf der Suche nach den Kernen, also den Restprodukten der Steingeräteherstellung, und den Klingen und Lamellen, den im Jungpaläolithikum bevorzugt hergestellten Produkten, arbeitete ich mich durch zahlreiche Kartons, die zum Teil seit Jahrzehnten nicht geöffnet worden waren und auch nicht immer das hielten, was die aufgeklebten Etiketten versprachen. Dementsprechend füllte sich die Datenbank auch eher langsam und ich bin mit einem Potpourri verschiedenster Samples unterschiedlicher Schichten nach Deutschland zurückgekehrt. Von besagter Schicht 7 habe ich alle registrierten Fundkartons gesichtet – leider hatte ich bis zum Ende des Forschungsaufenthaltes jedoch nur sehr wenige Lamellen, also kleine, langschmale Steingeräte dieser Schicht finden können. Im Gegensatz dazu aber zahlreiche Lamellenkerne, die die Herstellung dieser Produkte vor Ort bezeugen. Bleibt die Frage: Wo sind die Lamellen? Vielleicht noch im Boden? Immerhin wurden nur Teilbereiche der Höhle gegraben. Oder vielleicht in einem Karton, der noch unerkannt in den Tiefen des Depots schlummert? Es bleibt spannend und viel Arbeit wartet noch beim nächsten Forschungsaufenthalt. Dieser wird aber erst Anfang nächsten Jahres stattfinden. Jetzt gilt es erst einmal die gewonnenen Daten zu sichern und auszuwerten!

Herzlichen Dank an Adriana Chauvin und Ihr Team vom MUPAC!

Mit den besten Wünschen aus dem Neanderthal

Yvonne Tafelmaier

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Tracking in Caves … two months later

The return of the three trackers to their homes in Namibia occurred without incident. Some days afterwards, the ‚Tracking in Caves‘ project took a deserved vacation. This was necessary in view of the magnitude of upcoming tasks. For one thing, the international interest in this project has convinced us to change the reporting language. Like this blog all further contributions will be written in English.

As one of the first steps after our trip, we checked the documentation of our cave visits to prepare for future publications and presentations. In view of the short time we spent in every cave, we decided to render the results in info-graphics which illustrate the footprints as symbols. With this done, we are able to contrast precisely the former and new interpretations.

As a cornerstone of the explanation of the method used by the trackers, the original recordings from inside the caves have to be transcribed. The realisation of this task demands somewhat complex organisation. It will not be finished quickly since it can only competently be done by the Ju/’hoan Transcription Group (JTG) in Tsumkwe. The transfer of big audio files is a bottleneck problem that strains the capacity of the web-connection in Tsumkwe. We expect the results in spring 2014. To bridge this long period one of us (Megan Biesele) is examining the audio files with the purpose of gathering information about the most important aspects of the tracking method. This is particularly important for the determination of age and sex of the persons making the tracks, because western science casts doubt on the practicability of the method.

The tracker C/wi /Kunta, C/wi G/aqo De!u and Tsamkxao Cigae in Niaux (07.2013).

The tracker C/wi /Kunta, C/wi G/aqo De!u and Tsamkxao Cigae in Niaux (07.2013).

The documents from the caves, together with the basic methodological information, comprise a package of evidence which is worth publishing in internationally recognised journals and presented at relevant congresses. We will provide information about published articles and upcoming congress presentations via Twitter and via this blog.

The audio files as well as photos and video-clips from our 2013 expedition are unique and they require a state-of-the-art backup. We decided to store all relevant files in NESPOS (nespos.org), an established data-repository for archaeological and anthropological data. As a first step, access will be restricted to the project members, but for the future we anticipate opening parts of the database for the public. A short collection of clips from the trip will soon be available on the homepage of the University of Cologne and on YouTube.

Several colleagues have encouraged us to develop follow-up research projects which use ‚Tracking in Caves‘ as a base. We have already developed some ideas but they are not yet confirmed and therefore not publishable – not even in a tweet or blog. Despite these reservations we can reveal that the envisaged projects will deal with the question of how indigenous knowledge can be used with methodological soundness in the archaeological sciences.

At the end of this month one of us (Andreas Pastoors) will again travel to the Pyrenees in order to finish, among other things, the photographic documentation of the new discoveries of the San in Tuc d’Audoubert.

Best regards Andreas Pastoors, Tilman Lenssen-Erz and Megan Biesele

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – SFB 806 „Our Way to Europe“ verlängert

Am 1. Juli ist die zweite Phase des SFB 806 „Our Way to Europe“ gestartet. Nach der zweitägigen Begutachtung durch eine internationale Kommission Ende Januar in Köln, kam dann Ende Mai die gute Nachricht von der DFG, dass der Senat einer Verlängerung des SFBs um weitere vier Jahre zugestimmt hat (http://www.sfb806.uni-koeln.de/index.php?option=com_content&view=frontpage&Itemid=5). Die Kooperation der Universitäten Köln, Bonn und Aachen hat sich als Erfolgsgeschichte erwiesen. Damit geht es auch für das Neanderthal Museum weiter, denn von hier aus werden die Arbeiten im Cluster C „Western Mediterranean“ koordiniert.

Was haben wir gemeinsam im Cluster C in den vergangenen vier Jahren geschafft? Die Fundstellenkarte zeigt, wie weit gestreut unsere Aktivitäten waren. Wir haben auf der Iberischen Halbinsel und in Marokko alte Fundplätze neu datiert und ihre Stratigraphie mit hochauflösenden geowissenschaftlichen Methoden sehr detailliert unter die Lupe genommen. Wir haben neue Fundplätze entdeckt und erstmals archäologisch untersucht. Wir haben neue Geoarchive in der Nachbarschaft der Fundplätze erbohrt, um Daten zur Umweltgeschichte zu gewinnen.

Alle bisher gewonnenen Daten zeigen, dass die Besiedlungsgeschichte der Region zwischen 100.000 und 10.000 Jahren vor heute sehr bewegt war und häufig unterbrochen wurde. Populationen starben durch Umweltstress aus und wurden durch neue, einwandernde Gruppen ersetzt. Das von uns entwickelte „Kaskaden-Modell“ beschreibt diesen Vorgang erstmals detailliert für Jäger und Sammlergruppen. Nicht nur der Wechsel zwischen Neanderthalern und anatomisch modernen Menschen war davon betroffen, auch später ist es immer wieder zu Verschiebungen der Jäger-Sammler Populationen gekommen. Wir haben diese Ergebnisse im „Repeated Replacement Model“ zusammengefasst. Im westlichen Mittelmeergebiet waren es vor allem Phasen extremer Trockenheit, die zum Zusammenbruch der menschlichen Besiedlung geführt haben. Unsere Untersuchungen zeigen, dass gerade der Süden der Iberischen Halbinsel und Marokko Risikolebensräume für Jäger und Sammler waren. Daher ergeben unsere Analysen auch, dass ein längeres Überleben der Neanderthaler in Südspanien eher unwahrscheinlich ist.

Dadurch hat es über die Straße von Gibraltar hinweg wahrscheinlich immer nur einen geringen Austausch gegeben, der in dem uns vorliegenden archäologischen Fundgut des Eiszeitalters kaum Spuren hinterlassen hat. Wir haben sehr viele neuen Daten gewonnen und daraus innovative Erklärungsmodelle entwickelt. Zahlreiche BA- und MA-Arbeiten und vier Dissertationen sind dabei auch zum Abschluss gebracht worden. Wir freuen uns auf die nächsten vier Jahre und auf die exzellente Zusammenarbeit mit unseren Kooperationspartnern in Spanien, Portugal und Marokko.

Mit den besten Grüßen aus dem Neandertal
Gerd-Christian Weniger

Schulterblick Forschung – Neues aus der Höhle des Löwen (Kampagne 2013 in der Ifri n‘Etsedda)

In der Ifri n’Etsedda fanden im Februar und März 2013 erneut Ausgrabungen im Rahmen des C2-Projekts des SFB 806 „Our Way to Europe“ statt

Da die sechswöchige Grabungskampagne im östlichen Rif (Nordost-Marokko) dieses Jahr früher durchgeführt wurde, hatten wir anfangs mit kühlerem und nasserem Wetter zu kämpfen. Besonders die sonnigen Tage konnten aber auf der Dachterrasse unseres neuen Grabungshauses genossen werden. Weil die aus Marokkanern, Spaniern und Deutschen bestehende Grabungsmannschaft zeitweise die Kapazität des Hauses sprengte, konnte die Natur von drei tapferen Studenten beim Zelten näher erfahren werden. Jeden Abend kochten oder grillten wir gemeinsam, wobei durch die Herkunft der Teilnehmer eine abwechslungsreiche Küche zustande kam. Viele der Zutaten konnten entweder auf dem Souk in Ouled Daoud oder direkt beim Nachbarn gekauft werden.

Durch die unmittelbare Nähe des Hauses zum Fundplatz hatten wir einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem letzten Jahr: die nun wegfallenden langen Autofahrten konnten für die Bearbeitung des archäologischen Fundguts genutzt werden.

Östlich der alten Grabungsfläche wurde ein neuer Schnitt von 2 x 1 m aufgemacht und bis zum anstehenden Felsen ausgegraben. Dabei stießen wir auf neolithische und epipaläolithische Schichten, die eine Vielzahl an Faunenresten, Silices und Keramik enthielten. Auch in diesem Bereich des Abris war das Sediment stark von Schnecken durchsetzt. Neben der üblichen archäologischen Grabungsmethodik wurden außerdem Pollenprofile und Sedimentproben genommen. Dokumentiert wurde zusätzlich mithilfe der Fotogrammmetrie. Weiterhin sondierten wir die gesamte Fläche der Fundstelle mit einem Pirkhauer. Der Abri und sein Vorplatz konnten dreidimensional vermessen werden.

Parallel zur Ausgrabung schlämmten wir das Sediment, um zum einen botanische Makroreste zu gewinnen und um zum anderen kleinste archäologische Funde auszulesen.

Der Zoologe Dr. Rainer Hutterer vom Museum Koenig in Bonn untersuchte das Umland des Abris unter anderen Gesichtspunkten: Er interessierte sich für die heutigen Lebensräume der in den archäologischen Schichten gefundenen Schneckenarten. Darüber hinaus prospektierten Prof. Gerd-Christian Weniger und sein marokkanischer Kollege Abdesalam Amarir die Umgebung und entdeckten dabei eine vielversprechende neue Fundstelle.

Abseits der Arbeit lernten wir Marokko auch von anderen Seiten kennen: So stellten wir fest, dass man nicht über rote Ampeln fahren darf und Billard nicht immer in verrauchten Gaststätten gespielt werden muss.

Nadia Balkowski & Manuel Broich

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Fährtenleser der Kalahari lesen in eiszeitlichen Fussspuren

Im Juni 2012 hatte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unseren Antrag auf Förderung eines ungewöhnlichen Projektes bewilligt: indigene Ichnologen (Fährtenleser) aus Namibia kommen nach Europa, um die überaus seltenen menschlichen Fußabdrücke in einigen eiszeitlichen Höhlen Frankreichs zu untersuchen. Interessant sind hierbei nicht nur die Hypothesen die aufgrund der Beobachtungen in den einzelnen Höhlen zu erwarten sind, sondern vor allem der Weg der Hypothesenbildung. Die Fährtenleser der San – Tsamkxao Cigae, C/wi /Kunta und C/wi G/aqo De!u – führen uns zunächst zwei Wochen lang in ihrem Umfeld in die Kunst des Fährtenlesens ein. Danach reisen wir, mit einem Zwischenstopp in Köln/Mettmann, gemeinsam zwei Wochen nach Südfrankreich und untersuchen Fußabdrücke von sechs verschiedenen Höhlen: Réseau Clastres, Niaux, Pech Merle, Fontanet, Aldène und Tuc d’Audoubert. Die gesamte Reise wird von einem Filmteam begleitet, welches für arte eine Dokumentation dreht.

Die Abreise rückt näher, am 9. Juni fliegt Tilman Lenssen-Erz nach Windhoek und ich am 11. Juni hinterher. Im Moment werden die letzten Vorbereitungen getroffen. Die technische Ausrüstung für die wissenschaftliche Dokumentation muss zusammengestellt und getestet werden. Dies ist besonders wichtig, denn in Namibia gibt es keine Möglichkeit evtl. vergessene Stecker, Kabel oder Akkus in absehbarer Zeit zu besorgen. In Frankreich ist das einfacher. Darüber hinaus müssen alle Termine nochmals abgestimmt und die Arbeits- bzw. Drehgenehmigungen geprüft werden.

Im Zuge der Vorbereitungen zu diesem Forschungsprojekt ist von vielen Seiten großes Interesse an dem Projekt geäußert worden. Dies haben wir zum Anlass genommen, die verschiedenen Medien an dem Ablauf der Reise und den Ergebnissen zu beteiligen. So wird es am 1. Juli eine Pressekonferenz im Neanderthal Museums geben und am 17. Juli ein weitere an der Universität zu Köln. Darüber hinaus twittern wir regelmäßig aus Namibia und Frankreich; eine eigene Internetseite ist hierzu eingerichtet worden (trackingincaves.com) – absolutes Neuland für uns.

Nun aber wieder zurück zur Vorbereitung – das neu gekaufte digitale Audioaufnahmegerät ist nicht selbsterklärend. Es wartet die überaus spannende Bedienungsanleitung auf mich …

Mit besten Grüßen, Andreas Pastoors

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Steinzeitliche Höhlenkunst in Franken?

“Die Lusthöhle in Franken” (DIE ZEIT, 22.07.2011) war vor fast 2 Jahren in den Schlagzeilen der Medien. In der Nähe von Bamberg sollte erstmalig in Deutschland steinzeitliche Höhlenkunst gefunden worden sein. Da die bisherigen Veröffentlichungen zu dieser Entdeckung in der kleinen Mäanderhöhle wenig überzeugend sind, hat die FAU Erlangen zusammen mit dem Neanderthal Museum letzte Woche eine wissenschaftliche Voruntersuchung in der Höhle durchgeführt. Mit dabei waren Geologen des Deutschen Höhlenmuseums Iserlohn und Speleologen der Forschergruppe Fränkischer Karst. Neben der intensiven Prospektion der Höhlenwände wurden ausschnitthaft interessante Bereiche fotografisch dokumentiert und hochauflösende 3D-Scans aufgenommen. Darüber hinaus wurde eine Typologie der Linien angefertigt. Nun werden die erhobenen Daten in aller Ruhe ausgewertet. Um in der Mäanderhöhle arbeiten zu können, ist Geduld gefragt. Der Weg in die Höhle ist vor allem mit wertvollem Gerät äußerst schwierig: Engstellen müssen vorsichtig passiert und eine steile Rutsche überwunden werden. Außerdem ist die Höhle staubig und zum Teil nass. Für die Archäologen war es ein aufregendes Abenteuer, für die Höhlenforscher Routine. Untergebracht waren wir in dem benachbarten Naturfreundehaus Veilbronn mit seiner herrlichen Terrasse in dem wir bestens mit fränkischer Küche versorgt wurden.

 

Mit besten Grüßen, Andreas Pastoors