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SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Tagung in Budapest

Ende März fand erneut die Tagung der Hugo Obermaier-Gesellschaft für Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit in Ungarn statt. Einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder der Gesellschaft und diskutieren die neusten Erkenntnisse im Hinblick auf die Erforschung des Steinzeitmenschen, seiner Umwelt und seiner Kulturen. Dieses Jahr hatte das Archäologische Institut der Eötvös Loránd Universität nach Budapest eingeladen. Der Themenschwerpunkt war das späte Mittel- und frühe Jungpaläolithikum zwischen den Alpen und dem Schwarzen Meer.

An den ersten drei Tagen gab es reichlich Vorträge zu den unterschiedlichsten Fundplätzen und Technokomplexen in Osteuropa. Dabei sind nicht nur die Archäologie, sondern auch andere Disziplinen, wie z.B. die Geologie oder Paläoklimatologie vertreten. Begonnen wurde am Dienstag mit Präsentationen zum Thema Alt- und Mittelpaläolithikum. Nachmittags fand die Posterausstellung statt. Die Forscher stellen hier ihre Fragestellungen oder Analysen auf einem Poster vor. Am zweiten Tag folgten dann die Vorträge zum Themenschwerpunkt und am dritten Tag die Präsentationen zum Jungpaläolithikum und Mesolithikum.

Prof. Dr. Weniger, Dr. Andreas Pastoors, Dr. Yvonne Tafelmaier, Viviane Bolin und Henning Hundsdörfer waren dieses Jahr als Vertreter des Neanderthal Museums auf der Tagung dabei. Dr. Pastoors stellte Ergebnisse seiner langjährigen Forschungen zur Territorienbildung und Landnutzung der Jäger- und Sammlergruppen anhand der jungpaläolithischen Kleinkunstfunde aus Höhlen der französischen Pyrenäen vor. Zusammen mit Dr. Tafelmaier stellten sie ein Poster zum Schwerpunktthema des Sonderforschungsbereiches der Universität zu Köln vor (SFB 806 – Our Way to Europe). Dabei diskutierten sie die theoretischen Rahmenbedingungen einer Kontaktaufnahme zwischen verschiedenen Menschengruppen während der Eiszeit über die Meerenge bei Gibraltar nach Nordafrika. Viviane Bolin stellte auf einem Poster ihre Analysen zur Verbreitung der eiszeitlichen Kunstfundplätze in Spanien vor und Henning Hundsdörfer die Ergebnisse der Ausgrabungen in Troisdorf-Ravensberg (s. Blogbeitrag vom 24.08.2015).

An den letzten beiden Tagen finden gewöhnlich Exkursionen statt. Dieses Jahr besuchten die Tagungsteilnehmer mehrere mittelpaläolithische Fundstellen. Zum einen Vértesszölös und Tata, zwei ausgetrocknete Becken ehemaliger heißer Quellen, die von Neanderthalern aufgrund der optimalen Bedingungen als Siedlungsplatz genutzt wurden. In Tata konnten die Archäologen außerdem ein geologisches Freilichtmuseum besichtigen, dessen Steinformationen und Fossilien bis in das erdgeschichtliche Zeitalter der Trias (250-200 Millionen Jahre) zurückreichen.

Zum anderen kletterte die Gruppe bis zur Jankovich Höhle in Bajót hinauf und genoss den Ausblick auf die weite Ebene. In Paks und Dunaföldvár konnten die Mitglieder der Gesellschaft sich außerdem noch zwei Lössprofile anschauen, die wichtige Sedimentabflogen der Gegend aufzeigen und mit deren Hilfe Aussagen über Auswirkungen regionaler Klimaveränderungen getroffen werden können. Als Abschluss besichtigte die Gruppe noch das römische Kastell Lussonium und ein Dorf mit Grabhügellandschaft aus der Bronze- und Eisenzeit in Százalombatta.

Grüße

Viviane Bolin

PS: Wie immer können die Forschungsreisen der Wissenschaftler des Museums auch auf Twitter live miterlebt werden, sogar ohne Anmeldung!

2. Tag der Forschung im Neanderthal Museum

Wollten Sie nicht schon immer wissen, wie Archäologen arbeiten?

Wo genau kriegen sie eigentlich ihre Antworten her? Was für Methoden gibt es?

Am Sonntag, 15. November 2015, findet im Neanderthal Museum der 2. Tag der Forschung statt. Hier können Sie ganz unverblümt alles erfragen, was Sie an der archäologischen Forschung schon immer interessiert hat. So erfahren Sie, wo und vor allem wie momentan auf der Welt geforscht wird. Denn die Wissenschaftler von der Universität Köln, Bonn und Aachen und die wissenschaftlichen Kollegen Neanderthal Museums stellen ihre aktuellen Projekte vor. Nicht nur Archäologen, sondern auch Experten aus anderen Fachbereichen – wie Geologie, Geografie, Datierungsmethoden, Klimaforschung -, die eng mit den Archäologen zusammen arbeiten, werden vor Ort sein!

Wir präsentieren echte Steinwerkzeuge zum Anfassen aus Marokko, einen Simulator für Tsunamiphänomene, Projekte zu steinzeitlicher Höhlenkunst, unseren eigenen 3D Scanner aus dem Haus und vieles mehr für Groß und Klein!

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann schauen Sie doch mal vorbei. Am Sonntag, 15. November, von 11 bis 16 Uhr im Neanderthal Museum.

Ab Montag gibt es außerdem spannende Rätselfragen auf Facebook! Viel Spaß

Grüße

Viviane Bolin

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Bohrungen des SFB 806 in den Lagunen von Campillos

Alle Teams sind jetzt aus Andalusien zurück oder zumindest auf dem Weg nach Deutschland – bis auf eins. Unser Bohrteam vom Institut für Neotektonik & Georisiken der RWTH Aachen wird noch bis Montag nördlich von Ardales hart arbeiten. Denn der SFB ist nicht nur in den archäologischen Fundstellen aktiv sondern auch in „Off-Site-Archiven“. Das sind Klimaarchive aus dem Einzugsgebiet der Fundstellen. In Guadalteba haben wir den enormen Standortvorteil, dass nur wenige Kilometer von Las Palomas und Cueva Ardales entfernt Lagunen liegen. Diese alten Seen, hatten in der späten Eiszeit oder am Beginn des Holozäns eine große Ausdehnung und waren noch mehrere Meter tief. Heute dagegen fallen sie zeitweise trocken. In den Seebecken haben sich teilweise mehrere 10.000 Jahre alte Sedimente erhalten, die aufgrund von Pollendaten und ihrer geochemischen Zusammensetzung detailliert über die Klimageschichte der Region Aufschluss geben.

In der vergangenen Woche wurde in den Lagunen Dulce, Salada, Fuente Piedra, Gosque und Ratosa mit Erlaubnis des staatlichen Umweltamtes der Provinzen Malaga und Sevilla gebohrt. Da Wasservögel auf den Lagunen teilweise schon mit dem Brutgeschäft beginnen, ist große Vorsicht geboten. Die meisten Bohrungen wurden im Randbereich der Lagunen durchgeführt; andere von einem Ponton aus mitten im See. Wegen des starken Windes in der letzten Woche, konnten die Lagunen aber meistens nicht befahren werden. Trotz der widrigen Wetterbedingungen ist es dem Team gelungen, an manchen Stellen bis zu einer Tiefe von 9 m zu bohren. Insgesamt sind in den Lagunen Bohrkerne mit einer Länge von weit über 100 m gezogen worden. Das ist zum großen Teil eine sehr nasse und sehr harte Knochenarbeit.

Wir sind alle gespannt, mit welchen neuen Klimadaten das Team aus Aachen zurückkommen wird.

Mit besten Grüßen

Gerd-Christian Weniger

Lagunen_campillos