“NMsee” Workshop – Pitchen, Testen, Prototypen bauen

Wie kann ein inklusives Museums-Spiel aussehen? Welche Info will ich von einer App wo & wann im Museum haben? Und was für Prototypen bauen 21 Betroffene, Designer & Fachleute an einem Nachmittag? Um die Antworten auf diese Fragen zu kriegen, fand vergangene Woche ein Konzept-Workshop des Projekts „NMsee“  im Neanderthal Museum statt.

Bei der Vorstellrunde steht schnell fest: die Teilnehmer*innen spielen privat mit Vorliebe Monkey Island, Brettspiele wie Das Spiel des Lebens & das unsterbliche Uno.

Der Hintergrund: bis 2021 wird hier im Museum an einem inklusiven App Game für die Dauerausstellung gearbeitet. Dafür wollen wir unsere Ideen und Ansätze von Anfang an mit Betroffenenverbänden und Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen diskutieren.

Von links nach rechts: Bernd Buchholz, Neanderthal Museum. Annalena Knors, Corporate Inclusion. Tamara Ströter, BSV Mettmann. Daniel Wagner, Monokel. Tina Malburg, Kreema Design/PBSA Düsseldorf. Gregor Strutz, Inkl. Design. Michel Roever, Visually Impaired Person Simulator. Linda König, LVR Zentrum für Medien und Bildung. Astrid Bormann, Neanderthal Museum.

Der Vormittag war Pitches gewidmet: Vortragende von Betroffenenvereinen, Game- & Designstudios, dem Museum und dem LVR-Zentrum für Medien und Bildung stellten ihre Perspektiven zu den Themen Inklusion, inklusives Design, Inklusion im Museum sowie Games & Apps vor. Die Bestenliste bei der Einhaltung der Vortragszeit führt Tamara Ströter vom BSV Mettmann mit unschlagbar kompakt-informativen zwei Minuten über ihre Museumserfahrungen. Chapeau!

Im Anschluss folgte eine Führung durch die Dauerausstellung sowie das Probieren unserer Teststation für den geplanten Rundgang. Die Teststation wurde auf der Basis des bestehenden Grundkonzepts von unserer fabelhaften Praktikantin Lisa Skripic gebaut. Parallel dazu stellte das Büro Inkl. Design verschiedene taktile Exponate und Druckmethoden zum Testen zur Verfügung.

An der Teststation im Museum wird getestet & getastet. Die Begleitung auf vier Pfoten wartet derweilen geduldig auf die Mittagspause.

Nach der Mittagspause ging es endlich ans Eingemachte: den Prototypen-Bau! Aufgeteilt in drei Teams, erstellten die Teilnehmer*innen auf Basis der im Vormittag gesammelten Informationen Prototypen zu den drei Themen „Gameplay“, „Hörwelten“ & „Informationen“.

Ende der Prototypen-Time! Die Ergebnisse:

Team „Die Informanten“ präsentiert ein Prototypen-Konzept, bei dem anklickbare Info-Ebenen in einer App dem Gast die Möglichkeit bieten, zwischen Rundgängen mit und ohne Spielerlebnis zu wählen. Je nach Info-Bedarf bietet die App dann immer detailliertere Ebenen, die beginnend mit allgemeinen Fakten zu einem Ausstellungsobjekt bis hin zu weit gefasster Kontextinfo eine individuell wählbare Info-Tiefe bieten. An Stationen im Museum werden dazu Audio-, Video- und Audiodeskriptions-Inhalte angeboten. Für Spieler-Naturen bietet die App nach einem Tutorial die Möglichkeit, einzeln oder in Teams an den Stationen in unterschiedliche Spielcharaktere (Jägerin, Sammler, Archäologin etc.) zu schlüpfen. Für Kinder und Erwachsene gibt es unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Station für Station erspielen sich die Gäste somit die unterschiedlichen Themenbereiche. All das soll außerdem in verschiedenen Sprachen angeboten werden.

„Die Ohren“ schlagen eine klassische Audioführung vor, die per App zu Hause oder im Museum heruntergeladen und dann im Museum gestartet wird. In jedem Themenbereich der Ausstellung gibt es einen passenden Audiobeitrag. Für Erwachsene & Kinder gibt es zwei unterschiedliche Audio-Führungen. Nach dem Anhören des Beitrags kann der Gast ein kleines Sound-Game spielen: der Gast errät die abgespielten, zum jeweiligen Themenbereich & dem Audiobeitrag passenden Sounds und ordnet sie richtig zu. Diese können im Anschluss gesampelt und zu einer Art Song zusammengesetzt werden. So sammelt der Gast beim Besuch mit der App eine ganze „Sound-Kollage“, die er im Anschluss mit nach Hause nehmen, verändern und auf dem Social-Media-Screen am Ende der Dauerausstellung posten kann.

„Die Gameplayer“ stellen ihren Entwurf für ein sehr interessantes Audioerlebnis vor. Ihr angezielter Prototyp sollte multisensorisch, multiperspektivisch & vielschichtig sein. Die allererste Entscheidung der Spieler in diesem Erlebnis besteht darin, die gewünschte Erzähler*in unter den Neanderthalern & Homininen des Museums auszusuchen. Im Sinne der „branching narratives“ unterscheiden sich die daraufhin gehörten Erzählungen, je nach gewählter Antwort- oder Fragemöglichkeit. Zusätzlich existiert eine „Anekdoten-hafte“ Ebene, welche die Lebensrealität unserer Vorfahren anhand einzelner Exponate erklärt. Ziel ist, kein klassisches Spiel zu kreieren, sondern ein „aus verschiedenen Perspektiven erzähltes Hörerlebnis“. Mechaniken wie Multiple-Choice oder kleine Quiz-Elemente bieten Spieler*innen dabei die Möglichkeit, sich in die Erzählung miteinzubringen und in den Dialog mit der/dem Erzähler*in treten. Dabei muss die Geschichte nicht in einem Stück durchgehört werden: vielmehr wird erwartet, dass Besucher*innen immer wieder Pausen & Unterbrechungen einlegen. Zwecks Immersion – also Vertiefung in das Erlebnis – werden Aufmerksamkeits-Spots geplant, zwischen denen der Rundgang auch mal für eine Kaffeepause unterbrochen werden kann.

Im Anschluss an den Workshop bot Michel Roever die Möglichkeit an, den „VIP Simulator“ – eine Virtual Reality-Simulation mit einer ganzen Bandbreite von Sehbehinderungen & Hilfsmitteln – selbst auszuprobieren. Trotz leichtem Schwindelgefühl in der VR-Welt und dem unwiderstehlichen Drang, in den absolut „echt“ wirkenden, virtuellen Raum fröhlich hineinzulaufen, fand sich eine große Gruppe an willigen Testern. Einen kleinen Einblick in die spannende Simulation erhaltet ihr in folgendem Video: www.youtube.com/watch?v=nZr0Sh1oNYA&t=1s

Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen Workshop-Teilnehmer*innen für ihren tollen, kreativen Input zu diesem Projekt und freue mich auf unsere ersten spielbaren Prototypen – geplant für diesen Sommer!

Anna Riethus

Wissenschaftliche Projektleitung „NMsee“

Zu Besuch im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund

Anfang Februar machten sich 5 Mitarbeiterinnen & 2 Praktikanten des Neanderthal Museums auf den Weg in das Deutsche Fußballmuseum Dortmund. Die Einladung nahmen wir gerne an und unser Mammut Tinka war natürlich auch mit an Bord. Wir freuen uns immer, wenn wir die Chance haben andere Museen zu besichtigen, uns auszutauschen und zu vernetzen. Besonders bei der Museumsdichte in Nordrhein-Westfalen ist das manchmal gar nicht so einfach. Beispielsweise waren wir sehr gespannt darauf, wie sich das Fußballmuseum mit dem Thema Inklusion auseinandersetzt. Ein Thema das immer aktuell ist und bei dem ein Austausch untereinander ganz wichtig ist.

Fußballmuseum Dortmund
Vor dem Fußballmuseum
Mammut Tinka sitzt auf Fernseher im Fußballmuseum
Tinka informiert sich über die Geschichte des Fußballs

Die Architektur und Modernität des Museums war beeindruckend. Los geht es mit jeder Menge Geschichte. Zeitungsartikel, Exponate, Fotos und Videomaterial erzählen die Geschichte des deutschen Fußballs aus der Zeit seiner Anfänge bis heute. Das Museum zeigt, erklärt, ordnet ein in Zeiten und Verhältnisse. Mal ändert der Besucher die Perspektive, mal den Standpunkt. Er testet sein Wissen am Touchscreen und kommt im 3-D-Kino seinen Stars ganz nah. Schnell haben wir festgestellt, dass das Fußballmuseum interaktiv und sehr medial und emotional ist. Eine ehemalige Kollegin führte uns durch das Museum. Sie erklärte uns sowohl Inhaltliches als auch die Abläufe der Führungen oder Kindergeburtstage. Das sind nun mal Programme, die wir im Neanderthal Museum auch anbieten. Das ist dann besonders interessant zu hören, was gut funktioniert, welche Rückmeldungen und welche Herausforderungen es gibt.

Zwei Frauen stehen in Kommentator Kabine im Fußballmuseum
Wir haben uns auch mal als Kommentatoren eines Fußballspiels versucht
Mammut Tinka im Fußballmuseum
Für Tinka gibt es viel zu entdecken

Wenn man selbst in einem Museum arbeitet, geht man natürlich immer mit einem ganz besonderen Blick durch andere Museen. Oft wird sogar weniger auf den Inhalt geachtet und wir stellen uns eher folgende Fragen: Wie viel kostet der Eintritt? Ist das Museum barrierefrei? Wie verständlich sind die Beschreibungen der Exponate? Welche Flyer gibt es? Wie ist die Ausstellung aufgebaut? Das geschulte Auge weiß eben, was für einen Museumsbesuch wichtig ist und zieht automatisch einen Vergleich. Umso spannender ist es, seinen eigenen Tunnelblick zu erweitern und immer wieder neue Inspirationen zu sammeln.
Wir bedanken uns für einen ereignisreichen Tag im Deutschen Fußballmuseum und freuen uns darauf, wenn wir die Mitarbeiter des Fußballmuseums auch mal in die Welt des Neanderthalers entführen dürfen 🙂

Und nun noch eine wichtige Frage zum Schluss: Ob der Neanderthaler wohl ein guter Fußballspieler gewesen wäre? 😉

#Tinkaontour

Mammut Tinka vor der Meisterschale
Tinka gewinnt die Meisterschale
Zu Besuch im Fußballmuseum
Den Fallrückzieher haben wir natürlich auch noch geübt.

Nurias Praktikum im Neanderthal Museum

Mein Praktikum im Neanderthal Museum

Hallo, ich heiße Nuria und habe im Januar 2019 mein dreiwöchiges Schülerbetriebspraktikum im Neanderthal Museum absolviert. In diesem Blogeintrag möchte ich euch von meinen Erlebnissen und Erfahrungen erzählen.

Die anfängliche Nervosität legte sich schnell, nachdem mir an meinem ersten Tag von den beiden Volontärinnen, meinen Ansprechpartnerinnen,  das Team vorgestellt wurde.

Mein Tag begann ungefähr um 9 Uhr, dank der variablen Arbeitszeiten konnte ich meinen Start an die öffentlichen Verkehrsmittel anpassen. Danach ging es jeden Tag anders los. Wenn ich am Morgen im Verwaltungsgebäude des Museums war habe ich, anfangs mit Anleitung und später auch alleine, einen Kontrollgang durch das Museum gemacht. Danach ging es meistens mit typischen Praktikanten-Aufgaben weiter, wie zum Beispiel Plakate falten, scannen oder auch Gummibärchen an Flyer tackern. Bei so einer Aufgabe durfte der kleine Zuckerschub zwischendurch natürlich nicht fehlen! Montags ist Putztag, da darf die Praktikantin natürlich auch ordentlich anpacken und den Staubwedel schwingen. Über das Geländer steigen und die Figuren anfassen, was als Besucher natürlich nicht möglich ist, war ein kleines Highlight für mich, vor allem als einige Figuren neue Frisuren brauchten!

Neanderthaler Mädchen sitzt im Museum
Kina im Neanderthal Museum

In der Steinzeit-Werkstatt, wo pädagogische Angebote stattfinden, waren die Aufgaben aus einem vollkommen anderen Bereich. Hier ging es meistens eher ums Praktische: Ich habe bei Bastel-Workshops geholfen, und dort gelernt, wie man Steinzeit-Amulette herstellt, aber auch bei der Inventur geholfen und Erpresser Briefe für einen Steinzeitkrimi-Kindergeburtstag gebastelt.

Natürlich hatte ich auch genug Zeit, um mein Wissen über Neandertaler und Co zu vergrößern. Ich bin bei Führungen im Museum mitgegangen, habe mir Workshops für Oberstufenklassen angeschaut und auch Zeit gehabt um etwas über die Museums- und Menschheitsgeschichte zu lesen.

Wer sich für Archäologie oder Museumswissenschaft interessiert, oder auch einfach mal hinter die Kulissen gucken möchte, sollte sich auf jeden Fall überlegen sich für ein Praktikum im Neanderthal Museum zu bewerben.

Autorin: Nuria Hochkirchen

Forschung im Museum: Das Paläolithikum im Rheinland

Im September diesen Jahres startete im Neanderthal ein Projekt zum Paläolithikum im Rheinland mit einer Laufzeit von vier Jahren. Es wird gemeinschaftlich finanziert vom Landschaftsverband Rheinland und der Stiftung Neanderthal Museum in Kooperation mit dem Rheinischen Landesmuseum Bonn und dem Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Köln.

Worum geht es? Seit mehr als 100 Jahre werden vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege und seinen Vorgänger-Institutionen als paläolithisch registrierte Funde und Fundstellen archiviert. Das gesamte Archiv wird nun systematisch überprüft. Die sehr heterogenen Informationen werden vereinheitlicht, auf den neuesten Stand gebracht und den vier beteiligten Institutionen für ihre tägliche Arbeit zugänglich gemacht.

Karte der altsteinzeitlichen Fundstellen in den Regierungsbezirken Köln und Düsseldorf (blaue Punkte) auf der Verbreitung des eiszeitlichen Lösses (in den Kaltzeiten vom Wind abgelagerte feinkörnige Sedimente: Gelbtöne).

Dazu werden die vor vier Jahren erstmals aus unterschiedlichsten analogen und digitalen Archiven der rheinischen Bodendenkmalpflege in einer digitalen Gesamtdatenbank zusammengeführten Informationen lektoriert und, wo nötig und noch möglich, sukzessive am Fundmaterial und den Fundstellen selbst überprüft, aktualisiert und ergänzt.

Der Faustkeil von Hochdahl, das möglicherweise älteste Steinwerkzeug Nordrheinwestfalens (Foto: Rheinisches Landesmuseum Bonn)

Im aktualisierten Zustand wird die Datenbank nicht nur als Entscheidungsgrundlage die Planung und Ausführung zukünftiger bodendenkmalpflegerischer Maßnahmen erleichtern, sondern auch die Möglichkeit bieten, sowohl das wissenschaftliche Potential einzelner Fundstellen als auch die Funde in ihrer Gesamtheit neu zu bewerten. Auf der Datengrundlage können neue Forschungsfragen und Projekte entwickelt werden.

TIPP: Am Tag der Forschung reden wir mit euch gerne über unsere aktuelle Forschung und neue wissenschaftliche Projekte!

Kontakt:

Dr. Daniel Schyle

Why we love old mud so much – 600.000 Jahre alter Matsch

600.000 Jahre alter Matsch aus äthiopischen Bohrkernen (Chew Bahir See) verrät wie die Welt unserer Vorfahren aussah

Von Verena Foerster und Frank Schäbitz (Uni Köln)

Warum bringt so richtig alter Matsch Wissenschaftler aus aller Welt in helle Aufregung? Die
Antwort ist einfach: weil in diesen sogenannten Sedimentkernen aus Südäthiopien wertvolle
Informationen über den Lebensraum und die klimatische Veränderungen unserer Vorfahren
gespeichert sind! Man spricht auch von einem natürlichen Klimaarchiv. Und genau so ein
Klimaarchiv haben wir mit einem internationalen Team von Wissenschaftlern durch eine
Tiefbohrung in einen ausgetrockneten See im Afrikanischen Rift geborgen. Derzeit werden diese insgesamt 3 t Material (was etwa 500 m Bohrkern entspricht) in den den Laboren der beteiligten Universitäten in Deutschland, Äthiopien, Wales, USA aber auch bei uns an der Universität zu Köln untersucht.

Aus den feinen sedimentären Ablagerungen kann unser Forscherteam beispielsweise
entschlüsseln unter welchen Bedingungen unsere frühen Vorfahren sich entwickelten, also welche Zusammenhänge es möglicherweise zwischen Umweltveränderungen und Evolution und Migration gibt. Neben zahlreichen Fossilien und Mikrofossilien, die in den Schichten der
Sedimentablagerungen eingebettet sind, zeigen weitere solcher sogenannter Klimaproxys (z.B.
verschiedene Korngrössen, Minerale, Farbwechsel) sehr genau wie feucht oder wie trocken das
Klima in der Vergangenheit dort war.

Am Tag der Forschung am 25. November gibt es neben so einem Stück Klimageschichte in Form von einem Bohrkern auch Mikrofossilien und Minerale unter dem Mikroskop zu entdecken, Sedimentproben zu ertasten und echte Bohrwerkzeuge zu bestaunen! Wir erklären, wie sich aus diesem „richtig alten Matsch“ Klimageschichte lesen lässt.

Forschung im Museum: Das DISAPALE-Projekt

(Digitale Sammlung Paläolitischer Leitformen)

Das DISAPALE-Projekt verfolgt das Ziel, die ca. 500 bekannten Typen prähistorischer Steinartefakte zu digitalisieren, zu katalogisieren und der Öffentlichkeit und Forschung zugänglich zu machen. Hierzu sollen in den nächsten drei Jahren Steinartefakte 3D-gescannt und auf der Online-Plattform „NESPOS“ (Neanderthal Studies Professional Online Service) veröffentlicht werden (mehr zu NESPOS hier). Das Projekt ist eine Kollaboration des Neanderthal Museums mit der Friedrich-Alexander Universität Erlangen und wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Die wissenschaftliche Leitung des Projekts hat Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger (Neanderthal Museum), bearbeitet werden die Artefakte von den Projektmitarbeitern Gianpiero Di Maida (Post-Doc, Neanderthal Museum) und Jan Sabri Cetinkaya (wiss. Mitarbeiter, Neanderthal Museum).

Die Digitalisierung wird durch einen Streiflichtscanner der Marke Breuckmann (smart-scan 3D) und der aktuellen Software (Optoscan 2018) vorgenommen. Ergänzend sollen weitere Methoden, wie etwa ‘Structure from Motion’, zum Einsatz kommen. Unsere Vorgehensweise zielt auf einen Vergleich der unterschiedlichen Digitalisierungstechniken ab. Die prähistorischen Artefakte, die im Zuge des Projekts digitalisiert werden, stammen aus der Lehrsammlung der Friedrich-Alexander Universität Erlangen und der Sammlung des Neanderthal Museums. Hier, in den Räumlichkeiten der Museums-Sammlung, werden sie auch von Herrn Di Maida und Herrn Cetinkaya gescannt.

Die Grundlage zur Umsetzung des Projekts bilden die bekannten Typologien prähistorischer Steinartefakte in der Fachliteratur, wie etwa Bordes: „Typologie du Paléolitique ancient et moyen” (Paris 2000) oder Floss (Hrsg.): „Steinartefakte. Vom Altpaläolithikum bis in die Neuzeit“ (Tübingen 2013). Ein weiteres Ziel des DISAPALE-Projekts ist, die bestehenden Typologien kritisch zu betrachten und mögliche Alternativen aufzuzeigen.

Das Projekt hat eine geplante Laufzeit von drei Jahren. In dieser Zeit wird das Projektteam in regelmäßigen Abständen Updates über seine Arbeit und den Fortgang des Projekts über die Social Media-Kanäle des Neanderthal Museums veröffentlichen. Up to date bleibt man am besten im Museumsblog, Facebook und Twitter: @ExpeditionNM

P.S. Am 25. November stellen sich unsere Forscher/innen am TAG DER FORSCHUNG im Museum persönlich unseren Besucher/innen vor! Auch die Kollegen von DISAPALE beantworten dort gerne Fragen zu ihrer Arbeit.

Logo DISAPALE Forschungsprojekt

Kontakt zu DISAPALE:

ENGLISH TRANSLATION

DISAPALE stands for “Digitale Sammlung Pläolitischer Leitformen”, which is German for “Digital collection of lithic typological forms”. It is a project of the Neanderthal Museum in collaboration with the Friedrich-Alexander University of Erlangen-Nürnberg, financed by the BMBF, the Bundesministerium für Bildung und Forschung (Federal Ministry of Education and Research).

The main objective of DISAPALE, as the project title already suggests, is to digitalize about 500 different typological forms known in scientific literature (with about 4 or 5 variants per type) and make them available on the NESPOS platform for archaeology students and professionals alike.

The people involved in this project are Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger, the scientific supervisor; Gianpiero Di Maida, post-doc; and Jan Cetinkaya, scientific collaborator at the Neanderthal Museum.

The recording process will be done mainly using a Breuckmann smart-scan 3D and Optoscan software 2018. But case-by-case, the programme Structure from Motion will be tested on the way to compare results and to also produce new data about the methodology of the recording.

The basis for the realization of the planned catalogue will be the known-from-the-literature types’ lists (e.g. Bordes “Typologie du Paléolitique ancient et moyen” Paris 2000, or Floss’ (ed.) „Steinartefakte. Vom Altpaläolithikum bis in die Neuzeit“, Tübingen 2013). We are well aware of the constitutional problems that the typological approach at the study of the lithics brings with itself. Keeping these issues in mind, and in the light of most recent research (BIBLIO), another objective of the project aside from recording will be that of highlighting and then addressing possible elements of criticism on the classic typological approach and to suggest alternatives.

The project will last 3 years, regular updates will be given via the official channels of the Neanderthal Museum (this blog and the twitter account, @ExpeditionNM)!

Die letzten Ausgrabungen in der Cueva Ardales, Spanien

Diesen Sommer reiste das Forschungsteam des Neanderthal Museums für die letzte Grabungskampagne in der Cueva Ardales wieder nach Andalusien. Seit 2015 ist unser Team zweimal pro Jahr in der Höhle, welche Anfang 2018 mit der neuen Entdeckung von Neanderthaler-Kunst Schlagzeilen gemacht hatte. Um diese neuen Erkenntnisse zu bekräftigen und neue Daten zu gewinnen, arbeiteten wir wieder im Grabungsschnitt Zone 3, direkt unterhalb einer großen Wandfläche mit roten Punkten. In diesem Schnitt hatten wir bereits in den Kampagnen zuvor Bodenschichten des Mittelpaläolithikums entdeckt. Wir trafen auch unsere spanischen Kollegen wieder, mit denen wir bereits seit Anfang der Grabungen zusammenarbeiten, um die Ausgrabung nun zum Abschluss zu bringen.

Die tägliche Arbeit in Zone 3

Hier saßen wir nun, Schulter an Schulter, um Schichtverläufe und Funde zu dokumentieren, während andere Teammitglieder im Labor oder im Büro weitere Schritte der Nachbearbeitung unternahmen. Im Labor und dem Büro wurde Sediment gewaschen und sortiert, und hier wurden auch die Funde in unseren Katalog eingetragen. Wir freuten uns besonders auf die zahlreichen Besucherinnen und Besucher nach der diesjährigen ESHE Konferenz in Faro, unter anderem die Kollegen Dirk Hoffmann (Leipzig) und Chris Standish (Southhampton), die neue Proben der Wandkunst entnahmen.

Proben der Kunst aus Hoffmann et al., 2018 (Science 359/6378, S. 912-915)

Wir waren traurig, nach so vielen Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit Andalusien zurück zu lassen, aber freuen uns auf die nächste Phase des Projekts – die Datenauswertung. Nun, da die Fundstelle geschlossen ist, sind wir bereit neue Erkenntnisse aus den Daten zu gewinnen und weiter unseren Beitrag zur Erforschung der Kultur der Neanderthaler beizutragen.

Taylor Otto, Wissenschaftliche Museumsmitarbeiterin & Doktorandin an der Universität zu Köln

Letzte Vorbereitungen für den 5. Tag der Forschung im Neanderthal Museum

Am 25. November, 2018, findet der 5. Tag der Forschung im Neanderthal Museum statt! Wie jedes Jahr ist dieser Sonntag eine gute Gelegenheit für unsere Museumsbesucher, direkt mit den Forschern aus dem Neanderthal Museum, der Universität zu Köln und benachbarten Forschungseinrichtungen Kontakt aufzunehmen. Wir erwarten spannende Diskussionen über die vielfältigen Aspekte des wissenschaftlichen Alltags im Feld und im Labor.

Wir freuen uns, zahlreiche Wissenschaftler aus dem Sonderforschungsbereich 806 (www.sfb806.uni-koeln.de/index.php/projects) sowie KollegInnen aus benachbarten Universitäten und Forschungseinrichtungen willkommen zu heißen. Wir präsentieren neueste Ergebnisse aus der Sedimentologie, der Archäozoologie (www.archaeozoologie.de/) sowie Archive und Projekte aus der ganzen Welt.

Besonders gespannt sind wir auf die Stationen zum Fährtenlesen sowie die Präsentation von zerstörten Kulturdenkmälern in Syrien. Zusätzlich stellen die Forscherinnen und Forscher aus dem Neanderthal Museum die Ergebnisse ihrer jüngsten Projekte vor – inklusive der neuesten Erkenntnisse zur Neanderthaler-Felskunst aus der Cueva Ardales in Spanien!

Hoffmann et al, Science 23 Feb 2018: Vol. 359, Issue 6378, pp. 912-915

Zusätzlich freuen wir uns besonders auf einen Vortrag von Prof. Klaus Reicherter von der RWTH Aachen, der aus aktuellem Anlass zum Thema Tsunamis vortragen wird.

Die Vorbereitungen sind nun in der entscheidenden Phase. Feiern Sie mit uns dieses Jubiläum und erfahren Sie vor Ort, wie Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen vor Ihrer Haustür und in der weiten Welt arbeiten und neue Erkenntnisse ans Licht bringen!

Folgen Sie den neuesten Updates auf Facebook (www.facebook.com/neanderthalmuseum) und Twitter (twitter.com/Neandertal1).

Wir freuen uns, Sie am 25. November im Neanderthal Museum begrüßen zu dürfen!

Taylor Otto, Wissenschaftliche Museumsmitarbeiterin & Doktorandin an der Universität zu Köln

Jules Praktikum im Neanderthal Museum

Hi,

Mein Name ist Jule. Ich studiere im 2-Fach-Bachelor Archäologie und Kunstgeschichte und absolvierte im September ein dreiwöchiges Praktikum hier im Neanderthal Museum.

In diesem Beitrag möchte ich ein bisschen darüber erzählen, wie mein Praktikum so verlaufen ist.

Vorab kann ich sagen, dass alle anfängliche Nervosität am ersten Arbeitstag vollends unbegründet war. Dieser begann um neun Uhr morgens. Zuerst wurde ich dem wirklich ausnahmslos freundlichen Team vorgestellt, dessen  Mitglieder mir im Laufe der Wochen immer wieder bei Problemen und Fragen weiterhelfen konnten. Anschließend gab mir eine meiner Bezugspersonen eine Führung durch die Dauerausstellung des Museums, was mir die Möglichkeit bot, auch fachlich dazuzulernen. Ich half beim Putzen und begleitete den Kontrollrundgang, welchen ich dadurch später dann auch alleine übernehmen konnte.

In den nachfolgenden Tagen kamen viele neue Aufgaben hinzu. Flyer sortieren, Blätter laminieren und andere typische Praktikantenarbeiten gab es natürlich auch. Trotzdem hat es  mich immer wieder überrascht, wie viel Vertrauen man mir entgegengebracht hat. Ich durfte in der Sonderausstellung beim An- und Abmontieren der Fotografien helfen, habe Aufsicht im Museum gehalten, für Einkäufe recherchiert und hatte eine, im wahrsten Sinne des Wortes, tragende Rolle beim Transportieren wertvoller Schädelmodelle. Auch in der Steinzeitwerkstatt war ich willkommen. Ich durfte bei einigen Workshops zusehen und hin und wieder bei kleineren Arbeiten aushelfen. In einer Pause wurde mir sogar angeboten, selbst einmal einen Steinzeitbogen in die Hand zu nehmen und auf eine Zielscheibe zu schießen. Falls hin und wieder keine Aufgaben mehr für mich anstanden, gab man mir Artikel zu steinzeitlichen Themen und Fotos älterer Sonderausstellungen des Museums, die ich mir ansehen durfte.

Ich habe nicht nur umfangreiche Einblicke ins Berufsleben und wissenswerte Informationen zum Thema Archäologie erhalten, sondern auch viele nette Menschen kennengelernt. Alles in allem bin ich mehr als glücklich mein Praktikum hier absolviert zu haben.

Autorin: Jule Feichtner

Inklusion im Neanderthal

Diversity Challenge, Touchpoint Workshops, barrierefreie Fußgängerbrücken – ihr merkt, wir im Neanderthal Museum setzen uns immer mehr mit dem wichtigen Thema Inklusion auseinander.

Ein besonderer Fokus innerhalb dieses allumfassenden Themas liegt bei uns darauf, Menschen mit Sehbehinderung Zugang zu unseren Inhalten und Ausstellungen zu verschaffen. Die Frage dabei ist natürlich: WIE?

Wir Museen sind traditionell sehr visuell geprägt. Wir stellen empfindliche Objekte wie Schädel, Schwerter oder Bücher hinter Glas aus, weil wir davon ausgehen, dass unsere Besucherinnen und Besucher mit etwas Begleittext die großartige Geschichte hinter diesen Objekten nachvollziehen können. Das Problem ist nur: sieht man diese Objekte nicht und kann man auch die dazugehörigen Texte nicht lesen, hat ein Museumsbesuch wenig Nutzen…

Das möchten wir ändern. Wir finden, dass die Geschichte des Neanderthals, des Neanderthalers und die Humanevolution keinem vorenthalten werden darf.  Zum einen erweitern wir unser Bildungs- und Vermittlungsprogramm:

Mit dem Workshop TOUCHPOINT: Gefühlte Menschheitsentwicklung haben wir ein Tasterlebnis für Sehnende, Seheingeschränkte und Blinde geschaffen. Am reservierten Tisch in der Cafeteria – unserem TOUCHPOINT- sitzt man in gemütlicher Runde. Wir reichen euch Dinge, die ihr sehen, riechen, schmecken, tasten und hören könnt. Eine außergewöhnlich sinnliche Annäherung an die Menschheitsgeschichte! Wer möchte, bestellt sich dazu noch eine Tasse Kaffee oder ein Glas Wasser. Sehende bekommen eine Schlafmaske, um sich mehr auf ihre weiteren Sinne konzentrieren zu können.

Save the date: In der Woche des Sehens bieten wir von Dienstag (9.10.) bis Sonntag (14.10) das Programm täglich im Museums-Café an! Mehr dazu findet ihr unter www.woche-des-sehens.de/veranstaltungskalender/

Davon abgesehen planen wir mit Start im Jänner 2019 ein umfangreiches Forschungsprojekt – NMsee – in dessen Verlauf wir einen vollkommen neuen, inklusiven Zugang zu den Inhalten unserer Dauerausstellung schaffen werden. Dies gelingt über taktile Exponate, Bodenleitsysteme, taktile Schilder und ein inklusives App Game. Spannend, nicht wahr? Mehr zum Projekt und zu inklusiven Gaming liest ihr in diesem Blogeintrag: https://bkw.hypotheses.org/677

Unser Ziel ist es, das hoch angesetzte Ziel eines “Museums für Alle” zu erreichen. Helft uns dabei, indem ihr uns eure Ideen und Wünsche mitteilt!