Älteste Knochen mit Schnittspuren entdeckt – Ein Kommentar

Dikika_forschungsprojekt

Die Anfänge der Werkzeugnutzung durch unsere Vorfahren rücken wieder weiter in die Vergangenheit. Diesmal sind es nicht weniger als 800.000 Jahre, die zum bisher bekannten Alter hinzugekommen sind: Waren es vor kurzem etwa 2.6 Millionen Jahre, haben Wissenschaftler nun Knochen mit Schnitt- und Schlagspuren entdeckt, die mehr als 3.4 Millionen alt sind.

Die Knochen wurden in Äthiopien geborgen, in einer Region, die schon lange wegen ihrer zahlreichen Funde aus den Anfängen der Menschheitsgeschichte berühmt ist. Für weltweite Aufmerksamkeit sorgten hier z.B. die Entdeckungen mehrerer Fossilien der Gattung Australopithecus afarensis, darunter auch „Lucy“.

Bei den nun entdeckten Knochen handelt es sich allerdings eindeutig um Tierknochen. Doch ist sich das Forscherteam um Zeresenay Alemseged und Shannon McPherron einig, dass es nach heutigem Wissenstand nur Australopithecus afarensis gewesen sein kann, der vor 3.4 Millionen Jahren mithilfe von scharfkantigen Steinen das Fleisch von den Knochen trennte.

Unklar bleibt noch, wie die Steine aussahen, die für diese Arbeit genutzt wurden. Hatten die Hominiden Steine bearbeitet – also Werkzeuge hergestellt – um das Fleisch zu zerlegen? Oder hatten sie Stücke ausgewählt, die bereits von Natur aus eine scharfe Kante aufwiesen? Die Antwort wird sicherlich bald folgen, denn mit diesen frühesten indirekten Belegen wird die Suche nach den dazugehörigen Werkzeugen auf vollen Touren laufen. Wir wünschen viel Glück!

Isabell Schmidt, Doktorandin

Bildquelle: Dikika-Forschungsprojekt

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