SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Neue Erkenntnisse bei Ausgrabung in der Rio Secco Höhle in Italien

Bereits zum vierten Mal findet in der Rio Secco Höhle eine archäologische Ausgrabung statt, die in enger Zusammenarbeit der Universität Ferrara und dem Neanderthal Museum durchgeführt wird. Die Archäologen fanden hier, am Südrand der Alpen, Spuren von Neanderthalern und den ersten modernen Menschen.

Bislang hatten die Untersuchungen unter dem großen Felsüberhang vor der Höhle stattgefunden. Hier hatte der Grabungsleiter Marco Peresani (Ferrara) vor einiger Zeit die ersten Spuren der prähistorischen Besiedlung entdeckt. In den vergangenen Grabungskampagnen zeigte sich allerdings, dass herabgefallene Felsbrocken des Überhangs sowie Murmeltiere die Hinterlassenschaften stark gestört hatten.

Die neue Grabung wurde von vielen mit Spannung erwartet. Nachdem in diesem Frühjahr auch noch die Schäden einer Raubgrabung im Höhleneingang beseitigt werden mussten, drang die Ausgrabung endlich bis in die Höhle vor.

Dementsprechend groß war die Freude unter den beteiligten Archäologen sowie den Vertretern der Gemeinde Clauzetto, als sich vor wenigen Tagen im Eingang der Höhle ungestörte Schichten aus der Zeit der Neanderthaler zeigten. Weder die Murmeltiere der letzten Eiszeit noch die Raubgrabungen der jüngsten Vergangenheit haben ihnen etwas anhaben können. Durch die Identifizierung der Schichten lassen sich die Hinterlassenschaften – es wurden Werkzeuge aus Stein sowie Tierknochen mit Bearbeitungsspuren gefunden – in eine klare zeitliche Abfolge stellen.

Die Grabungskampagne wird in diesem Jahr noch eine Woche dauern. Aber es besteht kein Zweifel mehr, dass sich weitere Forschungen lohnen. Nicht zuletzt durch die großartige Öffentlichkeitsarbeit der italienischen Archäologen (von der an dieser Stelle noch berichtet wird) wurde ein breites Interesse an der Urgeschichte der Region geschaffen. Zusammen mit den Bewohnern der umliegenden Bergdörfer hofft nun das Grabungsteam der Universität Ferrara sowie das Neanderthal Museum, dass die Grabung auch in Zukunft stattfinden kann.

Mit besten Grüßen aus Italien,

Isabell Schmidt

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