Winter ist Schädelzeit

Von Dezember bis April brummt es in Raum 3 der Steinzeitwerkstatt. „Wie heißt das Ding über den Augen? Oberaugenwurst?“, „Der hat nur einen Reißzahn.“ oder „Dieser hatte keine Jochbeine“ sind nur einige Sätze die man hört, wenn man zufällig vorbeiläuft. Natürlich heißt es nicht Oberaugenwurst, sondern Überaugenwulst und der Reißzahn ist ein ziemlich abgekauter Eckzahn eines Neanderthalers, der nur so gefährlich aussieht, weil es der einzige und letzte Zahn dieses Mannes ist, der noch im Kiefer saß. Die Jochbeine waren bei der lebenden Person sicher noch dran, sind aber im Laufe der Jahrtausende einfach abgebrochen und verloren gegangen.

Zur Erklärung: gerade findet einer unserer Workshops zur Humanevolution statt. Bis kurz vor dem Abitur findet man jeden Tag mindestens einen Biologiekurs, meistens aber mehr, die sich hier mit unserer Sammlung an Abgüssen von Schädeln lange ausgestorbener menschlicher Vorfahren beschäftigen. Die SchülerInnen können bei uns selbst erforschen, wie sich die Schädel von Lucy, dem Turkana Boy, dem alten Mann von La Chapelle aux Saints und uns selbst unterscheiden. 3-4 Schädel stehen jeder Kleingruppe von 4 SchülerInnen zur Verfügung und werden dabei hochgehoben, von allen Seiten betrachtet und verglichen. Zum Schluss präsentiert jede Gruppe ihren MitschülerInnen die Ergebnisse und man versucht gemeinsam, eine Einordnung der Funde in den Stammbaum zu finden. Wir sprechen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Menschenarten und über die verschiedenen Wege, die die menschliche Evolution gegangen ist.
Uns machen diese Workshops immer sehr viel Spaß und deshalb freuen wir uns jedes Jahr aufs Neue wenn die Abiturienten zum Lernen bei uns ankommen.

Bis bald im Tal bei den Schädeln,
Freya Köhler
Volontärin Museumspädagogik

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