SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Neue Daten aus Guadalteba

Freitagnacht vor genau einer Woche sind Andreas Pastoors, Jörg Linstädter und ich von unserer Auswertungskampagne in Ardales zurückgekehrt. Nach einer Woche, in der wir unter Hochdruck mit unseren spanischen Kollegen alle bisher verfügbaren Daten zu den zwei Fundplätzen Cueva Ardales und Sima de las Palomas de Teba geprüft und  ausgewertet haben, waren wir zwar erschöpft aber auch sehr zufrieden. Unsere vorläufige Einschätzung hat sich nun bestätigt. Beide Fundplätze haben eine außergewöhnliche Qualität und belegen die menschliche Besiedlung in der Region Guadalteba über einen Zeitraum von 80.000 Jahren.

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In Las Palomas de Teba liegen in einem Profil von über 5 m Mächtigkeit mehrere Besiedlungshorizonte des Neanderthalers vor. Darunter sind sehr fundreiche Schichten mit Feuerstellen und verbrannten Silexwerkzeugen. Durch die Datierung verbrannter Silexwerkzeuge konnte eine radiometrische Altersbestimmung mit Hilfe der Thermolumineszenz-Methode (TL) durchgeführt werden. Der Kollege Christoph Schmidt vom Labor für Lumineszenz-Datierung der Universität Köln konnte für das untere Schichtpaket aus Las Palomas ein Alter zwischen 51.000 und 83.000 Jahren vor heute feststellen. Für das obere Schichtpaket warten wir noch auf weitere Datierungen. Wir können allerdings jetzt schon sagen, dass die Besiedlung der Fundstelle mit den Neanderthalern endete und sie lange Zeit danach nicht wieder von Menschen aufgesucht worden ist. Dieses Phänomen kennen wir aus vielen Fundplätzen vor allem im Süden der Iberischen Halbinsel und es könnte darauf hinweisen, dass Neanderthaler ausgestorben sind, bevor die ersten anatomisch modernen Menschen nach Spanien und Portugal einwanderten. Wir haben dazu eine umfangreiche Analyse gerade publiziert und auf Tagungen in Bordeaux und Memphis darüber berichtet. Die Pollenanalysen in Las Palomas zeigen, dass im Laufe der Besiedlungsgeschichte die Vegetation immer stärker von Steppenpflanzen dominiert wurde und die Trockenheit in der Region ständig zunahm.

Ganz anderes sieht es in der Cueva Ardales aus, die etwa 10 km südlich von Las Palomas liegt. In dieser Höhle mit Zeugnissen eiszeitlicher Wandkunst konnten wir bisher drei Zeithorizonte erkennen. Der jüngste gehört in die Zeit vor etwa 4.000 Jahren vor heute. Am Ende des Neolithikums haben Menschen ihre Spuren in der Höhle hinterlassen. Steinwerkzeuge, Keramikscherben, Reste einer Feuerstelle und einige Menschenreste zeugen von dieser Phase. Eine weitere Besiedlung durch den Menschen ist um 19.000 Jahren vor heute fassbar. Die dazugehörige kulturelle Phase nennen wir Solutréen. Unsere spanischen Kollegen hatten die Malereien und Gravierungen in Ardales aufgrund stilistischer Kriterien in das Solutréen datiert. Durch die neu entdeckten Besiedlungsspuren können wir diese Einschätzung nun bestätigen. Und dann hat uns eine weitere Altersdatierung, die wie die anderen Datierungen in Ardales mit der C14-Methode durchgeführt wurde, überrascht. Aus der Sondage 3 liegen zwei Datierungen an Holzkohlen von 55.000 Jahren vor heute vor. Damit befinden wir uns in einem Zeitfenster des Neanderthalers. Allerdings haben wir aus der Sondage 3 keine Spuren menschlicher Aktivitäten vorliegen. Die Holzkohlen könnten auch auf natürlichem Wege an diese Stelle gelangt sein. Allerdings wurde auf dem Vorplatz der Höhle unmittelbar am Höhleneingang ein typisches mittelpaläolithisches Artefakt gefunden. Es deutet also einiges daraufhin, dass Neanderthaler die ersten Besiedler der Cueva Ardales waren. Diese Vermutung müssen wir nun in weiteren Untersuchungen prüfen.

 

Mit den besten Grüßen

Gerd-Christian Weniger

 

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