Menschen, Tiere und auch Zeichen? Die Gravuren auf den Schieferplatten von Gönnersdorf

Einmal im Monat findet im Neanderthal Museum der NeanderTalk statt. Archäologen, die gerade ihre Doktorarbeit verfassen oder an diversen Projekten teilnehmen und Forschungen zu aktuellen Themen betreiben, haben bei uns die Möglichkeit, ihre Ergebnisse in einem kleinen Rahmen für Mitarbeiter zu präsentieren.

Am 05. Dezember 2012 war der Archäologe Wolfgang Heuschen M.A. im Haus und hat seine Dissertation vorgestellt. Schon in seiner Kindheit interessierte er sich für Geologie und Paläontologie und entschied sich später zum Magisterstudium der Ur- und Frühgeschichte, Geologie und Provinzialrömischen Archäologie in Köln. Die Magisterarbeit verfasste er bei Prof. Dr. Bosinski über die „Artefakte aus Paläozoischen Quarzit von Gönnersdorf und Andernach“.

Seit ca. zehn Jahren dokumentiert er nun die Gravuren auf den altsteinzeitlichen Schieferplatten von Gönnersdorf, die ca. 15 000 Jahre alt sind. Die Menschen der Altsteinzeit lagerten und lebten nicht nur an diesem im Neuwieder Becken gelegenen Fundplatz, sondern erschufen dort auch viele Kunstwerke. Mit Feuersteinwerkzeugen gravierten sie diverse Darstellungen auf die Oberflächen der Schieferplatten. Neben den berühmten Darstellungen von Tieren und Menschen (ausschließlich Frauen) sind auch eine große Anzahl abstrakter Motive auf den Platten überliefert worden.

Herr Heuschen hat sein besonderes Augenmerk auf die Dokumentation und Erforschung dieser „nicht naturalistischen Darstellungen“ (z.B. Dreiecke, Kreise, Spiralen, Kreuze, Sterne, Linienbündel, Gitter etc.) gelegt. Handelt es sich dabei um Notizen, welche die Menschen vielleicht zur Erinnerung an bestimmte Ereignisse auf den Schieferplatten hinterließen? Oder wollten sie damit die Erzählung von Geschichten veranschaulichen? Da die Platten häufig zerbrochen und als Arbeitsunterlage verwendet wurden, sind die Gebrauchsspuren oft schwer von den nicht naturalistischen Darstellungen zu unterscheiden.

Trotz dieser Schwierigkeiten sind die Arbeiten des Archäologen sehr wichtig für die altsteinzeitliche Forschung. Es gelang Herrn Heuschen, das Spektrum der Darstellungen zu dokumentieren und eine große Vielfalt bisher noch unerkannter Motive zu entdecken. Auch wenn uns die genaue Bedeutung der Darstellungen für die altsteinzeitlichen Menschen verschlossen bleiben wird, so sind durch detaillierte technische Analysen der einzelnen Motive und durch Kartierungen der Schieferplatten auf dem Fundplatz wichtige Informationen über die Erstellung der Zeichnungen und die Bedeutung der Platten zu erwarten.

Zurzeit arbeitet Herr Heuschen in MONREPOS – Archäologisches Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution in Neuwied, wo sich auch das Fundmaterial befindet, an der Vollendung seiner Dissertation. Er hofft, die Ergebnisse im Laufe des nächsten Jahres schriftlich präsentieren zu können. Wir wünschen ihm viel Erfolg dabei!

Herzliche Grüße

Viviane Bolin

 

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