Ausflug in das Hönnetal

Letzte Woche Dienstag besuchte das Wissenschaftsteam vom Neanderthal Museum das schöne Hönnetal im Sauerland, um dort die Balver-Höhle, die Feldhof-Höhle und die Dechenhöhle mit unserem spanischen Gast-Professor Álvaro Arrizabalaga zu erkunden.

Unser erster Weg an diesem Morgen führte uns in die kleine Stadt Balve und zu ihrer gleichnamigen Karsthöhle, der Balver-Höhle. Als größte offene Hallenhöhle in Europa wird sie heute vorwiegend für Veranstaltungen aller Art genutzt, wie z.B. für das Eins-Live Radiokonzert der Fantastischen Vier im Sommer 2012. Die Höhle selbst besteht aus einer großen tunnelförmigen Halle mit einer Höhe von ca. 12 m. Von dieser zweigen die Nebenarme „Ernst Heinrich von Dechen“ und „Rudolf Virchow“ ab – benannt nach zwei Wissenschaftlern die dort Grabungen geleitet haben. Neben zahlreichen Höhlenbärenknochen wurden hier unter anderem auch Steinwerkzeuge des Neandertalers gefunden, auf dessen Spuren wir ja unterwegs waren.

Der zweite Programmpunkt an diesem Tag war die Feldhof-Höhle, die wir erst durch einige Umwege durch den angrenzenden Wald auffanden. Frei zugänglich für Spaziergänger präsentierte sich diese Höhle als dunkler Schlauch, den wir, nur mit Taschenlampe ausgestattet, begutachteten. Da der Höhlenraum im zweiten Weltkrieg unter anderem auch als Munitionslager diente, lassen sich leider nur sehr wenige archäologische Funde, die die Bedeutung der Höhle in früheren Zeiten erahnen lassen, nachweisen. Als erste Menschen suchten Neandertaler zwischen 100.000 und 40.000 Jahren die Höhle auf. Über 150 ihrer steinernen Werkzeuge wurden neben unzähligen Tierknochen gefunden. In späteren Zeiten hielt sich Homo sapiens, der anatomisch moderne Mensch, in der Höhle auf. Aus seiner Zeit sind nur wenige Funde bekannt, z.B. eine aus Geweih gefertigte, 15.000 Jahre alte Speerspitze.

Nach einer kräftigenden Mittagspause besichtigten wir anschließend die bekannteste dieser drei Höhlen, die Dechenhöhle.

Zuvor jedoch streiften wir noch kurz durch das daran anschließende Höhlenmuseum Iserlohn, in dem wir – man glaubt es kaum – einen alten Bekannten aus dem Neanderthal Museum wiedertrafen: Den Elberfelder Realschullehrer Prof. Johann Carl Fuhlrott. Im Jahr 1856 bestimmte er die gefundenen Knochen aus dem Neanderthal als fossile Menschenknochen, womit er eine weltweite wissenschaftliche Diskussion auslöste. Nach damaligem Stand wurde der Mensch von Gott erschaffen und stammte nicht von solch einem primitiven Wesen ab. Dieser Streit um Alter und Abstammung des Neanderthalers wogte jahrzehntelang hin und her und erst lange nach Fuhlrott’s Tod wurde die Richtigkeit seiner Überlegungen anerkannt. Fuhlrott war ständig bemüht, weitere Belege für seine Theorie zu finden und achtete auf jeden neuen Höhlenfund. So ist es nicht verwunderlich, dass Fuhlrott sich 1868 sofort für die neu entdeckte Dechenhöhle interessierte und sie in den folgenden Jahren immer wieder aufsuchte, wenngleich dort keine menschlichen Funde zu Tage traten. Im Jahr 1869 veröffentlichte Fuhlrott den „Führer zur Dechenhöhle“.

Nach dem Rundgang in dem beschaulichen Museum wurden wir also anschließend durch die im Jahr 1868 entdeckte Höhle geführt, die sich durch ihre bizarren Tropfsteingebilde und durch ihre funkelnden Kristalle von den zwei erst besuchten Höhlen unterscheidet.

Mit diesem letzten Höhepunkt endete unsere kleine aber sehr interessante Exkursion und wir machten uns bei peitschendem Regen auf den Rückweg.

Bis bald und herzliche Grüße aus der Mediathek
Saskia Adolphy

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