SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Ausgrabungen in der Höhle Los Casares

Zu den Hauptaufgaben eines Archäologen gehören natürlich die Ausgrabungen. Es gibt die unterschiedlichsten Fundplätze, die ausgegraben werden. Aber zu den spannendsten Orten zählen die Höhlen. Dort zu graben ist ganz anders als im Freien. Viele Problemchen müssen vorab geregelt werden, die vielleicht anderswo gar nicht wichtig sind, z.B. wo kriegt man Strom her für die Lampen? Wo lagert man die ganze Erde, die wir rausholen? (in manchen Höhlen ist nämlich nicht so viel Platz) Wir kriegt man die ganzen Ausrüstungsgegenstände in die Höhle, v. a. wenn es nur einen engen Zugang gibt?

Die Archäologen der Ausgrabung in Los Casares (Provinz Guadalajara, Spanien) lösten diese Probleme folgendermaßen: Alle Gegenstände mussten vom Team in den Höhlenraum getragen werden, zum Glück war der Gang nicht ganz so eng, man konnte manchmal aufrecht gehen, manchmal gebückt. Die Erde musste das Team immer wieder mit Eimern oder in Plastiktüten in den Höhlenvorraum tragen. Ein Dieselgenerator wurde gekauft und im Höhleneingang aufgestellt, dessen sehr langes Kabel bis in den Höhleninnenraum reichte, um die zwei großen Strahler mit Strom zu beliefern.

Warum nimmt man diese Strapazen auf sich? Diese Höhle birgt ein besonderes Geheimnis. In allen Räumen der ca. 300 m langen Höhle befinden sich hunderte Gravierungen vom Modernen Menschen. Abbildungen von Pferden, Hirschen, Aucherochsen, einem Wollnashorn und einem Löwen. Einige wenige Tiere, sind auch mit roter oder schwarzer Farbe gemalt worden. Allerdings konnte man bisher kein einziges Werkzeug vom modernen Menschen finden.

Stattdessen barg eine Grabung aus den 70er Jahren zahlreiche Neanderthal-Werkzeuge. Aber die waren ja lange vor dem modernen Menschen in der Höhle. Wann also hat dieser Übergang vom Neanderthaler zum Modernen Menschen stattgefunden? Gibt es dazu vielleicht Hinweise in der Abfolge der Erdschichten, in der Stratigraphie? Welche Tiere haben zu der Zeit in der Umgebung der Höhle gelebt? Finden sich davon noch Knochen in der Erde? Das wollen die Archäologen herausfinden, daher haben sie an zwei Stellen in der Höhle die Schichten dokumentiert. Außerdem sollten Sedimentproben für mikromorphologische Untersuchungen und für Thermolumineszenz Datierungen entnommen werden.

Bei Ausgrabungen in einer Höhle vergisst man ganz schnell die Zeit, denn man kann weder den Sonnenstand, noch die Licht- und Luftveränderungen, wahrnehmen. Außerdem ist es ganz schön kühl und feucht im Höhlenraum (ca. 14°C), obwohl es draußen tagsüber im Herbst noch 25°C werden können. Wenigstens ist die Temperatur in der Höhle konstant. Es ist zudem sehr ruhig. Selbst, wenn man die normalen Geräusche der Grabung bedenkt, so ist das Summen einer Fliege immer noch ziemlich laut und es nervt total, wenn sich von draußen mal eine nach drinnen verirrt hat. Nichtsdestotrotz macht es unheimlich Spaß, in einer Höhle zu graben. Ich schätze, der Nervenkitzel und die Aufregung, eine Höhle zu erkunden, hat auch heute beim Menschen nicht nachgelassen.

Im November geht es übrigens auf eine weitere Höhlengrabung in Malaga, Andalusien. Wie auch dieses Mal, könnt ihr die Ausgrabung auf Twitter hautnah verfolgen, ganz ohne Anmeldung, unter https://twitter.com/ExpeditionNM

Viel Spaß dabei!

Viviane Bolin

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