Archiv des Autors: Alina Sielaff

„NMsee“ Workshop – Pitchen, Testen, Prototypen bauen

Wie kann ein inklusives Museums-Spiel aussehen? Welche Info will ich von einer App wo & wann im Museum haben? Und was für Prototypen bauen 21 Betroffene, Designer & Fachleute an einem Nachmittag? Um die Antworten auf diese Fragen zu kriegen, fand vergangene Woche ein Konzept-Workshop des Projekts „NMsee“  im Neanderthal Museum statt.

Bei der Vorstellrunde steht schnell fest: die Teilnehmer*innen spielen privat mit Vorliebe Monkey Island, Brettspiele wie Das Spiel des Lebens & das unsterbliche Uno.

Der Hintergrund: bis 2021 wird hier im Museum an einem inklusiven App Game für die Dauerausstellung gearbeitet. Dafür wollen wir unsere Ideen und Ansätze von Anfang an mit Betroffenenverbänden und Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen diskutieren.

Von links nach rechts: Bernd Buchholz, Neanderthal Museum. Annalena Knors, Corporate Inclusion. Tamara Ströter, BSV Mettmann. Daniel Wagner, Monokel. Tina Malburg, Kreema Design/PBSA Düsseldorf. Gregor Strutz, Inkl. Design. Michel Roever, Visually Impaired Person Simulator. Linda König, LVR Zentrum für Medien und Bildung. Astrid Bormann, Neanderthal Museum.

Der Vormittag war Pitches gewidmet: Vortragende von Betroffenenvereinen, Game- & Designstudios, dem Museum und dem LVR-Zentrum für Medien und Bildung stellten ihre Perspektiven zu den Themen Inklusion, inklusives Design, Inklusion im Museum sowie Games & Apps vor. Die Bestenliste bei der Einhaltung der Vortragszeit führt Tamara Ströter vom BSV Mettmann mit unschlagbar kompakt-informativen zwei Minuten über ihre Museumserfahrungen. Chapeau!

Im Anschluss folgte eine Führung durch die Dauerausstellung sowie das Probieren unserer Teststation für den geplanten Rundgang. Die Teststation wurde auf der Basis des bestehenden Grundkonzepts von unserer fabelhaften Praktikantin Lisa Skripic gebaut. Parallel dazu stellte das Büro Inkl. Design verschiedene taktile Exponate und Druckmethoden zum Testen zur Verfügung.

An der Teststation im Museum wird getestet & getastet. Die Begleitung auf vier Pfoten wartet derweilen geduldig auf die Mittagspause.

Nach der Mittagspause ging es endlich ans Eingemachte: den Prototypen-Bau! Aufgeteilt in drei Teams, erstellten die Teilnehmer*innen auf Basis der im Vormittag gesammelten Informationen Prototypen zu den drei Themen „Gameplay“, „Hörwelten“ & „Informationen“.

Ende der Prototypen-Time! Die Ergebnisse:

Team „Die Informanten“ präsentiert ein Prototypen-Konzept, bei dem anklickbare Info-Ebenen in einer App dem Gast die Möglichkeit bieten, zwischen Rundgängen mit und ohne Spielerlebnis zu wählen. Je nach Info-Bedarf bietet die App dann immer detailliertere Ebenen, die beginnend mit allgemeinen Fakten zu einem Ausstellungsobjekt bis hin zu weit gefasster Kontextinfo eine individuell wählbare Info-Tiefe bieten. An Stationen im Museum werden dazu Audio-, Video- und Audiodeskriptions-Inhalte angeboten. Für Spieler-Naturen bietet die App nach einem Tutorial die Möglichkeit, einzeln oder in Teams an den Stationen in unterschiedliche Spielcharaktere (Jägerin, Sammler, Archäologin etc.) zu schlüpfen. Für Kinder und Erwachsene gibt es unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Station für Station erspielen sich die Gäste somit die unterschiedlichen Themenbereiche. All das soll außerdem in verschiedenen Sprachen angeboten werden.

„Die Ohren“ schlagen eine klassische Audioführung vor, die per App zu Hause oder im Museum heruntergeladen und dann im Museum gestartet wird. In jedem Themenbereich der Ausstellung gibt es einen passenden Audiobeitrag. Für Erwachsene & Kinder gibt es zwei unterschiedliche Audio-Führungen. Nach dem Anhören des Beitrags kann der Gast ein kleines Sound-Game spielen: der Gast errät die abgespielten, zum jeweiligen Themenbereich & dem Audiobeitrag passenden Sounds und ordnet sie richtig zu. Diese können im Anschluss gesampelt und zu einer Art Song zusammengesetzt werden. So sammelt der Gast beim Besuch mit der App eine ganze „Sound-Kollage“, die er im Anschluss mit nach Hause nehmen, verändern und auf dem Social-Media-Screen am Ende der Dauerausstellung posten kann.

„Die Gameplayer“ stellen ihren Entwurf für ein sehr interessantes Audioerlebnis vor. Ihr angezielter Prototyp sollte multisensorisch, multiperspektivisch & vielschichtig sein. Die allererste Entscheidung der Spieler in diesem Erlebnis besteht darin, die gewünschte Erzähler*in unter den Neanderthalern & Homininen des Museums auszusuchen. Im Sinne der „branching narratives“ unterscheiden sich die daraufhin gehörten Erzählungen, je nach gewählter Antwort- oder Fragemöglichkeit. Zusätzlich existiert eine „Anekdoten-hafte“ Ebene, welche die Lebensrealität unserer Vorfahren anhand einzelner Exponate erklärt. Ziel ist, kein klassisches Spiel zu kreieren, sondern ein „aus verschiedenen Perspektiven erzähltes Hörerlebnis“. Mechaniken wie Multiple-Choice oder kleine Quiz-Elemente bieten Spieler*innen dabei die Möglichkeit, sich in die Erzählung miteinzubringen und in den Dialog mit der/dem Erzähler*in treten. Dabei muss die Geschichte nicht in einem Stück durchgehört werden: vielmehr wird erwartet, dass Besucher*innen immer wieder Pausen & Unterbrechungen einlegen. Zwecks Immersion – also Vertiefung in das Erlebnis – werden Aufmerksamkeits-Spots geplant, zwischen denen der Rundgang auch mal für eine Kaffeepause unterbrochen werden kann.

Im Anschluss an den Workshop bot Michel Roever die Möglichkeit an, den „VIP Simulator“ – eine Virtual Reality-Simulation mit einer ganzen Bandbreite von Sehbehinderungen & Hilfsmitteln – selbst auszuprobieren. Trotz leichtem Schwindelgefühl in der VR-Welt und dem unwiderstehlichen Drang, in den absolut „echt“ wirkenden, virtuellen Raum fröhlich hineinzulaufen, fand sich eine große Gruppe an willigen Testern. Einen kleinen Einblick in die spannende Simulation erhaltet ihr in folgendem Video: www.youtube.com/watch?v=nZr0Sh1oNYA&t=1s

Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen Workshop-Teilnehmer*innen für ihren tollen, kreativen Input zu diesem Projekt und freue mich auf unsere ersten spielbaren Prototypen – geplant für diesen Sommer!

Anna Riethus

Wissenschaftliche Projektleitung „NMsee“

Zu Besuch im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund

Anfang Februar machten sich 5 Mitarbeiterinnen & 2 Praktikanten des Neanderthal Museums auf den Weg in das Deutsche Fußballmuseum Dortmund. Die Einladung nahmen wir gerne an und unser Mammut Tinka war natürlich auch mit an Bord. Wir freuen uns immer, wenn wir die Chance haben andere Museen zu besichtigen, uns auszutauschen und zu vernetzen. Besonders bei der Museumsdichte in Nordrhein-Westfalen ist das manchmal gar nicht so einfach. Beispielsweise waren wir sehr gespannt darauf, wie sich das Fußballmuseum mit dem Thema Inklusion auseinandersetzt. Ein Thema das immer aktuell ist und bei dem ein Austausch untereinander ganz wichtig ist.

Fußballmuseum Dortmund
Vor dem Fußballmuseum
Mammut Tinka sitzt auf Fernseher im Fußballmuseum
Tinka informiert sich über die Geschichte des Fußballs

Die Architektur und Modernität des Museums war beeindruckend. Los geht es mit jeder Menge Geschichte. Zeitungsartikel, Exponate, Fotos und Videomaterial erzählen die Geschichte des deutschen Fußballs aus der Zeit seiner Anfänge bis heute. Das Museum zeigt, erklärt, ordnet ein in Zeiten und Verhältnisse. Mal ändert der Besucher die Perspektive, mal den Standpunkt. Er testet sein Wissen am Touchscreen und kommt im 3-D-Kino seinen Stars ganz nah. Schnell haben wir festgestellt, dass das Fußballmuseum interaktiv und sehr medial und emotional ist. Eine ehemalige Kollegin führte uns durch das Museum. Sie erklärte uns sowohl Inhaltliches als auch die Abläufe der Führungen oder Kindergeburtstage. Das sind nun mal Programme, die wir im Neanderthal Museum auch anbieten. Das ist dann besonders interessant zu hören, was gut funktioniert, welche Rückmeldungen und welche Herausforderungen es gibt.

Zwei Frauen stehen in Kommentator Kabine im Fußballmuseum
Wir haben uns auch mal als Kommentatoren eines Fußballspiels versucht
Mammut Tinka im Fußballmuseum
Für Tinka gibt es viel zu entdecken

Wenn man selbst in einem Museum arbeitet, geht man natürlich immer mit einem ganz besonderen Blick durch andere Museen. Oft wird sogar weniger auf den Inhalt geachtet und wir stellen uns eher folgende Fragen: Wie viel kostet der Eintritt? Ist das Museum barrierefrei? Wie verständlich sind die Beschreibungen der Exponate? Welche Flyer gibt es? Wie ist die Ausstellung aufgebaut? Das geschulte Auge weiß eben, was für einen Museumsbesuch wichtig ist und zieht automatisch einen Vergleich. Umso spannender ist es, seinen eigenen Tunnelblick zu erweitern und immer wieder neue Inspirationen zu sammeln.
Wir bedanken uns für einen ereignisreichen Tag im Deutschen Fußballmuseum und freuen uns darauf, wenn wir die Mitarbeiter des Fußballmuseums auch mal in die Welt des Neanderthalers entführen dürfen 🙂

Und nun noch eine wichtige Frage zum Schluss: Ob der Neanderthaler wohl ein guter Fußballspieler gewesen wäre? 😉

#Tinkaontour

Mammut Tinka vor der Meisterschale
Tinka gewinnt die Meisterschale
Zu Besuch im Fußballmuseum
Den Fallrückzieher haben wir natürlich auch noch geübt.

Nurias Praktikum im Neanderthal Museum

Mein Praktikum im Neanderthal Museum

Hallo, ich heiße Nuria und habe im Januar 2019 mein dreiwöchiges Schülerbetriebspraktikum im Neanderthal Museum absolviert. In diesem Blogeintrag möchte ich euch von meinen Erlebnissen und Erfahrungen erzählen.

Die anfängliche Nervosität legte sich schnell, nachdem mir an meinem ersten Tag von den beiden Volontärinnen, meinen Ansprechpartnerinnen,  das Team vorgestellt wurde.

Mein Tag begann ungefähr um 9 Uhr, dank der variablen Arbeitszeiten konnte ich meinen Start an die öffentlichen Verkehrsmittel anpassen. Danach ging es jeden Tag anders los. Wenn ich am Morgen im Verwaltungsgebäude des Museums war habe ich, anfangs mit Anleitung und später auch alleine, einen Kontrollgang durch das Museum gemacht. Danach ging es meistens mit typischen Praktikanten-Aufgaben weiter, wie zum Beispiel Plakate falten, scannen oder auch Gummibärchen an Flyer tackern. Bei so einer Aufgabe durfte der kleine Zuckerschub zwischendurch natürlich nicht fehlen! Montags ist Putztag, da darf die Praktikantin natürlich auch ordentlich anpacken und den Staubwedel schwingen. Über das Geländer steigen und die Figuren anfassen, was als Besucher natürlich nicht möglich ist, war ein kleines Highlight für mich, vor allem als einige Figuren neue Frisuren brauchten!

Neanderthaler Mädchen sitzt im Museum
Kina im Neanderthal Museum

In der Steinzeit-Werkstatt, wo pädagogische Angebote stattfinden, waren die Aufgaben aus einem vollkommen anderen Bereich. Hier ging es meistens eher ums Praktische: Ich habe bei Bastel-Workshops geholfen, und dort gelernt, wie man Steinzeit-Amulette herstellt, aber auch bei der Inventur geholfen und Erpresser Briefe für einen Steinzeitkrimi-Kindergeburtstag gebastelt.

Natürlich hatte ich auch genug Zeit, um mein Wissen über Neandertaler und Co zu vergrößern. Ich bin bei Führungen im Museum mitgegangen, habe mir Workshops für Oberstufenklassen angeschaut und auch Zeit gehabt um etwas über die Museums- und Menschheitsgeschichte zu lesen.

Wer sich für Archäologie oder Museumswissenschaft interessiert, oder auch einfach mal hinter die Kulissen gucken möchte, sollte sich auf jeden Fall überlegen sich für ein Praktikum im Neanderthal Museum zu bewerben.

Autorin: Nuria Hochkirchen