Archiv der Kategorie: Allgemein

Die letzten Ausgrabungen in der Cueva Ardales, Spanien

Diesen Sommer reiste das Forschungsteam des Neanderthal Museums für die letzte Grabungskampagne in der Cueva Ardales wieder nach Andalusien. Seit 2015 ist unser Team zweimal pro Jahr in der Höhle, welche Anfang 2018 mit der neuen Entdeckung von Neanderthaler-Kunst Schlagzeilen gemacht hatte. Um diese neuen Erkenntnisse zu bekräftigen und neue Daten zu gewinnen, arbeiteten wir wieder im Grabungsschnitt Zone 3, direkt unterhalb einer großen Wandfläche mit roten Punkten. In diesem Schnitt hatten wir bereits in den Kampagnen zuvor Bodenschichten des Mittelpaläolithikums entdeckt. Wir trafen auch unsere spanischen Kollegen wieder, mit denen wir bereits seit Anfang der Grabungen zusammenarbeiten, um die Ausgrabung nun zum Abschluss zu bringen.

Die tägliche Arbeit in Zone 3

Hier saßen wir nun, Schulter an Schulter, um Schichtverläufe und Funde zu dokumentieren, während andere Teammitglieder im Labor oder im Büro weitere Schritte der Nachbearbeitung unternahmen. Im Labor und dem Büro wurde Sediment gewaschen und sortiert, und hier wurden auch die Funde in unseren Katalog eingetragen. Wir freuten uns besonders auf die zahlreichen Besucherinnen und Besucher nach der diesjährigen ESHE Konferenz in Faro, unter anderem die Kollegen Dirk Hoffmann (Leipzig) und Chris Standish (Southhampton), die neue Proben der Wandkunst entnahmen.

Proben der Kunst aus Hoffmann et al., 2018 (Science 359/6378, S. 912-915)

Wir waren traurig, nach so vielen Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit Andalusien zurück zu lassen, aber freuen uns auf die nächste Phase des Projekts – die Datenauswertung. Nun, da die Fundstelle geschlossen ist, sind wir bereit neue Erkenntnisse aus den Daten zu gewinnen und weiter unseren Beitrag zur Erforschung der Kultur der Neanderthaler beizutragen.

Taylor Otto, Wissenschaftliche Museumsmitarbeiterin & Doktorandin an der Universität zu Köln

Kimchiii! Neanderthal in Korea

Auch ohne das koreanische Äquivalent unseres Foto-Schlachtrufs „Cheeseeee“ hat man auf Dienstreise in Süd-Korea jede Menge Gründe für ein seliges Lächeln. Vor etwa einem halben Jahr kontaktierte uns das Seokjangni-Museum aus Süd-Korea, das eine neue Sonderausstellung zum Thema „Neanderthaler“ geplant hatte. Nachdem unser Museum hierfür ein denkbar geeigneter Partner ist, beschloss man:

Wir stellen Seokjangni den Skelett-Abguss unseres Neanderthalers, Informationen, Beratung und Medien, und dafür fliegt ein unverschämt glücklicher Mitarbeiter zwecks Konferenzbeitrag, Führungen und Vortrag nach Asien. Ein guter Deal, wenn man besagter Mitarbeiter ist. Ungemein lästig, wenn man als Kollege weiterhin im Mettmanner Büro sitzt und am laufenden Band koreanischen Food Porn gewhatsappt kriegt:

Für all jene, deren Geografiekenntnisse ähnlich frisch sind wie die meinen (und besonders für jene, welche alle Teile Asiens mit einem ahnungslos-gleichgültigen „China“ abstempeln): Seokjangni ist die am frühesten wissenschaftlich ergrabene paläolithische Fundstelle Süd-Koreas, liegt etwa in der östlichen Mitte des Landes und somit nahe der 130.000 Einwohner zählenden Stadt Gongju. Die nähere Umgebung hat mehrere UNESCO-Kulturdenkmäler zu bieten, so zum Beispiel die Gongsanseong-Festung oder die königlichen Gräber von Songsan-ri. Seoul, die 10-Millionen-Einwohner-Hauptstadt Südkoreas, liegt gute zwei Stunden Busfahrt nahe der Ostküste in Richtung Norden. Seokjangni und Gongju hingegen sind von bewaldeten Hügeln umgeben und werden von einem Fluss mittig geteilt.

Links: Lage von Seokjangni. Wir reisten über Incheon Airport an und wurden per Bus in die Landesmitte gebracht. Rechts: Gongsanseong-Festung

An Flussufer liegen Fundstelle, Museum und Festivalgelände von Seokjangni. Stadt und Museum arbeiten eng zusammen, um alle zwei Jahre das mehrtägige „World Palaeolithic Festival“ auf die Beine zu stellen, diesmal von . „World“ im Sinne von international – es werden Gäste aus Japan, Frankreich, Marokko und eben auch Deutschland eingeladen. „Palaeolithic“ im Sinne von „ziemlich paläo“ – neben lokalen und internationalen Steinzeit-Koryphäen taucht gerne mal ein zotteliger Walking Act im Leoparden-Janker* auf, um ein allgemeines „Ugha“ zu äußern. Und „Festival“ im Sinne von Party auf einem Gelände mit Größe der Düsseldorfer Altstadt, und zwar mit allem, was bei uns ein Museumsfest, Jahrmarkt, Stadtfest, Fortbildungstag sowie Lichterfest im Kombination bieten würden.

(Man beachte den Pfeil unten links im Plakat)

Die deutschen Kollegen in Aktion, von links oben nach rechts unten: Wulf Hein, Ruth Hecker, Cornelia  Lauxmann. Links unten die koreanischen Walking Acts

In Zusammenarbeit mit unserer Ausstellungsabteilung und Leihgaben aus Berlin haben die koreanischen Kollegen eine gute Einführung zum Thema Neanderthal gestaltet. Bei meinen täglichen Führungen kam belustigenderweise auch immer wieder die Frage, ob denn nicht alle Europäer direkt vom Neanderthaler abstammten? Knapp daneben, wie wir erklären konnten. Übersetzerin „Joyce“ (für Europäer werden gerne englische Ersatznamen angeboten) erklärte desweiteren, dass einer der einführenden Ausstellungstexte freundlicherweise darauf hinwies, Europäer bitte nicht als Neanderthaler zu bezeichnen – sie könnten es als Beleidigung missverstehen 😉 Insbesondere medial war die Sonderausstellung “Neanderthal man” auf neuestem Level, und begeisterte beispielsweise mit einem berührungssensitiven Media-Wall für die jüngsten Besucher.

Die Sonderausstellung, die tollen Volunteers und unsere Dolmetscherin

Einen Tag vor Festival-Beginn wurde am lokalen Unicampus das Seokjangni Forum, eine Konferenz zum Austausch über erfolgreiche Wissensvermittlung in der paläolithischen Forschung abgehalten. Dort bekam unser Beitrag zur Museumspädagogik und unseren neuen Ausstellungen reichlich Applaus, nicht zuletzt dank der von unserer stellvertretenden Direktorin Dr. Auffermann eingesprochenen koreanischen Begrüßungsworte. Also 안녕하십니까!

Nach Forum, Festival und zahlreichen, traditionell koreanischen Geschäftsessen gab es noch einige Tage in der Hauptstadt Seoul, bevor es zurück nach Deutschland ging. Es war eine unerfreuliche Abreise, denn ein Land, das nebst besonderer Höflichkeit, Gastfreundschaft und absurd hoher Arbeitsmotivation selbst aus Tierfüßen Köstlichkeiten fertigen kann, will  man einfach nicht verlassen.

*Für Marmeladinger siehe http://www.oesterreichisch.net/oesterreich-1482-.html?letter=J

Auftakt für eine transnationale, serielle Nominierung europäischer Neanderthaler-Fundstellen als Weltkulturerbe der UNESCO

Über eintausend Stätten in 167 Ländern umfasst die Welterbeliste der UNESCO zurzeit. Nur eine Handvoll darunter sind Fundorte von fossilen Menschen des Eiszeitalters.

Die frühe Menschheitsgeschichte und das eiszeitliche Kulturerbe haben in der Regel eine sehr geringe Sichtbarkeit. Keine spektakuläre Architektur ragt in den Himmel, keine beindruckende Mauer umfasst das Areal. Eine Höhle oder die unspektakuläre Oberfläche eines Freilandfundplatzes prägen den Ort. Umso spektakulärer sind die Fundumstände und die forschungsgeschichtliche Bedeutung der Funde, die hier gemacht worden sind. Meilensteine der menschlichen Entwicklung mit globalen Folgen werden an vielen Orten greifbar. Das HEADS Programm der UNESCO (Human Evolution: Adaptations, Dispersals and Social Developments, http://whc.unesco.org/en/heads/) hat die außergewöhnliche Bedeutung der frühen Menschheitsgeschichte für das Welterbe in überzeugender Weise dokumentieren können.

Ein globaler Player des eiszeitlichen Kulturerbes ist der Neanderthaler. Mit dem Fund im weltberühmten Neandertal bei Düsseldorf wurde das gesellschaftliche und wissenschaftliche Koordinatensystem des modernen Menschen neu positioniert. Zahlreiche Fundorte sind inzwischen in Europa und Asien hinzugekommen. Sie dokumentieren eine faszinierende Entwicklungsgeschichte. Neanderthaler sind inzwischen der Archetyp für die Menschen des Eiszeitalters, ihre Lebensform, ihr Wissen und ihr Leistungsvermögen. Und wie wir heute wissen, lebt ein Teil ihres genetischen Erbes in uns modernen Menschen weiter.

Am 2. und 3. November 2017 findet im Neanderthal Museum ein internationaler Workshop statt mit 30 Experten. Er hat sich zum Ziel gesetzt, das Netzwerk europäischer Neanderthaler-Fundstellen mit seinen einmaligen Funden zu evaluieren, um eine serielle, transnationale Nominierung dieses Welterbes zu initiieren.

Der Workshop findet mit Unterstützung des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen statt.

Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger
Direktor des Neanderthal Museums

Hallo liebe Freunde des Neanderthal Museums

Wie Ihr vielleicht schon gemerkt habt, gab es heute eine freundliche Übernahme der Social-Media-Kanäle Eures Lieblingsmuseums. Das Staatliche Museum für Archäologie Chemnitz – kurz smac – postet im Rahmen des ersten #ArchaeoSwap auf den Accounts des Neandethal Museums. Eine wunderbare Gelegenheit für uns, um Euch über unser Haus und unsere Ausstellungen zu informieren.

(C) smac / Laslo Farkas

Das smac ist das archäologische Landesmuseum des Freistaates Sachsen. Es zeigt in seiner Dauerausstellung auf drei Etagen und etwa 3000 m² fast 300.000 Jahre Menschheitsgeschichte in den heutigen Grenzen Sachsens, von der ersten Besiedlung durch Jäger und Sammler bis zur beginnenden Industrialisierung. Erfahrbar wird bei einem Gang durch unsere Dauerausstellung, wie der Mensch aus der anfänglichen Naturlandschaft allmählich eine bäuerliche Landschaft und schließlich die moderne Kulturlandschaft geformt hat.

(C) smac / Michael Schmidt

Rund 6200 Exponate und eine außergewöhnliche Ausstellungsgestaltung dokumentieren und untermalen die kulturgeschichtliche Entwicklung. Ein Highlight ist die schwebende Sachsenskulptur. Auf ihrer Fahrt durch die drei Ausstellungsetagen durchläuft sie die Jahrtausende wie im Zeitraffer. Analog gestaltet sich auch der Weg von einer Ausstellungsebene zur nächsten als Gang durch Zeit und Raum. Er führt vorbei an einem 15 Meter hohen Schnitt geologischer und archäologischer Erdschichten und wird begleitet von epochenspezifischen Klängen.

(c) smac / Michael Jungblut

Besondere Exponate, die man bei einem Besuch im smac unbedingt gesehen haben sollte, sind u.a.: Das Schieferplättchen von Groitzsch, das mit einem Alter von ca. 14.000 Jahre die älteste bildliche Darstellung in Sachsen ist.

(c) smac / Michael Jungblut

Der Brunnen aus Altscherbitz mit den zugehörigen Funden aus der Zeit vor 7200 Jahren.

Ins Staunen kommt man vor der 40 Meter langen Vitrinenwand in der dritten Etage, die Alltagsobjekte vom Mittelalter bis zur Industrialisierung enthält.

(c) smac / Michael Jungblut

Erst vor 3 Jahren im Mai 2014 eröffnet ist das smac das derzeit modernste Archäologiemuseum. Es befindet sich in einem denkmalgeschützten Gebäude, das nach Plänen des berühmten Architekten Erich Mendelsohn errichtet und am 15. Mai 1930 als Kaufhaus des Schocken Konzerns seine Türen erstmals öffnete. Diesem besonderen Standort widmen wir uns in drei eigenständigen Ausstellungsbereichen. In den sogenannten Erkerausstellungen präsentieren wir Leben und Werk von Erich Mendelsohn, die Geschichte des Kaufhauskonzerns Schocken und die Biografie des Kaufhausgründers, Kunstmäzens und Verlegers Salman Schocken.

(c) smac / Michael Jungblut

Getreu unseres Claims „Kulturen entdecken – Geschichte verstehen“ zeigen wir in jährlichen großen Sonderausstellungen, in denen wir archäologische Themen mit aktuellen Fragestellungen verknüpfen wie Geld, Tod und Stadt oder Brücken zu Kulturen anderer Länder schlagen wie in der aktuellen Sonderausstellung „Schätze der Archäologie Vietnams“, die vor Chemnitz im LWL Museum für Archäologie Herne zu sehen war.

Na, neugierig geworden? Dann besucht uns in Chemnitz und gern auch digital unter:

Homepage: www.smac.sachsen.de

Facebook: https://www.facebook.com/smac.Staatliches.Museum.fuer.Archaeologie/

Twitter: @smac_sachsen

Instagram: @smac_Museum

 

 

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Bericht über die internationale Konferenz ‘Prehistoric Human Tracks’

Die “International Conference on Prehistoric Human Tracks” fand vom 11. bis 14. Mai 2017 an der Universität Köln und im Neanderthal Museum (Mettmann) statt. Neben 40 geladenen Teilnehmern aus fünf Kontinenten waren gut 30 Besucher aus den verschiedensten gesellschaftlichen Zusammenhängen gekommen. Schirmherr der Konferenz war Prof. Dr. Hermann Parzinger, der in seiner Begrüßungsrede betonte, dass die auf der Konferenz praktizierte Verbindung ganz unterschiedlicher Wissenskulturen modellhaft das vorspiele, was im entstehenden Humboldt-Forum in Berlin, dem er als Gründungsintendant vorsteht, ebenfalls thematisiert werden solle.

Als wissenschaftliche Konferenz konzipiert und damit auf den Wissensaustausch ausgerichtet, bot die Tagung die weltweit erstmalige Gelegenheit, dass sich indigene, akademische und aus der Naturschutzpraxis kommende Experten über denselben Gegenstand austauschen, nämlich den menschlichen Fußabdruck. Dazu wurden, neben konventionellen Vorträgen, auch Kommunikationsformate gewählt, die im akademischen Austausch ungewohnt, bei indigenen Gemeinschaften aber üblicher sind: bei einem “Fireside talk” saß man im Kreis um ein Feuer herum, bei einem praktischen Workshop standen und saßen alle Teilnehmer um eigens angelegte Spurenfelder herum. Für die anwesenden Wissenschaftler, die hier vor allem beobachteten, waren besonders die abwechselnden Ausführungen und Gespräche untereinander der San aus Namibia, eines Inuit aus Kanada und einer Aborigine aus Australien von höchstem Interesse.

Auf diesen ersten Konferenztag mit seinen unkonventionellen Austauschformaten folgten zwei Tage mit Vorträgen, mehrere davon in Ko-Autorenschaft mit und unter Beteiligung von indigenen Experten. Auf dem letzten Konferenztag am 14. Mai wurde auf einem Workshop zusammen mit den indigenen Experten erarbeitet, auf welche Weise und mit welchen Mitteln diese in ihren heimischen Gemeinschaften vom Verlauf und dem Zweck der Konferenz berichten möchten. Dieser Workshop erbrachte einen klaren Auftrag an zwei Autorinnen, die an der Fertigstellung dieses sogenannten “Community Report” arbeiten. In erster Linie ist dieser Bericht darauf ausgelegt, dass die Fährtenexperten ihre persönlichen Eindrücke und Erlebnisse im Kontext der Tagung illustrieren können. Bestandteile, die aber darüber hinausgehen und das allgemeinere Wissen zu Spuren und zum Spüren betreffen, sollen so verfasst sein, dass sie als allgemeingültiges Anschauungsmaterial dienen und somit unabhängig vom Kontext der Tagung genutzt werden können.

Das Medienecho war äußerst umfangreich mit Berichten in überregionalen Zeitungen wie DIE ZEIT (eine ganze Seite), Generalanzeiger, Frankfurter Rundschau, die Welt, Süddeutsche sowie in zahlreichen Regionalzeitungen, basierend auf einer ausführlichen dpa-Meldung. Zahlreiche Radiostationen (WDR 1, 2, 3 und 5, WDR Cosmo, SWR 3 und 5, DLF, D-Radio Kultur, D-Radio Wissen u.a.) und Fernsehsender (WDR Aktuelle Stunde, Sat1-West) berichteten oder sendeten Interviews (z.T. live). Auf diese Weise wurden vollkommen unterschiedliche Interessengruppen angesprochen und damit das Thema in einer ungewöhnlichen Breite in die Öffentlichkeit getragen. Besonders bestärkend für die Veranstalter war hierbei, dass in der Tat in allen  Berichten die Gleichwertigkeit verschiedener Wissenskulturen deutlich gemacht wurde, dass also tiefgründiges Expertenwissen nicht nur in einem bestimmten, zumal westlichen Kulturzusammenhang entstehen kann. Und dass das Wissen anderer Kulturen auch für die westliche Wissenschaft bereichernd sein kann.

Die Ergiebigkeit des Austauschs zwischen den Experten verschiedener Provenienz und mit der Öffentlichkeit bedeutete für alle Beteiligten, dass diese Konferenz kein einmaliges Ereignis bleiben dürfe.

Mit den besten Grüßen, Andreas Pastoors & Tilman Lenssen-Erz

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Die letzten Neanderthaler in Zentralspanien: die Erforschung des archäologischen Fundplatzes ‘Abrigo del Molino’ (Segovia)

Der archäologische Fundplatz “Abrigo del Molino” wurde 2012 entdeckt und wird seitdem im Rahmen des multidisziplinären Forschungsprojektes “Primeros Pobladores de Segovia” (Die ersten Siedler Segovias) erforscht, welches die Landesregierung in Castilla und León finanziert. Abrigo del Molino liegt im Tal des Eresma-Flusses, einem Nebenfluss des Douro, in der Nähe der Stadt Segovia in Zentralspanien. Es handelt sich um einen Felsvorsprung, der im Fluviokarst entstand und komplett mit Sediment gefüllt war. Unglücklicherweise wurden Teile des archäologischen Fundplatzes in den frühen 1980er Jahren durch die Legung von Abwasserrohren zerstört. Daraufhin waren die Sedimente fast 20 Jahre den Umweltbedingungen ausgesetzt, bevor Feuersteinartefakte und Knochenreste dort zum Vorschein kamen.

Seit Juli 2013 haben bereits vier Kampagnen stattgefunden. Die Leiter der Ausgrabungen, David Álvarez-Alonso, María de Andrés-Herrero und Andrés Díez-Herrero, arbeiten eng mit dem Sonderforschungsbereich SFB-806 „Our Way to Europe“ der Universität zu Köln und dem Neanderthal Museum zusammen, z.B. bei der Analyse der Mikromorphologie und der OSL- und Radiokarbondatierungen.

Als die Ausgrabungen begannen, schätzten die Forscher Abrigo del Molino als wichtigen Ort für die lokale Geschichte ein, da es sich um die älteste Besiedlung bei Segovia handelte. Von einem regionalen Standpunkt aus gesehen, ist es der einzige Fundplatz mit guter Stratigraphie in der Gegend nördlich des Iberischen Scheidegebirges. Dort sind bisher nur wenige Freilandfundstellen mit Mousterien-Besiedlungen (mittelpaläolithische Werkzeugkultur des Neanderthalers) bekannt. Heute ist dieser außergewöhnliche Fundplatz dank der neusten Datierungsergebnisse eine der wichtigsten Neanderthalerbesiedlungen der Iberischen Halbinsel und Südwesteuropas. Denn Abrigo del Molino zeigt die jüngste, chronologisch gut eingeordnete Schichtenabfolge mit Hinterlassenschaften des Neanderthalers in Zentralspanien.

Der Zeitpunkt, an dem die letzten Neanderthalerpopulationen von der Iberischen Halbinsel verschwanden, wird in der paläolithischen Archäologie viel diskutiert. Daher sind sorgfältige und genaue Datierungen von Neanderthalerfundplätzen entscheidend für die Frage, ob die Neanderthaler verschwanden, bevor der anatomisch moderne Mensch auf der Iberischen Halbinsel einwanderte, oder ob beide dort zeitglich nebeneinander lebten und sich möglicherweise auch dort vermischten – so wie es bisher nur aus Osteuropa und Westasien anhand von genetischen Untersuchungen nachgewiesen ist.

Basierend auf den neuen Radiokarbondatierungen sind die Schichten im Abrigo del Molino zwischen 42,000 und 44,000 Jahre alt, d.h. es handelt sich hierbei um die jüngste Neanderthalerbesiedlung in Zentraspanien. Das bedeutet einerseits, dass die Neanderthaler noch in Zentralspanien lebten, als anatomisch moderne Menschen zunächst in Nordspanien einwanderten – die ältesten Spuren des modernen Menschen stammen aus der Höhle El Castillo in Kantabrien. Andererseits zeigt es auch, dass die Neanderthaler in Zentralspanien früher verschwanden als im Süden der Halbinsel. Die letzten Spuren des Mousterien datieren in den südspanischen und portugiesischen Fundstellen Cueva Antón, Gruta da Oliveira und Foz do Enxarique auf zwischen 35,000 und 37,000 Jahre.

María de Andrés-Herrero

(aus dem Englischen übersetzt von Viviane Bolin)

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Internationale Konferenz zu prähistorischen Fußspuren

Vom 11. bis 14. Mai 2017 findet in Köln und Mettmann die weltweit erste internationale Konferenz statt, in der prähistorische Fußspuren im Mittelpunkt stehen. Diskutiert werden sollen neue Ansätze zur Analyse dieser spektakulären Funde. Eingeladen sind Archäologen, Paläoanthropologen und Kuratoren aus aller Welt, die mit prähistorischen Fußspuren auf die eine oder andere Weise zu tun haben. Dieser Kreis von traditionellen Forschern wird durch indigene Fährtenleser aus Namibia, Australien und Malaysia erweitert. Indigene Fährtenleser besitzen Fähigkeiten des Lesens von Spuren, die in der modernen Welt verloren gegangen sind. Zusammen mit weiteren, nicht indigenen Fährtenlesern soll es zu einem Austausch von Methoden beim Lesen von Fußspuren kommen.

Die Konferenz besteht aus drei Einheiten: Tag eins ist den Methoden der indigenen Fährtenleser gewidmet. Hierzu wird das freiläufige Gelände der Forschungsstelle Afrika an der Universität zu Köln genutzt. An den beiden folgenden Tagen werden die geladenen Forscher ihre Projekte und ihre Analysemethoden im Neanderthal Museum vorstellen. Am letzten Tag wird dann in einem kleineren Kreis mit den indigenen Fährtenlesern darüber diskutiert, welche medialen Objekte entwickelt werden sollen, mit denen sie ihren Gemeinschaften über die Konferenz berichten können. Neben dieser Berichterstattung soll ein Buch zu den Inhalten und Ergebnissen der Konferenz Ende 2018 erscheinen.

Die Konferenz steht unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Hermann Parzinger (Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Gründungsintendant des Humboldt Forums) und findet in Kooperation mit der Deutschen UNESCO-Kommission statt.

Möglich wird die Konferenz vor allem durch die großzügige Unterstützung der VolkswagenStiftung und GoAide-Stiftung.

Weitere Informationen zum Inhalt und Hintergrund der Konferenz ist unter www.tracking-in-caves.org zu finden.

Mit besten Grüßen, Andreas Pastoors & Tilman Lenssen-Erz

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Hasta la vista, Neanderthal Museum!

Am 1. Januar 2015 habe ich angefangen, als Wissenschaftler im Neanderthal Museum zu arbeiten. Heute, fast zwei Jahre später, schreibe ich diese Zeilen aus Spanien, nur wenige Wochen, nachdem ich meine Arbeit dort beendet und Deutschland wieder verlassen habe. Nun ist der Moment für einen Rückblick auf meine Zeit im Neandertal gekommen.

Als ich das erste Mal darüber nachdachte, mich für eine Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahme zu bewerben – einer angesehenen und stark umworbenen Förderung durch die Exekutivagentur für die Forschung (REA) – suchte ich nach einer aktiven und fundierten europäischen Forschungsgruppe im Bereich der paläolithischen Archäologie und Geowissenschaften. Nachdem ich einige Möglichkeiten mit meinen Professoren und Kollegen in Spanien besprochen hatte, beschloss ich im Frühjahr 2013, Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger (Direktor des Neanderthal Museums) zu kontaktieren. Prof. Weniger erforscht seit Langem die Vorgeschichte der Iberischen Halbinsel. Zudem koordiniert er seit einigen Jahren das C-Projekt des Sonderforschungsbereiches SFB-806 „Our Way to Europe“ an der Universität zu Köln, in dem die Wechselbeziehung zwischen Mensch und Umwelt im westlichen Mittelmeergebiet während des Spätpleistozäns untersucht wird. Seine Arbeit einerseits als Direktor des Neanderthal Museums und andererseits als Dozent an der Universität zu Köln machten ihn für mich zu einem interessanten Partner für eine Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahme. Seine sehr positive und freundliche Reaktion auf meinen Vorschlag, gemeinsam die Bevölkerungsdynamiken im Zentrum der Iberischen Halbinsel während des Spätpleistozäns zu erforschen – einem bisher eher spärlich untersuchtem Thema – überraschte mich nicht. Er war sehr interessiert an diesem Projekt.

Wir entwickelten zusammen einen Antrag mit dem Titel ‘Testing Population Hiatuses in the Late Pleistocene of Central Iberia: a geoarchaeological approach’. Im März 2014 erhielten wir die positive Rückmeldung, dass unser Antrag für eine Förderung ausgewählt worden war. So begann mein zweijähriges Projekt am Neanderthal Museum.

Dr. Manuel Alcaraz-Castaño and Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger (c) Rheinische Post. Photo. D. Janicki

Das Ziel war die geoarchäologische Untersuchung von drei ausgewählten Fundplätzen im Zentrum der Iberischen Halbinsel (nördliches Gebiet der Guadalajara Provinz). Es handelt sich um die mittelpaläolithischen Siedlungsplätze Los Casares und Peña Cabra und dem jungpaläolithischen Siedlungsplatz Peña Capón. Zusammen bilden diese Orte eine exzellente Möglichkeit, die Beziehung zwischen Menschen und ihrer Umgebung zu untersuchen und die zurzeit führenden Modelle zur Populationsdynamik in diesem Gebiet Iberiens zu testen. Wir wollten in Erfahrung bringen, ob Zentraliberien während des Jungpaläolithikums fast komplett unbevölkert gewesen war (wie bisher in der Forschung vermutet) und wie bzw. wann der Neanderthaler aus dieser Region verschwand – ein Thema, dass zurzeit heftig diskutiert wird.

Solch ambitioniertes Projekt benötigt die Teilnahme einer großen Anzahl an Wissenschaftlern aus den verschiedensten Bereichen der Vorgeschichtlichen Archäologie und der Geowissenschaften. Zusätzlich zu Prof. Weniger und mir, gehörten u.a. folgende Wissenschaftler zu unserer Forschungsgruppe: Martin Kehl und Nicole Klasen (Geographie, Universität zu Köln), Javier Alcolea-González und Rodrigo de Balbín-Behrmann (Archäologie, Universität Alcalá), José Yravedra (Zooarchäologie, Complutense Universität Madrid), José Antonio López-Sáez (Pollenanalyse, CSIC Spanish National Research Council), Raquel Piqué (Holzkohleanalyse, Universität Barcelona), Javier Baena-Preysler und Felipe Cuartero (Archäologie, Autonome Universität Madrid), Gloria Cuenca-Bescós (Paläontologie, Universität Zaragoza). In Zusammenarbeit mit dem Team des Neanderthal Museums waren besonders Viviane Bolin, María de Andrés-Herrero, Andreas Pastoors und Eva Roggatz wertvolle Kollegen.

An den drei genannten Siedlungsplätzen führten wir mehrere Untersuchungen durch

A) Untersuchungen zur Entstehung der Erdschichten und Fundplatzes (Mikromorphologie, Sedimentologie, Taphonomie)

B) Chronometrische Analysen der menschlichen Besiedlungsperiode (14C-, OSL- und U/Th- Datierungen).

C) Analyse der Klima- und Umweltverhältnisse des Gebietes während der untersuchten Periode (Pollen-, Phytolith(Nahrungsreste)-, Mikrofauna- und Sedimentanalysen).

D) Untersuchung der Beziehung zwischen dem Menschen und seiner Umgebung, und Untersuchung des wirtschaftlichen und sozialen Verhaltens der Gruppen (z.B. Technologie der Steinwerkzeuge und Zooarchäologie).

Wir führten an allen drei Fundplätzen Ausgrabungen durch. Eine Zusammenfassung der Kampagnen können sie hier nachlesen (Blogbeitrag 02. August 2016, Blogbeitrag 29.07.2015). Zudem wurden 2015 und 2016 die oben aufgezählten Analysen in den Laboren der unterschiedlichen Universitäten in Deutschland und Spanien ausgeführt. Obwohl einige Analysen noch im Gange sind, können wir bereits wichtige Resultate festhalten:

  1. Die Untersuchung der archäologischen Schichten durch mikromorphologische Analysen zeigt, dass die drei Fundplätze „in-situ“ (d.h. ungestört) in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben sind.
  2. Die chronometrischen Analysen (14C-, OSL- und U/Th-Datierungen) an den drei Fundplätzen waren bei einem großen Teil der Proben erfolgreich. So können wir wichtige Besiedlungen von Neanderthalern und modernen Menschen im Zentrum der Iberischen Halbinsel vor ca. 90,000 – 20,000 Jahren vor heute nachweisen.
  3. Nachweise von Pollen, Holzkohle und Kleinsäugerknochen liefern wichtige Hinweise auf die Klima- und Umweltbedingungen dieser Gegend, denn sie sind wichtige Indikatoren für ökologische Rückzugsräume. In unserem Fall können wir menschliche Besiedlungen nicht nur während kalter und trockener Klimaphasen nachweisen, sondern auch während warmer Perioden.
  4. Die Untersuchungen der Steinwerkzeug-Technologie und der durch Tierknochen nachgewiesenen Tierarten geben Hinweise auf interessante Überlebensstrategien, wie z.B. die Gewinnung von Mikro-Levallois Spitzen in feinmechanischer Ausführung in Peña Cabra, die Nutzung der tieferen Höhlenbereiche für bestimmte Aktivitäten des Neanderthalers in Los Casares oder die spezialisierte Quarzproduktion während der prä-Solutréen Perioden in Peña Capón.

Einige dieser Ergebnisse haben wir auf verschiedenen internationalen Konferenzen vorgestellt, z.B. auf der European Society for the Study of Human Evolution (ESHE) in London im September 2015 und in Alcalá de Henares im September 2016) und auf der Tagung der Hugo Obermaier-Gesellschaft für Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit in Heidenheim im April 2015.

Dr. Manuel Alcaraz-Castaño präsentiert sein Poster auf der Tagung der Hugo Obermaier Gesellschaft im April 2015 in Heidenheim

Meine Beiträge an all diesen Konferenzen und die Ausgrabungs-Kampagnen und die darauffolgenden Analysen wurden von dem Marie-Skłodowska-Curie-Projekt, dem SFB-806 und dem Neanderthal Museum finanziert. Obwohl einige Ergebnisse noch ausstehen und bisher nur vorläufige Artikel und Präsentationen verfasst und gezeigt werden konnten, leistet unser Projekt bereits einen relevanten Beitrag für die Erforschung der spätpleistozänen Populationsdynamik in Zentraliberien.

Neben meiner wissenschaftlichen Arbeit habe ich wertvolle Erfahrungen durch die Teilnahme bei verschiedenen Veranstaltungen im Neanderthal Museum sammeln können, wie z.B. das Museumsfest im August 2015. Und am Tag der Forschung im November 2016 konnte ich den Museumsbesuchern meine Forschung vorstellen und mit ihnen über meine Ergebnisse diskutieren.

Dr. Manuel Alcaraz-Castaño beim Museumsfest 2015

Mein Aufenthalt am Neanderthal Museum war sehr angenehm und bereichernd. Das Team ist sehr freundlich und hilfsbereit und hat mich in seiner Mitte aufgenommen, so dass ich mich von Anfang an zugehörig fühlte. Ich wohnte mit meiner Familie während dieser zwei Jahre im nahen Erkrath-Hochdahl, dem „Fundort des Neanderthalers“. Dort hatte ich ebenfalls eine wunderbare Zeit. Heute wissen wir, dass die Neanderthaler eine hochentwickelte Kultur besaßen und dem modernen Menschen biologisch und kulturell sehr ähnlich waren. Dass ich an einem solchen Ort leben und arbeiten durfte, an dem diese Menschenart erstmals definiert und nach dem sie benannt worden ist, macht mich glücklich. Und ich kann mit gutem Grund behaupten, dass die Menschen in diesem Tal – damals wie heute – wirklich toll sind.

Herzlichen Dank an alle und bis bald!

Manuel Alcaraz-Castaño

(übersetzt aus dem Englischen von Viviane Bolin)

Hey! Alles glänzt, so schön neu – Umbau der Dauerausstellung

Wie aufmerksamen Besuchern durch die “leichten Veränderungen” im Haus schon aufgefallen sein mag, bauen wir derzeit fleißig um! Zwischen Führungsgruppen und Neanderthalern wandert deswegen auch die ein oder andere Handwerkerin durch das Museum, meistens schwer beladen und/oder sehr beeilt.

Für unsere neuen Elemente werden sehr spezielle Bauteile angeliefert!

Für unsere neuen Elemente werden sehr spezielle Bauteile angeliefert!

In den Büros nebenan tüfteln wir wissenschaftlichen Mitarbeiter an neuen Texten, aktuellen Inhalten und interaktiven Stationen. Seit den letzten Neuerungen im Jahr 2006 hat die archäologische Forschung viel vorangebracht, und das Museum muss auf den neuesten wissenschaftlichen Stand gebracht werden. Neben der Recherche der Informationen wird auch für frischen Schwung in der Gestaltung gesorgt: Storyboards und Drehbücher werden verfasst, Filme neu animiert, Schädel ins rechte Licht gerückt, tausende Wörter mehrfach kontrollgelesen und alles nebenbei immer wieder ein bisschen verbessert. Eine intensive, aber auch kreative und schöne Arbeit.

Die versammelte Täterschaft: Neanderthal Museum, res-d und Firma Blank bei einem Pressetermin im Stammbusch versammelt

Die versammelte Täterschaft: Neanderthal Museum, res-d und Firma Blank bei einem Pressetermin im Stammbusch

Währendessen bauen Mitarbeiter der Firma Blank neben dem stetig weiterlaufenden Museumsbetrieb geschickt am komplizierten 3D-Puzzle des neuen „Stammbuschs“. Er ist eines der imposantesten neuen Elemente: aus mehr als 300 unterschiedlichen Dreiecken setzt sich die Holzkonstruktion zusammen, auf der bald die neuen Bewohner des Neanderthal Museums stehen werden. Die niederländischen Künstler Adrie und Alfons Kennis gestalteten für uns sechs Homininen, die dem Besucher über einen neuen Audioguide ihre Geschichte erzählen werden. Den Fortschritt der Arbeiten stellen wir dabei immer wieder auf Instagram: https://www.instagram.com/neanderthalmuseum/

Die berühmte "Lucy", rekonstruiert von den Künstlern Kennis & Kennis

Die berühmte “Lucy”, rekonstruiert von den Künstlern Kennis & Kennis

Für den ästhetischen Pep und die bauliche Planung sorgt das Architekturbüro res d aus Köln. Der zusammen gestaltete Rundgang erzählt die Geschichte unserer Menschenfamilie auf einer persönlichen Ebene und ist den Leitfragen des Neanderthal Museums gewidmet:

Woher kommen wir?

Wer sind wir?

Wohin gehen wir?

Neugierig geworden? Am Freitag den 14. Oktober laden wir zur Museumsnacht in unsere modernisierte Dauerausstellung – bei freiem Eintritt können die neuen Elemente von 18:00 bis 00:00 besichtigt und probiert werden!

Liebe Grüße aus der Ausstellungsabteilung von

Anna Riethus

Neanderthaler beim Eichthaler Archäologietag

Die Außenstelle Overath des Landschaftsverband Rheinland (LVR) hatte am Sonntag den 05. Juni 2016 zum Eichthaler Archäologietag geladen und rund 700 interessierte Besucher folgten der Einladung. Bei überraschend gutem Wetter konnten die Gäste Einblick in verschiedene Bereiche der archäologischen Arbeit nehmen z.B. wie Wissenschaftler der Universität zu Köln mit Baumjahrringen Datierungen vornehmen, wie die Archäobotanik Überreste vorgeschichtlicher Pflanzen analysiert oder wie römischer Wandputz rekonstruiert und restauriert wird.

Spannend, vor allem für die „kleinen“ Besucher, waren die vielen Möglichkeiten Archäologie zu erleben. Bei einer „Ausgrabung“ konnte die Rolle des Archäologen ausprobiert werden und handwerkliches Geschick wurde u.a. beim Umgang mit alten Techniken der Textilherstellung unter Beweis gestellt.

Neueste Erkenntnisse aus unterschiedlichen Bereichen der Forschung vermittelten zahlreiche Vorträge sowie die Informationsstände aktueller archäologischer Grabungsprojekte der Außenstelle Overath.

Die Informationsstände zeigten die große zeitliche Spannweite der aktuellen Projekte der Außenstelle Overath. So waren die aus archäologischer Sicht jüngeren Epochen des Mittelalters und der Römer genauso vertreten wie auch steinzeitliche „Bauern“ und sogar der Neanderthaler.

Das „Neanderthaler-Zeitliche“ Grabungsprojekt Troisdorf-Ravensberg wurde durch die Zusammenarbeit des LVR Außenstelle Overath und dem Neanderthal Museum im August 2015 umgesetzt. Hierbei konnte eine Steinbearbeitungswerkstatt des Neanderthalers archäologisch untersucht werden. Die wissenschaftlichen Analysen sind derzeit jedoch noch nicht abgeschlossen.

Durch die Fundstelle Troisdorf-Ravensberg wird wieder aktiv an einem der ältesten Kapitel der Menschheitsgeschichte im Rheinland geforscht und der Besucher des Eichthaler Archäologietages bekam die Möglichkeit hautnah mit einem Teil der Hinterlassenschaften des Eiszeitjägers in Kontakt zu treten.

Die sehr gute Verpflegung durch traditionelle Grillspezialitäten und kühle Getränke rundeten diesen gelungenen Sonntag ab. Alle beteiligten freuen sich sicherlich schon auf den nächsten Eichthaler Archäologietag.

Liebe Grüße aus dem Neandertal

Henning Hundsdörfer