Archiv der Kategorie: Neanderthal Museum

Inklusion im Neanderthal

Diversity Challenge, Touchpoint Workshops, barrierefreie Fußgängerbrücken – ihr merkt, wir im Neanderthal Museum setzen uns immer mehr mit dem wichtigen Thema Inklusion auseinander.

Ein besonderer Fokus innerhalb dieses allumfassenden Themas liegt bei uns darauf, Menschen mit Sehbehinderung Zugang zu unseren Inhalten und Ausstellungen zu verschaffen. Die Frage dabei ist natürlich: WIE?

Wir Museen sind traditionell sehr visuell geprägt. Wir stellen empfindliche Objekte wie Schädel, Schwerter oder Bücher hinter Glas aus, weil wir davon ausgehen, dass unsere Besucherinnen und Besucher mit etwas Begleittext die großartige Geschichte hinter diesen Objekten nachvollziehen können. Das Problem ist nur: sieht man diese Objekte nicht und kann man auch die dazugehörigen Texte nicht lesen, hat ein Museumsbesuch wenig Nutzen…

Das möchten wir ändern. Wir finden, dass die Geschichte des Neanderthals, des Neanderthalers und die Humanevolution keinem vorenthalten werden darf.  Zum einen erweitern wir unser Bildungs- und Vermittlungsprogramm:

Mit dem Workshop TOUCHPOINT: Gefühlte Menschheitsentwicklung haben wir ein Tasterlebnis für Sehnende, Seheingeschränkte und Blinde geschaffen. Am reservierten Tisch in der Cafeteria – unserem TOUCHPOINT- sitzt man in gemütlicher Runde. Wir reichen euch Dinge, die ihr sehen, riechen, schmecken, tasten und hören könnt. Eine außergewöhnlich sinnliche Annäherung an die Menschheitsgeschichte! Wer möchte, bestellt sich dazu noch eine Tasse Kaffee oder ein Glas Wasser. Sehende bekommen eine Schlafmaske, um sich mehr auf ihre weiteren Sinne konzentrieren zu können.

Save the date: In der Woche des Sehens bieten wir von Dienstag (9.10.) bis Sonntag (14.10) das Programm täglich im Museums-Café an! Mehr dazu findet ihr unter www.woche-des-sehens.de/veranstaltungskalender/

Davon abgesehen planen wir mit Start im Jänner 2019 ein umfangreiches Forschungsprojekt – NMsee – in dessen Verlauf wir einen vollkommen neuen, inklusiven Zugang zu den Inhalten unserer Dauerausstellung schaffen werden. Dies gelingt über taktile Exponate, Bodenleitsysteme, taktile Schilder und ein inklusives App Game. Spannend, nicht wahr? Mehr zum Projekt und zu inklusiven Gaming liest ihr in diesem Blogeintrag: https://bkw.hypotheses.org/677

Unser Ziel ist es, das hoch angesetzte Ziel eines “Museums für Alle” zu erreichen. Helft uns dabei, indem ihr uns eure Ideen und Wünsche mitteilt!

Spatenstich für den Masterplan!

Heute erfolgte bei strahlender Spätsommer/Herbstsonne (hier scheiden sich die Geister) der Spatenstich für den lange ersehnten Masterplan Neanderthal. Im Zuge dieses zweijähgrigen Bauprojektes wird das für Hominine und Museum namensgebende Tal ein frisches, modernes Anlitz erhalten.

Nach Dankesworten von Stiftungsratsvorsitzenden Prof. Gert Kaiser, Mettmanns Bürgermeister Thomas Dinkelmann, Landrat Thomas Hendele, Erkraths Bürgermeister Christoph Schultz und Detlef Reinders von der Bezirksregierung griffen die Herren zum Spaten und eröffneten damit offiziell die Baustelle. Wir im Museum sind sehr gespannt auf die Umsetzung der geplanten Maßnahmen, wei sie unseren Besucherinnen und Besuchern eine Unmenge an neuem Komfort, Unterhaltung und Naherholung bieten. Der Masterplan umfasst dabei (unter anderem) folgende Komponenten, alle im nahen Umfeld des Museumsgebäudes:

  1. Eine “Y”-förmige Brücke, die eine barrierefreie Verbindung zwischen Parkplatz, Spielplatz und Museum bietet:

    (Blick auf die “Museumsbrücke” über Mettmanner Bach und Düssel, von Richtung Museumsvorplatz aus)

  2. Einen tollen neuen Steinzeit-Spielplatz am Düsselufer! *YEAH*

    Spielplatz-Entwürfe von KuKuk GmbH

     

  3. Die Renaturierung der Düssel, sowie die Anpassung des Einmündungsbereichs von Mettmanner Bach und Düssel. Es wird also langfristig wieder schön natürlich grün 😉

Alle Fans unserer alten Neanderthaler-Skulpturen können übrigens beruhigt sein: die Skultpuren sind sicher verwahrt und werden im Laufe des Umbaus an ihre neuen, aufgefrischten Standorte gebracht!

Während der Dauer der Bauarbeiten empfehlen wir autofahrenden Besucherinnen und Besuchern, den Parkplatz der S8-Station “Neanderthal/Museum” zu nutzen. Nach Ende des großen Umbaus steht dann der Parkplatz direkt gegenüber des Museums wieder in seiner vollen Pracht zur Verfügung 😉 Auf der offiziellen Webiste des Masterplans findet ihr noch mehr Details und Planmaterial: http://www.masterplan-neandertal.de

Bis dahin sind wir schon neugierig auf alle kleinen und großen Fortschritte im Tal und halten euch am Laufenden!

 

Anna Riethus

Feste und Fotos

Planung, Vorbereitung & Umsetzung von Museumsfest und Sonderausstellung

Kurz vor der finalen Phase des Aufbaus der kommenden Sonderausstellung Wisent, Bison, Buffalo und nach dem sehr erfolgreichen und schönen Museumsfest wollen wir ein bisschen von unseren Vorbereitungen, Planungen und Umsetzungen für das Museumsfest und die kommende Sonderausstellung berichten. Wir, das sind Carina Bammesberger, wissenschaftliche Volontärin im Bereich Ausstellungsprojekte und Florian Gumboldt, wissenschaftlicher Volontär in der Abteilung Bildung und Vermittlung!

Die Organisation des Museumsfestes fällt immer in den Bereich des wissenschaftlichen Volontärs der Abteilung Bildung und Vermittlung. Wie auch im vergangenen Jahr ist es meine (Florian) Aufgabe gewesen, dass diesjährige Museumsfest zu planen und umzusetzen. Bereits im November des vergangenen Jahres hatte ich mit der Planung für das Fest begonnen. Erste Ideen für besondere Aktionen, “Save the Date”-Mails an unsere vielen externen Akteure und ein erster Material-Check gehörten zu dieser frühen Planungsphase. Weitere sollten folgen…!

Fröhliches Ofenbauen für das Brotbacken

Zwei Wochen vor dem Museumsfest gab es mein erstes persönliches Highlight. Nachdem im vergangenen Jahr unser alter Lehmofen, nach 20 Jahren, zerbrochen war, haben Archäologe Wolfgang Heuschen, Archäologie-Studentin Joana Steffens und ich einen neuen gebaut. Nach zwei Tagen harter Arbeit, Faszination, Frustration, Hitze, viel Wasser, Eis und Pommes (Vielen Dank an Biene!) konnte dieser endlich zum Trocknen im Museumsgarten aufgestellt werden. In den letzten zwei Wochen vor dem Museumsfest stand dann der letzte Materialcheck an, bei dem ich von unserer Praktikantin Maike unterstützt wurde. Für unsere Speerschleuder-Station wurden von uns die letzten Speere gefertigt, die fehlenden Ersatzteile für unsere Jurte besorgt (Die Jurte hatte sich im vergangenen Jahr, während eines Sturms, selber abgebaut!) und die Verpflegung für unsere Akteure und Helfer eingekauft.

Sommerliches Wetter am Museumsfest

Den Freitag vor dem Museumsfest haben wir genutzt, um die Drängelgitter, die Pavillons und Biergarten-Garnituren am Fundort und im Museumsgarten aufzubauen. Obwohl das Fest am Samstag erst um 14 Uhr seine Tore geöffnet hat, waren wir schon gegen 10 Uhr vor Ort. Vor Eröffnung musste das Material an die einzelnen Stände verteilt werden, die ankommenden Akteure und Helfer eingewiesen werden und letzte Probleme gelöst werden. Wie immer dauert dies bis zur letzten Minute (14:05!!!). Doch am Ende konnten wir eines der erfolgreichsten Museumsfest bisher feiern, vielen kleinen und großen Besuchern zwei unvergessliche Tage bieten und ein tolles Fest am Sonntagabend mit einem gemütlichen Grillabend für alle Akteure und Helfer abschließen. In der folgenden Woche wurden die letzten Materialien zurück an ihren Platz geräumt und danach der Abbau der Sonderausstellung “Eiszeit-Safari” gestemmt. Die neue Sonderausstellung “Wisent, Bison, Buffalo” kann kommen und das nächste Museumsfest, im kommenden Jahr, auch das nächste Museumsfest, im kommenden Jahr, auch!

Tinka mit Carina in der Wisentwelt

Die Planung und Gestaltung der kommenden Sonderausstellung Wisent, Bison, Buffalo fällt in meinen (Carina) Aufgabebereich. Bei der Ausstellung handelt es sich um eine Fotoausstellung mit Fotographien über amerikanische Buffalo von Heidi und Hans-Jürgen Koch. Da das Neanderthal Museum ein Vor- und Frühgeschichtliches Museum ist, war es unser Anliegen, auch die eiszeitlichen Steppenbisons und die noch heute lebenden Wisente in die Ausstellung zu integrieren. Beides sind übrigens Verwandte des amerikanischen Buffalos. Ich recherchierte nach eiszeitlichen Kleinkunstobjekten,  zumeist Schnitzereien aus Geweih, die Steppenbisons abbilden.

Höhlenkunst aus Niaux, Frankreich

Aus der hauseigenen Sammlung von Fotographien eiszeitlicher Höhlenbilder suchte ich die schönsten Darstellungen von Steppenbisons aus. Mit der Auswahl aller Objekte ging es an den Ausstellungsplan – wo und wie sollten die Objekte in unserer Ausstellungsfläche präsentiert werden? Informationstexte zu den einzelnen Bereichen der Ausstellung und zu jedem einzelnen Objekt dürfen in einer Ausstellung natürlich auch nicht fehlen. Um mich über die heute noch lebenden Wisente zu informieren, besuchte ich zusammen mit Florian die Wisentwelt in Wittgenstein. Von hier nahmen wir Anregungen für Kinderstationen in unserer Ausstellung und Infomaterial über die Wisentzucht mit, die in der Ausstellung für den Besucher zur Verfügung gestellt werden sollen. Die fertige Ausstellung, mit Kleinkunstobjekten, Höhlenmalereien und den beeindruckenden Buffalobildern, kann ab dem 15.9.2018 bestaunt werden!

Kollegin Hucklenbruch mit Staplerführerschein – bei Auf/Abbauten ein Hit!

 

Maikes Praktikum im Neanderthal Museum

Hi,

ich heiße Maike, studiere Archäologische Wissenschaften an der Ruhr-Uni Bochum und mache bis zum Museumsfest (25.-26. August) ein 4-wöchiges Praktikum im Neanderthalmuseum im Bereich Bildung und Vermittlung. In meinem Blogeintrag werde ich ein bisschen davon erzählen, was meine Tätigkeiten hier waren, ob es mir Spaß gemacht hat und ich ein Praktikum hier empfehlen kann oder nicht 😉

Einen typischen Tagesablauf gab es bei mir nicht unbedingt. Angefangen habe ich meistens um 9 Uhr in der Verwaltung an meinem Computerarbeitsplatz in der Mediathek. Dann habe ich oft den morgendlichen Kontrollrundgang durchs Museum mitgemacht, später auch alleine, oder mich Rechercheaufgaben zu bevorstehenden Sonderausstellungen gewidmet. Manchmal habe ich auch ein paar „typische Praktikantenarbeiten“ erledigt, wie z.B. Postkarten in Briefe legen oder die Eisgutscheine für warme Hitzewellen-Sonntage ausdrucken. Die meiste Zeit hatte ich aber spannendere Aufgaben. Ich habe auch meinen Beitrag zum Kinderprogramm „Steinzeitkrimi“ geleistet – was genau darf ich natürlich nicht verraten! Nur so viel: ich konnte dabei auch meine kreative Ader einsetzen. Sogar an einem Ausstellungstext für eine kommende Sonderausstellung durfte ich mich nach gründlicher Recherche versuchen.

Durch meine Vorgesetzte in der Verwaltung, Carina Bammesberger, bin ich sogar auf der Instagram-Seite des Museums zu sehen. Wir hatten montags Putztag, und beim Wischen des Stammbuschs* durfte ich hinter der Neanderthalerin Modell stehen.

Im Laufe des Tages wurde ich oft zu meinem anderen Vorgesetzten, Florian Gumboldt, in die Steinzeitwerkstatt gerufen. Die Aufgaben dort waren wieder vollkommen anders. Ich habe viel bei der Vorbereitung des Museumsfests am 25. und 26.8. geholfen, z.B. beim Bau von neuen Speeren. Zusätzlich habe ich an Kinderprogrammen teilgenommen und ein wenig meiner Archäologen-Tätigkeit, dem Graben, nachgehen können. Mit Florian zusammen habe ich einen Profilschnitt durch den alten Lehmofen des Museumsfests angefertigt. Von den Kinderprogrammen bin ich immer noch beeindruckt, da sie so realitätsnah wie möglich durchgeführt werden. Beim Workshop „Steinzeitmesser“ z.B. wird zum Kleben von Feuersteinklingen in Holzschäftungen eine Mischung aus Bienenwachs und Baumharz genommen, Rückstände die auch an steinzeitlichen Werkzeugen nachgewiesen wurden. Für mich persönlich war das Highlight aber das Feuermachen, das mit einem Feuerstein, Markasit (Katzengold), einem Stück Zunderpilz und Holzspähnen vor den Kindern gezeigt wurde. Das habe ich auch selbst lernen können und deswegen hat mir das Praktikum so gesehen auch beim Überleben in der Wildnis oder bei einem totalen Stromausfall geholfen.

Total super war, dass ich mich auch selbst am Bogenschießen probieren konnte. Jeden zweiten Mittwoch ist nachmittags an der Steinzeitwerkstatt ein Bogentreff mit größtenteils selbstgebauten Bögen. Ich durfte dort mitschießen und habe auch meinen Gefallen am Bogenschießen gefunden.

Durch Zufall habe ich im Museumsshop sogar einen neuen Rucksack für mich gefunden: Die Firma Kultbag hat für das Museum aus den alten Werbeplanen für die Sonderausstellungen Taschen und Rucksäcke hergestellt. Ich habe einen richtig schönen mit Schmetterlingen von der Ausstellung „Tierreich: Schwärme, Herden, Kolonien“ erworben.

Nun also dazu, ob ich ein Praktikum hier im Neanderthalmuseum empfehlenswert finde oder nicht: Wie man an meinem Bericht wahrscheinlich schon gemerkt hat, finde ich es definitiv empfehlenswert. Man erhält Einblicke in die verschiedenen Bereiche des Museums und darf hinter die Kulissen schauen. Das Praktikum ist wirklich vielseitig und wird absolut nicht langweilig. Die MitarbeiterInnen in der Verwaltung, der Haustechnik, im Museum, in der Steinzeitwerkstatt und der Forschungsabteilung dort sind alle super nett und man bekommt das Gefühl, ein Teil des Teams zu sein, dem Vertrauen entgegengebracht wird und nicht eine weitere Praktikantin zu sein, dem unwichtige Aufgaben erteilt werden.

Zum Schluss war es noch meine Aufgabe, ein Ausstellungsstück aus dem Museum zu wählen, das mich aus irgendeinem Grund besonders fasziniert hat oder in Erinnerung bleiben wird. Ich habe das Gehirn in seiner Vitrine ganz oben im Museum gewählt. Ich fand es schon am Anfang faszinierend, dass wirklich ein echtes Gehirn im Museum ausgestellt wurde und eine alte Frau es an das Museum gespendet hat. Und dann hatten Carina Bammesberger und ich die Aufgabe, unter anderem diese Vitrine zu putzen, was sich als super kompliziert herausgestellt hat. Wir waren mit einem unserer Haustechniker und einer Leiter am Werk und meine langen Arme waren definitiv von Vorteil, um alle Ecken der Vitrine zu erwischen.

Maike Bonnmann

*Der Stammbusch ist die offizielle Bezeichnung für die Holzinstallation, auf der sich die lebensechten Nachbildungen der Hominiden befinden. Stammbaum wäre hier nicht die richtig Bezeichnung, da man die Menschheitsentwicklung nicht als linearen Prozess von einer Form zur nächsten sehen kann. Die verschiedenen Hominiden haben ja auch nebeneinander existiert und sich untereinander vermischt.

Die Neanderthalerin: An alle Spitznasen!

Die Spitznasen vom Neanderthal Museum haben mir erzählt, dass ich es schaffe, viele andere Spitznasen zu erreichen, indem ich diesen Text schreibe. Sie erklärten mir, dass wenn sie den Text online stellen (ich weiß nicht genau, was das bedeutet), lesen ganz viele Spitznasen, was ich zu sagen habe.

Und was ich Euch zu sagen habe, ist sehr wichtig!

Viele, viele Spitznasen haben ein seltsames Bild von uns Neanderthalern. Versucht es doch selber mal: schließt einmal Eure Augen und stellt euch einen Neanderthaler vor … er ist bestimmt männlich, ein richtiger Muskelprotz, sehr haarig, hält eine Keule in der Hand und sieht im Gesicht ein wenig … dumm aus … richtig?

Nun, ich habe mir vorgenommen, dieses Bild von den Neanderthalern aus den Köpfen der Spitznasen zu vertreiben und euch alle zu Jägerinnen und Jägern auszubilden. Mein Name ist Nani und ich bin eine Neanderthalerin. Ich nehme Euch mit und zeige Euch, wie wir Neanderthaler gelebt haben. Zusammen entdecken wir den Ort, an dem 1856 alles begonnen hat. Das war nämlich hier im Neanderthal. Ich zeige Euch, wie man jagt und was wichtig ist, über die Tiere zu wissen. Außerdem zeige ich Euch, dass es als Neanderthaler nicht nur wichtig war zu jagen. Sie mussten auch viele andere Dinge, wie zum Beispiel das Fährten lesen, Werkzeuge bauen oder Feuer machen. Wenn ihr erst einmal das eiszeitliche Jägertraining geschafft habt, dann nehme ich Euch mit ins Museum und zeige euch, was das Neanderthal Museum alles über die Geschichte der Menschheit erzählt. Es gibt da so Einiges, dass mich ganz aufgeregt macht, dass würde ich Euch gern zeigen.

Ach so— und vielleicht könnt Ihr mir auch bei einem Problem weiterhelfen… aber das erzähle ich Euch besser, wenn Ihr hier seid.

Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns kennenlernen würden! Ich warte im Museumsgarten auf Euch! Bis dahin,

Eure Nani

Anmerkung des Museums: wenn ihr Nani kennenlernen und ihr vielleicht bei ihrem Problem helfen wollt, arrangieren wir gerne ein Treffen! Infos dazu gibt’s unter http://www.neanderthal.de/de/erlebnisfuehrungen.html

Diversity Challenge

Diversity. Seit einigen Jahren kommt man gefühlt nicht mehr an diesem geheimnisvollen Wort vorbei. Dabei wissen die Wenigsten, was diese neun Buchstaben eigentlich beinhalten. Übersetzt heißt “Diversity” Vielfalt, doch die gesellschaftliche Bedeutung – gerade in einer multikulturellen Gesellschaft wie unseren – wird meist unterschätzt. Diversity steht für die Akzeptanz jeglicher persönlicher Dimensionen eines Menschen. Darunter fallen Dimensionen wie Alter, ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht, sexuelle Orientierung, physische Fähigkeiten und Religion/ Weltanschauung:

Grafik Diversity Dimensionen Quelle: https://www.charta-der-vielfalt.de/die-charta/, letzter Zugriff am 26.07.2018

Dieses Mosaik aus persönlichen Bausteinen kann man noch um zahlreiche Dimensionen erweitern. Für unsere Gesellschaft, die von Tag zu Tag diverser wird, ist es unglaublich wichtig, dass Themen wie ethnische Zugehörigkeit, sexuelle Orientierung und Identität jeglicher Formen anerkannt und lebenswert gestaltet werden. Kleine Schritte wie ein D für Divers auf Stellenausschreibungen, anstatt wie vorher nur W und M, könnten schon viel verändern, damit sich Menschen akzeptierter und wohler in unserer Gesellschaft fühlen.

Die Charta für Vielfalt e.V. hat sich genau dies auf die Fahne geschrieben und startete einen Diversitätswettbewerb. Die Diversity Challenge der Charta für Vielfalt e.V. startete dieses Jahr und beinhaltet Wettbewerbsbeträge von vielen verschiedenen Institutionen und Gewerben (s. Video). Bis März 2019 erarbeiten die Gruppen in einem Projekt, wie man Diversity in ihrer Institution besser eingliedern und wie man auf Diversity besser aufmerksam machen könnte.

Wir vom Neanderthal Museum haben mit großer Freude eine Anmeldung für den Wettbewerb losgeschickt und sind über die Annahme sehr glücklich. In den nächsten Wochen und Monaten wird unser Museum <3 Diversity-Team unser Projekt ausarbeiten und die Fortschritte auf den Social Media-Seiten des Museums beschreiben. Die Planung, wie wir für mehr Diversity einstehen wollen, ist schon abgeschlossen und unser roter Faden für das Projekt ist auch schon gefunden.

Bis zum nächsten Mal – immer schön divers bleiben.

Euer Museum<3Diversity-Team

(Autor: Dustin Welper, Museumsführer)

(Videolink: Erklär-Video Diversity Challenge)

Neanderthaler auf dem Weg zum Weltkulturerbe

Der Workshop mit 25 internationalen Fachleuten aus Archäologie, der UNESCO und des Auswärtigen Amts im Neanderthal Museum war ein voller Erfolg. Die Teilnehmer des Workshops konnten auf die Vorarbeiten des Netzwerkes „Ice Age Europe“ (www.iceageeurope.eu) zurückgreifen, das sich seit 2013 um die Förderung und Sichtbarmachung des eiszeitlichen Kulturerbes Europas bemüht. Es wurde vereinbart, den seriellen, transnationalen Nominierungsprozess weiter zu verfolgen. Aktuell sind neben dem namengebenden Fundort 11 weitere Partner  aus Kroatien, Italien, Belgien und Spanien an dem Verfahren beteiligt. Ein Folgetreffen ist für Anfang 2018 geplant. Dann sollen auch Vertreter französischer Fundstellen dabei sein, die nicht nach Mettmann kommen konnten.

Die Teilnehmer des UNESCO-Workshops vor dem Neanderthal Museum

Von den mehr als eintausend Stätten, die auf der Welterbeliste der UNESCO verzeichnet sind, sind nur eine Handvoll Fundorte der frühen Menschheitsgeschichte. Das möchte die UNESCO ändern und hat bereits 2006 das Programm HEADS (http://whc.unesco.org/en/heads/) initiiert. Denn die Bedeutung dieser Fundstellen und ihrer Funde ist spektakulär, dokumentieren sie doch häufig Meilensteine der menschlichen Entwicklungsgeschichte mit globalen Folgen.  Eine ganz besondere Rolle haben dabei die Neanderthaler-Fundstellen. Durch ihre Entdeckung wurde das gesellschaftliche und wissenschaftliche Koordinatensystem des modernen Menschen neu positioniert und der Neanderthaler zum  Archetyp für die Menschen des Eiszeitalters. Heute ist er Gegenstand einer enormen, weltweiten Forschungsaktivität, deren Ergebnisse etwa im Bereich der Paläogenetik starken Einfluss auf unsere Gegenwart haben.

Die einmalige Forschungsgeschichte und das außergewöhnliche wissenschaftliche Potential der Neanderthaler-Fundstellen zum Verständnis der frühen Menschheitsgeschichte konnten in den Vorträgen und Diskussionen während des Workshops sichtbar gemacht werden. Sie sind die wichtigsten Argumente für eine Nominierung. Der Cluster aus den bedeutendsten Neanderthaler-Fundstellen erfüllt mehrere der von der UNESCO geforderten Kriterien, die Voraussetzung sind für eine Anerkennung des außergewöhnlichen, universalen Wertes.

Allen Beteiligten war klar, dass die Bewerbung nun in weiteren Treffen präzisiert werden muss. Daher wurden Hausaufgaben verteilt, die von den Teilnehmern des Workshops bis zum nächsten Treffen abgearbeitet werden.

Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Die letzten Neanderthaler in Zentralspanien: die Erforschung des archäologischen Fundplatzes ‘Abrigo del Molino’ (Segovia)

Der archäologische Fundplatz “Abrigo del Molino” wurde 2012 entdeckt und wird seitdem im Rahmen des multidisziplinären Forschungsprojektes “Primeros Pobladores de Segovia” (Die ersten Siedler Segovias) erforscht, welches die Landesregierung in Castilla und León finanziert. Abrigo del Molino liegt im Tal des Eresma-Flusses, einem Nebenfluss des Douro, in der Nähe der Stadt Segovia in Zentralspanien. Es handelt sich um einen Felsvorsprung, der im Fluviokarst entstand und komplett mit Sediment gefüllt war. Unglücklicherweise wurden Teile des archäologischen Fundplatzes in den frühen 1980er Jahren durch die Legung von Abwasserrohren zerstört. Daraufhin waren die Sedimente fast 20 Jahre den Umweltbedingungen ausgesetzt, bevor Feuersteinartefakte und Knochenreste dort zum Vorschein kamen.

Seit Juli 2013 haben bereits vier Kampagnen stattgefunden. Die Leiter der Ausgrabungen, David Álvarez-Alonso, María de Andrés-Herrero und Andrés Díez-Herrero, arbeiten eng mit dem Sonderforschungsbereich SFB-806 „Our Way to Europe“ der Universität zu Köln und dem Neanderthal Museum zusammen, z.B. bei der Analyse der Mikromorphologie und der OSL- und Radiokarbondatierungen.

Als die Ausgrabungen begannen, schätzten die Forscher Abrigo del Molino als wichtigen Ort für die lokale Geschichte ein, da es sich um die älteste Besiedlung bei Segovia handelte. Von einem regionalen Standpunkt aus gesehen, ist es der einzige Fundplatz mit guter Stratigraphie in der Gegend nördlich des Iberischen Scheidegebirges. Dort sind bisher nur wenige Freilandfundstellen mit Mousterien-Besiedlungen (mittelpaläolithische Werkzeugkultur des Neanderthalers) bekannt. Heute ist dieser außergewöhnliche Fundplatz dank der neusten Datierungsergebnisse eine der wichtigsten Neanderthalerbesiedlungen der Iberischen Halbinsel und Südwesteuropas. Denn Abrigo del Molino zeigt die jüngste, chronologisch gut eingeordnete Schichtenabfolge mit Hinterlassenschaften des Neanderthalers in Zentralspanien.

Der Zeitpunkt, an dem die letzten Neanderthalerpopulationen von der Iberischen Halbinsel verschwanden, wird in der paläolithischen Archäologie viel diskutiert. Daher sind sorgfältige und genaue Datierungen von Neanderthalerfundplätzen entscheidend für die Frage, ob die Neanderthaler verschwanden, bevor der anatomisch moderne Mensch auf der Iberischen Halbinsel einwanderte, oder ob beide dort zeitglich nebeneinander lebten und sich möglicherweise auch dort vermischten – so wie es bisher nur aus Osteuropa und Westasien anhand von genetischen Untersuchungen nachgewiesen ist.

Basierend auf den neuen Radiokarbondatierungen sind die Schichten im Abrigo del Molino zwischen 42,000 und 44,000 Jahre alt, d.h. es handelt sich hierbei um die jüngste Neanderthalerbesiedlung in Zentraspanien. Das bedeutet einerseits, dass die Neanderthaler noch in Zentralspanien lebten, als anatomisch moderne Menschen zunächst in Nordspanien einwanderten – die ältesten Spuren des modernen Menschen stammen aus der Höhle El Castillo in Kantabrien. Andererseits zeigt es auch, dass die Neanderthaler in Zentralspanien früher verschwanden als im Süden der Halbinsel. Die letzten Spuren des Mousterien datieren in den südspanischen und portugiesischen Fundstellen Cueva Antón, Gruta da Oliveira und Foz do Enxarique auf zwischen 35,000 und 37,000 Jahre.

María de Andrés-Herrero

(aus dem Englischen übersetzt von Viviane Bolin)

2 Millionen Jahre Migration

Die Verbindung eines Forschungsprojektes mit einem Ausstellungsprojekt ist immer noch ein seltener Glücksfall in der deutschen Forschungslandschaft. „2 Millionen Jahre Migration“ ist aus einer solchen Verbindung entstanden. Der Sonderforschungsbereich 806 „Our Way to Europe“ startete im Jahr 2009 an der Universität Köln in Kooperation mit der RWTH Aachen, der Universität Bonn und dem Neanderthal Museum. An dem interdisziplinären Großprojekt beteiligen sich etwa 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Geowissenschaften und der Prähistorischen Archäologie (www.sfb806.uni-koeln.de). Gefördert wird das Projekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (www.dfg.de). Die Ausgangsfragen waren klar umrissen: Auf welchen Wegen kam der anatomisch moderne Mensch nach Europa, welche Ursachen können erkannt werden und wie verlief der Ausbreitungsprozess?

Im Jahr 2015 wurde, ausgelöst durch die politischen Diskussionen in Europa, im SFB 806 der Entschluss gefasst, eine Brücke zu schlagen zwischen Eiszeit und Moderne. Die Ausgangskarte des SFB 806 aus dem Jahr 2009 und die Karte aktueller Migrationswege machten ohne Erklärung deutlich, wie nah sich prähistorische Forschung und Moderne sind. Diese Erkenntnis sollte in einer Ausstellung im Neanderthal Museum an die breite Öffentlichkeit vermittelt werden. Weitere wissenschaftliche Kooperationspartner konnten mit dem ROCEEH Projekt der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (www.roceeh.net) und dem Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena (www.shh.mpg.de) gewonnen werden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Stiftung Mercator (www.stiftung-mercator.de) erklärten sich bereit, die Ausstellung zu fördern. Am 12. Mai 2017 wird sie nun eröffnet und soll nach dem Start im Neanderthal Museum als Wanderausstellung durch den deutschsprachigen Raum touren.

Ziel der Ausstellung ist, die durch die aktuelle politische Situation „emotionalisierten“ Besucher in der Ausstellung mit Forschungsergebnissen und Fragestellungen aus der menschlichen Entwicklungsgeschichte zu konfrontieren. Die verwendeten Begriffe sind Besuchern vertraut, der damit verbundene archäologische Kontext ist ihnen aber weitestgehend neu. Dieser starke Perspektivwechsel soll es Besuchern erlauben, einen distanzierten Standpunkt einzunehmen, der nicht von Tagesaktualität geprägt ist, sondern eher von der Suche nach wissenschaftlicher Erkenntnis.

Die Ausstellung vermittelt drei zentrale Botschaften:

• Migration und Menschwerdung sind untrennbar miteinander verbunden.
• Menschen haben sich seit 2 Millionen Jahren ständig an veränderte Lebensbedingungen und soziale Zusammenhänge angepasst.
• Geoarchäologische Forschung kann einen wertvollen Beitrag zum Verständnis menschlichen Verhaltens leisten.

Vier Meilensteine prähistorischer Migrationsereignisse werden präsentiert: Der erste Auszug des Menschen aus Afrika von etwa 2 Millionen Jahren; die Auswanderung des modernen Menschen vor etwa 100.000 Jahren aus Afrika; die Einwanderung von Bauern und Viehzüchtern aus dem Vorderen Orient nach Europa und die Einwanderung von Pferdezüchtern und Händlern aus den westasiatischen Steppen nach Mitteleuropa zu Beginn der Metallzeiten.

Interviews mit modernen Migranten schlagen einen Bogen zu den Motiven und Erfahrungen aktueller Migration.

Für mich ist es eine besondere Erfahrung auf beiden Seiten agieren zu dürfen: als Forscher im SFB 806 und als Museumsdirektor bei der Konzeption und Realisierung der Ausstellung.

Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Hasta la vista, Neanderthal Museum!

Am 1. Januar 2015 habe ich angefangen, als Wissenschaftler im Neanderthal Museum zu arbeiten. Heute, fast zwei Jahre später, schreibe ich diese Zeilen aus Spanien, nur wenige Wochen, nachdem ich meine Arbeit dort beendet und Deutschland wieder verlassen habe. Nun ist der Moment für einen Rückblick auf meine Zeit im Neandertal gekommen.

Als ich das erste Mal darüber nachdachte, mich für eine Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahme zu bewerben – einer angesehenen und stark umworbenen Förderung durch die Exekutivagentur für die Forschung (REA) – suchte ich nach einer aktiven und fundierten europäischen Forschungsgruppe im Bereich der paläolithischen Archäologie und Geowissenschaften. Nachdem ich einige Möglichkeiten mit meinen Professoren und Kollegen in Spanien besprochen hatte, beschloss ich im Frühjahr 2013, Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger (Direktor des Neanderthal Museums) zu kontaktieren. Prof. Weniger erforscht seit Langem die Vorgeschichte der Iberischen Halbinsel. Zudem koordiniert er seit einigen Jahren das C-Projekt des Sonderforschungsbereiches SFB-806 „Our Way to Europe“ an der Universität zu Köln, in dem die Wechselbeziehung zwischen Mensch und Umwelt im westlichen Mittelmeergebiet während des Spätpleistozäns untersucht wird. Seine Arbeit einerseits als Direktor des Neanderthal Museums und andererseits als Dozent an der Universität zu Köln machten ihn für mich zu einem interessanten Partner für eine Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahme. Seine sehr positive und freundliche Reaktion auf meinen Vorschlag, gemeinsam die Bevölkerungsdynamiken im Zentrum der Iberischen Halbinsel während des Spätpleistozäns zu erforschen – einem bisher eher spärlich untersuchtem Thema – überraschte mich nicht. Er war sehr interessiert an diesem Projekt.

Wir entwickelten zusammen einen Antrag mit dem Titel ‘Testing Population Hiatuses in the Late Pleistocene of Central Iberia: a geoarchaeological approach’. Im März 2014 erhielten wir die positive Rückmeldung, dass unser Antrag für eine Förderung ausgewählt worden war. So begann mein zweijähriges Projekt am Neanderthal Museum.

Dr. Manuel Alcaraz-Castaño and Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger (c) Rheinische Post. Photo. D. Janicki

Das Ziel war die geoarchäologische Untersuchung von drei ausgewählten Fundplätzen im Zentrum der Iberischen Halbinsel (nördliches Gebiet der Guadalajara Provinz). Es handelt sich um die mittelpaläolithischen Siedlungsplätze Los Casares und Peña Cabra und dem jungpaläolithischen Siedlungsplatz Peña Capón. Zusammen bilden diese Orte eine exzellente Möglichkeit, die Beziehung zwischen Menschen und ihrer Umgebung zu untersuchen und die zurzeit führenden Modelle zur Populationsdynamik in diesem Gebiet Iberiens zu testen. Wir wollten in Erfahrung bringen, ob Zentraliberien während des Jungpaläolithikums fast komplett unbevölkert gewesen war (wie bisher in der Forschung vermutet) und wie bzw. wann der Neanderthaler aus dieser Region verschwand – ein Thema, dass zurzeit heftig diskutiert wird.

Solch ambitioniertes Projekt benötigt die Teilnahme einer großen Anzahl an Wissenschaftlern aus den verschiedensten Bereichen der Vorgeschichtlichen Archäologie und der Geowissenschaften. Zusätzlich zu Prof. Weniger und mir, gehörten u.a. folgende Wissenschaftler zu unserer Forschungsgruppe: Martin Kehl und Nicole Klasen (Geographie, Universität zu Köln), Javier Alcolea-González und Rodrigo de Balbín-Behrmann (Archäologie, Universität Alcalá), José Yravedra (Zooarchäologie, Complutense Universität Madrid), José Antonio López-Sáez (Pollenanalyse, CSIC Spanish National Research Council), Raquel Piqué (Holzkohleanalyse, Universität Barcelona), Javier Baena-Preysler und Felipe Cuartero (Archäologie, Autonome Universität Madrid), Gloria Cuenca-Bescós (Paläontologie, Universität Zaragoza). In Zusammenarbeit mit dem Team des Neanderthal Museums waren besonders Viviane Bolin, María de Andrés-Herrero, Andreas Pastoors und Eva Roggatz wertvolle Kollegen.

An den drei genannten Siedlungsplätzen führten wir mehrere Untersuchungen durch

A) Untersuchungen zur Entstehung der Erdschichten und Fundplatzes (Mikromorphologie, Sedimentologie, Taphonomie)

B) Chronometrische Analysen der menschlichen Besiedlungsperiode (14C-, OSL- und U/Th- Datierungen).

C) Analyse der Klima- und Umweltverhältnisse des Gebietes während der untersuchten Periode (Pollen-, Phytolith(Nahrungsreste)-, Mikrofauna- und Sedimentanalysen).

D) Untersuchung der Beziehung zwischen dem Menschen und seiner Umgebung, und Untersuchung des wirtschaftlichen und sozialen Verhaltens der Gruppen (z.B. Technologie der Steinwerkzeuge und Zooarchäologie).

Wir führten an allen drei Fundplätzen Ausgrabungen durch. Eine Zusammenfassung der Kampagnen können sie hier nachlesen (Blogbeitrag 02. August 2016, Blogbeitrag 29.07.2015). Zudem wurden 2015 und 2016 die oben aufgezählten Analysen in den Laboren der unterschiedlichen Universitäten in Deutschland und Spanien ausgeführt. Obwohl einige Analysen noch im Gange sind, können wir bereits wichtige Resultate festhalten:

  1. Die Untersuchung der archäologischen Schichten durch mikromorphologische Analysen zeigt, dass die drei Fundplätze „in-situ“ (d.h. ungestört) in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben sind.
  2. Die chronometrischen Analysen (14C-, OSL- und U/Th-Datierungen) an den drei Fundplätzen waren bei einem großen Teil der Proben erfolgreich. So können wir wichtige Besiedlungen von Neanderthalern und modernen Menschen im Zentrum der Iberischen Halbinsel vor ca. 90,000 – 20,000 Jahren vor heute nachweisen.
  3. Nachweise von Pollen, Holzkohle und Kleinsäugerknochen liefern wichtige Hinweise auf die Klima- und Umweltbedingungen dieser Gegend, denn sie sind wichtige Indikatoren für ökologische Rückzugsräume. In unserem Fall können wir menschliche Besiedlungen nicht nur während kalter und trockener Klimaphasen nachweisen, sondern auch während warmer Perioden.
  4. Die Untersuchungen der Steinwerkzeug-Technologie und der durch Tierknochen nachgewiesenen Tierarten geben Hinweise auf interessante Überlebensstrategien, wie z.B. die Gewinnung von Mikro-Levallois Spitzen in feinmechanischer Ausführung in Peña Cabra, die Nutzung der tieferen Höhlenbereiche für bestimmte Aktivitäten des Neanderthalers in Los Casares oder die spezialisierte Quarzproduktion während der prä-Solutréen Perioden in Peña Capón.

Einige dieser Ergebnisse haben wir auf verschiedenen internationalen Konferenzen vorgestellt, z.B. auf der European Society for the Study of Human Evolution (ESHE) in London im September 2015 und in Alcalá de Henares im September 2016) und auf der Tagung der Hugo Obermaier-Gesellschaft für Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit in Heidenheim im April 2015.

Dr. Manuel Alcaraz-Castaño präsentiert sein Poster auf der Tagung der Hugo Obermaier Gesellschaft im April 2015 in Heidenheim

Meine Beiträge an all diesen Konferenzen und die Ausgrabungs-Kampagnen und die darauffolgenden Analysen wurden von dem Marie-Skłodowska-Curie-Projekt, dem SFB-806 und dem Neanderthal Museum finanziert. Obwohl einige Ergebnisse noch ausstehen und bisher nur vorläufige Artikel und Präsentationen verfasst und gezeigt werden konnten, leistet unser Projekt bereits einen relevanten Beitrag für die Erforschung der spätpleistozänen Populationsdynamik in Zentraliberien.

Neben meiner wissenschaftlichen Arbeit habe ich wertvolle Erfahrungen durch die Teilnahme bei verschiedenen Veranstaltungen im Neanderthal Museum sammeln können, wie z.B. das Museumsfest im August 2015. Und am Tag der Forschung im November 2016 konnte ich den Museumsbesuchern meine Forschung vorstellen und mit ihnen über meine Ergebnisse diskutieren.

Dr. Manuel Alcaraz-Castaño beim Museumsfest 2015

Mein Aufenthalt am Neanderthal Museum war sehr angenehm und bereichernd. Das Team ist sehr freundlich und hilfsbereit und hat mich in seiner Mitte aufgenommen, so dass ich mich von Anfang an zugehörig fühlte. Ich wohnte mit meiner Familie während dieser zwei Jahre im nahen Erkrath-Hochdahl, dem „Fundort des Neanderthalers“. Dort hatte ich ebenfalls eine wunderbare Zeit. Heute wissen wir, dass die Neanderthaler eine hochentwickelte Kultur besaßen und dem modernen Menschen biologisch und kulturell sehr ähnlich waren. Dass ich an einem solchen Ort leben und arbeiten durfte, an dem diese Menschenart erstmals definiert und nach dem sie benannt worden ist, macht mich glücklich. Und ich kann mit gutem Grund behaupten, dass die Menschen in diesem Tal – damals wie heute – wirklich toll sind.

Herzlichen Dank an alle und bis bald!

Manuel Alcaraz-Castaño

(übersetzt aus dem Englischen von Viviane Bolin)