Archiv der Kategorie: Neanderthal Museum

Diversity Challenge

Diversity. Seit einigen Jahren kommt man gefühlt nicht mehr an diesem geheimnisvollen Wort vorbei. Dabei wissen die Wenigsten, was diese neun Buchstaben eigentlich beinhalten. Übersetzt heißt “Diversity” Vielfalt, doch die gesellschaftliche Bedeutung – gerade in einer multikulturellen Gesellschaft wie unseren – wird meist unterschätzt. Diversity steht für die Akzeptanz jeglicher persönlicher Dimensionen eines Menschen. Darunter fallen Dimensionen wie Alter, ethnische Zugehörigkeit, Geschlecht, sexuelle Orientierung, physische Fähigkeiten und Religion/ Weltanschauung:

Grafik Diversity Dimensionen Quelle: https://www.charta-der-vielfalt.de/die-charta/, letzter Zugriff am 26.07.2018

Dieses Mosaik aus persönlichen Bausteinen kann man noch um zahlreiche Dimensionen erweitern. Für unsere Gesellschaft, die von Tag zu Tag diverser wird, ist es unglaublich wichtig, dass Themen wie ethnische Zugehörigkeit, sexuelle Orientierung und Identität jeglicher Formen anerkannt und lebenswert gestaltet werden. Kleine Schritte wie ein D für Divers auf Stellenausschreibungen, anstatt wie vorher nur W und M, könnten schon viel verändern, damit sich Menschen akzeptierter und wohler in unserer Gesellschaft fühlen.

Die Charta für Vielfalt e.V. hat sich genau dies auf die Fahne geschrieben und startete einen Diversitätswettbewerb. Die Diversity Challenge der Charta für Vielfalt e.V. startete dieses Jahr und beinhaltet Wettbewerbsbeträge von vielen verschiedenen Institutionen und Gewerben (s. Video). Bis März 2019 erarbeiten die Gruppen in einem Projekt, wie man Diversity in ihrer Institution besser eingliedern und wie man auf Diversity besser aufmerksam machen könnte.

Wir vom Neanderthal Museum haben mit großer Freude eine Anmeldung für den Wettbewerb losgeschickt und sind über die Annahme sehr glücklich. In den nächsten Wochen und Monaten wird unser Museum <3 Diversity-Team unser Projekt ausarbeiten und die Fortschritte auf den Social Media-Seiten des Museums beschreiben. Die Planung, wie wir für mehr Diversity einstehen wollen, ist schon abgeschlossen und unser roter Faden für das Projekt ist auch schon gefunden.

Bis zum nächsten Mal – immer schön divers bleiben.

Euer Museum<3Diversity-Team

(Autor: Dustin Welper, Museumsführer)

(Videolink: Erklär-Video Diversity Challenge)

Neanderthaler auf dem Weg zum Weltkulturerbe

Der Workshop mit 25 internationalen Fachleuten aus Archäologie, der UNESCO und des Auswärtigen Amts im Neanderthal Museum war ein voller Erfolg. Die Teilnehmer des Workshops konnten auf die Vorarbeiten des Netzwerkes „Ice Age Europe“ (www.iceageeurope.eu) zurückgreifen, das sich seit 2013 um die Förderung und Sichtbarmachung des eiszeitlichen Kulturerbes Europas bemüht. Es wurde vereinbart, den seriellen, transnationalen Nominierungsprozess weiter zu verfolgen. Aktuell sind neben dem namengebenden Fundort 11 weitere Partner  aus Kroatien, Italien, Belgien und Spanien an dem Verfahren beteiligt. Ein Folgetreffen ist für Anfang 2018 geplant. Dann sollen auch Vertreter französischer Fundstellen dabei sein, die nicht nach Mettmann kommen konnten.

Die Teilnehmer des UNESCO-Workshops vor dem Neanderthal Museum

Von den mehr als eintausend Stätten, die auf der Welterbeliste der UNESCO verzeichnet sind, sind nur eine Handvoll Fundorte der frühen Menschheitsgeschichte. Das möchte die UNESCO ändern und hat bereits 2006 das Programm HEADS (http://whc.unesco.org/en/heads/) initiiert. Denn die Bedeutung dieser Fundstellen und ihrer Funde ist spektakulär, dokumentieren sie doch häufig Meilensteine der menschlichen Entwicklungsgeschichte mit globalen Folgen.  Eine ganz besondere Rolle haben dabei die Neanderthaler-Fundstellen. Durch ihre Entdeckung wurde das gesellschaftliche und wissenschaftliche Koordinatensystem des modernen Menschen neu positioniert und der Neanderthaler zum  Archetyp für die Menschen des Eiszeitalters. Heute ist er Gegenstand einer enormen, weltweiten Forschungsaktivität, deren Ergebnisse etwa im Bereich der Paläogenetik starken Einfluss auf unsere Gegenwart haben.

Die einmalige Forschungsgeschichte und das außergewöhnliche wissenschaftliche Potential der Neanderthaler-Fundstellen zum Verständnis der frühen Menschheitsgeschichte konnten in den Vorträgen und Diskussionen während des Workshops sichtbar gemacht werden. Sie sind die wichtigsten Argumente für eine Nominierung. Der Cluster aus den bedeutendsten Neanderthaler-Fundstellen erfüllt mehrere der von der UNESCO geforderten Kriterien, die Voraussetzung sind für eine Anerkennung des außergewöhnlichen, universalen Wertes.

Allen Beteiligten war klar, dass die Bewerbung nun in weiteren Treffen präzisiert werden muss. Daher wurden Hausaufgaben verteilt, die von den Teilnehmern des Workshops bis zum nächsten Treffen abgearbeitet werden.

Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Die letzten Neanderthaler in Zentralspanien: die Erforschung des archäologischen Fundplatzes ‘Abrigo del Molino’ (Segovia)

Der archäologische Fundplatz “Abrigo del Molino” wurde 2012 entdeckt und wird seitdem im Rahmen des multidisziplinären Forschungsprojektes “Primeros Pobladores de Segovia” (Die ersten Siedler Segovias) erforscht, welches die Landesregierung in Castilla und León finanziert. Abrigo del Molino liegt im Tal des Eresma-Flusses, einem Nebenfluss des Douro, in der Nähe der Stadt Segovia in Zentralspanien. Es handelt sich um einen Felsvorsprung, der im Fluviokarst entstand und komplett mit Sediment gefüllt war. Unglücklicherweise wurden Teile des archäologischen Fundplatzes in den frühen 1980er Jahren durch die Legung von Abwasserrohren zerstört. Daraufhin waren die Sedimente fast 20 Jahre den Umweltbedingungen ausgesetzt, bevor Feuersteinartefakte und Knochenreste dort zum Vorschein kamen.

Seit Juli 2013 haben bereits vier Kampagnen stattgefunden. Die Leiter der Ausgrabungen, David Álvarez-Alonso, María de Andrés-Herrero und Andrés Díez-Herrero, arbeiten eng mit dem Sonderforschungsbereich SFB-806 „Our Way to Europe“ der Universität zu Köln und dem Neanderthal Museum zusammen, z.B. bei der Analyse der Mikromorphologie und der OSL- und Radiokarbondatierungen.

Als die Ausgrabungen begannen, schätzten die Forscher Abrigo del Molino als wichtigen Ort für die lokale Geschichte ein, da es sich um die älteste Besiedlung bei Segovia handelte. Von einem regionalen Standpunkt aus gesehen, ist es der einzige Fundplatz mit guter Stratigraphie in der Gegend nördlich des Iberischen Scheidegebirges. Dort sind bisher nur wenige Freilandfundstellen mit Mousterien-Besiedlungen (mittelpaläolithische Werkzeugkultur des Neanderthalers) bekannt. Heute ist dieser außergewöhnliche Fundplatz dank der neusten Datierungsergebnisse eine der wichtigsten Neanderthalerbesiedlungen der Iberischen Halbinsel und Südwesteuropas. Denn Abrigo del Molino zeigt die jüngste, chronologisch gut eingeordnete Schichtenabfolge mit Hinterlassenschaften des Neanderthalers in Zentralspanien.

Der Zeitpunkt, an dem die letzten Neanderthalerpopulationen von der Iberischen Halbinsel verschwanden, wird in der paläolithischen Archäologie viel diskutiert. Daher sind sorgfältige und genaue Datierungen von Neanderthalerfundplätzen entscheidend für die Frage, ob die Neanderthaler verschwanden, bevor der anatomisch moderne Mensch auf der Iberischen Halbinsel einwanderte, oder ob beide dort zeitglich nebeneinander lebten und sich möglicherweise auch dort vermischten – so wie es bisher nur aus Osteuropa und Westasien anhand von genetischen Untersuchungen nachgewiesen ist.

Basierend auf den neuen Radiokarbondatierungen sind die Schichten im Abrigo del Molino zwischen 42,000 und 44,000 Jahre alt, d.h. es handelt sich hierbei um die jüngste Neanderthalerbesiedlung in Zentraspanien. Das bedeutet einerseits, dass die Neanderthaler noch in Zentralspanien lebten, als anatomisch moderne Menschen zunächst in Nordspanien einwanderten – die ältesten Spuren des modernen Menschen stammen aus der Höhle El Castillo in Kantabrien. Andererseits zeigt es auch, dass die Neanderthaler in Zentralspanien früher verschwanden als im Süden der Halbinsel. Die letzten Spuren des Mousterien datieren in den südspanischen und portugiesischen Fundstellen Cueva Antón, Gruta da Oliveira und Foz do Enxarique auf zwischen 35,000 und 37,000 Jahre.

María de Andrés-Herrero

(aus dem Englischen übersetzt von Viviane Bolin)

2 Millionen Jahre Migration

Die Verbindung eines Forschungsprojektes mit einem Ausstellungsprojekt ist immer noch ein seltener Glücksfall in der deutschen Forschungslandschaft. „2 Millionen Jahre Migration“ ist aus einer solchen Verbindung entstanden. Der Sonderforschungsbereich 806 „Our Way to Europe“ startete im Jahr 2009 an der Universität Köln in Kooperation mit der RWTH Aachen, der Universität Bonn und dem Neanderthal Museum. An dem interdisziplinären Großprojekt beteiligen sich etwa 70 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Geowissenschaften und der Prähistorischen Archäologie (www.sfb806.uni-koeln.de). Gefördert wird das Projekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (www.dfg.de). Die Ausgangsfragen waren klar umrissen: Auf welchen Wegen kam der anatomisch moderne Mensch nach Europa, welche Ursachen können erkannt werden und wie verlief der Ausbreitungsprozess?

Im Jahr 2015 wurde, ausgelöst durch die politischen Diskussionen in Europa, im SFB 806 der Entschluss gefasst, eine Brücke zu schlagen zwischen Eiszeit und Moderne. Die Ausgangskarte des SFB 806 aus dem Jahr 2009 und die Karte aktueller Migrationswege machten ohne Erklärung deutlich, wie nah sich prähistorische Forschung und Moderne sind. Diese Erkenntnis sollte in einer Ausstellung im Neanderthal Museum an die breite Öffentlichkeit vermittelt werden. Weitere wissenschaftliche Kooperationspartner konnten mit dem ROCEEH Projekt der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (www.roceeh.net) und dem Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena (www.shh.mpg.de) gewonnen werden. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Stiftung Mercator (www.stiftung-mercator.de) erklärten sich bereit, die Ausstellung zu fördern. Am 12. Mai 2017 wird sie nun eröffnet und soll nach dem Start im Neanderthal Museum als Wanderausstellung durch den deutschsprachigen Raum touren.

Ziel der Ausstellung ist, die durch die aktuelle politische Situation „emotionalisierten“ Besucher in der Ausstellung mit Forschungsergebnissen und Fragestellungen aus der menschlichen Entwicklungsgeschichte zu konfrontieren. Die verwendeten Begriffe sind Besuchern vertraut, der damit verbundene archäologische Kontext ist ihnen aber weitestgehend neu. Dieser starke Perspektivwechsel soll es Besuchern erlauben, einen distanzierten Standpunkt einzunehmen, der nicht von Tagesaktualität geprägt ist, sondern eher von der Suche nach wissenschaftlicher Erkenntnis.

Die Ausstellung vermittelt drei zentrale Botschaften:

• Migration und Menschwerdung sind untrennbar miteinander verbunden.
• Menschen haben sich seit 2 Millionen Jahren ständig an veränderte Lebensbedingungen und soziale Zusammenhänge angepasst.
• Geoarchäologische Forschung kann einen wertvollen Beitrag zum Verständnis menschlichen Verhaltens leisten.

Vier Meilensteine prähistorischer Migrationsereignisse werden präsentiert: Der erste Auszug des Menschen aus Afrika von etwa 2 Millionen Jahren; die Auswanderung des modernen Menschen vor etwa 100.000 Jahren aus Afrika; die Einwanderung von Bauern und Viehzüchtern aus dem Vorderen Orient nach Europa und die Einwanderung von Pferdezüchtern und Händlern aus den westasiatischen Steppen nach Mitteleuropa zu Beginn der Metallzeiten.

Interviews mit modernen Migranten schlagen einen Bogen zu den Motiven und Erfahrungen aktueller Migration.

Für mich ist es eine besondere Erfahrung auf beiden Seiten agieren zu dürfen: als Forscher im SFB 806 und als Museumsdirektor bei der Konzeption und Realisierung der Ausstellung.

Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Hasta la vista, Neanderthal Museum!

Am 1. Januar 2015 habe ich angefangen, als Wissenschaftler im Neanderthal Museum zu arbeiten. Heute, fast zwei Jahre später, schreibe ich diese Zeilen aus Spanien, nur wenige Wochen, nachdem ich meine Arbeit dort beendet und Deutschland wieder verlassen habe. Nun ist der Moment für einen Rückblick auf meine Zeit im Neandertal gekommen.

Als ich das erste Mal darüber nachdachte, mich für eine Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahme zu bewerben – einer angesehenen und stark umworbenen Förderung durch die Exekutivagentur für die Forschung (REA) – suchte ich nach einer aktiven und fundierten europäischen Forschungsgruppe im Bereich der paläolithischen Archäologie und Geowissenschaften. Nachdem ich einige Möglichkeiten mit meinen Professoren und Kollegen in Spanien besprochen hatte, beschloss ich im Frühjahr 2013, Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger (Direktor des Neanderthal Museums) zu kontaktieren. Prof. Weniger erforscht seit Langem die Vorgeschichte der Iberischen Halbinsel. Zudem koordiniert er seit einigen Jahren das C-Projekt des Sonderforschungsbereiches SFB-806 „Our Way to Europe“ an der Universität zu Köln, in dem die Wechselbeziehung zwischen Mensch und Umwelt im westlichen Mittelmeergebiet während des Spätpleistozäns untersucht wird. Seine Arbeit einerseits als Direktor des Neanderthal Museums und andererseits als Dozent an der Universität zu Köln machten ihn für mich zu einem interessanten Partner für eine Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahme. Seine sehr positive und freundliche Reaktion auf meinen Vorschlag, gemeinsam die Bevölkerungsdynamiken im Zentrum der Iberischen Halbinsel während des Spätpleistozäns zu erforschen – einem bisher eher spärlich untersuchtem Thema – überraschte mich nicht. Er war sehr interessiert an diesem Projekt.

Wir entwickelten zusammen einen Antrag mit dem Titel ‘Testing Population Hiatuses in the Late Pleistocene of Central Iberia: a geoarchaeological approach’. Im März 2014 erhielten wir die positive Rückmeldung, dass unser Antrag für eine Förderung ausgewählt worden war. So begann mein zweijähriges Projekt am Neanderthal Museum.

Dr. Manuel Alcaraz-Castaño and Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger (c) Rheinische Post. Photo. D. Janicki

Das Ziel war die geoarchäologische Untersuchung von drei ausgewählten Fundplätzen im Zentrum der Iberischen Halbinsel (nördliches Gebiet der Guadalajara Provinz). Es handelt sich um die mittelpaläolithischen Siedlungsplätze Los Casares und Peña Cabra und dem jungpaläolithischen Siedlungsplatz Peña Capón. Zusammen bilden diese Orte eine exzellente Möglichkeit, die Beziehung zwischen Menschen und ihrer Umgebung zu untersuchen und die zurzeit führenden Modelle zur Populationsdynamik in diesem Gebiet Iberiens zu testen. Wir wollten in Erfahrung bringen, ob Zentraliberien während des Jungpaläolithikums fast komplett unbevölkert gewesen war (wie bisher in der Forschung vermutet) und wie bzw. wann der Neanderthaler aus dieser Region verschwand – ein Thema, dass zurzeit heftig diskutiert wird.

Solch ambitioniertes Projekt benötigt die Teilnahme einer großen Anzahl an Wissenschaftlern aus den verschiedensten Bereichen der Vorgeschichtlichen Archäologie und der Geowissenschaften. Zusätzlich zu Prof. Weniger und mir, gehörten u.a. folgende Wissenschaftler zu unserer Forschungsgruppe: Martin Kehl und Nicole Klasen (Geographie, Universität zu Köln), Javier Alcolea-González und Rodrigo de Balbín-Behrmann (Archäologie, Universität Alcalá), José Yravedra (Zooarchäologie, Complutense Universität Madrid), José Antonio López-Sáez (Pollenanalyse, CSIC Spanish National Research Council), Raquel Piqué (Holzkohleanalyse, Universität Barcelona), Javier Baena-Preysler und Felipe Cuartero (Archäologie, Autonome Universität Madrid), Gloria Cuenca-Bescós (Paläontologie, Universität Zaragoza). In Zusammenarbeit mit dem Team des Neanderthal Museums waren besonders Viviane Bolin, María de Andrés-Herrero, Andreas Pastoors und Eva Roggatz wertvolle Kollegen.

An den drei genannten Siedlungsplätzen führten wir mehrere Untersuchungen durch

A) Untersuchungen zur Entstehung der Erdschichten und Fundplatzes (Mikromorphologie, Sedimentologie, Taphonomie)

B) Chronometrische Analysen der menschlichen Besiedlungsperiode (14C-, OSL- und U/Th- Datierungen).

C) Analyse der Klima- und Umweltverhältnisse des Gebietes während der untersuchten Periode (Pollen-, Phytolith(Nahrungsreste)-, Mikrofauna- und Sedimentanalysen).

D) Untersuchung der Beziehung zwischen dem Menschen und seiner Umgebung, und Untersuchung des wirtschaftlichen und sozialen Verhaltens der Gruppen (z.B. Technologie der Steinwerkzeuge und Zooarchäologie).

Wir führten an allen drei Fundplätzen Ausgrabungen durch. Eine Zusammenfassung der Kampagnen können sie hier nachlesen (Blogbeitrag 02. August 2016, Blogbeitrag 29.07.2015). Zudem wurden 2015 und 2016 die oben aufgezählten Analysen in den Laboren der unterschiedlichen Universitäten in Deutschland und Spanien ausgeführt. Obwohl einige Analysen noch im Gange sind, können wir bereits wichtige Resultate festhalten:

  1. Die Untersuchung der archäologischen Schichten durch mikromorphologische Analysen zeigt, dass die drei Fundplätze „in-situ“ (d.h. ungestört) in ihrer ursprünglichen Form erhalten geblieben sind.
  2. Die chronometrischen Analysen (14C-, OSL- und U/Th-Datierungen) an den drei Fundplätzen waren bei einem großen Teil der Proben erfolgreich. So können wir wichtige Besiedlungen von Neanderthalern und modernen Menschen im Zentrum der Iberischen Halbinsel vor ca. 90,000 – 20,000 Jahren vor heute nachweisen.
  3. Nachweise von Pollen, Holzkohle und Kleinsäugerknochen liefern wichtige Hinweise auf die Klima- und Umweltbedingungen dieser Gegend, denn sie sind wichtige Indikatoren für ökologische Rückzugsräume. In unserem Fall können wir menschliche Besiedlungen nicht nur während kalter und trockener Klimaphasen nachweisen, sondern auch während warmer Perioden.
  4. Die Untersuchungen der Steinwerkzeug-Technologie und der durch Tierknochen nachgewiesenen Tierarten geben Hinweise auf interessante Überlebensstrategien, wie z.B. die Gewinnung von Mikro-Levallois Spitzen in feinmechanischer Ausführung in Peña Cabra, die Nutzung der tieferen Höhlenbereiche für bestimmte Aktivitäten des Neanderthalers in Los Casares oder die spezialisierte Quarzproduktion während der prä-Solutréen Perioden in Peña Capón.

Einige dieser Ergebnisse haben wir auf verschiedenen internationalen Konferenzen vorgestellt, z.B. auf der European Society for the Study of Human Evolution (ESHE) in London im September 2015 und in Alcalá de Henares im September 2016) und auf der Tagung der Hugo Obermaier-Gesellschaft für Erforschung des Eiszeitalters und der Steinzeit in Heidenheim im April 2015.

Dr. Manuel Alcaraz-Castaño präsentiert sein Poster auf der Tagung der Hugo Obermaier Gesellschaft im April 2015 in Heidenheim

Meine Beiträge an all diesen Konferenzen und die Ausgrabungs-Kampagnen und die darauffolgenden Analysen wurden von dem Marie-Skłodowska-Curie-Projekt, dem SFB-806 und dem Neanderthal Museum finanziert. Obwohl einige Ergebnisse noch ausstehen und bisher nur vorläufige Artikel und Präsentationen verfasst und gezeigt werden konnten, leistet unser Projekt bereits einen relevanten Beitrag für die Erforschung der spätpleistozänen Populationsdynamik in Zentraliberien.

Neben meiner wissenschaftlichen Arbeit habe ich wertvolle Erfahrungen durch die Teilnahme bei verschiedenen Veranstaltungen im Neanderthal Museum sammeln können, wie z.B. das Museumsfest im August 2015. Und am Tag der Forschung im November 2016 konnte ich den Museumsbesuchern meine Forschung vorstellen und mit ihnen über meine Ergebnisse diskutieren.

Dr. Manuel Alcaraz-Castaño beim Museumsfest 2015

Mein Aufenthalt am Neanderthal Museum war sehr angenehm und bereichernd. Das Team ist sehr freundlich und hilfsbereit und hat mich in seiner Mitte aufgenommen, so dass ich mich von Anfang an zugehörig fühlte. Ich wohnte mit meiner Familie während dieser zwei Jahre im nahen Erkrath-Hochdahl, dem „Fundort des Neanderthalers“. Dort hatte ich ebenfalls eine wunderbare Zeit. Heute wissen wir, dass die Neanderthaler eine hochentwickelte Kultur besaßen und dem modernen Menschen biologisch und kulturell sehr ähnlich waren. Dass ich an einem solchen Ort leben und arbeiten durfte, an dem diese Menschenart erstmals definiert und nach dem sie benannt worden ist, macht mich glücklich. Und ich kann mit gutem Grund behaupten, dass die Menschen in diesem Tal – damals wie heute – wirklich toll sind.

Herzlichen Dank an alle und bis bald!

Manuel Alcaraz-Castaño

(übersetzt aus dem Englischen von Viviane Bolin)

Von wegen Bürojob – Ausstellungsaufbau im Museum

Mein Name ist Sophie. Ich habe letztes Jahr mein Abitur mit 17 Jahren absolviert, wollte allerdings aufgrund meines Alters noch nicht sofort anfangen zu studieren. Deshalb habe ich mich beim Neanderthal Museum für ein Praktikum beworben.

In den ersten zwei Wochen meines vierwöchigen Praktikums habe ich beim Aufbau für die Sonderausstellung “DUCKOMENTA – Die Enten kommen zurück” mitgeholfen.

Dafür musste die alte Ausstellung “Zwerge & Riesen” natürlich erst abgebaut werden.
Dies bedeutete: viel schrauben, schleppen und Klebereste von den Wänden abkratzen.

Als schließlich alles verstaut und verpackt war kamen auch schon die DUCKOMENTA-Exponate aus Mannheim an. Unzählige Kisten und Boxen in allen Formen und Größen stapelten sich von dem Sonderausstellungsbereich bis ins Auditorium.

Zuerst wurde kontrolliert, ob denn auch alles angekommen und in gutem Zustand ist.
Dann wurden einige Exponate schon einmal in die Ecken verschoben, wo sie nachher stehen sollten.

 

Es gab viel zu tun:

  • manche Vitrinen mussten geputzt und von Ruß befreit werden, wiederum andere wurden schon aufgebaut und ausgerichtet
  • Kabel für Bilder und Banner wurden von den Decken abgehängt
  • Schilder wurden geklebt
  • Gitter mussten abgeschrubbt und in der Dauerausstellung verhangen werden
  • Bilder mussten sowohl an die Gitter, als auch an Drahtseile gehangen werden
  • Hintergründe für die Vitrinenwände wurden beklebt
  • und vieles mehr…

Natürlich haben alle fleißig mitgeholfen. Durch die gute Teamarbeit und das gemeinsame Anpacken konnten wir die Ausstellung sogar noch fast einen kompletten Tag vor der Eröffnung fertigstellen.

Als schließlich alles stand und nur noch Kleinigkeiten zu tun waren, konnte ich kaum fassen wie schnell doch alles vorübergegangen war.

Viele Grüße aus dem Museum

Sophie

2. Tag der Forschung im Neanderthal Museum

Wollten Sie nicht schon immer wissen, wie Archäologen arbeiten?

Wo genau kriegen sie eigentlich ihre Antworten her? Was für Methoden gibt es?

Am Sonntag, 15. November 2015, findet im Neanderthal Museum der 2. Tag der Forschung statt. Hier können Sie ganz unverblümt alles erfragen, was Sie an der archäologischen Forschung schon immer interessiert hat. So erfahren Sie, wo und vor allem wie momentan auf der Welt geforscht wird. Denn die Wissenschaftler von der Universität Köln, Bonn und Aachen und die wissenschaftlichen Kollegen Neanderthal Museums stellen ihre aktuellen Projekte vor. Nicht nur Archäologen, sondern auch Experten aus anderen Fachbereichen – wie Geologie, Geografie, Datierungsmethoden, Klimaforschung -, die eng mit den Archäologen zusammen arbeiten, werden vor Ort sein!

Wir präsentieren echte Steinwerkzeuge zum Anfassen aus Marokko, einen Simulator für Tsunamiphänomene, Projekte zu steinzeitlicher Höhlenkunst, unseren eigenen 3D Scanner aus dem Haus und vieles mehr für Groß und Klein!

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann schauen Sie doch mal vorbei. Am Sonntag, 15. November, von 11 bis 16 Uhr im Neanderthal Museum.

Ab Montag gibt es außerdem spannende Rätselfragen auf Facebook! Viel Spaß

Grüße

Viviane Bolin

Museumsfest im Neandertal – Ein Spaß für Klein und Groß

Die Schilder und Banner vor dem Neanderthal Museum waren nicht zu übersehen: Das alljährliche Museumsfest fand wie immer am letzten Ferienwochenende statt. Viele Familien waren gekommen und erkundeten nacheinander den Museumsgarten, den Erlebnispfad und die Fundstelle, an denen viele Aktionen, besonders für die Kinder, angeboten wurden. Aber auch für die Erwachsenen war das ein oder andere dabei, das man ausprobieren konnte. Vom Museumsgarten her war Rauch und Brandgeruch wahrzunehmen – aber keine Sorge, Feuer wurde benötigt. Zum einen für den Stand „Ton-Idole“, bei denen die Besucher steinzeitliche Figuren aus Ton formen konnten, die danach an einer Feuerstelle gebrannt wurden. Zum anderen bot sich die Gelegenheit im hinteren Teil beim Feuer machen mit einem Feuerstein dabei zu sein. Und natürlich brauchte man auch Feuer, um den Lehmofen, in dem das Brot aus selbstgemahlenem Mehl gebacken wurde, ans Laufen zu bekommen. Neben den Tonfiguren in der Jurte bemalten Kinder  dort auch weiße Steine mit Filzstiften. Einige Erwachsene wurden ebenfalls kreativ, teilweise freiwillig, teilweise von ihren Kindern genötigt oder weil diese Hilfe benötigten.

Am gegenüberliegenden Steinamulett-Stand herrschte ununterbrochen Hochbetrieb. Die Helfer kamen kaum nach mit erklären und unterstützen, so groß war der Andrang. Da bohrten neben einander Kinder und Erwachsene mit Holzbohrern Löcher in Specksteine und waren bestens gelaunt. Auch das Team am Stand freute sich über die vielen Besucher, die alle ein selbstgemachtes Steinamulett mit nach Hause nahmen. Ihre Geschicklichkeit konnten die Kinder und natürlich auch die Erwachsenen am Erlebnispfad unter Beweis stellen. Besonders an einer Station packte nicht nur die Kinder der Ehrgeiz, auch die Erwachsenen waren sehr engagiert dabei: Ziel war es das höchste Türmchen aus Baumscheiben zu bauen. Mit Holz ging es direkt weiter, denn die Kinder sollten eine freischwebende Brücke aus Holzklötzen bauen, über die sie dann gehen konnten. An der Fundstelle ließen sich einige Besucher mit steinzeitlicher Körperkunst verschönern. An dem Stand „Steinzeit-Tattoo“ wurden mit Theaterschminke steinzeitliche Motive auf die Haut gemalt, so trug der eine einen Jäger mit Pfeil und Bogen auf dem Arm, ein anderer ein Mammut auf der Wange und ein dritter ein Urpferd auf der Hand. Wer sich noch nicht genug bewegt hatte, holte dies auf der Hüpfburg und beim Mitmachzirkus nach. Einige Besucher mussten aufpassen, um nicht den Einrad fahrenden Kindern in die Quere zu kommen. Hatte man diese Schwierigkeit gemeistert, konnte man sich mit einer Erfrischung und Popcorn belohnen, bevor es weiter zur Ausgrabungsstation ging. Dort waren Behälter mit verschiedenen Fundstücken aus unterschiedlichen Zeiten befüllt, die die Kinder aus dem Sand, der Lava oder den Steinen ausgraben sollten. Zwischendurch fanden die kleinen Archäologen glitzernde Halbedelsteine, die sie ebenfalls sammelten. Um die Zeit, aus der die Funde stammen, bestimmen zu können, verglichen die Kinder ihre ausgegrabenen Entdeckungen an Tischen mit Hilfe von Bildern und ordneten so ihre Funde zu. Als Belohnung durften sie sich ein paar der Halbedelsteine mitnehmen. Die letzte Station bildete der Stand „Bogenschießen“, an dem sowohl Kinder als auch vornehmlich die Familienväter unbedingt mit Pfeil und Bogen schießen wollten. Um 18 Uhr ging ein toller Tag zu Ende, die Besucher verließen den Ort des Geschehens gut gelaunt und mit selbstgefertigten Errungenschaften. Nachdem die Gäste weg waren, begann das Aufräumen. Aber mit vereinten Kräften wurden die Spuren des Tages schnell beseitigt. In gemütlicher und entspannter Atmosphäre klang das Museumsfest beim Grillen mit den Helfern aus.

Viele Grüße aus der Mediathek
Hannah Locks (Praktikantin)

#architecture MW – Das Neanderthal Museum

Das Neanderthal Museum in Mettmann wurde am 10. Oktober 1996 in dem gleichnamigen Tal bei Mettmann eröffnet und seine Ausstellung 2006 auf Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse überarbeitet und aktualisiert.

Der architektonische Entwurf stammt von Günter Zamp Kelp, Julius Krauss und Arno Brandlhuber, die bei einem Architekturwettbewerb für die Neugestaltung des Neanderthal Museums den zweiten Platz belegten, mit ihrer langsam aus der Erde ansteigenden Rampe, die sich über vier Ebenen erstreckt und als spiralförmige Doppelhelix als Sinnbild allen Lebens steht, jedoch maßgeblich mehr überzeugten, als der erste Platz des Wettbewerbs.

Die spiralförmige Rampe, Schnittstelle zwischen Architektur und Ausstellung, ist Symbol für die Evolution und ihre Unendlichkeit. Sie führt oben zu einer Glasfront, die den Blick in Richtung Düssel und Fundstelle freigibt und durch ein Café zum Verweilen einlädt.

Neben dem modernen Menschen thematisiert das Museum in seinem Schwerpunkt den Neanderthaler. Zusätzlich jedoch auch humanbiologische und anthropologische Erkenntnisse zur Entwicklungsgeschichte des Menschen. Von den frühesten Anfängen in der Savanne bis zu den hochentwickelten Techniken des Jetzt-Menschen wird den Besuchern mithilfe von lebensechten Figuren, die auf Basis von Originalfunden rekonstruiert wurden, multimedialen Inszenierungen, Hörerlebnissen und den klassischen Meiden, wie Exponaten und Lesetexten, die Forschungsgeschichte aus Archäologie und Paläoanthropologie näher gebracht. Im Anschluss an die Dauerausstellung, die sich in die fünf Themengebiete „Leben und Überleben“, „Werkzeug und Wissen“, „Mythos und Religion“, „Umwelt und Ernährung“, „Kommunikation und Gesellschaft“ einteilen lässt, ist in dem Untergeschoss des Gebäudes die ca. drei- bis viermal jährlich wechselnde Sonderausstellung untergebracht.

Neben Dauer- und Sonderausstellung im Museumsgebäude bildet die Museumspädagogik, untergebracht in der ca. 200m vom Museum entfernt liegenden Steinzeitwerkstatt, einen weiteren Schwerpunkt der musealen Vermittlungsarbeit. Die parkähnlich gestaltete Fundstelle eröffnete im Jahr 2002 ihre Pforten, nachdem durch Ausgrabungen in den Jahren 1997 und 2000 die ehemalige Topografie des Fundgeländes (Feldhofer Grotte) rekonstruiert werden konnte. Der Kunstweg „Menschenspuren“ sowie das „Eiszeitliche Wildgehege“ ermöglichen es den Besuchern, auch außerhalb der Öffnungszeiten des Museums die Spuren der Evolutionsgeschichte im Neandertal zu verfolgen

Mit ca. 150.00-160.00 Besuchern jährlich und weit über 3.000 Veranstaltungen im Bereich Führungen und Didaktik schafft es das Neanderthal Museum als Stiftung bürgerlichen Rechts mit den Zustiftungen von Kreissparkasse Düsseldorf , Landschaftsverband Rheinland, der Stadt Mettmann und der Stadt Erkrath, sich vor allem aus Eintrittserlösen und eingeworbenen Drittmitteln zu finanzieren.

„1. Tag der Forschung“ – Was machen eigentlich die Forscher aus dem Neandertal?

Wie sind wir entstanden?

Wo kommen wir her?

Wie haben unsere Vorfahren gelebt?

Auf diese und ähnliche Fragen bekommen täglich hunderte Besucher aller Altersstufen bei uns im Neanderthal Museum eine Antwort.

Aber woher kennen wir diese Antworten?

Die Antwort auf diese Frage ist die jahrelange Forschung, der Forscherinnen und Forscher des Neanderthal Museums und deren Kooperationspartner!

Eine Arbeit, die bei der Päsentation im Museum schnell im Schatten der Ergebnisse verschwindet.

Aus diesem Grund laden wir Sie am 16.11.2014 zwischen 11 Uhr und 16 Uhr zum „Tag der Forschung“ ein.

An diesem Tag können Sie die Forscherinnen und Forscher des Neanderthal Museums und seiner Kooperationspartner hautnah erleben und Einblicke in ihre aktuellen Forschungsarbeiten erhalten. Zahlreiche Infostationen werden dazu einladen einen Blick auf Forschungsprojekte, Ausgrabungen und moderne Untersuchungsmethoden zu werfen und zahlreiche Informationen zu erhalten.

Meine Neugier ist geweckt und die Spannung steigt mit jedem Tag!

…wie steht es mit Ihnen?

Viele Grüße aus dem Neandertal,

Florian Gumboldt

Praktikant in der Abteilung Bildung und Vermittlung