Archiv der Kategorie: Neanderthal Museum

Von wegen Bürojob – Ausstellungsaufbau im Museum

Mein Name ist Sophie. Ich habe letztes Jahr mein Abitur mit 17 Jahren absolviert, wollte allerdings aufgrund meines Alters noch nicht sofort anfangen zu studieren. Deshalb habe ich mich beim Neanderthal Museum für ein Praktikum beworben.

In den ersten zwei Wochen meines vierwöchigen Praktikums habe ich beim Aufbau für die Sonderausstellung “DUCKOMENTA – Die Enten kommen zurück” mitgeholfen.

Dafür musste die alte Ausstellung “Zwerge & Riesen” natürlich erst abgebaut werden.
Dies bedeutete: viel schrauben, schleppen und Klebereste von den Wänden abkratzen.

Als schließlich alles verstaut und verpackt war kamen auch schon die DUCKOMENTA-Exponate aus Mannheim an. Unzählige Kisten und Boxen in allen Formen und Größen stapelten sich von dem Sonderausstellungsbereich bis ins Auditorium.

Zuerst wurde kontrolliert, ob denn auch alles angekommen und in gutem Zustand ist.
Dann wurden einige Exponate schon einmal in die Ecken verschoben, wo sie nachher stehen sollten.

 

Es gab viel zu tun:

  • manche Vitrinen mussten geputzt und von Ruß befreit werden, wiederum andere wurden schon aufgebaut und ausgerichtet
  • Kabel für Bilder und Banner wurden von den Decken abgehängt
  • Schilder wurden geklebt
  • Gitter mussten abgeschrubbt und in der Dauerausstellung verhangen werden
  • Bilder mussten sowohl an die Gitter, als auch an Drahtseile gehangen werden
  • Hintergründe für die Vitrinenwände wurden beklebt
  • und vieles mehr…

Natürlich haben alle fleißig mitgeholfen. Durch die gute Teamarbeit und das gemeinsame Anpacken konnten wir die Ausstellung sogar noch fast einen kompletten Tag vor der Eröffnung fertigstellen.

Als schließlich alles stand und nur noch Kleinigkeiten zu tun waren, konnte ich kaum fassen wie schnell doch alles vorübergegangen war.

Viele Grüße aus dem Museum

Sophie

2. Tag der Forschung im Neanderthal Museum

Wollten Sie nicht schon immer wissen, wie Archäologen arbeiten?

Wo genau kriegen sie eigentlich ihre Antworten her? Was für Methoden gibt es?

Am Sonntag, 15. November 2015, findet im Neanderthal Museum der 2. Tag der Forschung statt. Hier können Sie ganz unverblümt alles erfragen, was Sie an der archäologischen Forschung schon immer interessiert hat. So erfahren Sie, wo und vor allem wie momentan auf der Welt geforscht wird. Denn die Wissenschaftler von der Universität Köln, Bonn und Aachen und die wissenschaftlichen Kollegen Neanderthal Museums stellen ihre aktuellen Projekte vor. Nicht nur Archäologen, sondern auch Experten aus anderen Fachbereichen – wie Geologie, Geografie, Datierungsmethoden, Klimaforschung -, die eng mit den Archäologen zusammen arbeiten, werden vor Ort sein!

Wir präsentieren echte Steinwerkzeuge zum Anfassen aus Marokko, einen Simulator für Tsunamiphänomene, Projekte zu steinzeitlicher Höhlenkunst, unseren eigenen 3D Scanner aus dem Haus und vieles mehr für Groß und Klein!

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann schauen Sie doch mal vorbei. Am Sonntag, 15. November, von 11 bis 16 Uhr im Neanderthal Museum.

Ab Montag gibt es außerdem spannende Rätselfragen auf Facebook! Viel Spaß

Grüße

Viviane Bolin

Museumsfest im Neandertal – Ein Spaß für Klein und Groß

Die Schilder und Banner vor dem Neanderthal Museum waren nicht zu übersehen: Das alljährliche Museumsfest fand wie immer am letzten Ferienwochenende statt. Viele Familien waren gekommen und erkundeten nacheinander den Museumsgarten, den Erlebnispfad und die Fundstelle, an denen viele Aktionen, besonders für die Kinder, angeboten wurden. Aber auch für die Erwachsenen war das ein oder andere dabei, das man ausprobieren konnte. Vom Museumsgarten her war Rauch und Brandgeruch wahrzunehmen – aber keine Sorge, Feuer wurde benötigt. Zum einen für den Stand „Ton-Idole“, bei denen die Besucher steinzeitliche Figuren aus Ton formen konnten, die danach an einer Feuerstelle gebrannt wurden. Zum anderen bot sich die Gelegenheit im hinteren Teil beim Feuer machen mit einem Feuerstein dabei zu sein. Und natürlich brauchte man auch Feuer, um den Lehmofen, in dem das Brot aus selbstgemahlenem Mehl gebacken wurde, ans Laufen zu bekommen. Neben den Tonfiguren in der Jurte bemalten Kinder  dort auch weiße Steine mit Filzstiften. Einige Erwachsene wurden ebenfalls kreativ, teilweise freiwillig, teilweise von ihren Kindern genötigt oder weil diese Hilfe benötigten.

Am gegenüberliegenden Steinamulett-Stand herrschte ununterbrochen Hochbetrieb. Die Helfer kamen kaum nach mit erklären und unterstützen, so groß war der Andrang. Da bohrten neben einander Kinder und Erwachsene mit Holzbohrern Löcher in Specksteine und waren bestens gelaunt. Auch das Team am Stand freute sich über die vielen Besucher, die alle ein selbstgemachtes Steinamulett mit nach Hause nahmen. Ihre Geschicklichkeit konnten die Kinder und natürlich auch die Erwachsenen am Erlebnispfad unter Beweis stellen. Besonders an einer Station packte nicht nur die Kinder der Ehrgeiz, auch die Erwachsenen waren sehr engagiert dabei: Ziel war es das höchste Türmchen aus Baumscheiben zu bauen. Mit Holz ging es direkt weiter, denn die Kinder sollten eine freischwebende Brücke aus Holzklötzen bauen, über die sie dann gehen konnten. An der Fundstelle ließen sich einige Besucher mit steinzeitlicher Körperkunst verschönern. An dem Stand „Steinzeit-Tattoo“ wurden mit Theaterschminke steinzeitliche Motive auf die Haut gemalt, so trug der eine einen Jäger mit Pfeil und Bogen auf dem Arm, ein anderer ein Mammut auf der Wange und ein dritter ein Urpferd auf der Hand. Wer sich noch nicht genug bewegt hatte, holte dies auf der Hüpfburg und beim Mitmachzirkus nach. Einige Besucher mussten aufpassen, um nicht den Einrad fahrenden Kindern in die Quere zu kommen. Hatte man diese Schwierigkeit gemeistert, konnte man sich mit einer Erfrischung und Popcorn belohnen, bevor es weiter zur Ausgrabungsstation ging. Dort waren Behälter mit verschiedenen Fundstücken aus unterschiedlichen Zeiten befüllt, die die Kinder aus dem Sand, der Lava oder den Steinen ausgraben sollten. Zwischendurch fanden die kleinen Archäologen glitzernde Halbedelsteine, die sie ebenfalls sammelten. Um die Zeit, aus der die Funde stammen, bestimmen zu können, verglichen die Kinder ihre ausgegrabenen Entdeckungen an Tischen mit Hilfe von Bildern und ordneten so ihre Funde zu. Als Belohnung durften sie sich ein paar der Halbedelsteine mitnehmen. Die letzte Station bildete der Stand „Bogenschießen“, an dem sowohl Kinder als auch vornehmlich die Familienväter unbedingt mit Pfeil und Bogen schießen wollten. Um 18 Uhr ging ein toller Tag zu Ende, die Besucher verließen den Ort des Geschehens gut gelaunt und mit selbstgefertigten Errungenschaften. Nachdem die Gäste weg waren, begann das Aufräumen. Aber mit vereinten Kräften wurden die Spuren des Tages schnell beseitigt. In gemütlicher und entspannter Atmosphäre klang das Museumsfest beim Grillen mit den Helfern aus.

Viele Grüße aus der Mediathek
Hannah Locks (Praktikantin)

#architecture MW – Das Neanderthal Museum

Das Neanderthal Museum in Mettmann wurde am 10. Oktober 1996 in dem gleichnamigen Tal bei Mettmann eröffnet und seine Ausstellung 2006 auf Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse überarbeitet und aktualisiert.

Der architektonische Entwurf stammt von Günter Zamp Kelp, Julius Krauss und Arno Brandlhuber, die bei einem Architekturwettbewerb für die Neugestaltung des Neanderthal Museums den zweiten Platz belegten, mit ihrer langsam aus der Erde ansteigenden Rampe, die sich über vier Ebenen erstreckt und als spiralförmige Doppelhelix als Sinnbild allen Lebens steht, jedoch maßgeblich mehr überzeugten, als der erste Platz des Wettbewerbs.

Die spiralförmige Rampe, Schnittstelle zwischen Architektur und Ausstellung, ist Symbol für die Evolution und ihre Unendlichkeit. Sie führt oben zu einer Glasfront, die den Blick in Richtung Düssel und Fundstelle freigibt und durch ein Café zum Verweilen einlädt.

Neben dem modernen Menschen thematisiert das Museum in seinem Schwerpunkt den Neanderthaler. Zusätzlich jedoch auch humanbiologische und anthropologische Erkenntnisse zur Entwicklungsgeschichte des Menschen. Von den frühesten Anfängen in der Savanne bis zu den hochentwickelten Techniken des Jetzt-Menschen wird den Besuchern mithilfe von lebensechten Figuren, die auf Basis von Originalfunden rekonstruiert wurden, multimedialen Inszenierungen, Hörerlebnissen und den klassischen Meiden, wie Exponaten und Lesetexten, die Forschungsgeschichte aus Archäologie und Paläoanthropologie näher gebracht. Im Anschluss an die Dauerausstellung, die sich in die fünf Themengebiete „Leben und Überleben“, „Werkzeug und Wissen“, „Mythos und Religion“, „Umwelt und Ernährung“, „Kommunikation und Gesellschaft“ einteilen lässt, ist in dem Untergeschoss des Gebäudes die ca. drei- bis viermal jährlich wechselnde Sonderausstellung untergebracht.

Neben Dauer- und Sonderausstellung im Museumsgebäude bildet die Museumspädagogik, untergebracht in der ca. 200m vom Museum entfernt liegenden Steinzeitwerkstatt, einen weiteren Schwerpunkt der musealen Vermittlungsarbeit. Die parkähnlich gestaltete Fundstelle eröffnete im Jahr 2002 ihre Pforten, nachdem durch Ausgrabungen in den Jahren 1997 und 2000 die ehemalige Topografie des Fundgeländes (Feldhofer Grotte) rekonstruiert werden konnte. Der Kunstweg „Menschenspuren“ sowie das „Eiszeitliche Wildgehege“ ermöglichen es den Besuchern, auch außerhalb der Öffnungszeiten des Museums die Spuren der Evolutionsgeschichte im Neandertal zu verfolgen

Mit ca. 150.00-160.00 Besuchern jährlich und weit über 3.000 Veranstaltungen im Bereich Führungen und Didaktik schafft es das Neanderthal Museum als Stiftung bürgerlichen Rechts mit den Zustiftungen von Kreissparkasse Düsseldorf , Landschaftsverband Rheinland, der Stadt Mettmann und der Stadt Erkrath, sich vor allem aus Eintrittserlösen und eingeworbenen Drittmitteln zu finanzieren.

„1. Tag der Forschung“ – Was machen eigentlich die Forscher aus dem Neandertal?

Wie sind wir entstanden?

Wo kommen wir her?

Wie haben unsere Vorfahren gelebt?

Auf diese und ähnliche Fragen bekommen täglich hunderte Besucher aller Altersstufen bei uns im Neanderthal Museum eine Antwort.

Aber woher kennen wir diese Antworten?

Die Antwort auf diese Frage ist die jahrelange Forschung, der Forscherinnen und Forscher des Neanderthal Museums und deren Kooperationspartner!

Eine Arbeit, die bei der Päsentation im Museum schnell im Schatten der Ergebnisse verschwindet.

Aus diesem Grund laden wir Sie am 16.11.2014 zwischen 11 Uhr und 16 Uhr zum „Tag der Forschung“ ein.

An diesem Tag können Sie die Forscherinnen und Forscher des Neanderthal Museums und seiner Kooperationspartner hautnah erleben und Einblicke in ihre aktuellen Forschungsarbeiten erhalten. Zahlreiche Infostationen werden dazu einladen einen Blick auf Forschungsprojekte, Ausgrabungen und moderne Untersuchungsmethoden zu werfen und zahlreiche Informationen zu erhalten.

Meine Neugier ist geweckt und die Spannung steigt mit jedem Tag!

…wie steht es mit Ihnen?

Viele Grüße aus dem Neandertal,

Florian Gumboldt

Praktikant in der Abteilung Bildung und Vermittlung

Warum gibt es eigentlich einen gähnenden Neanderthaler in Forscherbox Nr. 2 „Leben und Überleben“?

Seit Mitte 2013 kann man immer wieder gähnende Besucher an Forscherbox Nr. 2 beobachten. Warum? Ganz einfach: Die Rekonstruktion des gähnenden Neanderthalers von Studentin Livia Enderli steckt  mit seinem Gähnen an!

http://www.wissen.de/raetsel/wieso-ist-gaehnen-ansteckend

Als Studentin der Züricher Hochschule der Künste untersuchte Livia Gesichtsausdrücke und deren Wirkung auf Menschen. Zudem sollte aus dieser Untersuchung und im Zuge ihrer Bachelorarbeit eine lebensechte Gesichtsrekonstruktion entstehen. Aus ihrer persönlichen Faszination zu dem Fach der Ur- und Frühgeschichte entschied sie sich dazu, ein Gesicht von Homo sapiens neanderthalensis zu modellieren.

Aber warum wurde es ein gähnender Neanderthaler ?

Livia wollte mit ihrer Arbeit ein ganz traditionelles Vorurteil wiederlegen, welches den Neanderthaler als emotionsloses, keulenschwingendes Wesen darstellt. Da Emotionen wie Lachen, Weinen, Wut und Ärger beim Neanderthaler bisher noch nicht wissenschaftlich nachgewiesen wurden, entschied sie sich dazu, einen gähnenden Neanderthaler nachzubilden. Eine Emotion, die allen Säugetieren von Natur aus gegeben ist – also auch dem Neanderthaler!

Livia wollte ihre Nachbildung jedoch nicht auf traditioneller Weise rekonstruieren, indem über einen Abguss des Originalschädels mit Ton, Wachs oder Silikon modelliert wird, sondern nahm sich vor, eine Rekonstruktion mit der neuesten digitalen Technik zu gestalten.

Auf Grundlage eines 3D-Scans vom Schädel des dreizehnjährigen Jungen aus dem Teshik-Tash-Höhlen in Usbekistan, das Livia vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig zur Verfügung gestellt wurde und auf Grundlage von eigenen Fotostudien gähnender Menschen, fertigte Livia Zeichnungen an, die sich mit Gesichtern und Gesichtszügen von Homo sapiens sapiens und Homo sapiens neanderthalensis beschäftigten.

Auf Grundlage des Schädels vom Neanderthaler-Jungen und den Gesichtszügen heute lebender Menschen entstand nach vielen Skizzen und Versuchen, eine Zeichnung, deren Proportionen genau zu denen des Schädels des Neanderthalers 3D-Scans passte. Die Zeichnung wurde eingescannt und von Livia in das Bildbearbeitungsprogramm „Cinema 4D“ übertragen.

Auf Grundlage der Zeichnung modellierte Livia im nächsten Schritt und mithilfe des Programms, Punkt für Punkt und Polygon für Polygon, das virtuelle Gesicht.

Probleme machte dabei zum Beispiel die Rekonstruktion eines Ohrs, dass jedoch von Livia auf Grundlage eines Bildes aus dem Internet, bestens nachgestellt wurde.

http://de.wikipedia.org/wiki/Cinema_4D

Der fertige digitale 3D-Schädel wurde per 3D-Drucker mit Gips gedruckt und anschließend von Livia in sorgfältiger Handarbeit mit Kunststoff-Harz gehärtet. Um den rekonstruierten Kopf zum stehen zu bekommen, wurde in dem Hohlraum Isolationsmaterial eingeschäumt und ein Kugelgelenk befestigt, an dem ein Metall-Stab angebracht wurde.

Fertig ist die Rekonstruktion!

Doch nicht für Livia. Sie verlieh dem Gesicht noch einen persönlichen Charakter, indem sie im Cinema 4D mit verschiedenen Hauttönen, unterschiedlichem Lichteinfall und verschiedenen Haarfarben experimentierte. Um den verschiedenen Ausprägungen, der nun entstandenen Gesichter, noch mehr Persönlichkeit zu verleihen, druckte sie die Rekonstruktionen aus und überzeichnete sie mit Aquarellfarbe, Tusche oder Bleistift.

Nach Anerkennung des Bachelors war klar: Soviel Arbeit darf nicht in irgendeinem Regal verstauben. Livia nahm Kontakt mit dem Neanderthal Museum auf, welches sie ihr auch bereits in der Ausarbeitung der Rekonstruktion beratend zur Seite stand, und stellte sie für die Ausstellung zur Verfügung.

Wir freuen uns sehr den Besuchern solch eine tolle Rekonstruktion zeigen zu können, zumal das Gähnen den Besucher „ansteckt“ und so eine direkte Verbindung zwischen dem 3D-Druck und dem Besucher entstehen lässt.

Vielen Dank liebe Livia! Und weiterhin viel Erfolg bei deinem Studium!

Falls interessierte Leser mehr über Livia Enderli und ihre Arbeit erfahren wollen, ist hier der Link zu ihrer Website: http://www.liviaenderli.com

Herzliche Grüße aus dem Neandertal

Saskia Adolphy

BLICK HINTER DIE KULISSEN! Eine Ausstellung entsteht – mein „Gesellenstück“

Vor fast zwei Jahren habe ich mein Volontariat für Ausstellungsgestaltung im Neanderthal Museum begonnen und ich muss sagen, einen spannenderen Job kann ich mir kaum vorstellen!

Neben der Pflege der Dauerausstellung, der Neukonzipierung der Forscherboxen und so einigen allgemeinen Museumsaufgaben, ist meine eigentliche Aufgabe die Organisation und Durchführung von Sonderausstellungen.

Da dieser Prozess aber zuweilen mal ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen kann, habe ich in meiner Ausbildungszeit tatsächlich nur eine Ausstellung von Anfang bis Ende durchgeführt: die aktuelle Sonderausstellung „Schamanen – Jäger und Heiler Sibiriens“.

Von der Besichtigung des Depots in Mannheim und der Auswahl der Objekte über die Konzepterstellung, die Recherche der sibirischen Kulturen und das Texte verfassen bis hin zur Gestaltung des Raumes und der Vitrinen war es ein langer, aber sehr interessanter Weg.

Nachdem die Kooperation mit den Reiss-Engelhorn Museen (rem) und das Thema Schamanen Sibiriens feststand, sind wir (meine Chefin Frau Auffermann und ich) letztes Jahr nach Mannheim gereist und haben das Depot nach geeigneten Objekten durchforstet. Bald schon war klar, dass bei den riesigen Mengen an ethnografischen Objekten aus Sibirien eine Eingrenzung auf drei Völker sinnvoll ist: die Korjaken, Tschuktschen und Nanai.

Die grobe Idee für das Konzept war, den Lebensweg eines Schamanen von der Geburt bis zu seiner Berufung und der Durchführung schamanischer Rituale zu zeigen. Dafür wollten wir einen Schwerpunkt auf den Alltag der sibirischen Völker legen und darstellen, wie die Korjaken, Tschuktschen und Nanai in den Weiten Sibiriens lebten, welche Rohstoffe sie verwendeten, wie sie wohnten und jagten, was sie aßen etc. Der zweite Schwerpunkt sollte der Schamanismus sein und seine Bedeutung für die Völker: Was ist ein Schamane? Wie wurde man zum Schamanen? Was machte ein Schamane überhaupt so den ganzen Tag? Was für ein Glaubenssystem steht hinter diesem Konzept? etc.

Zum Schluss erschienen uns ein Rückblick in die Eiszeit, um die Verbindung zum Haus herzustellen, und ein Blick in den Neo-Schamanismus der heutigen Zeit eine sehr interessante Ergänzung.

Dafür musste ich mich natürlich in den Alltag der Korjaken, Tschuktschen und Nanai aus dem 19. Jahrhundert einlesen. Ich schmökerte in ethnografischer Literatur von Forschern, die Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts nach Sibirien gereist sind und bei den sibirischen Völkern gelebt und ihre Erlebnisse aufgeschrieben hatten. Außerdem durchforstete ich Schamanismus-Literatur, von den Theorien des Schamanismus in der eiszeitlichen Höhlenkunst (ein Thema, das mich bereits in meiner Bachelor-Arbeit beschäftigt hatte) über den traditionellen sibirischen Schamanismus bis hin zum heutigen Neo-Schamanismus in Westeuropa.

Nebenbei erstellte ich Listen über Listen über Listen…

– Nach welchen Themen sollen die Vitrinen gegliedert sein? Welche Objekte kommen in welche Vitrine?

– Wie sollen die Objekte einheitlich präsentiert werden, damit sie zur Geltung kommen? Brauchen wir kleine Podeste, bringen wir Objekte an den Vitrinenrückwänden an oder hängen wir welche von der Decke ab?

– Wie viele Vitrinen brauchen wir überhaupt? Wie viele haben wir, welche müssen ausgeliehen bzw. neu gebaut werden?

– Wo soll welche Vitrine stehen?

– Welche Bilder sollen die Vitrinen schmücken? Wie viele Banner müssen produziert werden, wie sollen sie gestaltet sein und wo sollen sie hängen?

– Wie viele Texte brauchen wir, wie lang sollen sie sein und wie groß die Texttäfelchen in den Vitrinen?

– Ist das Klima ausreichend feucht in unserem Sonderausstellungsraum? Müssen noch zusätzliche Maßnahmen getroffen werden (z.B. Luftbefeuchter beschaffen, Vitrinen von innen klimatisieren)?

– Wie wird das Licht am besten abgedunkelt, damit die Objekte nicht beschädigt werden?

– Wie viele Audiotexte brauchen wir, wer soll sie sprechen, und wo stellen wir die Audioboxen am besten hin?

– Welche Firmen soll die Aufträge zum Vitrinenbau und Transport der Vitrinen und Exponate erhalten?

Dies sind nur einige der vielen Fragen, die bei der Organisation so aufkommen. Natürlich traf ich die meisten Entscheidungen nicht selbst, sondern arbeitete eng mit meiner Chefin und mit der Restauratorin der rem in Mannheim zusammen, was viele Stunden Telefonate nötig machte. In minutiöser Kleinarbeit gingen wir die einzelnen Punkte durch. Die Restaurationsabteilung in Mannheim leistete ihrerseits ganze Arbeit, holte die Objekte aus dem Depot und bereitete sie mit viel Geduld und Liebe zum Detail wieder auf.

Auch die Zusammenarbeit mit der Haustechnik war entscheidend, denn sie kennt sich bestens mit den besonderen Raumgegebenheiten aus, was möglich ist und was nicht, und trägt das nötige Know-How zum Vitrinenaufbau, zur Beleuchtung, zum Sound und zu den Sicherheitsvorkehrungen bei.

Aber an der Realisierung einer solchen Ausstellung ist ja nicht nur das Ausstellungsmanagement und die Haustechnik beteiligt. Die Museumspädagogik leistet auch ganze Arbeit bei der Konzeption von Führungen, Workshops und einem vielfältigen Begleitprogramm (Familientag, Ferienprogramm, Kindergeburtstage etc.); die Marketing-Abteilung war schon vorweg zuständig für die Suche nach Sponsoren, die Flyerentwürfe und die Werbung auf den verschiedensten Social Media Kanälen; die Mediathek recherchierte Literatur und stellte Bildmaterial für die Ausstellung zur Verfügung; und natürlich muss das Shopmanagement repräsentative Produkte zum Verkauf auswählen und das Sortiment anpassen. Man sieht also, jede Abteilung ist auf seine Weise irgendwie am Gelingen der Ausstellung wichtig gewesen. Und wenn ein Puzzleteil gefehlt hätte, wäre das alles nicht so möglich gewesen.

Und nach monatelanger Planung ging es endlich los, wir hatten genau zwei Wochen, um die vorherige Ausstellung (Mumien – Reise in die Unsterblichkeit) abzubauen und die neue Ausstellung Schamanen aufzubauen. Das musste ruckzuck gehen und war oft sehr stressig. Aber mit einer durchorganisierten Planung, einem super Team und viel guter Laune machte es eigentlich auch ziemlich viel Spaß! Und wenn das Ergebnis eine tolle Ausstellung ist, dann sind wir alle zufrieden.

Natürlich darf der Pressetermin nicht vergessen werden. Vertreter lokaler Zeitungen kommen am Tag der Eröffnung vorbei und werden von den Direktoren des Neanderthal Museums und der Reiss-Engelhorn Museen durch die Ausstellung geführt. Man muss sich dem Blitzgewitter vor schönen Exponaten stellen und allerlei Fragen beantworten. Aber es ist trotzdem toll, wenn dann am nächsten Tag ein Artikel in der Zeitung erscheint, der eine Ausstellung bewirbt, bei der man mitgewirkt hat.

Nach der Eröffnung fällt die Anspannung erst einmal von einem ab und man ist ziemlich erschöpft. Aber die Arbeit ist noch lange nicht beendet, denn wir wollen die Ausstellung an andere Museen weiterverleihen. Dafür muss Akquise betrieben, Leihlisten vorbereitet und Flyer erstellt werden. Außerdem kommt ja im November (also in ein paar Monaten!!) schon die neue Ausstellung „Fleisch – Jäger, Fischer, Fallensteller in der Steinzeit“! Da ist die Planung ja auch schon im vollen Gange. Man wird also eigentlich nie fertig… aber trotzdem will man den Job nicht missen J

 

Danke an das gesamte Team des Neanderthal Museums für die tolle Zeit und die einzigartige Zusammenarbeit hier und ganz besonderen Dank an Frau Dr. Auffermann, die es mir ermöglichte, voll in meiner Arbeit aufzugehen und mich selbst zu verwirklichen.

Viviane Bolin

Kennt ihr eigentlich den Steinzeit-Fußballer aus der Dauerausstellung?

Direkt am Anfang des Rundgangs begrüßt die kleine Knetfigur jeden Besucher, der es wagt, die Klappe der ersten Forscherbox zu öffnen!

Sicherlich rechnet man am Anfang einer Ausstellung für Menschheitsgeschichte nicht mit solch einer lustigen- fast schon lächerlichen- Darstellung des Homo sapiens neanderthalensis!

Aber mal ganz ehrlich, kennen tun wir diese Form der „Neanderthaler-Darstellung“ alle! Nicht zuletzt aus Werbung, Fernsehen und Kino!
Erst 2012, pünktlich zum Bundesliga-Anpfiff, greift die ARD mit ihrem Sportschau-Spot auf den Neanderthaler zurück, der als Sinnbild für den wahren Mann dastehen soll:

Dass dieser Spot mit dem Klischee „Männer interessieren sich für Fußball, Frauen eben nicht“ viel Kritik auf sich zog, sei hier nur am Rande erwähnt, denn hier geht es ja um die Knetfigur aus der Dauerausstellung.

Seine Geschichte beginnt, ähnlich wie die des „Sportschau-Neanderthalers“ von 2012, mit dem Fernsehsender ARD, der im Jahr 2006, pünktlich zum Bundesligastart – wie sollte es auch anders sein – mit einem urkomischen Spot im Kino und Fernsehen, für seine Sportschau warb: Hauptdarsteller in diesem 54-Sekunden langen Filmchen waren Neanderthaler-Knetfiguren, die mit einem Steinblock – ohne Rücksicht auf Schmerzen – Fußball spielten, während ihre Frauen nur kopfschüttelnd zuschauten.

Das Konzept für den Spot erstellte die Münchener Werbeagentur Xynais Wetzel. Die Knetfiguren, von denen nun eine im Neanderthal Museum ihren Platz gefunden hat, entstanden in drei Monate langer Arbeit in der Hamburger Filmproduktion Trikk 17. Der Spot wurde von Regisseur Björn Magsig im „Stop-Motion-Verfahren“ gedreht – einer Filmtechnik, bei der eine Illusion von Bewegungen erzeugt wird, indem einzelne Bilder von unbewegten Motiven aufgenommen werden: http://de.wikipedia.org/wiki/Stop-Motion . Die Musik zu dem Sportschau-Spot wurde von der Band Sportfreunde Stiller beigesteuert (Unser Freund ist aus Leder).
Im Oktober 2006 wurde die Figur dem Neanderthal Museum überreicht und wird seitdem in der Dauerausstellung präsentiert, um Besucher jeden Alters zum Schmunzeln zubringen!

Sommerliche Grüße aus dem Neandertal

Saskia Adolphy

Für Gigantenfreunde

Die Ausstellungen des Neanderthal Museums gehen immer wieder auf Wanderschaft. Aus der Ausstellung „Mammuts – Giganten der Eiszeit“ und der Ausstellung „Bilder im Dunkeln“ konzipierte unter anderem das Neanderthal Museum im vergangenen Jahr die neue Ausstellung „Giganten der Eiszeit. Auf den Spuren der Mammutjäger“, die nun im Museum Mistelbach (Österreich) gezeigt wird. (http://www.mamuz.at/de/das-museum/museum-mistelbach/ausstellungen-museum-mistelbach/1-giganten-der-eiszeit-auf-den-spuren-der-mammutjaeger)

Das Museum Mistelbach liegt nördlich von Wien und ist von dort aus innerhalb einer halben Stunde zu erreichen. Hier entsteht zusammen mit dem Schloss Asparn/Zaya ein Museumszentrum „Mamuz“ das sich mit der Menschheitsgeschichte vor 40 000 Jahren beschäftigt.

Ein besonderes Element der Ausstellung sind die Giganten und Tiere die in dem großen Raum sehr gut zur Geltung kommen. Die Ausstellung wird am 13. April eröffnet und das Mamuz freut sich sehr auf Besucher.

Einige Impressionen vom Ausstellungsaufbau konnte ich Ihnen aber schon mitbringen.

Herzliche Grüße aus dem Neandertal,

Nina Kliemke

Praktikum im Neanderthal Museum

Studenten an einer Geisteswissenschaftlichen Fakultät werden das Problem kennen. Die ewige Frage, was genau man denn mit dem Studium machen will. Als Taxifahrer würden wir doch sowieso alle enden. Muss man sich halt früh eine Alternative suchen. Lehrer scheint hierfür immer die Patentlösung zu sein, jedoch nicht meine. Museum klingt doch wesentlich spannender. Auf die Frage, was genau man im Museum macht, wusste ich bislang jedoch keine Antwort. Also, Bewerbung schreiben, abschicken und los geht’s mit meinem Praktikum im Neanderthal Museum. Und damit ihr in Zukunft wisst, was man im Museum alles machen kann, erzähl ich euch jetzt ein bisschen was im Museum Blog.

Arbeitsbeginn war zwischen acht und neun, eine ziemliche Überwindung, wenn man bedenkt, dass ich eigentlich Semesterferien habe. Wenn ich dann aber im Museum ankam, war das Aufstehen aber eigentlich gar nicht mehr so schlimm.

Eigentlich verlief in meinem Praktikum kein Tag, wie der andere. Mal half ich in der Mediathek aus, ein anderes Mal bei den Workshops, in denen die Kinder zum Beispiel Steinzeitschmuck basteln können. Am besten hat mir jedoch die Arbeit an der neuen Sonderausstellung „Schamanen“ gefallen, die ihr ab dem 10. Mai im Museum bewundern könnt. Audiotexte müssen geschrieben werden, Vitrinen vermessen und „schamanische“ Deko passend zu den Ausstellungsstücken ausgewählt werden.

Auch für die Ausstellung „Giganten“, die während meines Praktikums nach Mistelbach verliehen wurde, war allerhand zu tun. Alle Ausstellungselemente mussten zusammengesucht und sicher verpackt werden. Nicht zuletzt musste ein ganzes Steinzeitzelt aus Leder genäht werden, wo ich als Praktikantin natürlich zur Hand ging.

Doch auch Mr. N und die Dauerausstellung kamen natürlich nicht zu kurz. Hier müssen schließlich auch regelmäßig Ausstellungsstücke und Vitrinen kontrolliert und in Stand gehalten werden.

Und wenn mal nichts für die Ausstellungen zu tun war, dann hab ich Kleinigkeiten erledigt, Adressen eingepflegt, Infomappen gepackt, oder den Kahlschlag im Neandertal dokumentiert.

Kurzum, ein Praktikum im Neanderthal Museum lohnt sich auf jeden Fall! Ihr solltet also ganz schnell zur Post gehen und eure Bewerbung abschicken!

 

Liebe Grüße

Eure Judith Wonke