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„Wie Menschen Affen sehen“ im „Museum für Natur und Umwelt“ in Lübeck

Letzte Woche Mittwoch startete unser Haustechniker Herr de Leeuw Richtung Lübeck um im Museum für Natur und Umwelt beim Aufbau unserer „Affenausstellung“ zu helfen. Die bei uns zum Jubiläumsjahr 2012 konzipierte Ausstellung besteht insgesamt aus 24 großen Holzsäulen, die in der Mitte entweder mit einer bzw. mit zwei Vitrinen Objekte rund um unsere lebenden Verwandten präsentieren. In ihre Einzelteile zerlegt, besteht jede Säule aus ca. drei Stücken. Bei 24 Säulen beträgt die Anzahl der Einzelstücke also ca. 72, was, ohne Frage, zu einem großen bunten Durcheinander führt! Fein säuberlich verschweißt und verpackt traten diese 72 Säulenstücke bereits eine Woche vor Herrn de Leeuw ihre Reise gegen Norden an, jedoch ohne von den Mitarbeitern dort, aufgebaut und angeschlossen zu werden. Denn um eine Ordnung in dieses Chaos zu bringen und um auch noch Licht in jede Säule zu integrieren, kam unser Haustechniker ins Spiel: Er zeigte den Kollegen vor Ort welche Stücke zusammengehören, wie die Säulen aufgebaut werden, und vor allem wie die Säulen von der Decke mit Strom versorgt werden, um die Vitrinen ausleuchten zu können.

Inzwischen ist unser Haustechniker wieder sicher im Neandertal gelandet, die Kollegen in Lübeck sind aber sicherlich noch immer mit dem Aufbau der „Affen“ beschäftigt, denn auch bei uns in Mettmann hat alleine der Aufbau der Ausstellung ca. zwei Wochen gedauert!

Die Ausstellung ist im Lübecker Museum ab dem 16. Februar bis zum 17. August zu besuchen und wird von dort direkt weiter, zum Braunschweigischen Landesmuseum verschickt!

Herzliche Grüße

Dirk de Leeuw und Saskia Adolphy

Wie Menschen Affen sehen

Bei unserem öffentlichen Symposium am vergangenen Freitag haben wir einige Aspekte der Menschenaffen-Ausstellung vertieft. Es ging um unsere wechselhaften Blicke auf diese beeindruckenden Lebewesen, um spannende Freilandforschung, Kultur von Menschaffen, ihre Grundrechte und vieles mehr.

Die Referenten waren zum Teil von weit her ins Neandertal gekommen.  Den Auftakt machte Franz Wuketits aus Wien, der über den Affen in uns Menschen und seine Suche nach Sinn sprach. Kraft seines Bewusstseins ist der Mensch in der Lage, Bilder von der Welt so zu entwerfen, dass ihm die Welt selbst erträglich erscheint. Die Sinnsuche auch dort, wo objektiv keiner auszumachen ist, kennzeichnet den Menschen und der Glaube an eine höhere Gesetzmäßigkeit oder Vorherbestimmung hat größtes Elend über die Menschheit gebracht. Wuketits würde uns wünschen, in dem Bewusstsein, dass alles endlich ist dennoch glücklich zu leben.

Hans-Werner Ingensiep, Universität Duisburg-Essen, ließ unsere recht junge Entdeckungsgeschichte der Menschenaffen Revue passieren. Erste Menschenaffen wurden in unserem Kulturkreis ab dem 16./17. Jahrhundert (wieder) bekannt. Aber die Gorillas z.B. wurden erst 1853 entdeckt. In dem Vortrag legte er anschaulich dar wie sich das Bild, das wir Europäer uns von den Menschenaffen gemacht haben, durch die Jahrhunderte grundlegend gewandelt hat. Druckfrisch ist auch sein lesenswertes neues Buch zu diesem Thema.

Auch Marianne Sommer, Luzern, befasste sich mit wechselvollen Blicken auf die Menschenaffen: Es ging um die Blicke der National Geographic-Fotografen. Die National Geographic Sociey spielte bei der Finanzierung von Freilandstudien ab den 1960er Jahren eine zentrale Rolle. Die Fotografen zogen mit den Forscherinnen (z.B. Jane Goodall, Dian Fossey, Biruté Galdikas) ins Feld. Auch aktuell nimmt National Geographic eine zentrale Rolle in der Forderung nach Grundrechten für die Menschenaffen ein. Der Artikel von Jürgen Nakott hat eine breite Diskussion ausgelöst.

Thomas Geissmann, Zürich, erforscht die Gibbons. Er rief in seinem Vortrag engagiert dafür auf, sie ebenso wichtig zu nehmen wie die großen Menschenaffen. Da sie klein sind und hoch in den Baumkronen leben, ist es schwer, medienwirksame Fotos von ihnen zu machen. Einige Arten werden sicher ausgestorben sein, bevor sie überhaupt ansatzweise erforscht sind. Die von ihm initiierte Gibbon Conservation Alliance setzt sich daher für den Schutz dieser Affen ein.

Alexander Sliwa vom Kölner Zoo berichtete von der Haltung von Menschenaffen im Kölner Zoo von den Anfängen bis heute. Die einfachen Gitterkäfige für isolierte Affen sind heute großen Gehegen mit Kletter- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschenaffen in größeren Gruppen gewichen. Colin Goldner führte aus, dass dies längst nicht an allen deutschen Zoos Standard sei. Das Great Ape Project fordert Grundrechte für die großen Menschenaffen und entsprechend ein Ende ihres Lebens in Gefangenschaft.

Barbara Fruth vom MPI Leipzig räumte mit Bonobo-Vorurteilen auf. Ihre Freilandforschungen belegen, dass sie nicht die sexbesessenen Hippies sind, als die sie nach den Zoobeobachtungen des Frans de Waal galten und als die sie in den Medien immer noch dargestellt werden. Auch die Bonobos sind von Wilderern auf der Suche nach Buschfleisch bedroht. Die Forscher haben eine Organisation, Bonobo Alive, gegründet, um sich für ihren Schutz zu engagieren.

 

Miriam Haidle, Tübingen, gab einen umfassenden Überblick über die materielle Kultur vor allem von Orang Utans und Schimpansen. Bei Orang Utans wurden 41 Werkzeugverhalten beobachtet und eine neue Beobachtung bei Schimpansen ist, dass sie sogar mit Grabstöcken nach Knollen und Wurzeln graben und diese zur Ernährung und für medizinische Zwecke einsetzen.

Bärbel Auffermann zeigte in ihrem Beitrag, was Gorillas und Neanderthaler gemeinsam haben: Unsere Rezeption der beiden zeigt deutliche Parallelen.

Für ein amüsantes Zwischenspiel sorgte der WDR – Reporter Ede Wolff, der im Gorilla Kostüm unterwegs war und Vortragende wie Teilnehmende über seine Rechte befragte.

Im Foyer stellte das Projekt AffenBRUT Affenkunst vor: ausdrucksstarke Gemälde des Orang-Utans Barito, die das Projekt zugunsten der Affen des Krefelder Zoos verkauft.

Es hat uns besonders gefreut, dass die sehr interessierten Zuhörer die Gelegenheit zur Diskussion genutzt haben. Dieses ganztägige Format eines Austauschs zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit werden wir sicher zu einem anderen Thema wieder aufgreifen.

Beste Grüße aus dem Neandertal 

Bärbel Auffermann, Kerstin Pannhorst 

 

 

Jane Goodall in Mönchengladbach

Vorgestern Abend waren einige aus dem Team beim Vortrag von Jane Goodall in Mönchengladbach. Wir waren tief beeindruckt von dieser faszinierenden Persönlichkeit. Sie hat, unterstützt durch Szenen aus dem Film „Jane’s Journey“ ihre Lebensgeschichte erzählt. Zunächst ist frau ja einfach nur neidisch auf ein solch erfülltes Leben und mit welch ungeheurer Tatkraft sie sich als junge Frau daran gemacht hat, ihren Lebenstraum zu verwirklichen. Im zweiten Teil des Vortrags ging es um ihre aktuellen Projekte. Dass sie trotz allen Elends, das sie weltweit gesehen hat, die Hoffnung nicht aufgibt und für eine bessere Zukunft auf die Kinder setzt. Deshalb hat sie das Programm „Roots and Shootsins Leben gerufen. Sie war wirklich ermutigend. Also: nicht jammern, sondern Ärmel hoch. Im Anschluss an den Vortrag hat sie noch geduldig hunderte von Büchern signiert.

Hoffnungsvolle Grüße aus dem Neandertal 

Bärbel Auffermann

 

 

Die “Affen” sind los…

Das Jahr 2012 ist unser Jubiläumsjahr!!! 75. Jahre besteht nun das Neanderthal Museum.

Zuerst in einem kleinen Museum, seit 1996 in dem neu errichteten Spiralgebäude können Besucher täglich die Geschichte der Menschheit erlesen, betrachten und erfahren.

Wenn dies kein Grund zu feiern ist, was dann?

Unsere Jubiläumsausstellung  „Wie Menschen Affen sehen“ ist seit dem 31. März für kleine und große Besucher geöffnet. Zwei Wochen Osterferien bescherten unseren „Affen“ enorme Besucherzahlen.

Ob Schimpanse, Gorilla, Orang-Utan oder Bonobo –  die Menschenaffen sind unsere nächsten Verwandten und deswegen wahrscheinlich so interessant für uns. (Und wir auch für sie?)

Die Ausstellung beleuchtet neben grundsätzlichen Themen, wie die komplexen Sozialstrukturen und die intelligente Werkzeugnutzung der Menschenaffen, auch die wohl nicht offensichtliche, aber bereits weit voran geschrittene Bedrohung,  Ausrottung und Vernichtung  unserer Verwandten.

Zentrales Anliegen unserer Jubiläumsausstellung ist jedoch der kulturgeschichtliche Blick auf den Menschenaffen.

Seit Jahrzehnten muss der uns so ähnliche Menschenaffe als Schauobjekt für Zoobesucher herhalten, in kleinste Käfige isoliert gepfercht und alles andere als artgerecht gehalten. In einem großen eisernen Käfig, ganz am Ende der Ausstellung, kann der Besucher nun selbst einmal „Affe im Zoo“ spielen. Ein Umdenken hat inzwischen schon einmal für einen Teil von in Gefangenschaft gehaltenen Tieren dafür gesorgt, dass artgerechte Anlagen, ausgerichtet auf die Bedürfnisse der Tiere angelegt wurden. Aber nicht nur der Affe im Zoo musste viel über sich ergehen lassen, auch Stars wie „Cheetah“, „Unser Charly“ oder „King Kong“ prägen in bunten Kostümen, absolut vermenschlicht, die Wahrnehmung von uns allen bis heute.

Ein Umdenken vor allem in unserer westlich orientierten Kultur, gibt es spätestens, seitdem sich Vorreiter wie Jane Goodall, Dian Fossey oder Biruté Galdikas  einen Namen in der Verhaltensforschung gemacht haben. Teilweise jahrelang lebten sie mit Schimpansen, Gorillas und Orang-Urans in der Wildnis, wo sie herausgefunden haben, dass Menschenaffen weitaus intelligenter  und uns vor allem, auch weitaus ähnlicher sind als bisher angenommen.

Eben doch nicht nur ein Clown im Affenkostüm!

 

Leider gibt es immer noch Länder, in denen illegal Dutzende von Affen angeboten werden. Als Jungtier gefangen, dienen sie bis zur Pubertät, in der sie unberechenbar werden, als Touristenattraktion, als Versuchstier, als lebender Medizinvorrat oder als Belustigung in Bordellen.

Sehr direkt und anschaulich, manchmal bedrückend, führt die Ausstellung mit offen präsentierten Tatsachen letztlich zu Wahrheiten, vor denen immer noch viele von uns die Augen verschließen. Trotzdem verlässt man das Museum nach dem Besuch keineswegs in bedrückter Stimmung. Metallboxen mit Löchern, häufig für die Beschäftigung von Zoo-Affen aufgestellt, sollen den Besucher animieren, sich Leckereien mit Hilfe von einem Holzstöckchen herauszuangeln.  Eine spaßige Angelegenheit, die jedoch auch Geschick und Konzentration benötigt!

Im Foyer des Museums kann man anschließend dann noch eine gute Tat verrichten, indem man Althandys in die dafür vorgesehene Plexiglas-Säule wirft. In Kooperation mit dem Kölner Zoo sammelt das Museum sie für ein Gorilla-Schutzprojekt.

Viele Grüße aus der Mediathek

Saskia Adolphy

 

Vorfreude

Jahresende ist ja eine Zeit für Rückblicke, aber auch eine Gelegenheit, Vorfreude zu teilen: Wir sind hier eifrig mit unserer kommenden Sonderausstellung beschäftigt: Wie Menschen Affen sehen. Sie wird am 30. März eröffnet und wir sind überzeugt, dass sie sehr abwechslungsreich und spannend wird. Es wird vor allem eine kulturhistorische Ausstellung, die unsere Wahrnehmung der Menschenaffen hinterfragt. Unglaublich eigentlich, dass wir unsere nächsten Verwandten bis heute in „lustigen“ Kostümen peinliche Vorstellungen geben lassen, dass Menschenaffen als Haustiere gehalten werden oder auch dass ausgerechnet der Gorilla als sanfter Pflanzenfresser in unserer Vorstellung zum King Kong mutierte.

Wir denken natürlich auch daran, dass es rund um die Ausstellung spannend wird: vom öffentlichen Symposium mit zahlreichen Experten, über die KinderAffenNacht bis zum Affengeburtstag und zum biologischen Workshop ist alles dabei, s. auch schon im Programm fürs nächste Halbjahr.

In diesem Sinne wünsche ich schöne Feiertage und freue mich auf 2012,

Bärbel Auffermann