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Skurriles über Mumien aus der ganzen Welt

Ekel, Angst, Unwohlsein – Reaktionen, die mit dem Begriff „Mumie“ in Verbindung gebracht werden. Und doch verspüren wir Faszination und Neugierde, wenn Bilder von Mumien in die Öffentlichkeit gelangen – so wie beim Vortrag von Dr. Wilfried Rosendahl, Direktor der Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim, am vergangenen Mittwoch.

Ursprünglich vom persischen Wort „Mum“, was soviel wie Erdpech bedeute, entwickelte sich über das lateinischen Wort „Mumia“ und über die ägyptische Verwendung von schwärzlich-harzigen Substanzen bei der Mumifizierung von Menschenhand, unsere heutige Bezeichnung „Mumie“. Als Mumie bezeichnet man heute die Überreste von tierischen oder menschlichen Körpern, die durch bestimmte Gegebenheiten vor dem natürlichen Verwesungsprozess geschützt wurden. Eine Mumifizierung kann dabei auf drei Arten erfolgen:

  • Natürliche Mumifizierung in der Wüste, im Moor (Moorleichen), durch Salz, in Höhlen oder im Eis (wie z.B. Ötzi)
  • Künstliche, von Menschenhand bewusst durchgeführte, Mumifizierung (z.B. ägyptische Mumien)
  • Intentionelle Mumifizierung, d.h. der Leichnam wird an einen Ort gebracht, an dem eine natürliche Mumifizierung einsetzt

Dass Mumien nur aus Ägypten stammen und in Mullbinden eingewickelt in einem Sarkophag liegen, ist jedoch ein Trugschluss – auch andere Länder haben Interessantes zu bieten: Bestes Beispiel hierfür ist das „German-Mummy-Projekt“ an den Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim. Dr. Rosendahl und sein Team haben zahlreiche Mumien aus aller Welt untersucht und den stummen Zeugen des Lebens einige Geheimnisse entlocken können.

Wie etwa die Chinesin Lady Dai, die um das Jahr 160 v. Christus starb und bis heute bewundert werden kann. Ihre Haut ist noch immer elastisch und selbst die Organe gleichen denen eines kürzlich Verstorbenen, da sie in vier Sarkophagen luftdicht bestattet und in eine konservierende Flüssigkeit eingelegt wurde.

Auch die Völker in Ozeanien bergen spannende Geheimnisse. Die Dorfältesten werden nach ihrem Tod in sitzender Position geräuchert und nehmen so weiter am Dorfleben teil, sie sitzen am Tisch und wachen über das Dorf.

Besonders interessant und auch das erschreckendste Beispiel sind die mumifizierten Mönche. In der buddhistischen Schule glaubt man an das Prinzip der Selbstmumifizierung, um den Weg ins Nirwana zu finden. Die Mönche ernähren sich hierfür lange fett- und flüssigkeitsarm und meditieren bis zum Atemstillstand. Im Tempel sitzend wird er als Buddha verehrt, der den Weg ins Nirwana gefunden hat, und zur Besichtigung ausgestellt.

Um die vielen Geheimnisse der Mumien zu lüften, werden heutzutage selbstverständlich keine Mumien mehr aufgeschnitten. Man nutzt Methoden wie Computertomographie (CT), Röntgen, 14-C Datierung und 3D-Druck. So haben die Reiss-Engelhorn Museen im Rahmen ihres Mummy-Projektes einige Mumien untersucht, z.B. die in Peru gefundene Mumie, deren Hände in Tücher eingewickelt waren. Durch die CT Methode und einen anschließenden 3D-Druck entdeckte man Erstaunliches: Die 45-jährige Frau hielt zwei Milchzähne in ihren Händen. Ob es sich um ihre eigenen oder vielleicht die ihrer Kinder oder Enkel handelt, kann man natürlich nicht sagen. Auch die „Frau aus Basel“ hat ein Geheimnis. Denn eigentlich handelt es sich um einen Mann.

Wer immer noch nicht genug von Mumien hat, der sollte unbedingt unsere Ausstellung „Mumien – Reise in die Unsterblichkeit“ besuchen, die bis zum 27. April im Neanderthal Museum zu sehen ist. Hier berichten wir über den Mumifizierungsprozess und die Bestattungssitten im Alten Ägypten. Und es gibt echte Mumien zu bestaunen, also nicht verpassen!

Grüße aus dem sonnigen Neanderthal

Saskia Adolphy, Judith Wonke und Viviane Bolin

 

PS: Weitere interessante Links zu Mumien aus aller Welt

Geopferte Kindermumien aus Altamerika = http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/opferritual-inka-bereiteten-kinder-mit-koka-und-alkohol-auf-den-tod-vor-12312345.html

Kloster in Palermo (Sizilien) = http://www.historeo.de/hintergrund/die-mumien-von-palermo

Sogar der Papst wird mumifiziert = http://www.bz-berlin.de/archiv/die-leiche-des-papstes-am-altar-der-pfingstmesse-article195227.html

Rekonstruktion der Mumie vom Freiherr von Holz = http://www.spiegel.de/spiegel/a-700336.html

Die Mumien an der Düssel

Passend zur dunklen Jahreszeit bewohnen zurzeit die Mumien das Neanderthal Museum. Seit dem letzten Wochenende und bis zum 27. April 2014 können die Mumifizierungstechniken, die Grabbeigaben und natürlich echte Mumien in der klassisch sehr schön eingerichteten Sonderausstellung bestaunt werden.

Am 22. November um 19.00 Uhr fand die Eröffnung im Auditorium des Museums statt. Frau Maria Christina Guidotti, Direktorin des Ägyptischen Museums in Florenz, berichtete im Einführungsvortrag von den 80 Originalexponaten, die z.T. vom berühmten Jean-Francois Champollion (erste Entzifferer der Hieroglyphen) von seiner Expedition im Jahre 1829 nach Italien gebracht wurden, und nun in der Sonderausstellung „Mumien – Reise in die Unsterblichkeit“ auch bei uns zu sehen sind.

Der Weg durch die Ausstellung beginnt mit dem Mythos des Osiris, dem mumifizierten Herrscher der Unterwelt, führt den Besucher von den Techniken der Mumifizierung (Leichentücher, Amulette, Gefäße für die inneren Organe, Werkzeuge für die Entnahme des Gehirns aus der Nase!) über die bildreichen Sarkophage zu der Grabausstattung mit rituellen, aber auch alltäglichen Beigaben (Spiegel, Sandalen). Nicht zu vergessen, die zwei echten Mumien, die andächtig in großen schwarzen Kästen mit bunten Rückwänden betrachtet werden können.

Wir freuen uns über den großen Anklang, den diese Sonderausstellung bisher bei den Besuchern findet. Die Jenseitsvorstellungen der alten Ägypter faszinieren uns ja schon seit jeher und auch Mr. N scheint die neuen Mitbewohner zu mögen.

Schauen Sie doch mal vorbei!

Schöne Grüße aus dem Neandertal

Viviane Bolin

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Eiszeitliche Felsbilder unter freiem Himmel in Ägypten

Qurta

So ähnlich muss es wohl am 14. August 1902 auf einer Archäologietagung in Montauban (Frankreich) gewesen sein. Von diesem Datum an waren die Bilderhöhlen offiziell akzeptiert und als eiszeitlich anerkannt. Auf der Tagung vom 03. – 05. Juni 2010 in Brüssel wurden viele interessante Fundstellen und -regionen mit Felsbildern aus der Sahara vorgestellt. Der absolute Höhepunkt war jedoch die erstmalige Präsentation der neuen Datierungen von Qurta (Ägypten). Die Fundstellen von Qurta wurden 2007 entdeckt, liegen im Niltal und sind nach heutiger Erkenntnis 15.000 bis 16.000 Jahre alt. Abgebildet sind Wildtiere und stilisierte Frauenfiguren. Frappierend sind die thematischen und stilistischen Übereinstimmungen mit zeitgleichen Fundstellen in West- und Mitteleuropa (z. B. Gönnersdorf). Demnach gibt es auch in Afrika Felsbilder unter freiem Himmel aus dieser frühen Epoche der Menschheitsgeschichte. Ähnlich sensationell war die Entdeckung vergleichbarer Felsbilder in Foz Côa (Portugal) im Jahr 1992. Es wird immer deutlicher, dass die Bilderhöhlen in Europa nur ein Teil der erhaltenen eiszeitlichen Felsbilder darstellen. Die Fundstellen unter freiem Himmel sind sicherlich deutlich seltener erhalten, und auch schwerer zu finden. Unser Vortrag über die einzig bekannte, wirkliche Höhle mit Felsbildern auf dem afrikanischen Kontinent (Djara) stand aus verständlichen Gründen im Schatten dieses wichtigen Ereignisses.

Mit besten Grüßen, Andreas Pastoors