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Osteological Lab oder… wo steckt das kleine Mammut?

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Wer sich – wie ich – für menschliche Hinterlassenschaften im archäologischen Fund interessiert und Knochen bzw. Zähne genauer untersuchen möchte, ist hier goldrichtig!
Das einwöchige Seminar des Osteological Lab im Department of Archaelogy and Prehistory der Universität Sheffield kann ich wirklich nur empfehlen. http://sheffield.ac.uk/archaeology/research/osteology-lab/five-day

20 interessierte Laien und Profis hatten letzte Woche die Gelegenheit, exellent aufbereiteten Vorträgen und Präsentationen zu lauschen, um anschließend die eigenen Analyse an ausgewählten Funden zu erproben. Dabei wurden wir von 2-3 fachkompometenten Mitarbeiterinnen des Instituts  unterstützt. Die Lernathmosphäre war trotz der Themendichte durch die freundliche Art der beiden Kursleiterinnen Lauren McIntyre und Isabelle Heyerdahl-King und den sehr guten Programm-Aufbau durchweg entspannt.

Ich freue mich schon auf den nächsten Workshop Kriminalbiologie, den ich hier im Neanderthal Museum durchführe: hier werde ich sicherlich einige meiner neuen Erkenntnisse einfließen lassen.

Beate Schneider
Abteilung Bildung und Vermittlung
PS: Ach ja, und unser Mammut war natürlich mit auf der Reise. In zwei der Bilder hat es sich versteckt.

 

 

Ice Age Europe in kroatischer Hitze

Ende vergangener Woche waren Herr Weniger und ich zu einem Treffen mit Kollegen anderer europäischer eiszeitlicher Fundstellenmuseen in Zagreb und Krapina, Kroatien. Dem Ziel, ein gemeinsames kulturtouristisches Netzwerk aufzubauen sind wir ein kleines Stück näher gekommen. Wir haben auch einen Namen gefunden: Ice Age Europe. Die kroatischen Gastgeber haben uns sehr gastfreundlich aufgenommen. Donnerstagabend durften wir das Halbfinale schauen ( : ) ). Es war auch Gelegenheit, die beiden berühmten Neanderthaler-Fundstellen Krapina und Vindija zu besichtigen. Ähnlichkeiten der Architektur des Neanderthal Museums in Krapina mit unserem Museum sind nicht zufällig… In Zagreb zeigte uns Jakov Radovcic die gesamte Sammlung Neanderthalerreste aus Krapina. Eine beeindruckende Fülle an Originalknochen! – Auf dem einen Foto bitte den Aufkleber auf dem Tresorschrank beachten!

Ein Tipp für Zagreb-Reisende: Das Museum of Broken Relationships ist unbedingt eine Reise wert!

 

Beste Grüße aus dem Neandertal 

Bärbel Auffermann 

 

Menschliche Körperteile im Museum?

Heiß diskutiert wurde Ende letzter Woche im Wien Museum. Bei dem Workshop „Ja, nein, gegebenenfalls. Gehören menschliche Überreste ins Museum?“, den die in Graz ansässige Museumsakademie organisiert hatte, trafen viele verschiedene Perspektiven aufeinander. Anthropologen und Ethnologen, Archäologen und Juristen, Biologen und Historiker kamen zusammen, um sich zwei Tage lang ausgiebig diesem Thema zu widmen.

Was zunächst makaber klingen mag, erklärt sich schnell. Zu den „menschlichen Überresten“ gehören ziemlich viele Kategorien von Ausstellungsstücken: Schädel, archäologische Skelette, Mumien, medizinische Präparate, Schrumpfköpfe oder auch religiöse oder künstlerische Objekte, die menschliche Körperteile enthalten. Zu letzten gehören beispielsweise knochenhaltige Objekte aus dem Voodoo Kult Haitis, tibetische Flöten aus menschlichen Langknochen oder christliche Reliquien.

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Fragen über Fragen taten sich auf. Soll ein Museum solche Exponate ausstellen? Und wenn ja, was ist eine angemessene Ausstellungsform? Sollte man sich entscheiden, sie nicht auszustellen, was tut man dann damit? Was ist eine geeignete Aufbewahrungsform? Möchte man sie nicht aufbewahren, sondern zurückgeben: an wen gibt man sie zurück? Und Wie?

Gerade bei historischen Sammlungen menschlicher Überreste werden diese Fragen noch durch damalige, häufig fragwürdige Sammelpraktiken verkompliziert. Wie geht ein Museum mit einer solchen Sammlung verantwortungsbewusst um? Es waren keine einfachen Fragen, denen wir uns stellten, weshalb sich auch keine einfachen Antworten finden ließen. Die Gespräche in Wien bieten allerdings eine Grundlage, auf der nun weitergedacht und -gearbeitet werden kann.

Fragende Grüße aus dem Neandertal

Kerstin Pannhorst

Eine weite Reise: IGS Aurich West meets Neanderthal Museum

Da staunten wir nicht schlecht, als wir in unserer Buchungsübersicht sahen, dass sich zwei Gruppen aus Aurich in Ostfriesland angekündigt hatten: Am letzten Donnerstag nahmen etwa 40 Schülerinnen und Schüler mit ihren drei begleitenden Lehrkräften von der IGS Aurich West eine 3,5-stündige Busfahrt auf sich, um unser Museum zu besuchen. Es handelte sich dabei um zwei Biologiekurse des 13. Jahrgangs – ein Grund- und ein Leistungskurs.

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Beide Gruppen erhielten eine Fachführung zum Thema Humanevolution. Der Leistungskurs hatte zusätzlich einen Workshop „Abguß-Sammlung” gebucht. Im Anschluss fand im Auditorium eine dreiviertelstündige Diskussionsrunde statt. Hier konnten die Schülerinnen und Schüler ihre noch offenen Fragen zum Thema, aber auch Fragen zum Berufsfeld „Archäologie“ und „Anthropologie“ stellen. Christian Hildebrandt, Archäologe und freier Mitarbeiter in der Museumspädagogik, hat diese Diskussion geleitet!

Zwei der drei Lehrerinnen und Lehrer waren zum zweiten Mal mit ihren Oberstufen hier im Haus und kommen hoffentlich wieder. Wir hoffen, alle Beteiligten konnten eine Menge mitnehmen und hatten Spaß bei uns!

Viel Erfolg beim Abitur und vielleicht bis bald mal wieder,

Claudia Pingel, Museumspädagogik

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Internationaler Workshop im Neanderthal

Das Neanderthal Museum Mettmann und die NESPOS Society e.V. organisieren in Kooperation mit dem SFB 806 “Our Way to Europe” vom 10. – 11. Juni 2010 einen Workshop zum Thema „Wissenschaftliche Datenbanken zum Pleistozän”

Datenbanken und digitale Erfassung und Bearbeitung wichtiger Fundstücke
sind zentrale Arbeitsmittel in der modernen Archäologie und Paläoanthropologie.
Durch 3D Techniken kann der direkte Zugriff auf die wertvollen Objekte reduziert werden.
Forscher arbeiten inzwischen in großem Umfang mit den digitalen Versionen. Das Neanderthal
Museum ist in diesem Bereich bereits seit Jahren aktiv.

Neben Vorträgen von Kollegen aus Österreich, Frankreich, Italien, den USA und einer
Postersession wird es auch Live-Demonstrationen verschiedener 3D-Scanner-Modelle geben.

Für interessierte Wissenschaftler ist eine verbindliche Anmeldung bis zum
01. Juni 2010 erforderlich.
Poster können noch bis zum 15. Mai eingereicht werden.

Ansprechpartner: Astrid Slizewski M.A., slizewski@neanderthal.de
https://www.nespos.org/display/openspace/Pleistocene+databases

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Tagung zur Archäologie des Eiszeitalters in Leipzig

Auf Einladung des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie fand die größte deutsche Tagung zur Archäologie des Eiszeitalters dieses Jahr vom 6. bis 10. April in Leipzig statt. Jedes Jahr veranstaltet die Hugo Obermaier-Gesellschaft diese bedeutende Tagung auf der international renommierte Wissenschaftler, Nachwuchswissenschaftler und Laien zusammenkommen. Auch das Neanderthal Museum war wieder gut vertreten: vier wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren dabei. Vorgestellt wurde durch uns ein Poster über die Ergebnisse eines Projekts zur Steingerätetechnologie des Neanderthalers an der Fundstelle der Balver Höhle (Sauerland). Darüber hinaus standen wir mit einem Vortrag über die Nutzung von eiszeitlichen Bilderhöhlen im Programm. An den letzten beiden Tagen führten uns zwei Exkursionen zu weltweit bedeutenden Fundstellen: Bilzingsleben (Humanfossilien) und Schöningen (hölzerne Speere).

Mit besten Grüßen, Andreas Pastoors

Neuer Australopithecine

Wie_alles_anfing

Heute rauscht es im Blätterwald: Lee Berger und seine Kollegen haben in Südafrika eine neue Australopithecinenart entdeckt, Australopithecus sediba: http://www.sciencemag.org/extra/sediba/. Bisher ging man davon aus, dass die Entwicklung zu Homo ausschließlich in Ostafrika stattgefunden habe. Die Entdecker sehen in Australopithecus sediba einen Hinweis auf eine südafrikanische Entwicklung. Aber zu Lebzeiten von Australopithecus sediba tummelte sich in Ostafrika bereits Homo rudolfensis. Es müssten also Vorläufer von Australopithecus sediba gewesen sein, aus denen sich Homo entwickelte.

Für mich zeigt dieser Fund wieder einmal, dass unser Wissen über unsere Entwicklung noch sehr lückenhaft ist. Der Stammbusch der Homininen wird immer dichter. Mit dem einfachen Stammbaum, wie wir ihn uns naoch in den 1990er Jahren dachten, hat er nur noch wenig zu tun.

Beste Grüße aus dem Neandertal 

Bärbel Auffermann