Schlagwort-Archive: Archäologie

2. Tag der Forschung im Neanderthal Museum

Wollten Sie nicht schon immer wissen, wie Archäologen arbeiten?

Wo genau kriegen sie eigentlich ihre Antworten her? Was für Methoden gibt es?

Am Sonntag, 15. November 2015, findet im Neanderthal Museum der 2. Tag der Forschung statt. Hier können Sie ganz unverblümt alles erfragen, was Sie an der archäologischen Forschung schon immer interessiert hat. So erfahren Sie, wo und vor allem wie momentan auf der Welt geforscht wird. Denn die Wissenschaftler von der Universität Köln, Bonn und Aachen und die wissenschaftlichen Kollegen Neanderthal Museums stellen ihre aktuellen Projekte vor. Nicht nur Archäologen, sondern auch Experten aus anderen Fachbereichen – wie Geologie, Geografie, Datierungsmethoden, Klimaforschung -, die eng mit den Archäologen zusammen arbeiten, werden vor Ort sein!

Wir präsentieren echte Steinwerkzeuge zum Anfassen aus Marokko, einen Simulator für Tsunamiphänomene, Projekte zu steinzeitlicher Höhlenkunst, unseren eigenen 3D Scanner aus dem Haus und vieles mehr für Groß und Klein!

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann schauen Sie doch mal vorbei. Am Sonntag, 15. November, von 11 bis 16 Uhr im Neanderthal Museum.

Ab Montag gibt es außerdem spannende Rätselfragen auf Facebook! Viel Spaß

Grüße

Viviane Bolin

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Grabungskampagne im September in Málaga

Im Monat September hat ein Team von Wissenschaftlern aus dem Neanderthal Museum und der Universität zu Köln gemeinsam mit spanischen Kollegen der Universität Cadiz (Spanien) ein vierwöchige Ausgrabungskampagne an den paläolithischen Fundplätzen Cueva de Ardales und Sima de Las Palomas in Malaga (Südspanien) durchgeführt (s. Blog vom 27. August 2015).

Das relativ große Team, bestehend aus 6 Spaniern und 6 Deutschen, konnte parallel an beiden Fundstellen ausgraben. Zunächst wurde die Fundstelle Sima de Las Palomas „grabungsfertig“ gemacht (Gestrüpp und Steine entfernen, die erste Oberflächenschicht abgraben und durchsieben). Nachdem die zu grabenden Quadrate ausgemessen und das meiste Oberflächensediment gesiebt war, konnte nun die richtige Ausgrabung losgehen. Der Fundplatz liegt an einem windigen Hang und ist der Sonne und Hitze ab ca. 12.30 Uhr komplett ausgesetzt, weshalb die Grabungsarbeiten schon um 14.00 Uhr endeten und mit der Fundbearbeitung begonnen wurde. Das Ziel dieser Grabung war, den Bereich vor der Felswand des 9m tiefen Erdloches (spanisch: Sima) zu erkunden und herauszufinden, ob und wann die Menschen dort gesiedelt haben. Die große Hoffnung ist es natürlich, mittel- und jungpaläolithische Schichten zu entdecken und dokumentieren. Dem Ziel sind wir ein kleines bisschen näher gekommen, aber in der nächsten Kampagne 2016 werden wir dann noch weiter und tiefer graben, um die Schichten mit Material aus der Steinzeit zu erreichen.

In der Höhle Ardales sahen die Aufgaben ein wenig anders aus. Das Ziel dieser Grabung war die Suche nach den kleinsten Spuren, die der steinzeitliche Besucher auf seinen Erkundungstouren durch die Höhle vielleicht hinterlassen hat. Dafür wurden in einer Zone, in der sich auch Höhlenmalerei befindet, mehrere Quadrate geöffnet und nach den kleinsten Werkzeugen und anderen Artefakten Ausschau gehalten. Auch hier haben wir einen guten Anfang gemacht und die Grabungen werden im November diesen Jahres und auch nächstes Jahr fortgesetzt.

Aber natürlich gibt es nicht nur Arbeit, sondern auch in bisschen Vergnügen. An unseren freien Tagen haben wir bekannte Fundplätze dieser Gegend besucht, wie z.B. die Bilderhöhlen Nerja und La Pileta.

In der letzten Woche sind wir dann auf dem Caminito del Rey, einem bekannten und gerade wieder neueröffneten Klettersteig, gewandert und haben die atemberaubende Landschaft bewundert.

Das Team war während der Kampagne sehr nett in einem Campingplatz in der Nähe des kleinen Dorfes Ardales untergebracht, direkt am Stausee mit seinem blaugrünen Wasser und seiner atemberaubenden Uferlandschaft, und manch einer hat sich nach der Arbeit eine wohlverdiente Abkühlung im See gegönnt.

Die Kommunkation und Zusammenarbeit mit dem spanischen Team lief selbst mit kleineren kleineren Sprachschwierigkeiten einwandfrei ab und wir freuen uns, bald wieder zusammen in Malaga zu arbeiten.

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Bis dahin,

Grüße

 

Viviane Bolin

 

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Internationale Konferenz zur Felsbildkunst

Anfang September fand in Cáceres (Extremadura, Spanien) die 19. International Rock Art Conference IFRAO 2015 statt. Vom 31. August bis zum 04. September trafen sich Spitzenforscher im Bereich der vorgeschichtlichen Fels- und Kleinkunst in der Universität der Kleinstadt und stellten die neusten Forschungsergebnisse aus aller Welt vor.

IFRAO steht als Abkürzung für „International Federation of Rock Art Organizations“. Es handelt sich dabei um einen Verband aus mehreren nationalen und regionalen Organisationen aus dem Bereich der prähistorischen Kunst. Zurzeit sind 52 Organisationen mit 7500 Spezialisten Mitglied der IFRAO. Das Ziel des 1988 gegründeten Bundes ist die Förderung der Studien prähistorischer Kunst und der Kommunikation zwischen den vielen Wissenschaftler und Organisationen, die bisher nur isoliert voneinander gearbeitet hatten und kaum etwas über Forschungen aus anderen Teilen der Welt wussten. Daher ist es bis heute ein Anliegen der IFRAO, Standards in der Methodologie, Terminologie, Ethik und in der Technik der prähistorischen Kunstforschung zu etablieren. Weiterhin kümmert sich der Verband um den Schutz und die Erhaltung der Kunstfundstellen weltweit.

Die neusten Erkenntnisse werden regelmäßig in der Zeitschrift „Rock Art Research“ veröffentlicht und alle paar Jahre wird eine Konferenz organisiert, bei der die Mitglieder der IFRAO und alle Forscher aus dem Bereich der prähistorischen Felskunst sich einfinden und die neusten Erkenntnisse austauschen.

Dieses Jahr also fand die Konferenz in Cáceres statt, einer sehr schönen Stadt mit mittelalterlichem Kern, der seit den 60er Jahren UNESCO Weltkulturerbe ist. Vorträge gab es von Montag bis Freitag, mit einer Ausnahme am Mittwoch, an dem mehrere Busse mit sehr neugierigen IFRAO Mitgliedern mehrere Kunstfundplätze in der Gegend auf einer Exkursion besichtigt haben.

Die Vorträge sind nach Sitzungsthemen aufgeteilt und dauern an die 20 Minuten. Danach können 10 Minuten lang Fragen gestellt werden und einzelne Punkte diskutiert werden. Der diesjährige Titel der Konferenz „Symbols in the Landscape: Rock Art and its Context” (Symbole in der Landschaft: Felskunst und ihr Kontext) vereinte über 30 Sitzungen u.a. zu folgenden Themen:

–          Tierdarstellungen in der Felskunst

–          Zeitgemäße Gedanken zur Bedeutung und Funktion der Felskunst: Krise und Perspektiven

–          „Watch your step!“ Füße und Sandalen in der Felskunst

–          Zeichen und Symbole. Felskunst und archäo-anthropologische Forschung

–          Pferde und Reiter in der Felskunst: Ikonografie vom Paläolithikum bis zum Mittelalter

–          Entscheidungen und Debatten: Felskunst als politisches Instrument

–          Existiert paläolithische Fels- und Höhlenkunst auch in Zentraleuropa?

–          Und viele mehr..

Das Neanderthal Museum und seine Wissenschaftler waren mit acht Vorträgen zur Felskunst in Sizilien, Afrika, Zentraleuropa und Deutschland und den gemeinsamen Projekten mit der Universität zu Köln „Tracking in Caves“ und „SFB-806 Our Way To Europe“ sehr präsent vertreten.

Eine der Exkursionen hatte den paläolithischen Freiland-Fundplatz Siega Verde und den mesolithisch/neolithischen Fundplatz Monfragüe zum Ziel. Auf ersterem können am Ufer des Flusses Águeda mehrere Abbildungen von in Schiefergestein gravierten Auerochsen, Hirschen und Pferden besichtigt werden, die auf ca. 20 000 – 13 000 Jahre alt geschätzt werden. Der zweite Fundort befindet sich in einem Nationalpark. Dort können an mehreren Stellen in schwer erreichbaren Felsöffnungen rote und schwarze Malereien aus der Mittel- und Jungsteinzeit bewundert werden.

Der Besuch der Tagung hat uns nicht nur archäologisch, sondern auch historisch begeistert. Neben archäologischen Exkursionen haben die Organisatoren auch Stadtführungen durch Cáceres angeboten. Die Altstadt von Cáceres ist seit sehr langer Zeit nicht mehr baulich verändert worden und man fühlt sich wie durch eine Zeitreise ins Mittelalter zurückversetzt. Ein sehr zu empfehlendes Reiseziel.

Viele Grüße

 

Viviane Bolin

 

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Kommende Ausgrabungskampagne in Südspanien

Wie bereits im Blogbeitrag vom 4. März 2015 berichtet, planen die Archäologen des Neanderthal Museums und der Universität zu Köln gemeinsam mit den spanischen Kollegen aus Südspanien eine Ausgrabungskampagne in Ardales und Teba (Malaga).

Nun ist es endlich soweit – am 02. September geht die Reise los! Mitsamt Gerät und Gepäck fährt ein Teil des deutschen Teams mit dem Minibus von Mettmann nach Ardales, über 2000 km! Das internationale Team wird bis zum 02. Oktober dort die Fundplätze Sima de Las Palomas de Teba und Cueva de Ardales erforschen. Bei über 30°C, Sonnenschein und strahlend blauem Himmel.

Das Ziel ist es, die Besiedlungsgeschichte der beiden Orte zu untersuchen. Denn wir wissen, dass Neanderthaler und moderne Menschen diese Gegend bewohnt haben – aber haben sie auch zur selben Zeit dort gelebt? Sind sie sich vielleicht sogar begegnet? Das sind einige der Fragen, mit denen sich die Forscher auf dieser Ausgrabung beschäftigen. Wichtig ist es, so tief wie möglich zu graben, die Schichtenabfolgen mit menschlichen Hinterlassenschaften genaustens zu dokumentieren und, wenn möglich, datierbares Material zu finden und zu analysieren, damit die Schichten auch besser chronologisch eingeordnet werden können.

Kurz vor Beginn der Ausgrabung fliegen zwei Kollegen aus dem Neanderthal Museum zur IFRAO-Tagung in Cáceres (Spanien). Auf dieser internationalen Konferenz zum Thema Felskunst treffen sich alle paar Jahre Experten aus der ganzen Welt und stellen die neuesten Forschungsergebnisse zur steinzeitlichen Kunst aus ihren Regionen vor. Dieses Jahr ist der Titel „Symbols in the Landscape: Rock Art and its Context” (Symbole in der Landschaft: Felskunst und ihr Kontext).

Natürlich berichten die Kollegen wieder live per Twitter von der Tagung und der darauffolgenden Ausgrabung aus Südspanien. Diesen Sonntag, am 30. August, geht’s los! Also nicht verpassen!

Viele Grüße

Viviane Bolin

PS: Mehr Infos zur Grabungskampagne hier: http://www.neanderthal.de/bildung-forschung/forschungsprojekte/spanien/index.html

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Neue Ausgrabungen in der Höhle Los Casares und unter dem Abri Peña Cabra

Dr. Manuel Alcaraz-Castaño ist Wissenschaftler im Neanderthalmuseum und arbeitet zurzeit an dem Marie Curie Projekt “Testing population hiatuses in the Late Pleistocene of Central Iberia: a geoarchaeological approach” (siehe Blogbeitrag vom 27. Januar 2015). Zusammen mit seinem spanischen Kollegen Dr. Javier Alcolea (Alcalá Universität, Spanien) und weiteren Teammitgliedern hat er kürzlich Ausgrabungen in der nördlichen Guadalajara Provinz in Spanien durchgeführt. Das Projekt wird außerdem von Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger, dem Direktor des Neanderthal Museums, unterstützt und findet in wertvoller Zusammenarbeit mit Dr. Martin Kehl vom Geographischen Institut der Universität zu Köln statt.

Das Team hat dieses Jahr an zwei Orten die Fundschichten des Mittelpaläolithikums ausgegraben: in der Höhle Los Casares und im Abri Peña Cabra.

Die erste Ausgrabung fand in der zweiten Maihälfte in Los Casares statt. Dies war bereits die zweite Kampagne an diesem Ort. Die erste fand bereits letztes Jahr im September statt (siehe Blogbeitrag vom 06. Oktober 2014). In Los Casares befinden sich Besiedlungsschichten aus dem Mousterien und der Kupferzeit, die bereits in den 1960er Jahren von Ignacio Barandiarán, einem bekannten spanischen Archäologen, ausgegraben wurden. Während seiner Kampagne kam der Mittelhandknochen eines Neanderthalers zum Vorschein.

Das Ziel der diesjährigen Kampagne in Los Casares war die Erfassung bisher fehlender Daten, z.B. Informationen zu Chronologie, Paläoökologie und moderner Geomorfologie. Daher lag der Fokus der Nachforschungen auf der Entschlüsselung des Bildungsprozesses der Höhle und ihrer Sedimente, der Chronologie der mittelpaläolithischen Besiedlung und der Beziehung zwischen Umweltveränderungen und Verhalten der Neanderthaler. Dafür hat das Team während dieser Kampagne das Ausgrabungsareal von 2014 vergrößert. So war es in der Lage, genug archäologisches Material (wie z.B. Steinwerkzeuge und Tierknochen) zu bergen, um das technologische und wirtschaftliche Verhalten der Neanderthaler in Los Casares zu erforschen. Weiterhin wurden auch Höhlenablagerungen und Holzkohleproben geborgen, die in naher Zukunft von den Laboren der Universität zu Köln analysiert werden, um an die chronologischen und ökologischen Informationen zu kommen.

Die zweite Ausgrabung fand unter dem Abri Peña Cabra während der ersten Junihälfte dieses Jahres statt. Dies war die erste Kampagne vom Neanderthal Museum und der Alcalá Universität an dieser Fundstelle, die bereits 1996 von Dr. Alcolea und seinen Kollegen gefunden und ausgegraben wurde. Dieser Abri liegt direkt am Fluss Sorbe und beinhaltet eine Ansammlung von Fundschichten aus dem Mousterien. Die Schichten sind von riesigen Felsbrocken bedeckt, die von der Abridecke heruntergefallen sind. Genauso wie der nahe gelegene, jungpaläolithische Fundplatz Peña Capón ist auch Peña Cabra von den ständigen Wasserstandsveränderungen des Flusses betroffen, daher gestaltet sich der Zugang zu dieser Fundstelle schwierig. Das Team musste mit einem Boot anfahren und dann den restlichen Weg zum Fundplatz erklettern. Ein spannendes Abenteuer!

Die Forschungsziele dieser Kampagne waren ähnlich derer in Los Casares. Das Team sammelte Proben für Mikromorfologie, OSL Datierung und Radiokarbondatierung. Die Dichte der archäologischen Funde war sehr hoch an diesem Fundplatz und daher erwartet das Team mit Spannung die sicherlich interessanten Ergebnisse der Laboranalysen, die zurzeit durchgeführt werden.

Liebe Grüße

Manuel Alcaraz-Castaño

(Übersetzt aus dem Englischen von Viviane Bolin)

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Quarzitforschung – von Spanien bis ins Neandertal

Mit Steinwerkzeugen haben Menschen sich verteidigt, sie haben gejagt und andere Werkzeuge produziert; sie nutzten Steinwerkzeuge zum Zerkleinern, zum Schneiden, zum Graben und für Vieles mehr. Im Laufe der Evolution haben auch die Steinwerkzeuge verschiedene Entwicklungsstadien durchlaufen. Aber was für Steine haben die Menschen benutzt und warum? Sie hatten eine große Variation lithischer Ressourcen zur Auswahl, die sie auch nutzten, z.B. Feuerstein, Quarzit, Sandstein, Obsidian und Quarz. Von Anfang an haben Archäologen die Steinwerkzeuge nicht nur formal beschrieben, sondern auch immer die Charakteristiken des Steinmaterials berücksichtigt.

Diese petrologischen Studien von Steinwerkzeugen konzentrierten sich hauptsächlich auf zwei Sorten: Obsidian und Feuerstein. Obsidian ist ein Stein vulkanischen Ursprungs, der normalerweise nicht auf der Erdoberfläche gefunden wird und somit auch nicht so häufig in den archäologischen Fundplätzen vorkommt. Seine Beschreibung und Bestimmung erlaubte es den Archäologen, weitreichende Handelsbeziehungen während des Holozäns in Europa und Amerika nachzuweisen. Feuerstein ist ein Sedimentsgestein, das viel häufiger als Obsidian auf der Erdoberfläche und daher auch öfter in den steinzeitlichen Fundstellen vorkommt. Seine Beschreibung und Bestimmung erlaubte es den Archäologen, interessante Arbeitsprozesse des Materials und Verbreitungsmuster der Menschengrippen zu erforschen und somit die Komplexität der vorgeschichtlichen Gesellschaften besser zu verstehen. Quarzit ist ein metamorphes Gestein, das auch häufig auf der Erdoberfläche vorkommt und oft in den Fundstellen der kantabrischen Region repräsentiert ist. Seine Erforschung ist noch nicht so weit gediehen, wie die der beiden Rohmaterialien Obsidian und Feuerstein, aber es gibt erste Ergebnisse bezüglich der Durchführung der Arbeitsprozesse und der Verbreitungsmuster der altsteinzeitlichen Gesellschaften.

In meinem Dissertationsprojekt vertiefe ich das Wissen über Quarzit als Rohmaterial. Der Titel lautet: Quartzite as raw material in the Cantabrian Region from the Middle to the Upper Palaeolithic (Quarzit als Rohmaterial in der Kantabrischen Region vom Mittel- bis zum Jungpaläolithikum). Das Ziel ist es, die Verbreitungsmuster anhand der Erforschung des Materials und seiner wirtschaftlichen Nutzung innerhalb der altsteinzeitlichen Gesellschaften besser zu verstehen.

Vor der Erforschung von Verbreitungsmustern oder Materialnutzung muss das Quarzitmaterial charakterisiert werden und eine geeignete Methodik ausgearbeitet werden, um bestimmte Typen zu benennen. In meiner Dissertation erarbeitet ich diese Methodik, basierend auf der petrologischen Charakterisierung des Materials, z.B. mithilfe von Petrografie (Gesteinskunde) in Dünnschliffen, geochemischen Analysen und Stereoskopen. Die geografische Beschreibung von Quarzit, basierend auf der Charakterisierung der Quarzit Aufschlüsse, Ansammlungen und Abgerungen, ist ebenfalls wichtig, besonders für die Verbindung zwischen den unterschiedlichen Steinfunden zu einem späteren Zeitpunkt.

Nach zahlreichen Analysen von Quarzit aus dem Deva Tal (Kantabrien und Asturien, Spanien), können wir endlich einen Teil des Materials charakterisieren. Zusätzlich erlauben geologische Studien und geografische Analysen der Region ein besseres Verständnis der geografischen Materialverteilung im Tal. Das Quarzitmaterial, das von Neanderthalern zu Fundstellen El Arteu und El Habario getragen wurde, ist schon teilweise analysiert und zeigt eine interessante petro-genetische Charakterisierung. Einige unterschiedliche metamorphe Strukturen tauchen hier auf, aber auch diagenetische Muster. Außerdem sind Unterschiede in beiden archäologischen Fundstellen erkennbar, obwohl beide Neanderthaler-Fundstellen sind und nah beieinander liegen.

Der kurze internationale Aufenthalt am Ur- und Frühgeschichtlichen Institut der Universität zu Köln und im Neanderthal Museum hat mir geholfen, die meisten meiner wissenschaftlichen Probleme zu lösen. Beide Institutionen haben mich unterstützt – ich habe Kontakte zu anderen Forschern aufnehmen können, die sich auch mit Verbreitungmustern während der Altsteinzeit beschäftigen, und konnte somit neue Ideen für mein Projekt sammeln. Außerdem war das Labor des Geografischen Instituts sehr hilfreich bei der Analyse, da es ein petrografisches Mikroskop besitzt. Zusätzlich konnte ich ein spezielles Mikroskop nutzen, um hochauflösende und große Fotos der petrografischen Dünnschliffe zu erstellen. Diese Fotos bieten mir weitreichende Möglichkeiten für die Analyse der Quarzit-Charakteristiken und sind eine wichtige Basis für meine Studie. Das Institut, das Museum und das europäische Projekt der Kölner Universität SFB-806 haben mir die Möglichkeit gegeben, an Konferenzen und Seminaren teilzunehmen und ich konnte einen Vortrag im Neandertalk halten, einer Vortragsreihe im Neanderthal Museum. Der Aufenthalt in Deutschland hat mich ohne Zweifel sehr bereichert, besonders auf wissenschaftlicher Ebene, mein Projekt vorangebracht und meine Fähigkeiten als Forscher weiterentwickelt.

Schlussendlich möchte ich Herrn Prof. Dr. Weniger und anderen Mitarbeitern des Museums und der Universität – María de Andrés, Viviane Bolin, Martin Kehl, Isabelle Schmidt und Manuel Alcaraz – für die herzliche Aufnahme danken.

Grüße

Alejandro Prieto

Doktorand in Geografie, Vorgeschichte und Archäologie an der Universität des Baskenlandes (Spanien). Die Forschungen wurden vom Stipendium der Regierung des Baskenlandes unterstützt.

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Aufarbeitung der Steinwerkzeuge aus Los Casares im Archäologischen Nationalmuseum in Spanien

Dr. Manuel Alcaraz-Castaño, zurzeit Wissenschaftler am Neanderthal Museum und am Projekt „Testing population hiatuses in the Late Pleistocene of Central Iberia: a geoarchaeological approach” (Blogeintrag 27. Januar 2015), besuchte vor kurzem das Archäologische Nationalmuseum in Spanien (Museo Arqueológico Nacional de España), um einige Steinwerkzeuge aus dem Paläolithikum zu bearbeiten.

Das Archäologische Nationalmuseum wurde 1867 erbaut, durch einen königlichen Erlass von Isabel II, und ist seit 1895 begannen die spanischen Monarchen, archäologische, numismatische, ethnografische und Kunst Sammlungen in dem neoklassizistischen Gebäude, das zwischen 1866 und 1892 von dem Architekten Francisco Jareño entworfen und erbaut wurde, auszustellen. 1968 wurde das Gebäude renoviert und erweitert und zwischen Januar 2008 und April 2014 komplett renoviert. Zurzeit zeigt es vorgeschichtliche, ägyptische, keltische, iberische, griechische, römische und mittelalterliche (westgotisch, muslimisch, christlich) Objekte der Iberischen Halbinsel.

Die Steinartefakte, die Dr. Alcaraz-Castaño bearbeitete, kommen von der Höhle Los Casares (Guadalajara, Spanien), einem Mittelpaläolithischen Fundplatz (Blogeintrag von 06. Oktober 2014), der zurzeit von einigen Wissenschaftlern des Neanderthal Museums und anderen spanischen und deutschen Archäologen analysiert wird. Die hier studierte Artefaktsammlung hat Dr. Ignacio Barandiarán nach seinen Grabungen in den 1960er Jahren im Archäologischen Nationalmuseum gelagert. Verantwortlich für diese Steinartefakte und andere prähistorischen Sammlungen ist Dr. Carmen Cacho und ihr Team.

Dr. Alcaraz-Castaño analysierte, fotografierte und analysierte die Steinartefakte von Los Casares und zusammen mit den kürzlich in der Höhle auf Grabungen erworbenen Ergebnissen wird er diese Analyse nutzen, um die Beziehung zwischen Neanderthalern und ihrer Umwelt in Los Casares und Umgebung erforschen.

Viele Grüße

Dr. Alcaraz-Castaño

(Übersetzt von Viviane Bolin)

 

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Ab in die Höhle!

Das Team von Projekt C1, Sonderforschungsbereich 806 der Universität zu Köln, reiste im Januar 2015 in die Provinz Málaga, Südspanien. Dort trafen wir das spanische Team zum Planungstreffen für kommende Ausgrabungskampagnen.

Das kleine Dorf Ardales hat neben seinen kleinen weißen Häuschen und Mandarinen- und Olivenplantagen auch noch eine sensationelle Höhle zu bieten, die die Menschen schon seit der Steinzeit faszinierte. Die ‚Cueva de Ardales‘ birgt für die Archäologen wertvolle Hinterlassenschaften, wie z.B. Höhlenkunst aus dem Paläolithikum und Bestattungen aus dem Neolithikum. Die untere Gallerie ‚Galeria Baja‘ können Touristen besichtigen, aber die obere Gallerie ‚Galeria Alta‘ ist noch nicht erforscht. Das spanische Archäologenteam hat sich die Zeit genommen, mit uns deutschen Wissenschaftlern die Gallerie zu erkunden. Um mögliche prähistorische Spuren nicht zu zerstören, haben wir Schutzanzüge getragen und haben uns sehr vorsichtig auf einem vorgefertigten Pfad bewegt. Um die obere Gallerie zu erreichen, mussten wir mithilfe von Kletterausrüstung 17m steile Wand hinaufklettern. Die Höhle ist sehr warm und feucht, ein starker Kontrast zu der klaren kühlen Luft in der Region. Die Brillen und Kameras beschlagen sofort, wenn man die Höhle durch die Stahltür betritt. Allerdings ist es eine sehr große und weite Höhle, mit hohen Decken und wundervoll unirdischen Formen, dass man sich auf einem anderen Planeten denkt. Nur an einigen Stellen wurde es eng und wir mussten uns auf allen Vieren bewegen oder sogar auf dem Bauch weiterkriechen. Alles in allem eine spannende Erfahrung.

Nur einige Kilometer entfernt von dieser Höhle befindet sich in den Felswänden einer Schlucht ein weiterer steinzeitlicher Fundplatz, Sima de Las Palomas und Cueva de Las Palomas. Dieser besondere Ort besteht aus einer Höhle (Cueva) und aus einem Loch (Sima), die möglicherweise in der Steinzeit miteinander verbunden waren, aber heute durch Gerölleinstürze voneinander getrennt sind. Diesen Fundplatz haben wir nur von außen besichtigt. Von dort hat man einen wunderbaren Blick auf die Landschaft.

An beiden Orten sollen dieses Jahr Ausgrabungen stattfinden. Das Ziel ist es, den Übergang zwischen den Schichten, die Hinweise auf Neanderthaler beinhalten, und den Schichten mit Hinterlassenschaften von modernen Menschen zu dokumentieren. So hoffen die Archäologen, können sie besser verstehen, wie lange die Neanderthaler dort lebten, wann genau der moderne Mensch auf der Iberischen Insel ankam und ob sich beide getroffen haben.

Am letzten Abend vor der Abreise haben Prof. Weniger und der spanische Archäologe José Ramos der Kommune das Werk vorgestellt, in dem letztes Jahr alle Informationen und Ergebnisse der bisherigen Ausgrabungen in Sima de Las Palomas veröffentlicht wurden.

Bleibt dabei! Im Juni geht es weiter mit der Berichterstattung zu diesem Projekt. Auf Twitter könnt ihr dem Projekt live folgen (Links: https://twitter.com/ExpeditionNM und http://www.neanderthal.de/expedition/)

Viele Grüße & Hasta la proxima!

Viviane Bolin

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Forschungsstipendiant aus Spanien

Ich bin Archäologe aus Madrid und mit Spezialisierung auf die paläolithische Forschung. Für die  nächsten zwei Jahre werde ich hier im Neanderthal Museum arbeiten. Meinen Bachelor und meinen Doktortitel habe ich an der Universität Alcalá de Henares (Madrid) absolviert. Mein Forschungsschwerpunkt liegt im Mittel- und Jungpaläolithikum in Zentralspanien, mit Fokus auf die lithische Technologie, Populationsdynamik und Felskunst. Außerdem befasse ich mich mit dem Bereich Geschichte und Philosophie der Wissenschaft und in meiner Doktorarbeit habe ich einen systemischen, histographischen Ansatz für die paläolithische Forschung entwickelt und interne (erkennungstheoretische und empirische) und externe (ideologische und sozio-politische) Analysen integriert. Ich besitze mehrjährige Erfahrungen im Ausgraben paläolithischer Fundplätze auf der Iberischen Halbinsel. Als Student habe ich bereits in Tito Bustillo (Asturien), Lezetxiki (Guipúzcoa), Cuesta de la Bajada (Teruel) und Gorham’s Cave (Gibraltar) gegraben. Kürzlich war ich Co-Direktor mehrerer Ausgrabungskampagnen auf dem Solutréen-Freilandfundplatz Las Delicias (Madrid).

Mein Aufenthalt im Neanderthal Museum ist mit dem Marie Curie Stipendium von der Europäischen Kommission möglich geworden. Ich habe mich mit Hilfe von Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger für dieses außergewöhnliche Stipendium für Doktorabsolventen beworben und nach langer und intensiver Vorbereitung des Antrages habe ich es glücklicherweise erhalten. Unser Projekt „Testing population hiatuses in the Late Pleistocene of Central Iberia: a geoarchaeological approach“ basiert auf geoarchäologischen Studien von Daten aus drei ausgesuchten zentralspanischen Fundstellen (im Norden der Guadalajara Provinz): die Höhle Los Casares und das Abri Peña Cabra waren im Mittelpaläolithikum besiedelt, das Abri Peña Capón hingegen im Jungpaläolithikum. Zusammen bilden diese Fundstellen eine ausgezeichnete Stichprobe, um die Interaktionen zwischen Mensch und Umwelt zu untersuchen und die zurzeit akzeptierten Modelle bezüglich der Populationsdynamik in diesem bisher schlecht erforschten Gebiet der Iberischen Halbinsel zu testen.

Unser methodischer Ansatz umfasst verschiedene Methoden der paläolithischen Archäologie und der Geowissenschaften, z.B. Mikromorphologie, Sedimentologie, Uranium/Thorium-Datierung, Radiokarbon-Datierung, OSL-Datierung, Pollenanalyse, Anthracology, lithische Technologie, Taphonomie und Zooarchäologie. In diesem interdisziplinären Projekt arbeiten nicht nur Forscher des Neanderthal Museums, sondern auch von anderen deutschen und spanischen Insitutionen, u.a. die Universität zu Köln und die Universität Alcalá de Henares. Außerdem ist unser Projekt in das interdisziplinäre Projekt des Sonderforschungsbereich (SFB-806) „Our Way to Europe“, Abteilung C1 „The Western Mediterranean – Bridge or Barrier?“, der Universität Köln eingegliedert.

Eine erste Kampagne hat bereits letztes Jahr in Los Casares stattgefunden und die Ergebnisse werden bald zur Verfügung stehen. Im Laufe des Jahres 2015 werden wir weitere Kampagnen in Peña Cabra and Peña Capón angehen.

Meine Arbeit in Deutschland, besonders in dieser außergewöhnlichen Forschungsabteilung des Neanderthal Museums, das zurzeit in einigen interdisziplinären Projekten mitwirkt, ist bisher eine außergewöhnliche Erfahrung für mich persönlich und für meine wissenschaftliche Laufbahn. Sitten, Zeitpläne und Regeln sind anders in Deutschland als in Spanien, aber die Kollegen sind sehr nett und hilfsbereit und unsere Arbeit ist bisher sehr produktiv, sodass ich mich einfach anpassen konnte. Ich habe mich von Anfang an wie zu Hause gefühlt. Vielen Dank dafür.

Grüße

Manuel Alcaraz-Castaño

 

(aus dem Englischen übersetzt von Viviane Bolin)

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – ¡Bem-vindo ao Parque Nacional Serra da Capivara!

Im Rahmen einer von der DFG geförderten Anbahnungsreise zum „Aufbau internationaler Kooperationen“ besuchten wir vom 17. bis 26. Oktober 2014 den Nationalpark „Serra da Capivara“ in Piauí, Brasilien. Wir, das sind der Archäologe Dr. Jörg Linstädter, der Zoologe Dr. Rainer Hutterer (Museum König, Bonn) und ich.
Nach einem Langstreckenflug von Frankfurt nach Fortaleza ging es noch am selben Tag mit einem Inlandsflug weiter nach Juazeiro do Norte, wo wir von Uwe Weibrecht, dem Vorstandsmitglied von ProBrasil, abgeholt wurden. Am folgenden Tag ging die Reise über Landstraßen weiter in das Landesinnere des Bundesstat Piauí im Nordosten Brasiliens. Ziel war der UNESCO-Weltkulturerbe Nationalpark „Serra da Capivara“. In dessen Nähe befand sich unsere Unterkunft, die „Albergue da Serra de Capivara“. Diese bot einen herrlichen Blick auf den Park und leckeres Essen.

Unsere Reise diente dem Kennenlernen von potentiellen Kooperationspartnern und sollte für den Aufbau eines neuen Projektes über die frühe Nahrungsmittelproduktion in diesem Teil Südamerikas genutzt werden. Bereits am Morgen nach unserer Ankunft erkundeten wir den Nationalpark. Die Serra de Capivara ist in der Fachwelt berühmt für ihre Felsbilder, die in das frühe Holozän datiert werden. Einige Fundstellen, darunter Boqueirão da Pedra Furada, geben möglicherweise sogar Hinweise auf die frühe Besiedlung Amerikas im Pleistozän, auch wenn ihr genauer Beitrag kontrovers diskutiert wird. Im Rahmen unserer Reise interessierten uns diese Fundstellen unter dem Aspekt der Neolithisierung, also desjenigen Prozesses, der den Menschen von Jäger- und Sammler hin zur Sesshaftigkeit und strukturierten Gesellschaften geführt hat. Vor allem wollten wir nach Hinweisen auf frühe Kulturpflanzen in Form von Samen, Früchten oder Blätter Ausschau halten.

Der Park ist riesig. Mit Uwe Weibrecht als Führer an unserer Seite erkletterten wir hohe Felswände und wanderten bei hohen Temperaturen kilometerweit durch den Busch. Betlohnt wurden wir schließlich mit den beeindruckenden Felsmalereien, welche die Serra de Capivara bis weit über die Grenzen Brasiliens berühmt gemacht haben. Sie handeln vom Alltag oder den Träumen der damaligen Menschen und zeigen Jagdszenen, Männer und Frauen, Tiere, aber auch geometrische Muster. Heute sind die Felsbilder und die Wege dorthin für Touristen gut erschlossen.
Auf unseren Touren wurden wir von der Archäologin Gisele Felice begleitet. Sie ist Professorin am Archäologischen Institut in Piauí. Durch die Biologin und Spinnenexpertin Rute Maria Gonçalves-de-Andrade lernten wir viel über die einheimische Tierwelt und sahen Affen, Jaguare, giftige Spinnen und vor allem die zahlreichen Mocós, kleine Nagetiere, die in den Felsnischen leben. Wir lernten auch die bekannte Archäologin und heutige Leiterin des Nationalparks Níede Guidon kennen.

Die Tage im Nationalpark waren beeindruckend. Neben den vielen archäologischen Sehenswürdigkeiten und der großen Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten des Parks gab man uns auch die Gelegenheit, die unglaubliche Menge an Funden zu studieren, welche unsere brasilianischen Kollegen in den vergangenen Jahren dokumentiert haben: Faunenreste, darunter pleistozäne Großsäuger, Steinartefakte, Keramik und tatsächlich auch Samen und Blätter.

Den größten Eindruck aber machten auf mich die vielen freundlichen Menschen und das hervorragend organisierte Team von Wissenschaftlern, die wir in den Tagen in der Serra de Capivara kennen und schätzen lernten. Wir hoffen auf ein baldiges Wiedersehen mit den brasilianischen Kollegen. Die Woche verging wie im Flug und wir sind gespannt wie die Reise weitergeht!

Viele Grüße
Sarah Stinnesbeck
Studentische Hilfskraft im SFB 806