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Bärenkult und Schamanenzauber in Frankfurt

Im Dezember 2015 eröffnete eine Schamanenausstellung im Archäologischen Museum Frankfurt. Die selbstkonzipierten Ausstellungen des Neanderthal Museums wandern gerne mal in andere Museen und Städte. Herr Dr. Wamers, Direktor des Frankfurter Museums, übernahm einen Teil unserer Ausstellung, die wir zusammen mit den Reiss-Engelhorn Museen in Mannheim kreiert haben, und gab ihr einen neuen Fokus. Hier geht es nicht mehr um den Lebenslauf eines sibirischen Schamanen (s. Blogbeitrag zu Schamanen – Jäger und Heiler Sibiriens), sondern um die schamanischen Kultzeremonien, bei denen Bären, Hirsche und Elche im Schwerpunkt stehen. Die Hauptdarsteller sind nun verschiedene Völker Skandinaviens und Russlands, die seit jeher Rituale wie Bärenbestattungen und rituelle Tötungen vornehmen.

Nach einem kleinen Rückblick in die Altsteinzeit – Bären und Hirsche in der Höhlenkunst, Bärenkult bei den Neanderthalern? – werden die Rituale der Mittelsteinzeit beleuchtet. Einerseits wurden Menschen, vielleicht Schamanen?, mit Hirschgeweihen und Hirsch- oder Elchfiguren aus Speckstein oder anderen Materialien bestattet; andererseits haben die Menschen dieser Zeit Bärenknochen genauso sorgsam wie Menschenknochen „bestattet“. Weiterhin beschäftigt sich die Ausstellung mit dem Bärenkult der Lappen in anschaulichen Bildern, Filmen und Texten. Die Schamanen Sibiriens werden mit einer prächtigen Schamanentracht und vielen Amuletten und einer Trommel gezeigt. Es gibt sogar eine Ecke mit Bärenfell, Knochen und Geweihen zum Anfassen.

Die Eröffnung fand in sehr feierlicher Atmosphäre in der Kirche des ehemaligen Karmeliterklosters statt. Neben verschiedenen Reden von Direktor Wamers, dem Vertreter des schwedischen Botschafters, einer norwegischen Professorin und einem Vertreter der Stadt Frankfurt trat auch ein samischer Künstler auf, der den Kehlkopfgesang Joik beherrscht und das Publikum mit verschiedenen Joik-Versionen vom Bären, Hirsch und dem Wind in Trance versetzte.

Die Sonderausstellung und ein umfangreiches museumspädagogisches Programm ist bis Ende März im Archäologischen Museum in Frankfurt zu besichtigen.

Grüße

Viviane Bolin