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SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Kommende Ausgrabungskampagne in Südspanien

Wie bereits im Blogbeitrag vom 4. März 2015 berichtet, planen die Archäologen des Neanderthal Museums und der Universität zu Köln gemeinsam mit den spanischen Kollegen aus Südspanien eine Ausgrabungskampagne in Ardales und Teba (Malaga).

Nun ist es endlich soweit – am 02. September geht die Reise los! Mitsamt Gerät und Gepäck fährt ein Teil des deutschen Teams mit dem Minibus von Mettmann nach Ardales, über 2000 km! Das internationale Team wird bis zum 02. Oktober dort die Fundplätze Sima de Las Palomas de Teba und Cueva de Ardales erforschen. Bei über 30°C, Sonnenschein und strahlend blauem Himmel.

Das Ziel ist es, die Besiedlungsgeschichte der beiden Orte zu untersuchen. Denn wir wissen, dass Neanderthaler und moderne Menschen diese Gegend bewohnt haben – aber haben sie auch zur selben Zeit dort gelebt? Sind sie sich vielleicht sogar begegnet? Das sind einige der Fragen, mit denen sich die Forscher auf dieser Ausgrabung beschäftigen. Wichtig ist es, so tief wie möglich zu graben, die Schichtenabfolgen mit menschlichen Hinterlassenschaften genaustens zu dokumentieren und, wenn möglich, datierbares Material zu finden und zu analysieren, damit die Schichten auch besser chronologisch eingeordnet werden können.

Kurz vor Beginn der Ausgrabung fliegen zwei Kollegen aus dem Neanderthal Museum zur IFRAO-Tagung in Cáceres (Spanien). Auf dieser internationalen Konferenz zum Thema Felskunst treffen sich alle paar Jahre Experten aus der ganzen Welt und stellen die neuesten Forschungsergebnisse zur steinzeitlichen Kunst aus ihren Regionen vor. Dieses Jahr ist der Titel „Symbols in the Landscape: Rock Art and its Context” (Symbole in der Landschaft: Felskunst und ihr Kontext).

Natürlich berichten die Kollegen wieder live per Twitter von der Tagung und der darauffolgenden Ausgrabung aus Südspanien. Diesen Sonntag, am 30. August, geht’s los! Also nicht verpassen!

Viele Grüße

Viviane Bolin

PS: Mehr Infos zur Grabungskampagne hier: http://www.neanderthal.de/bildung-forschung/forschungsprojekte/spanien/index.html

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Eiszeitliche Felsbilder im Hunsrück?

Die Eindrücke vom Besuch in Gondershausen (Rheinland-Pfalz) beim ‚Felsen‘, wie er liebevoll bei den Ortsansässigen genannt wird, sind noch frisch. Wolfgang Welker, Vorsitzender des Vereins ARRATA e.V., hat gestern Tilman Lenssen-Erz und mir die Felszeichnungen gezeigt, die seit Juli dieses Jahres durch die Presse gehen: drei Pferde, gut zu erkennen, tief in den Schiefer geritzt.

Tilman Lenssen-Erz und Wolfgang Welker vor den Pferderitzungen.

Tilman Lenssen-Erz und Wolfgang Welker vor den Pferderitzungen.

Der 'Felsen' von der Seite aus gesehen.

Der ‚Felsen‘ von der Seite aus gesehen.

Von besonderem Interesse ist neben den Pferden vor allem das Ambiente. Wie aus dem Nichts ist sie da, die Felswand aus Schiefer mit den Pferderitzungen. Ohne die richtige Beleuchtung sind die Tiere leicht zu übersehen.

Der 'Felsen' mitten im Wald.

Der ‚Felsen‘ mitten im Wald.

Dies ist aber nicht das eigentliche Problem des ‚Felsens‘. Es wird eine wissenschaftliche Herausforderung, die Felszeichnungen sachgerecht archäologisch zu bewerten. Die Verlockung ist groß, sich an eiszeitlichen Vergleichen aus Südwesteuropa zu orientieren. Doch dies allein wäre vorschnell und der Sache nicht angemessen. Von entscheidender Bedeutung ist die Erforschung der Geschichte des Schiefersteinbruchs, inmitten dessen sich der Felsen befindet. Ohne diese Arbeiten wird es schwierig werden, über die Deskription der Bilder hinaus, etwas Verlässliches über diesen Fund aussagen zu können. Alle bislang in der Presse veröffentlichen Vermutungen über das Alter und die Funktion des ‚Felsens‘ sind reine Spekulation und austauschbar.

Ungeachtet der wissenschaftlichen Verortung der Pferderitzungen ist es unerlässlich, den ‚Felsen‘ vor Vandalismus zu schützen. Hier sind die zuständigen Behörden gefragt, eine adäquate Lösung zu finden.

Mit besten Grüßen, Andreas Pastoors