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SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Eiszeitliche Höhlenbilder auf Sizilien

Eiszeitliche Höhlenbilder werden gewöhnlich mit Spanien oder Frankreich in Verbindung gebracht: man denkt sofort an Lascaux, Altamira oder Chauvet. Dass es aber auch in anderen Teilen Europas bildliche Hinterlassenschaften der eiszeitlichen Jäger und Sammler gibt, ist vielen unbekannt. Zusammen mit Kollegen der Universität Greifswald war ich für eine knappe Woche auf Sizilien, um dort das archäologische Potential einiger bekannter Bilderhöhlen zu untersuchen. Dies erschien vielversprechend, denn seit etlichen Jahren steht die Forschung zu diesem Thema dort still. Aber gerade die Entwicklung neuer Beleuchtungsmöglichkeiten hat sehr gute Möglichkeiten für die Entdeckung bislang unbekannter Bilder eröffnet. Die möglichst vollständige Erfassung der Bilder einer Höhle ist wiederum Voraussetzung zu ihrem Verständnis. Unser Ausgangspunkt war die Grotta del Genovese auf einer kleinen Insel vor der Westspitze Siziliens. Ausgerüstet mit moderner LED-Lichttechnologie und unserem 3-D Streifenlichtscanner haben wir in drei Tagen vor Ort intensiv gearbeitet. Die ersten Ergebnisse rechtfertigen den Aufwand, denn einige Neuentdeckungen konnten gemacht und präzise durch den 3-D Scanner dokumentiert werden.

Auf diesen Vorarbeiten aufbauend soll ein junger sizilianischer Kollege seine Doktorarbeit schreiben.

 

Mit besten Grüßen, Andreas Pastoors

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Ausgrabungen in der Höhle des Löwen „Ifri N’Etsedda“

Die diesjährige Grabungskampagne des SFB 806 (Projekt C2) im östlichen Rif in Marokko fand in der 2008 entdeckten Höhle Ifri N’Etsedda vom 1. März  bis zum 16. April 2012 statt. Die in der Kebdana liegende Höhle konnte nur über einen teils steilen und stark mit dornenbewehrten Pflanzen bewachsenen „Weg“ erreicht werden, sodass der spätere Abtransport des vollständig geschlämmten Sediments nur mit Hilfe eines Maultiers zu bewältigen war. Begleitet wurde die Kampagne von schönem sommerlichem Wetter mit bis zu 35°C, aber auch von anderthalb Wochen schlechtem kalten Wetter mit teilweise kräftigen Regenschauern.

Insgesamt wurde eine 2 x 2 Meter große Sondage angelegt. Dabei wurden Schichten von der Neuzeit bis ins Frühneolithikum angeschnitten. Die stark mit Schnecken versetzten Schichten des Neolithikums erschwerten das spätere Sortieren erheblich und lösten bei der Ausfuhr von fünf 100 Liter Säcken, gefüllt mit Schnecken zur Untersuchung im Museum König, bei verschiedenen Behörden starke Verwunderung aus.

Besonders erfreulich waren die sehr engagierten und durchweg freundlichen Bewohner der umliegenden Gehöfte, welche die Grabung an einem Sonntag mit großem Interesse besuchten. Da die diesjährige Kampagne in der Ifri N’Etsedda ein voller Erfolg war, harrt sie nun weiterer Ausgrabungen in den kommenden Jahren, bei denen hoffentlich in noch ältere Zeiten vorgestoßen werden kann.

Manuel Broich

Studentischer Mitarbeiter

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Bohrungen des SFB 806 in den Lagunen von Campillos

Alle Teams sind jetzt aus Andalusien zurück oder zumindest auf dem Weg nach Deutschland – bis auf eins. Unser Bohrteam vom Institut für Neotektonik & Georisiken der RWTH Aachen wird noch bis Montag nördlich von Ardales hart arbeiten. Denn der SFB ist nicht nur in den archäologischen Fundstellen aktiv sondern auch in „Off-Site-Archiven“. Das sind Klimaarchive aus dem Einzugsgebiet der Fundstellen. In Guadalteba haben wir den enormen Standortvorteil, dass nur wenige Kilometer von Las Palomas und Cueva Ardales entfernt Lagunen liegen. Diese alten Seen, hatten in der späten Eiszeit oder am Beginn des Holozäns eine große Ausdehnung und waren noch mehrere Meter tief. Heute dagegen fallen sie zeitweise trocken. In den Seebecken haben sich teilweise mehrere 10.000 Jahre alte Sedimente erhalten, die aufgrund von Pollendaten und ihrer geochemischen Zusammensetzung detailliert über die Klimageschichte der Region Aufschluss geben.

In der vergangenen Woche wurde in den Lagunen Dulce, Salada, Fuente Piedra, Gosque und Ratosa mit Erlaubnis des staatlichen Umweltamtes der Provinzen Malaga und Sevilla gebohrt. Da Wasservögel auf den Lagunen teilweise schon mit dem Brutgeschäft beginnen, ist große Vorsicht geboten. Die meisten Bohrungen wurden im Randbereich der Lagunen durchgeführt; andere von einem Ponton aus mitten im See. Wegen des starken Windes in der letzten Woche, konnten die Lagunen aber meistens nicht befahren werden. Trotz der widrigen Wetterbedingungen ist es dem Team gelungen, an manchen Stellen bis zu einer Tiefe von 9 m zu bohren. Insgesamt sind in den Lagunen Bohrkerne mit einer Länge von weit über 100 m gezogen worden. Das ist zum großen Teil eine sehr nasse und sehr harte Knochenarbeit.

Wir sind alle gespannt, mit welchen neuen Klimadaten das Team aus Aachen zurückkommen wird.

Mit besten Grüßen

Gerd-Christian Weniger

Lagunen_campillos

SCHULTERBLICK FORSCHUNG: Von der Ausgrabung in die Öffentlichkeit

Forschung muss nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden: Dies beweist das Archäologenteam der Rio Secco-Höhle unter der Leitung von Marco Peresani (Universität Ferrara). Anlass für die Aktivitäten ist die neue Grabungskampagne in der Rio Secco Höhle am Südrand der italienischen Alpen (Pradis, Gemeinde Clauzetto). Hier fanden sich Spuren der Neanderthaler und prähistorischer moderner Menschen. Das Neanderthal Museum in Mettmann ist als Kooperationspartner an den Ausgrabungen beteiligt.

Der Einsatz der hier arbeitenden Archäologen ist extrem vielseitig. Wer in der zwar idyllischen, jedoch abseits gelegenen Bergregion die Aufmerksamkeit der Bewohner und Touristen auf die Urgeschichte lenken möchte, muss kreativ werden. So wird während der laufenden Ausgrabungen interessierten Laien die Möglichkeit geboten, die Fundstelle zu besuchen und an Führungen teilzunehmen. Für Grundschulklassen organisieren die Archäologiestudenten der Grabung zusätzlich auch einen Mitmach-Workshop direkt bei der Höhle. Die Arbeit der Archäologen wird anhand der laufenden Grabung erklärt. Dann wird nach „prähistorischen Funden“ gesucht: Knochen, Werkzeuge aus Stein, Schnecken oder Muscheln. Die Funde werden fachgerecht in kleinen Tüten verpackt und dürfen – zusammen mit einem „Archäologen-Diplom“ – mit nach Hause genommen werden.

Anfang Oktober strömten mehrere hundert Kinder mit ihren Eltern zu den „giornate della preistoria“, den „Urgeschichtstagen“ nach Pradis di Sotto, einem kleinen Bergdorf in der Nähe der Rio Secco Höhle. Hier vermischen sich Aktionen, Öffentlichkeitsarbeit und aktuelle Forschungsfragen.

Das Programm der Urgeschichtstage wurde anhand neuester Forschungsergebnisse von Marco Peresani und zwei seiner Doktoranden, Rossella Duches und Matteo Romandini, gestaltet. So lag dieses Jahr ein Schwerpunkt auf der Verwendung von Ockerpulver durch Neanderthaler. Erst vor kurzem wurde nachgewiesen, dass Neanderthaler Ockerpulver herstellten und sogar in Muscheln aufbewahrten. Es gibt bislang allerdings keinen direkten Nachweis für seine Verwendung – ganz im Gegensatz zu den zahlreichen Höhlenmalereien des frühen modernen Menschen.

Neben dem Angebot, selber Speere zu basteln und das Holz mit Ocker zu bemalen, gab es einen „Jagdausflug“ in den Wald. Die erfolgreichen Jäger wurden anschließend durch Ockerbemalung in neanderthalerzeitliche Jäger verwandelt.

Ein weiteres Thema entsprang dem brandneuen Forschungsergebnis des italienischen Teams. Demnach hatte bereits der Neanderthaler ein Interesse an den langen Schwungfedern großer Greifvögel. Dies ließ sich anhand von Schnittspuren auf den Flügelknochen nachweisen. Aber wofür wurden sie verwendet? Der Workshop ging auf verschiedene Möglichkeiten ein. Eine davon war die Bemalung der Federn mit Ocker.

Diese und auch andere Verwendungsmöglichkeiten von Ocker durch Neanderthaler werden jedoch in Zukunft archäologisch schwierig nachzuweisen sein. Nichts desto trotz hatten die anwesenden Kinder und Erwachsenen der Gattung Homo sapiens sapiens viel Freude bei den angebotenen Aktivitäten. Und auch die aktuellen Forschungsfragen werden vielen in Erinnerung bleiben.

Mit vielen Grüßen zurück aus den italienischen Alpen,

Isabell Schmidt 
Doktorandin

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Neue Erkenntnisse bei Ausgrabung in der Rio Secco Höhle in Italien

Bereits zum vierten Mal findet in der Rio Secco Höhle eine archäologische Ausgrabung statt, die in enger Zusammenarbeit der Universität Ferrara und dem Neanderthal Museum durchgeführt wird. Die Archäologen fanden hier, am Südrand der Alpen, Spuren von Neanderthalern und den ersten modernen Menschen.

Bislang hatten die Untersuchungen unter dem großen Felsüberhang vor der Höhle stattgefunden. Hier hatte der Grabungsleiter Marco Peresani (Ferrara) vor einiger Zeit die ersten Spuren der prähistorischen Besiedlung entdeckt. In den vergangenen Grabungskampagnen zeigte sich allerdings, dass herabgefallene Felsbrocken des Überhangs sowie Murmeltiere die Hinterlassenschaften stark gestört hatten.

Die neue Grabung wurde von vielen mit Spannung erwartet. Nachdem in diesem Frühjahr auch noch die Schäden einer Raubgrabung im Höhleneingang beseitigt werden mussten, drang die Ausgrabung endlich bis in die Höhle vor.

Dementsprechend groß war die Freude unter den beteiligten Archäologen sowie den Vertretern der Gemeinde Clauzetto, als sich vor wenigen Tagen im Eingang der Höhle ungestörte Schichten aus der Zeit der Neanderthaler zeigten. Weder die Murmeltiere der letzten Eiszeit noch die Raubgrabungen der jüngsten Vergangenheit haben ihnen etwas anhaben können. Durch die Identifizierung der Schichten lassen sich die Hinterlassenschaften – es wurden Werkzeuge aus Stein sowie Tierknochen mit Bearbeitungsspuren gefunden – in eine klare zeitliche Abfolge stellen.

Die Grabungskampagne wird in diesem Jahr noch eine Woche dauern. Aber es besteht kein Zweifel mehr, dass sich weitere Forschungen lohnen. Nicht zuletzt durch die großartige Öffentlichkeitsarbeit der italienischen Archäologen (von der an dieser Stelle noch berichtet wird) wurde ein breites Interesse an der Urgeschichte der Region geschaffen. Zusammen mit den Bewohnern der umliegenden Bergdörfer hofft nun das Grabungsteam der Universität Ferrara sowie das Neanderthal Museum, dass die Grabung auch in Zukunft stattfinden kann.

Mit besten Grüßen aus Italien,

Isabell Schmidt

Schulterblick Forschung – Ausgrabungen in Andalusien

Nach den Frühjahrskampagnen in Portugal und Marokko konnte das Neanderthal Museum im Rahmen des SFB 806 nun seine Forschungen in Andalusien aufnehmen. Nach langer Vorbereitungszeit hat die Junta de Andalucía Anfang September grünes Licht gegeben für Sondagen in den Fundstellen Cueva Ardales und Cueva de Las Palomas de Teba. Die Arbeiten werden im Rahmen einer Projektgemeinschaft des Consorcio Guadalteba, der Grupo de Acción Local Guadalteba, der Universität Cádiz und der Stiftung Neanderthal Museum durchgeführt. Unser Standort ist das Dörfchen Ardales, 50 km nördlich von Málaga gelegen. Die Region zeichnet sich durch einen ungewöhnlichen Reichtum prähistorischer und historischer Kulturdenkmäler aus. Während die Cueva de Las Palomas ein etwa sechs Meter mächtiges Sedimentpaket mit einer enormen Funddichte mittelpaläolithischer Siedlungsschichten aufweist, ist die Cueva Ardales vor allem aufgrund ihrer eiszeitlichen Höhlenmalereien bekannt. In den beiden Fundstellen, die einmalig für das Paläolithikum im Süden der Iberischen Halbinsel sind, konnten erstmals archäologische Sondagen durchgeführt werden. Durch den Einsatz von Georadar und durch geologische Bohrungen haben wir uns den Fundstellen zunächst sehr vorsichtig genähert. Beide weisen eine komplexe Topographie auf, die wir näher kennen lernen wollten, bevor großflächige Ausgrabungen begonnen werden. Die geowissenschaftlichen Kollegen der Universitäten Köln und Aachen haben in den vergangenen zwei Wochen ganz exzellente Arbeit geleistet. Mit mehreren Koffern voll Proben reisen wir nach Deutschland zurück, um in den kommenden Monaten Daten zur Alterstellung der verschiedenen Fundhorizonte, ihrer Klimageschichte und zum genauen Verlauf der Besiedlungsschichten auszuwerten.

Die Zusammenarbeit mit unseren spanischen Partnern war hervorragend und die Arbeitsbedingungen im Parque de Guadalteba waren exzellent. Wir hatten Gelegenheit das Projekt der breiten Öffentlichkeit vorzustellen und haben bereits eine hervorragende Resonanz. Dazu kam die außergewöhnliche Gastfreundschaft in unserem Quartier in Ardales. Nach zwei Wochen sehr intensiver, kontinuierlicher Feldarbeit haben wir einen großen Schritt nach vorne gemacht und hoffen in 2012 die nächste Etappe beginnen zu können.

 

Mit den besten Grüßen aus Ardales

 

Gerd-Christian Weniger

SCHULTERBLICK FORSCHUNG: Doktoranden des Neanderthal Museums in Portugal

Die vergangene Woche verbrachten wir, ein Teil der Doktoranden des Neanderthal Museums, auf einer außergewöhnlichen Konferenz:

Die JIA (Konferenz junger Archäologen) ist eine Konferenz, die ausschließlich VON und FÜR Studenten der iberischen Archäologie veranstaltet wird. Hervorgegangen aus dem Bedarf an Austausch und Diskussion zwischen Studenten der archäologischen Fächer, wurde die JIA vor einigen Jahren gegründet und findet nun jährlich an wechselnden Orten in Spanien und Portugal statt. Dieses Jahr wurde sie von Studenten der Universität der Algave in Faro organisiert. Die Vorträge und Diskussionsrunden fanden parallel laufend über drei Tage verteilt in vier Hörsälen der Universität statt. Sie wurden von einem umfangreichen Rahmenprogramm begleitet: Neben Bücherständen, Stellenmarkt und einer Posterausstellung wurde eine eintägige Exkursion zu wichtigen archäologischen Fundorten organisiert.

Auch wir, die sich in unseren Dissertationsprojekten mit der Urgeschichte der Iberischen Halbinsel beschäftigen, trugen einen Teil zu dieser Veranstaltung bei: Neben vier Vorträgen organisierten und leiteten zwei von uns (Y.T. & I.S.) auch einen Tagungsabschnitt (Session). Einen gesamten Vormittag wurden Vorträge zum Thema der Session – der Rekonstruktion von Nahrungsbeschaffung in der Urgeschichte – gehalten. Anschließend wurde im großen Plenum diskutiert. Die Teilnehmer kamen von Universitäten aus dem gesamten iberischen Raum, vom Baskenland bis Granada, von Salamanca bis Tarragona, aber auch aus England, Amerika… etc. Das Interesse war groß und wir hoffen weiter auf regen Austausch!

Marcel Bradtmöller, Andrea Picin, Yvonne Tafelmaier und Isabell Schmidt

 

Isabell Schmidt, Doktorandin

SCHULTERBLICK FORSCHUNG: NESPOS on Tour – Workshop in Faro/Portugal

Am heiligen Kölner Feiertag, dem 11.11., sind wir, d.h. Marcel Bradtmöller und Yvonne Tafelmaier (beide wiss. Mitarbeiter des Museums) mit einem lachenden (wg. des schlechten Wetters) und einem weinenden Auge (wegen des Karnevals) ausgezogen, um den Portugiesen im weit entfernten Faro die Datenbank NESPOS näher zu bringen. Bei NESPOS handelt es sich um die europaweit größte Datenbank zur Archäologie und Anthropologie des Pleistozäns. Eine Besonderheit dieser Datenbank ist mit Sicherheit die große Sammlung von 3D Daten und 3D Modellen von Humanfossilien und prähistorischen Artefakten. Die Datenbank wird von den wissenschaftlichen Mitarbeitern des Museums betreut. Da der für den Workshop vorgesehene Raum am Freitag noch nicht zugänglich war, hatten wir die Möglichkeit, uns mit den dortigen Archäologen zu treffen. Das war für uns deshalb sehr wichtig, weil wir beiden über das Paläolithikum der Iberischen Halbinsel im Rahmen des großen Sonderforschungsbereiches an der Uni Köln promovieren und ein Gedankenaustausch mit Kollegen vor Ort für beide Seiten immer sehr wertvoll ist.

Am 13.11 fand dann der Workshop in den Gebäuden der Universität von Faro statt. Zunächst gab es eine generelle Einführung in die Thematik wissenschaftlicher Datenbanken. Anschließend waren die portugiesischen Kollegen aufgefordert, den praktischen Umgang mit NESPOS zu erlernen und die Möglichkeiten dieser Datenbank zu erfahren. Anschließend standen dann die 3D Daten und deren Visualisierung und Verarbeitung im Mittelpunkt. Besonders beeindruckt zeigten sich die Kollegen von den Möglichkeiten des neuen 3D Oberflächenscanners der Firma Breuckmann, der dem Museum seit Mai diesen Jahres zur Verfügung steht und mit welchem die Digitalisierung und damit Konservierung archäologischer Hinterlassenschaften eine ganz neue Qualität gewinnt.

Nach diesem doch sehr anstrengenden Tag hatten wir uns das gemeinsame Abendessen in der schönen Altstadt von Faro mehr als verdient und ließen den
Tag mit einem guten Essen und wunderbarem Wein ausklingen. Unser Fazit: Alles in allem war es zwar ein sehr arbeitsreiches, aber
dennoch schönes Wochenende in Portugal, bei welchem wir die Kooperation mit unseren Kollegen der Iberischen Halbinsel weiter vertiefen konnten.

Yvonne Tafelmeier, wissenschaftliche Mitarbeiterin

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Gruß aus Sudwestfrankreich

Zwei Wochen intensive Forschungsarbeit in den Volp-Höhlen (einen Steinwurf von den Pyrenäen entfernt) liegen hinter mir; die Vorbereitung für die Publikation von Les Trois-Frères laufen auf Hochtouren: Fotos von Höhlenräumen mussten gemacht, Texte geschrieben und Literatur recherchiert werden. Zusätzlich war der neue 3D-Scanner mit im Gepäck. Besonders die Höhle Enlène ist sehr reich an Kleinkunstobjekten und gravierten Sandsteinplaketten. Die neue Dokumentationstechnik sollte an diesen zum Teil äußerst fein gearbeiteten Stücken getestet werden. Die Ergebnisse sind absolut überzeugend; selbst allerfeinste Linien werden vom Scanner mit hoher Präzision erfasst. So konnten 30 dieser Objekte von allen Seiten dokumentiert werden. Dies war ein wichtiger Schritt, die Sammlung von archäologischen Objekten in NESPOS auszubauen.

Mit besten Grüßen, Andreas Pastoors

‚Rumänische Höhlenmalerei entpuppt sich als älteste Mitteleuropas‘ – Ein Kommentar

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Jede neue Entdeckung einer Höhle mit Bildern aus der Steinzeit wird zu Recht als eine Sensation gefeiert: auch die in Coliboaia in Rumänien (spektrumdirekt). Eine weitere Kostbarkeit aus der Zeit unserer Vorfahren dürfen wir bestaunen.

 Aus Rumänien ist meines Wissens nur eine weitere Bilderhöhle bekannt (Cucuilat); darüber hinaus gibt es im Ural mit Kapova und Ignatievka zwei weit über das Land hinaus bekannte eiszeitliche Bilderhöhlen. Dass so weit entfernt vom Zentrum der Bilderhöhlen in Südwesteuropa überhaupt Fundstellen mit einem vergleichbaren Motivspektrum gefunden werden, ist etwas Besonderes. Es zeigt, dass die eiszeitlichen Jäger und Sammler über einen langen Zeitraum ähnliche Konventionen in ihrer bildlichen Ausdrucksweise besaßen. Dies ist nichts Neues. Auch lässt sich aufgrund der Neuentdeckung in Coliboaia keine verbesserte Vernetzung der Eiszeitjäger über ganz Europa postulieren. Mit welchem Argument? Überraschend ist zudem die Geschwindigkeit, mit der die Bilder als die ‚ältesten Mitteleuropas‘ eingestuft werden. Gerade Jean Clottes, den ich als sachorientierten Kollegen schätze, hat doch mit Chauvet die Erfahrung gemacht, wie sehr man sich bei der Alterseinschätzung täuschen kann, wenn man sich allein auf den Stil der Bilder verlässt. Denn die vermeintlich ältesten Höhlenbilder der Welt, könnten stilistisch deutlich jünger sein – doch das ist ein ganz anderes Problem.

Alterseinschätzungen mit Hilfe des Stils funktionieren nur in gut erforschten kleinräumigen Regionen wie den Pyrenäen zuverlässig. Nun soll die Datierung eines Bärenknochens das hohe Alter der Bilder in Coliboaia bestätigen. Es bleibt zu hoffen, dass der gewählte Knochen mit dem Aufenthalt des eiszeitlichen Menschen in Verbindung zu bringen ist (z. B. durch Schnittspuren).

Noch ist meines Erachtens das genaue Alter der Bilder ungeklärt. Die Motive und die Platzierung im Innern der Höhle sprechen für einen eiszeitlichen Kontext. Neben der alleinigen Beschäftigung mit den Bildern und der Höhle wäre wichtig zu erfahren, ob es weitere archäologische Funde in der Höhle gibt und wie der archäologische Kontext im Umfeld der Höhle (Apuseni-Gebirge) aussieht. Nur so ist es möglich, sich einen guten Eindruck von der Bedeutung der neu entdeckten Bilderhöhle in Coliboaia zu machen.

Mit besten Grüßen, Andreas Pastoors

P.S. Das Foto stammt von Andrei Posmosanu, rumänische speleologische Föderation (FRS) und stellt möglicherweise einen Nashornkopf dar.