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SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Ausgrabungskampagne in Malaga Teil 2

In der letzten Novemberwoche sind die Wissenschaftler des Neanderthal Museums für eine zweite kurze Ausgrabungskampagne in der Höhle Ardales erneut nach Malaga aufgebrochen (s. Blogbeitrag erste Kampagne).

Ziel war es diesmal, in einer anderen Zone zu graben und nach Spuren des Menschen Ausschau zu halten. Im September hatten wir in Zone 5, einem Bereich mit Höhlenmalerei, drei Quadratmeter geöffnet und nach Werkzeugen oder ähnlichen Hinterlassenschaften gesucht. Im November haben wir nun in Zone 2 an einem Hang gegraben, um das Schichtenprofil genauer zu untersuchen. Natürlich waren wir sehr erfreut, viele Steinwerkzeuge aus dem Jungpaläolithikum zu finden. Außerdem haben wir neue Einblicke in die Schichtenbildung an dieser Stelle gelernt. Zwischen den Erdschichten bilden sich in Höhlen häufig sehr dicke Sinterschichten, die wir hier sogar mit einer Flex durchsägen mussten!

Nach einer knappen Woche Ausgrabung und Fundbearbeitung sind wir nun wieder im Museum angekommen. Der nächste Schritt ist nun, die beiden Kampagnen von 2015 aufzuarbeiten und zusammenfassend zu veröffentlichen. Aber keine Angst, die nächste Ausgrabung wartet schon im Frühjahr auf uns.

Bis dahin!

Grüße

Viviane Bolin

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Grabungskampagne im September in Málaga

Im Monat September hat ein Team von Wissenschaftlern aus dem Neanderthal Museum und der Universität zu Köln gemeinsam mit spanischen Kollegen der Universität Cadiz (Spanien) ein vierwöchige Ausgrabungskampagne an den paläolithischen Fundplätzen Cueva de Ardales und Sima de Las Palomas in Malaga (Südspanien) durchgeführt (s. Blog vom 27. August 2015).

Das relativ große Team, bestehend aus 6 Spaniern und 6 Deutschen, konnte parallel an beiden Fundstellen ausgraben. Zunächst wurde die Fundstelle Sima de Las Palomas „grabungsfertig“ gemacht (Gestrüpp und Steine entfernen, die erste Oberflächenschicht abgraben und durchsieben). Nachdem die zu grabenden Quadrate ausgemessen und das meiste Oberflächensediment gesiebt war, konnte nun die richtige Ausgrabung losgehen. Der Fundplatz liegt an einem windigen Hang und ist der Sonne und Hitze ab ca. 12.30 Uhr komplett ausgesetzt, weshalb die Grabungsarbeiten schon um 14.00 Uhr endeten und mit der Fundbearbeitung begonnen wurde. Das Ziel dieser Grabung war, den Bereich vor der Felswand des 9m tiefen Erdloches (spanisch: Sima) zu erkunden und herauszufinden, ob und wann die Menschen dort gesiedelt haben. Die große Hoffnung ist es natürlich, mittel- und jungpaläolithische Schichten zu entdecken und dokumentieren. Dem Ziel sind wir ein kleines bisschen näher gekommen, aber in der nächsten Kampagne 2016 werden wir dann noch weiter und tiefer graben, um die Schichten mit Material aus der Steinzeit zu erreichen.

In der Höhle Ardales sahen die Aufgaben ein wenig anders aus. Das Ziel dieser Grabung war die Suche nach den kleinsten Spuren, die der steinzeitliche Besucher auf seinen Erkundungstouren durch die Höhle vielleicht hinterlassen hat. Dafür wurden in einer Zone, in der sich auch Höhlenmalerei befindet, mehrere Quadrate geöffnet und nach den kleinsten Werkzeugen und anderen Artefakten Ausschau gehalten. Auch hier haben wir einen guten Anfang gemacht und die Grabungen werden im November diesen Jahres und auch nächstes Jahr fortgesetzt.

Aber natürlich gibt es nicht nur Arbeit, sondern auch in bisschen Vergnügen. An unseren freien Tagen haben wir bekannte Fundplätze dieser Gegend besucht, wie z.B. die Bilderhöhlen Nerja und La Pileta.

In der letzten Woche sind wir dann auf dem Caminito del Rey, einem bekannten und gerade wieder neueröffneten Klettersteig, gewandert und haben die atemberaubende Landschaft bewundert.

Das Team war während der Kampagne sehr nett in einem Campingplatz in der Nähe des kleinen Dorfes Ardales untergebracht, direkt am Stausee mit seinem blaugrünen Wasser und seiner atemberaubenden Uferlandschaft, und manch einer hat sich nach der Arbeit eine wohlverdiente Abkühlung im See gegönnt.

Die Kommunkation und Zusammenarbeit mit dem spanischen Team lief selbst mit kleineren kleineren Sprachschwierigkeiten einwandfrei ab und wir freuen uns, bald wieder zusammen in Malaga zu arbeiten.

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Bis dahin,

Grüße

 

Viviane Bolin

 

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Neue Ausgrabungen in der Höhle Los Casares und unter dem Abri Peña Cabra

Dr. Manuel Alcaraz-Castaño ist Wissenschaftler im Neanderthalmuseum und arbeitet zurzeit an dem Marie Curie Projekt “Testing population hiatuses in the Late Pleistocene of Central Iberia: a geoarchaeological approach” (siehe Blogbeitrag vom 27. Januar 2015). Zusammen mit seinem spanischen Kollegen Dr. Javier Alcolea (Alcalá Universität, Spanien) und weiteren Teammitgliedern hat er kürzlich Ausgrabungen in der nördlichen Guadalajara Provinz in Spanien durchgeführt. Das Projekt wird außerdem von Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger, dem Direktor des Neanderthal Museums, unterstützt und findet in wertvoller Zusammenarbeit mit Dr. Martin Kehl vom Geographischen Institut der Universität zu Köln statt.

Das Team hat dieses Jahr an zwei Orten die Fundschichten des Mittelpaläolithikums ausgegraben: in der Höhle Los Casares und im Abri Peña Cabra.

Die erste Ausgrabung fand in der zweiten Maihälfte in Los Casares statt. Dies war bereits die zweite Kampagne an diesem Ort. Die erste fand bereits letztes Jahr im September statt (siehe Blogbeitrag vom 06. Oktober 2014). In Los Casares befinden sich Besiedlungsschichten aus dem Mousterien und der Kupferzeit, die bereits in den 1960er Jahren von Ignacio Barandiarán, einem bekannten spanischen Archäologen, ausgegraben wurden. Während seiner Kampagne kam der Mittelhandknochen eines Neanderthalers zum Vorschein.

Das Ziel der diesjährigen Kampagne in Los Casares war die Erfassung bisher fehlender Daten, z.B. Informationen zu Chronologie, Paläoökologie und moderner Geomorfologie. Daher lag der Fokus der Nachforschungen auf der Entschlüsselung des Bildungsprozesses der Höhle und ihrer Sedimente, der Chronologie der mittelpaläolithischen Besiedlung und der Beziehung zwischen Umweltveränderungen und Verhalten der Neanderthaler. Dafür hat das Team während dieser Kampagne das Ausgrabungsareal von 2014 vergrößert. So war es in der Lage, genug archäologisches Material (wie z.B. Steinwerkzeuge und Tierknochen) zu bergen, um das technologische und wirtschaftliche Verhalten der Neanderthaler in Los Casares zu erforschen. Weiterhin wurden auch Höhlenablagerungen und Holzkohleproben geborgen, die in naher Zukunft von den Laboren der Universität zu Köln analysiert werden, um an die chronologischen und ökologischen Informationen zu kommen.

Die zweite Ausgrabung fand unter dem Abri Peña Cabra während der ersten Junihälfte dieses Jahres statt. Dies war die erste Kampagne vom Neanderthal Museum und der Alcalá Universität an dieser Fundstelle, die bereits 1996 von Dr. Alcolea und seinen Kollegen gefunden und ausgegraben wurde. Dieser Abri liegt direkt am Fluss Sorbe und beinhaltet eine Ansammlung von Fundschichten aus dem Mousterien. Die Schichten sind von riesigen Felsbrocken bedeckt, die von der Abridecke heruntergefallen sind. Genauso wie der nahe gelegene, jungpaläolithische Fundplatz Peña Capón ist auch Peña Cabra von den ständigen Wasserstandsveränderungen des Flusses betroffen, daher gestaltet sich der Zugang zu dieser Fundstelle schwierig. Das Team musste mit einem Boot anfahren und dann den restlichen Weg zum Fundplatz erklettern. Ein spannendes Abenteuer!

Die Forschungsziele dieser Kampagne waren ähnlich derer in Los Casares. Das Team sammelte Proben für Mikromorfologie, OSL Datierung und Radiokarbondatierung. Die Dichte der archäologischen Funde war sehr hoch an diesem Fundplatz und daher erwartet das Team mit Spannung die sicherlich interessanten Ergebnisse der Laboranalysen, die zurzeit durchgeführt werden.

Liebe Grüße

Manuel Alcaraz-Castaño

(Übersetzt aus dem Englischen von Viviane Bolin)

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Aufarbeitung der Steinwerkzeuge aus Los Casares im Archäologischen Nationalmuseum in Spanien

Dr. Manuel Alcaraz-Castaño, zurzeit Wissenschaftler am Neanderthal Museum und am Projekt „Testing population hiatuses in the Late Pleistocene of Central Iberia: a geoarchaeological approach” (Blogeintrag 27. Januar 2015), besuchte vor kurzem das Archäologische Nationalmuseum in Spanien (Museo Arqueológico Nacional de España), um einige Steinwerkzeuge aus dem Paläolithikum zu bearbeiten.

Das Archäologische Nationalmuseum wurde 1867 erbaut, durch einen königlichen Erlass von Isabel II, und ist seit 1895 begannen die spanischen Monarchen, archäologische, numismatische, ethnografische und Kunst Sammlungen in dem neoklassizistischen Gebäude, das zwischen 1866 und 1892 von dem Architekten Francisco Jareño entworfen und erbaut wurde, auszustellen. 1968 wurde das Gebäude renoviert und erweitert und zwischen Januar 2008 und April 2014 komplett renoviert. Zurzeit zeigt es vorgeschichtliche, ägyptische, keltische, iberische, griechische, römische und mittelalterliche (westgotisch, muslimisch, christlich) Objekte der Iberischen Halbinsel.

Die Steinartefakte, die Dr. Alcaraz-Castaño bearbeitete, kommen von der Höhle Los Casares (Guadalajara, Spanien), einem Mittelpaläolithischen Fundplatz (Blogeintrag von 06. Oktober 2014), der zurzeit von einigen Wissenschaftlern des Neanderthal Museums und anderen spanischen und deutschen Archäologen analysiert wird. Die hier studierte Artefaktsammlung hat Dr. Ignacio Barandiarán nach seinen Grabungen in den 1960er Jahren im Archäologischen Nationalmuseum gelagert. Verantwortlich für diese Steinartefakte und andere prähistorischen Sammlungen ist Dr. Carmen Cacho und ihr Team.

Dr. Alcaraz-Castaño analysierte, fotografierte und analysierte die Steinartefakte von Los Casares und zusammen mit den kürzlich in der Höhle auf Grabungen erworbenen Ergebnissen wird er diese Analyse nutzen, um die Beziehung zwischen Neanderthalern und ihrer Umwelt in Los Casares und Umgebung erforschen.

Viele Grüße

Dr. Alcaraz-Castaño

(Übersetzt von Viviane Bolin)

 

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Ab in die Höhle!

Das Team von Projekt C1, Sonderforschungsbereich 806 der Universität zu Köln, reiste im Januar 2015 in die Provinz Málaga, Südspanien. Dort trafen wir das spanische Team zum Planungstreffen für kommende Ausgrabungskampagnen.

Das kleine Dorf Ardales hat neben seinen kleinen weißen Häuschen und Mandarinen- und Olivenplantagen auch noch eine sensationelle Höhle zu bieten, die die Menschen schon seit der Steinzeit faszinierte. Die ‚Cueva de Ardales‘ birgt für die Archäologen wertvolle Hinterlassenschaften, wie z.B. Höhlenkunst aus dem Paläolithikum und Bestattungen aus dem Neolithikum. Die untere Gallerie ‚Galeria Baja‘ können Touristen besichtigen, aber die obere Gallerie ‚Galeria Alta‘ ist noch nicht erforscht. Das spanische Archäologenteam hat sich die Zeit genommen, mit uns deutschen Wissenschaftlern die Gallerie zu erkunden. Um mögliche prähistorische Spuren nicht zu zerstören, haben wir Schutzanzüge getragen und haben uns sehr vorsichtig auf einem vorgefertigten Pfad bewegt. Um die obere Gallerie zu erreichen, mussten wir mithilfe von Kletterausrüstung 17m steile Wand hinaufklettern. Die Höhle ist sehr warm und feucht, ein starker Kontrast zu der klaren kühlen Luft in der Region. Die Brillen und Kameras beschlagen sofort, wenn man die Höhle durch die Stahltür betritt. Allerdings ist es eine sehr große und weite Höhle, mit hohen Decken und wundervoll unirdischen Formen, dass man sich auf einem anderen Planeten denkt. Nur an einigen Stellen wurde es eng und wir mussten uns auf allen Vieren bewegen oder sogar auf dem Bauch weiterkriechen. Alles in allem eine spannende Erfahrung.

Nur einige Kilometer entfernt von dieser Höhle befindet sich in den Felswänden einer Schlucht ein weiterer steinzeitlicher Fundplatz, Sima de Las Palomas und Cueva de Las Palomas. Dieser besondere Ort besteht aus einer Höhle (Cueva) und aus einem Loch (Sima), die möglicherweise in der Steinzeit miteinander verbunden waren, aber heute durch Gerölleinstürze voneinander getrennt sind. Diesen Fundplatz haben wir nur von außen besichtigt. Von dort hat man einen wunderbaren Blick auf die Landschaft.

An beiden Orten sollen dieses Jahr Ausgrabungen stattfinden. Das Ziel ist es, den Übergang zwischen den Schichten, die Hinweise auf Neanderthaler beinhalten, und den Schichten mit Hinterlassenschaften von modernen Menschen zu dokumentieren. So hoffen die Archäologen, können sie besser verstehen, wie lange die Neanderthaler dort lebten, wann genau der moderne Mensch auf der Iberischen Insel ankam und ob sich beide getroffen haben.

Am letzten Abend vor der Abreise haben Prof. Weniger und der spanische Archäologe José Ramos der Kommune das Werk vorgestellt, in dem letztes Jahr alle Informationen und Ergebnisse der bisherigen Ausgrabungen in Sima de Las Palomas veröffentlicht wurden.

Bleibt dabei! Im Juni geht es weiter mit der Berichterstattung zu diesem Projekt. Auf Twitter könnt ihr dem Projekt live folgen (Links: https://twitter.com/ExpeditionNM und http://www.neanderthal.de/expedition/)

Viele Grüße & Hasta la proxima!

Viviane Bolin

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Expedition ins Dunkle – Ein Ausflug unter die Erde!

Wart ihr schon mal in einer Höhle? Vielleicht bei einer Veranstaltung in der Balver Höhle im Sauerland? Aber sicherlich seid ihr noch nie in einen engen Gang in die Erde gekrochen, der kaum breiter war als ihr selbst? Einige Mitarbeiter aus dem Neanderthal Museum haben sich das bei einem Ausflug zur Blätterhöhle (Lennetal bei Hagen) getraut. In Overalls und mit Schutzhelm bekleidet, krochen sie durch den sehr schmalen Eingang in die dunkle Höhle.

Die Blätterhöhle wurde 2004 entdeckt und wird seit 2006 unter der Leitung von Dr. Jörg Orschiedt ausgegraben. Sie liegt an einem steilen Hang neben einer viel befahrenen Hauptstraße, ist aber hinter dem Blättergestrüpp kaum zu sehen. Da der Eingang nur ein kleines Loch unter dem Kalkfelsen war, hat es so lange gedauert, bis Höhlenforscher sie entdeckten.

Das Sensationelle an diesem steinzeitlichen Fundplatz ist erstens, dass die Menschen diesen Ort im Mesolithikum (vor 10 000 Jahren) und im Neolithikum (vor 5 000 – 3 000  Jahren) immer wieder aufgesucht haben und zweitens, dass sie dort nicht nur Rast gemacht, Essen gekocht und vielleicht mal übernachtet haben, sondern auch ihre Toten dort bestattet haben. Insgesamt 500 Knochen von mehreren Individuen sind in dem engen Gang der Höhle ausgegraben worden. Sie lagen unter Wildschweinschädeln – Tiere, die sicherlich keine typischen Höhlenbewohner waren. Vielleicht wollten die Menschen so die Grabstätte markieren?

Die Knochen können uns allerhand Informationen zu den Menschen geben. Zum Beispiel ergaben Isotopenanalysen, dass eine Gruppe Individuen sich weitestgehend von Fisch ernährt hat. Genetische Untersuchungen zeigen, dass die unterschiedlichen Gruppen (Jäger/Sammler & Ackerbauer) sich nicht aus dem Weg gegangen sind, wie bisher immer vermutet wurde, sondern nebeneinander in dieser Region lebten und sich sogar vermischt haben.

Aber wie war es jetzt eigentlich in der engen Höhle? Hat man da nicht Platzangst? War es vielleicht gruselig? Die Mitarbeiter berichten kurz von ihrem Erlebnis:

Melanie Wunsch (Volontärin für Ausstellungsgestaltung)

Am meisten beeindruckt hat mich die wunderschöne Stille. Man hört sie richtig. Und man spürt die Tiefe der Zeit – 200 Millionen Jahre, in denen sich diese bizarre Welt gebildet hat. Ein ganz intensives, fast spirituelles Erlebnis. Wenn man dort unten in der feuchten, engen Höhle hockt, überlegt man sich, was Menschen in der Vergangenheit dazu bewogen hat, durch ein kleines Loch in die Dunkelheit zu kriechen. Wahrscheinlich das Gleiche wie uns heute – Neugier.

Viviane Bolin (Wissenschaftliche Mitarbeiterin)

Ich muss gestehen, ich hatte schon ein bisschen Bammel davor, in diesen engen Gang zu kriechen. Platzangst habe ich zwar keine, aber es wird einem schon ein bisschen mulmig, wenn man weiß, dass man sich nicht mal umdrehen oder aufstehen kann. Nachdem wir unsere (zumindest für mich viel zu großen) Overalls angezogen und unseren Schutzhelm mit Lampe aufgesetzt hatten, war meine Aufregung aber schon ziemlich groß. Der Gang geht direkt hinter dem Eingang schräg runter. Wir mussten mit dem Kopf vorwärts auf dem Bauch kriechen. Krabbeln ging nicht wirklich, dazu war der Gang zu tief. Der Boden war kalt, glatt und feucht, eine rötliche Lehmschicht. Am Eingang krabbelten ziemlich viele Spinnen. Aber Angst hatte ich gar keine, mulmig war mir auch überhaupt nicht, so einige Meter unter dem Fels. Also gar nicht so schlimm, wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich fand es total spannend und abenteuerlich. An einigen Stellen konnte man krabbeln oder sich hinsetzen. Die Höhle geht nicht weit in den Fels hinein. Es gibt zwar noch zwei enge Gänge, die vielleicht weiter führen, aber da passt kein Mensch durch. Mit Spinnweben bedeckt und voller Erde, aber total glücklich sind wir dann wieder ans Sonnenlicht gekrochen. Draußen war es natürlich viel schwüler als drinnen – nicht so schön saubere und frische Luft, wie in der Höhle. Ich fands klasse, definitiv eine tolle Erfahrung!

Nancy Harmon (Praktikantin aus den USA)

Mein Name ist Nancy Harmon und ich bin Studentin an der Universität Illinois (Chicago, USA). Ich studiere den Master in Museum and Exhibition Studies. Ich freue mich in Deutschland zu sein und bin von meinem Praktikum im Neanderthal Museum mehr als begeistert. Ich habe einen Bachelor in Anthropologie und sehr großes Interesse an der Menschheitsgeschichte. Daher war ich total aufgeregt, die Blätterhöhle mit meinen neuen Kollegen zu besichtigen. Was für eine Erfahrung! Während ich mich über den kalten Boden der engen Höhle auf dem Bauch liegend vorwärts zog, konnte ich mir vorstellen, wie unsere Vorfahren das Gleiche taten – aber natürlich ohne grelles LED-Licht, Helme und Overalls! Für Menschen waren Höhlen schon immer wichtige Orte in der Vergangenheit. Sehr sichtbar sind die Ähnlichkeiten zwischen wunderschön gewölbten Höhlenräumen und Kathedralen, die wir tausende Jahre später bauten. Die Blätterhöhle war wirklich sehr eng: wir robbten uns die meiste Zeit auf dem Bauch vowärts! Innen war es kalt und frisch und mit meinem Gesicht so nah am Boden konnte ich den feuchten Boden riechen. Dr. Orschiedt zeigte uns erstaunlich sichtbare Stratigraphieschichten. Skelettreste von Tieren aus dem Holozän und Miozän waren in den Schichten verteilt. Als wir in einem etwas breiteren Teil der Höhle angekommen waren, disktutierten wir über die möglichen Entdeckungen und Ereignisse in dieser Höhle vor tausenden von Jahren. Durch die Blätterhöhle zu kriechen war eine atemberaubende Erfahrung – im buchstäblichen und übertragenden Sinne! Wenn ich in die Staaten zurückkehre, werde ich in meiner Masterarbeit eine interaktive Höhlenausstellung gestalten. Vielleicht wird es dort überraschende Wendungen geben! (aus dem Englischen übersetzt)

 

Aktuelle Artikel zur Ausgrabung in der Blätterhöhle

http://www.derwesten.de/staedte/hagen/archaeologen-graben-an-blaetterhoehle-nach-sensationen-id9634377.html (28.07.2014)

http://www.derwesten.de/staedte/hagen/sensationelle-erkenntnisse-aus-der-hagener-blaetterhoehle-id8547199.html (10.10.2013)

http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/blaetterhoehle-archaeologen-finden-tote-aus-der-steinzeit-a-845863.html (01.08.2012)

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Ausgrabungen in der Höhle des Löwen “Ifri N’Etsedda”

Die diesjährige Grabungskampagne des SFB 806 (Projekt C2) im östlichen Rif in Marokko fand in der 2008 entdeckten Höhle Ifri N’Etsedda vom 1. März  bis zum 16. April 2012 statt. Die in der Kebdana liegende Höhle konnte nur über einen teils steilen und stark mit dornenbewehrten Pflanzen bewachsenen „Weg“ erreicht werden, sodass der spätere Abtransport des vollständig geschlämmten Sediments nur mit Hilfe eines Maultiers zu bewältigen war. Begleitet wurde die Kampagne von schönem sommerlichem Wetter mit bis zu 35°C, aber auch von anderthalb Wochen schlechtem kalten Wetter mit teilweise kräftigen Regenschauern.

Insgesamt wurde eine 2 x 2 Meter große Sondage angelegt. Dabei wurden Schichten von der Neuzeit bis ins Frühneolithikum angeschnitten. Die stark mit Schnecken versetzten Schichten des Neolithikums erschwerten das spätere Sortieren erheblich und lösten bei der Ausfuhr von fünf 100 Liter Säcken, gefüllt mit Schnecken zur Untersuchung im Museum König, bei verschiedenen Behörden starke Verwunderung aus.

Besonders erfreulich waren die sehr engagierten und durchweg freundlichen Bewohner der umliegenden Gehöfte, welche die Grabung an einem Sonntag mit großem Interesse besuchten. Da die diesjährige Kampagne in der Ifri N’Etsedda ein voller Erfolg war, harrt sie nun weiterer Ausgrabungen in den kommenden Jahren, bei denen hoffentlich in noch ältere Zeiten vorgestoßen werden kann.

Manuel Broich

Studentischer Mitarbeiter

Der U18-ArchäoForscher-Club auf großer Fahrt!

Endlich war es soweit: In den Herbstferien fand die große Exkursion zur Blätterhöhle in Hagen statt! Am Morgen trafen sich die Kinder am Museum und fuhren mit dem Museumsbus nach Hagen. An der Höhle erwartete uns schon der leitende Ausgräber und Archäologe, PD. Dr. Jörg Orschiedt, der uns viele interessante Dinge über die Menschen, die in der Steinzeit und danach die Höhle genutzt hatten, erzählte. Nach der Sicherheitseinführung bekam jedes Kind einen Helm mit Lampe, und der Einstieg konnte beginnen. Kopfüber mussten sich alle in und durch die Höhle robben bis zu dem Punkt, an dem die Grabungen momentan voran gehen. Wir sahen Tier- und einen Menschenknochen im Profil und lauschten der Stille im Inneren der Höhle. Danach begann der anstrengende Aufstieg!

Nach diesem Kraftakt machten wir ein Picknick auf einem nahe gelegenen Spielplatz, bevor wir die Heimfahrt antraten. Allen hat die Exkursion sehr viel Spaß gemacht, auch wenn die Enge der Höhle Einige sehr überrascht hat.

Der Jugend- und Kinderclub der Neanderthaler Gesellschaft e.V. trifft sich regelmäßig alle 14 Tage, dienstags von 16.00 bis 18.00 Uhr, außer in den Ferien. Wer mindestens 10 Jahre alt ist, kann gerne mitmachen. Meldet Euch einfach bei mir unter den folgenden Kontaktmöglichkeiten: 02104.979753 oder per e-mail an: pingel@neanderthal.

Die Blätterhöhle wird seit 2004 wissenschaftlich ausgegraben. Inzwischen wurden menschliche und tierische Skelettreste sowie Artefakte von der Mittelsteinzeit bis zur Bronzezeit entdeckt. Mit einem Alter von bis zu 10.850 Jahren sind die Funde derzeit die ältesten Nachweise für anatomisch moderne Menschen in Westfalen und im Ruhrgebiet.

Herbstliche Grüße aus dem Tal,

Claudia Pingel, Museumspädagogin

 

Höhlenkunst in Franken. Was ist dran an der Geschichte ?

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‘Die Lusthöhle in Franken’ sei eine « der spannendsten Fundorte Deutschlands » berichtet die ZEIT diese Woche. In der engen Mäanderhöhle haben Menschen « natürlich entstandene Genitalienkollektionen künstlerisch » verziert. Nach ersten Untersuchungen sollen die Linien ein Alter von 14.000 Jahren vor heute haben. So die Meldungen in der Presse.

‘Na und?’ könnte man sagen, oder auch ‘sensationell’. Was macht die Entdeckung in der Mäanderhöhle eigentlich so spannend ?

In einer Höhle in Franken wurden Linien gefunden, die als vom steinzeitlichen Menschen gemachte Gravierungen interpretiert werden. Das wäre eine einzigartige Entdeckung, denn bislang gibt es nichts vergleichbares in Deutschland. Zunächst ist diese Ausgangsvermutung aber nicht belegt, schon gar nicht untersucht. Man geht einfach davon aus. Wären unter den Motiven Mammut, Rentier, Nashorn oder Pferd müsste man sich nur die Mühe machen, die Linien genau unter die Lupe zu nehmen, um eine Fälschung auszuschließen. Gibt es überhaupt eindeutige Motive? Hier wird es schwierig, den Interpretationen der untersuchenden Archäologen zu folgen. Linien, ja. Aber wie gehören sie zusammen? Man muss schon sehr viel Phantasie besitzen, in den Linien etwas zu erkennen, was zusammengehört.

Mal angenommen die Linien wären tatsächlich vom Menschen gemacht. Was weiß man sonst noch? Die Linien sind älter als 3.500 Jahre. Ein Erdrutsch in der Gegend hatte zu lokalen tektonischen Bewegungen geführt. Diese haben auch die Linien betroffen; sie waren also vorher da. Natürliche Felsformationen wurden ergänzt. Aber zu was? Das war es aber dann auch schon. Mehr wissenswertes ist nicht zu nennen. Ohne eine technische Analyse der Linien gemacht zu haben, ist es zu diesem Zeitpunkt reine Spekulation, von steinzeitlicher Höhlenkunst zu sprechen.

Nun gut, lassen wir mal die Kritik bei Seite: die Mäanderhöhle ist mit Lascaux oder Altamira nicht zu vergleichen. Unter von der Universität Mainz gezählten ca. 12.000 registrierten Höhlen in Deutschland ist bislang nicht vergleichbares gefunden worden. Wir brauchen uns nicht zu schämen, dass wir in Deutschland kein Lascaux haben. Die eiszeitlichen Wildbeuter die durch unser heutiges Land streiften hatten mit Höhlen nichts weiteres im Sinn, als den sich bietenden Schutzraum zu nutzen. Dennoch war vieles aus Alltag und Kultur mit den benachbarten Gruppen identisch. Zeichnungen wurden auf beweglichen Objekten gemacht. Davon gibt es genug Belege.

Fazit: das spannende an der Entdeckung in der Mäanderhöhle sind nicht die möglichen neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Das spannende ist vielmehr die Diskussion um das Thema Höhlenkunst in Deutschland. Und das soll von Schaden nicht sein.

Mit besten Grüßen,

Andreas Pastoors

‘Rumänische Höhlenmalerei entpuppt sich als älteste Mitteleuropas’ – Ein Kommentar

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Jede neue Entdeckung einer Höhle mit Bildern aus der Steinzeit wird zu Recht als eine Sensation gefeiert: auch die in Coliboaia in Rumänien (spektrumdirekt). Eine weitere Kostbarkeit aus der Zeit unserer Vorfahren dürfen wir bestaunen.

 Aus Rumänien ist meines Wissens nur eine weitere Bilderhöhle bekannt (Cucuilat); darüber hinaus gibt es im Ural mit Kapova und Ignatievka zwei weit über das Land hinaus bekannte eiszeitliche Bilderhöhlen. Dass so weit entfernt vom Zentrum der Bilderhöhlen in Südwesteuropa überhaupt Fundstellen mit einem vergleichbaren Motivspektrum gefunden werden, ist etwas Besonderes. Es zeigt, dass die eiszeitlichen Jäger und Sammler über einen langen Zeitraum ähnliche Konventionen in ihrer bildlichen Ausdrucksweise besaßen. Dies ist nichts Neues. Auch lässt sich aufgrund der Neuentdeckung in Coliboaia keine verbesserte Vernetzung der Eiszeitjäger über ganz Europa postulieren. Mit welchem Argument? Überraschend ist zudem die Geschwindigkeit, mit der die Bilder als die ‘ältesten Mitteleuropas’ eingestuft werden. Gerade Jean Clottes, den ich als sachorientierten Kollegen schätze, hat doch mit Chauvet die Erfahrung gemacht, wie sehr man sich bei der Alterseinschätzung täuschen kann, wenn man sich allein auf den Stil der Bilder verlässt. Denn die vermeintlich ältesten Höhlenbilder der Welt, könnten stilistisch deutlich jünger sein – doch das ist ein ganz anderes Problem.

Alterseinschätzungen mit Hilfe des Stils funktionieren nur in gut erforschten kleinräumigen Regionen wie den Pyrenäen zuverlässig. Nun soll die Datierung eines Bärenknochens das hohe Alter der Bilder in Coliboaia bestätigen. Es bleibt zu hoffen, dass der gewählte Knochen mit dem Aufenthalt des eiszeitlichen Menschen in Verbindung zu bringen ist (z. B. durch Schnittspuren).

Noch ist meines Erachtens das genaue Alter der Bilder ungeklärt. Die Motive und die Platzierung im Innern der Höhle sprechen für einen eiszeitlichen Kontext. Neben der alleinigen Beschäftigung mit den Bildern und der Höhle wäre wichtig zu erfahren, ob es weitere archäologische Funde in der Höhle gibt und wie der archäologische Kontext im Umfeld der Höhle (Apuseni-Gebirge) aussieht. Nur so ist es möglich, sich einen guten Eindruck von der Bedeutung der neu entdeckten Bilderhöhle in Coliboaia zu machen.

Mit besten Grüßen, Andreas Pastoors

P.S. Das Foto stammt von Andrei Posmosanu, rumänische speleologische Föderation (FRS) und stellt möglicherweise einen Nashornkopf dar.