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SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Grabungskampagne im September in Málaga

Im Monat September hat ein Team von Wissenschaftlern aus dem Neanderthal Museum und der Universität zu Köln gemeinsam mit spanischen Kollegen der Universität Cadiz (Spanien) ein vierwöchige Ausgrabungskampagne an den paläolithischen Fundplätzen Cueva de Ardales und Sima de Las Palomas in Malaga (Südspanien) durchgeführt (s. Blog vom 27. August 2015).

Das relativ große Team, bestehend aus 6 Spaniern und 6 Deutschen, konnte parallel an beiden Fundstellen ausgraben. Zunächst wurde die Fundstelle Sima de Las Palomas „grabungsfertig“ gemacht (Gestrüpp und Steine entfernen, die erste Oberflächenschicht abgraben und durchsieben). Nachdem die zu grabenden Quadrate ausgemessen und das meiste Oberflächensediment gesiebt war, konnte nun die richtige Ausgrabung losgehen. Der Fundplatz liegt an einem windigen Hang und ist der Sonne und Hitze ab ca. 12.30 Uhr komplett ausgesetzt, weshalb die Grabungsarbeiten schon um 14.00 Uhr endeten und mit der Fundbearbeitung begonnen wurde. Das Ziel dieser Grabung war, den Bereich vor der Felswand des 9m tiefen Erdloches (spanisch: Sima) zu erkunden und herauszufinden, ob und wann die Menschen dort gesiedelt haben. Die große Hoffnung ist es natürlich, mittel- und jungpaläolithische Schichten zu entdecken und dokumentieren. Dem Ziel sind wir ein kleines bisschen näher gekommen, aber in der nächsten Kampagne 2016 werden wir dann noch weiter und tiefer graben, um die Schichten mit Material aus der Steinzeit zu erreichen.

In der Höhle Ardales sahen die Aufgaben ein wenig anders aus. Das Ziel dieser Grabung war die Suche nach den kleinsten Spuren, die der steinzeitliche Besucher auf seinen Erkundungstouren durch die Höhle vielleicht hinterlassen hat. Dafür wurden in einer Zone, in der sich auch Höhlenmalerei befindet, mehrere Quadrate geöffnet und nach den kleinsten Werkzeugen und anderen Artefakten Ausschau gehalten. Auch hier haben wir einen guten Anfang gemacht und die Grabungen werden im November diesen Jahres und auch nächstes Jahr fortgesetzt.

Aber natürlich gibt es nicht nur Arbeit, sondern auch in bisschen Vergnügen. An unseren freien Tagen haben wir bekannte Fundplätze dieser Gegend besucht, wie z.B. die Bilderhöhlen Nerja und La Pileta.

In der letzten Woche sind wir dann auf dem Caminito del Rey, einem bekannten und gerade wieder neueröffneten Klettersteig, gewandert und haben die atemberaubende Landschaft bewundert.

Das Team war während der Kampagne sehr nett in einem Campingplatz in der Nähe des kleinen Dorfes Ardales untergebracht, direkt am Stausee mit seinem blaugrünen Wasser und seiner atemberaubenden Uferlandschaft, und manch einer hat sich nach der Arbeit eine wohlverdiente Abkühlung im See gegönnt.

Die Kommunkation und Zusammenarbeit mit dem spanischen Team lief selbst mit kleineren kleineren Sprachschwierigkeiten einwandfrei ab und wir freuen uns, bald wieder zusammen in Malaga zu arbeiten.

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Bis dahin,

Grüße

 

Viviane Bolin

 

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Internationale Konferenz zur Felsbildkunst

Anfang September fand in Cáceres (Extremadura, Spanien) die 19. International Rock Art Conference IFRAO 2015 statt. Vom 31. August bis zum 04. September trafen sich Spitzenforscher im Bereich der vorgeschichtlichen Fels- und Kleinkunst in der Universität der Kleinstadt und stellten die neusten Forschungsergebnisse aus aller Welt vor.

IFRAO steht als Abkürzung für „International Federation of Rock Art Organizations“. Es handelt sich dabei um einen Verband aus mehreren nationalen und regionalen Organisationen aus dem Bereich der prähistorischen Kunst. Zurzeit sind 52 Organisationen mit 7500 Spezialisten Mitglied der IFRAO. Das Ziel des 1988 gegründeten Bundes ist die Förderung der Studien prähistorischer Kunst und der Kommunikation zwischen den vielen Wissenschaftler und Organisationen, die bisher nur isoliert voneinander gearbeitet hatten und kaum etwas über Forschungen aus anderen Teilen der Welt wussten. Daher ist es bis heute ein Anliegen der IFRAO, Standards in der Methodologie, Terminologie, Ethik und in der Technik der prähistorischen Kunstforschung zu etablieren. Weiterhin kümmert sich der Verband um den Schutz und die Erhaltung der Kunstfundstellen weltweit.

Die neusten Erkenntnisse werden regelmäßig in der Zeitschrift „Rock Art Research“ veröffentlicht und alle paar Jahre wird eine Konferenz organisiert, bei der die Mitglieder der IFRAO und alle Forscher aus dem Bereich der prähistorischen Felskunst sich einfinden und die neusten Erkenntnisse austauschen.

Dieses Jahr also fand die Konferenz in Cáceres statt, einer sehr schönen Stadt mit mittelalterlichem Kern, der seit den 60er Jahren UNESCO Weltkulturerbe ist. Vorträge gab es von Montag bis Freitag, mit einer Ausnahme am Mittwoch, an dem mehrere Busse mit sehr neugierigen IFRAO Mitgliedern mehrere Kunstfundplätze in der Gegend auf einer Exkursion besichtigt haben.

Die Vorträge sind nach Sitzungsthemen aufgeteilt und dauern an die 20 Minuten. Danach können 10 Minuten lang Fragen gestellt werden und einzelne Punkte diskutiert werden. Der diesjährige Titel der Konferenz „Symbols in the Landscape: Rock Art and its Context” (Symbole in der Landschaft: Felskunst und ihr Kontext) vereinte über 30 Sitzungen u.a. zu folgenden Themen:

–          Tierdarstellungen in der Felskunst

–          Zeitgemäße Gedanken zur Bedeutung und Funktion der Felskunst: Krise und Perspektiven

–          „Watch your step!“ Füße und Sandalen in der Felskunst

–          Zeichen und Symbole. Felskunst und archäo-anthropologische Forschung

–          Pferde und Reiter in der Felskunst: Ikonografie vom Paläolithikum bis zum Mittelalter

–          Entscheidungen und Debatten: Felskunst als politisches Instrument

–          Existiert paläolithische Fels- und Höhlenkunst auch in Zentraleuropa?

–          Und viele mehr..

Das Neanderthal Museum und seine Wissenschaftler waren mit acht Vorträgen zur Felskunst in Sizilien, Afrika, Zentraleuropa und Deutschland und den gemeinsamen Projekten mit der Universität zu Köln “Tracking in Caves” und “SFB-806 Our Way To Europe” sehr präsent vertreten.

Eine der Exkursionen hatte den paläolithischen Freiland-Fundplatz Siega Verde und den mesolithisch/neolithischen Fundplatz Monfragüe zum Ziel. Auf ersterem können am Ufer des Flusses Águeda mehrere Abbildungen von in Schiefergestein gravierten Auerochsen, Hirschen und Pferden besichtigt werden, die auf ca. 20 000 – 13 000 Jahre alt geschätzt werden. Der zweite Fundort befindet sich in einem Nationalpark. Dort können an mehreren Stellen in schwer erreichbaren Felsöffnungen rote und schwarze Malereien aus der Mittel- und Jungsteinzeit bewundert werden.

Der Besuch der Tagung hat uns nicht nur archäologisch, sondern auch historisch begeistert. Neben archäologischen Exkursionen haben die Organisatoren auch Stadtführungen durch Cáceres angeboten. Die Altstadt von Cáceres ist seit sehr langer Zeit nicht mehr baulich verändert worden und man fühlt sich wie durch eine Zeitreise ins Mittelalter zurückversetzt. Ein sehr zu empfehlendes Reiseziel.

Viele Grüße

 

Viviane Bolin

 

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Kommende Ausgrabungskampagne in Südspanien

Wie bereits im Blogbeitrag vom 4. März 2015 berichtet, planen die Archäologen des Neanderthal Museums und der Universität zu Köln gemeinsam mit den spanischen Kollegen aus Südspanien eine Ausgrabungskampagne in Ardales und Teba (Malaga).

Nun ist es endlich soweit – am 02. September geht die Reise los! Mitsamt Gerät und Gepäck fährt ein Teil des deutschen Teams mit dem Minibus von Mettmann nach Ardales, über 2000 km! Das internationale Team wird bis zum 02. Oktober dort die Fundplätze Sima de Las Palomas de Teba und Cueva de Ardales erforschen. Bei über 30°C, Sonnenschein und strahlend blauem Himmel.

Das Ziel ist es, die Besiedlungsgeschichte der beiden Orte zu untersuchen. Denn wir wissen, dass Neanderthaler und moderne Menschen diese Gegend bewohnt haben – aber haben sie auch zur selben Zeit dort gelebt? Sind sie sich vielleicht sogar begegnet? Das sind einige der Fragen, mit denen sich die Forscher auf dieser Ausgrabung beschäftigen. Wichtig ist es, so tief wie möglich zu graben, die Schichtenabfolgen mit menschlichen Hinterlassenschaften genaustens zu dokumentieren und, wenn möglich, datierbares Material zu finden und zu analysieren, damit die Schichten auch besser chronologisch eingeordnet werden können.

Kurz vor Beginn der Ausgrabung fliegen zwei Kollegen aus dem Neanderthal Museum zur IFRAO-Tagung in Cáceres (Spanien). Auf dieser internationalen Konferenz zum Thema Felskunst treffen sich alle paar Jahre Experten aus der ganzen Welt und stellen die neuesten Forschungsergebnisse zur steinzeitlichen Kunst aus ihren Regionen vor. Dieses Jahr ist der Titel „Symbols in the Landscape: Rock Art and its Context” (Symbole in der Landschaft: Felskunst und ihr Kontext).

Natürlich berichten die Kollegen wieder live per Twitter von der Tagung und der darauffolgenden Ausgrabung aus Südspanien. Diesen Sonntag, am 30. August, geht’s los! Also nicht verpassen!

Viele Grüße

Viviane Bolin

PS: Mehr Infos zur Grabungskampagne hier: http://www.neanderthal.de/bildung-forschung/forschungsprojekte/spanien/index.html

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Ab in die Höhle!

Das Team von Projekt C1, Sonderforschungsbereich 806 der Universität zu Köln, reiste im Januar 2015 in die Provinz Málaga, Südspanien. Dort trafen wir das spanische Team zum Planungstreffen für kommende Ausgrabungskampagnen.

Das kleine Dorf Ardales hat neben seinen kleinen weißen Häuschen und Mandarinen- und Olivenplantagen auch noch eine sensationelle Höhle zu bieten, die die Menschen schon seit der Steinzeit faszinierte. Die ‚Cueva de Ardales‘ birgt für die Archäologen wertvolle Hinterlassenschaften, wie z.B. Höhlenkunst aus dem Paläolithikum und Bestattungen aus dem Neolithikum. Die untere Gallerie ‚Galeria Baja‘ können Touristen besichtigen, aber die obere Gallerie ‚Galeria Alta‘ ist noch nicht erforscht. Das spanische Archäologenteam hat sich die Zeit genommen, mit uns deutschen Wissenschaftlern die Gallerie zu erkunden. Um mögliche prähistorische Spuren nicht zu zerstören, haben wir Schutzanzüge getragen und haben uns sehr vorsichtig auf einem vorgefertigten Pfad bewegt. Um die obere Gallerie zu erreichen, mussten wir mithilfe von Kletterausrüstung 17m steile Wand hinaufklettern. Die Höhle ist sehr warm und feucht, ein starker Kontrast zu der klaren kühlen Luft in der Region. Die Brillen und Kameras beschlagen sofort, wenn man die Höhle durch die Stahltür betritt. Allerdings ist es eine sehr große und weite Höhle, mit hohen Decken und wundervoll unirdischen Formen, dass man sich auf einem anderen Planeten denkt. Nur an einigen Stellen wurde es eng und wir mussten uns auf allen Vieren bewegen oder sogar auf dem Bauch weiterkriechen. Alles in allem eine spannende Erfahrung.

Nur einige Kilometer entfernt von dieser Höhle befindet sich in den Felswänden einer Schlucht ein weiterer steinzeitlicher Fundplatz, Sima de Las Palomas und Cueva de Las Palomas. Dieser besondere Ort besteht aus einer Höhle (Cueva) und aus einem Loch (Sima), die möglicherweise in der Steinzeit miteinander verbunden waren, aber heute durch Gerölleinstürze voneinander getrennt sind. Diesen Fundplatz haben wir nur von außen besichtigt. Von dort hat man einen wunderbaren Blick auf die Landschaft.

An beiden Orten sollen dieses Jahr Ausgrabungen stattfinden. Das Ziel ist es, den Übergang zwischen den Schichten, die Hinweise auf Neanderthaler beinhalten, und den Schichten mit Hinterlassenschaften von modernen Menschen zu dokumentieren. So hoffen die Archäologen, können sie besser verstehen, wie lange die Neanderthaler dort lebten, wann genau der moderne Mensch auf der Iberischen Insel ankam und ob sich beide getroffen haben.

Am letzten Abend vor der Abreise haben Prof. Weniger und der spanische Archäologe José Ramos der Kommune das Werk vorgestellt, in dem letztes Jahr alle Informationen und Ergebnisse der bisherigen Ausgrabungen in Sima de Las Palomas veröffentlicht wurden.

Bleibt dabei! Im Juni geht es weiter mit der Berichterstattung zu diesem Projekt. Auf Twitter könnt ihr dem Projekt live folgen (Links: https://twitter.com/ExpeditionNM und http://www.neanderthal.de/expedition/)

Viele Grüße & Hasta la proxima!

Viviane Bolin

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Eiszeitliche Höhlenbilder auf Sizilien

Eiszeitliche Höhlenbilder werden gewöhnlich mit Spanien oder Frankreich in Verbindung gebracht: man denkt sofort an Lascaux, Altamira oder Chauvet. Dass es aber auch in anderen Teilen Europas bildliche Hinterlassenschaften der eiszeitlichen Jäger und Sammler gibt, ist vielen unbekannt. Zusammen mit Kollegen der Universität Greifswald war ich für eine knappe Woche auf Sizilien, um dort das archäologische Potential einiger bekannter Bilderhöhlen zu untersuchen. Dies erschien vielversprechend, denn seit etlichen Jahren steht die Forschung zu diesem Thema dort still. Aber gerade die Entwicklung neuer Beleuchtungsmöglichkeiten hat sehr gute Möglichkeiten für die Entdeckung bislang unbekannter Bilder eröffnet. Die möglichst vollständige Erfassung der Bilder einer Höhle ist wiederum Voraussetzung zu ihrem Verständnis. Unser Ausgangspunkt war die Grotta del Genovese auf einer kleinen Insel vor der Westspitze Siziliens. Ausgerüstet mit moderner LED-Lichttechnologie und unserem 3-D Streifenlichtscanner haben wir in drei Tagen vor Ort intensiv gearbeitet. Die ersten Ergebnisse rechtfertigen den Aufwand, denn einige Neuentdeckungen konnten gemacht und präzise durch den 3-D Scanner dokumentiert werden.

Auf diesen Vorarbeiten aufbauend soll ein junger sizilianischer Kollege seine Doktorarbeit schreiben.

 

Mit besten Grüßen, Andreas Pastoors

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Ausgrabungen in Guadalteba

Seit dem 14. März ist ein Team im Rahmen unserer Forschungen des SFB 806 in Andalusien. Wir setzen die im Herbst vergangenen Jahres begonnenen Arbeiten in zwei Höhlenfundstellen fort. Las Palomas de Teba ist ein Höhlensystem mit mehreren Etagen nördlich von Ardales. Im höchsten Bereich des Systems untersuchen wir einen Schacht, die sogenannte Sima. In historischer Zeit wurde an der Rückwand des Felsens ein fast sieben Meter tiefer und etwa drei Meter breiter Schacht ausgehoben. Dabei wurden auf der gesamten Distanz Schichten mit Besiedlungsspuren des Neanderthalers angeschnitten. Für uns Archäologen wurde unbeabsichtigt ein großes Fenster in die Fundstelle geöffnet. Wir nehmen Proben aus dem Profil um das Alter der verschiedenen Phasen datieren zu können. Mit Sediment- und Pollenproben wollen wir die Klimageschichte der Region rekonstruieren und natürlich interessieren uns die vielen Steinartefakte, die wir aus dem Profil geborgen haben.

In der Cueva Ardales haben wir mit Hilfe unserer Kollegen aus der Geoinformatik fast den gesamten Höhlenraum und außen den gesamten Vorplatzbereich und Teile der Bergkuppe mit einem Laserscanner erfasst. Außerdem nehmen wir in der Höhle die Höhlenmalereien und Gravierungen an den Wänden mit einem Streifenlichtscanner auf. Dieses Verfahren wird von uns erstmals zur Dokumentation paläolithischer Höhlenkunst eingesetzt. Die Ergebnisse sind hervorragend. Die Auflösung der Scans reicht bis 0,03 mm. Wir können jetzt schon sagen, dass in Zukunft eine Bearbeitung von Höhlenkunst ohne Streifenlichtscanner nicht mehr sinnvoll sein wird. Dazu testen wir noch andere Scanverfahren, um „mehr“ auf den Wänden sehen zu können.

Die spanischen Medien haben sich inzwischen des Themas angenommen und umfangreich über unsere Arbeiten berichtet.

Die Zusammenarbeit in unserem Team klappt ausgezeichnet und die Kooperation mit unseren spanischen Partnern „es una maravilla“. Wegen des für morgen angekündigten Generalstreiks in Spanien, reisen wir heute schon ab, um zur Eröffnung der Jubiläumsausstellung „Wie Menschen Affen sehen“ rechtzeitig im Museum zu sein.

Saludos cordiales desde Ardales

Gerd-Christian Weniger und Andreas Pastoors

 

Schulterblick Forschung – Ausgrabungen in Andalusien

Nach den Frühjahrskampagnen in Portugal und Marokko konnte das Neanderthal Museum im Rahmen des SFB 806 nun seine Forschungen in Andalusien aufnehmen. Nach langer Vorbereitungszeit hat die Junta de Andalucía Anfang September grünes Licht gegeben für Sondagen in den Fundstellen Cueva Ardales und Cueva de Las Palomas de Teba. Die Arbeiten werden im Rahmen einer Projektgemeinschaft des Consorcio Guadalteba, der Grupo de Acción Local Guadalteba, der Universität Cádiz und der Stiftung Neanderthal Museum durchgeführt. Unser Standort ist das Dörfchen Ardales, 50 km nördlich von Málaga gelegen. Die Region zeichnet sich durch einen ungewöhnlichen Reichtum prähistorischer und historischer Kulturdenkmäler aus. Während die Cueva de Las Palomas ein etwa sechs Meter mächtiges Sedimentpaket mit einer enormen Funddichte mittelpaläolithischer Siedlungsschichten aufweist, ist die Cueva Ardales vor allem aufgrund ihrer eiszeitlichen Höhlenmalereien bekannt. In den beiden Fundstellen, die einmalig für das Paläolithikum im Süden der Iberischen Halbinsel sind, konnten erstmals archäologische Sondagen durchgeführt werden. Durch den Einsatz von Georadar und durch geologische Bohrungen haben wir uns den Fundstellen zunächst sehr vorsichtig genähert. Beide weisen eine komplexe Topographie auf, die wir näher kennen lernen wollten, bevor großflächige Ausgrabungen begonnen werden. Die geowissenschaftlichen Kollegen der Universitäten Köln und Aachen haben in den vergangenen zwei Wochen ganz exzellente Arbeit geleistet. Mit mehreren Koffern voll Proben reisen wir nach Deutschland zurück, um in den kommenden Monaten Daten zur Alterstellung der verschiedenen Fundhorizonte, ihrer Klimageschichte und zum genauen Verlauf der Besiedlungsschichten auszuwerten.

Die Zusammenarbeit mit unseren spanischen Partnern war hervorragend und die Arbeitsbedingungen im Parque de Guadalteba waren exzellent. Wir hatten Gelegenheit das Projekt der breiten Öffentlichkeit vorzustellen und haben bereits eine hervorragende Resonanz. Dazu kam die außergewöhnliche Gastfreundschaft in unserem Quartier in Ardales. Nach zwei Wochen sehr intensiver, kontinuierlicher Feldarbeit haben wir einen großen Schritt nach vorne gemacht und hoffen in 2012 die nächste Etappe beginnen zu können.

 

Mit den besten Grüßen aus Ardales

 

Gerd-Christian Weniger

Höhlenkunst in Franken. Was ist dran an der Geschichte ?

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‘Die Lusthöhle in Franken’ sei eine « der spannendsten Fundorte Deutschlands » berichtet die ZEIT diese Woche. In der engen Mäanderhöhle haben Menschen « natürlich entstandene Genitalienkollektionen künstlerisch » verziert. Nach ersten Untersuchungen sollen die Linien ein Alter von 14.000 Jahren vor heute haben. So die Meldungen in der Presse.

‘Na und?’ könnte man sagen, oder auch ‘sensationell’. Was macht die Entdeckung in der Mäanderhöhle eigentlich so spannend ?

In einer Höhle in Franken wurden Linien gefunden, die als vom steinzeitlichen Menschen gemachte Gravierungen interpretiert werden. Das wäre eine einzigartige Entdeckung, denn bislang gibt es nichts vergleichbares in Deutschland. Zunächst ist diese Ausgangsvermutung aber nicht belegt, schon gar nicht untersucht. Man geht einfach davon aus. Wären unter den Motiven Mammut, Rentier, Nashorn oder Pferd müsste man sich nur die Mühe machen, die Linien genau unter die Lupe zu nehmen, um eine Fälschung auszuschließen. Gibt es überhaupt eindeutige Motive? Hier wird es schwierig, den Interpretationen der untersuchenden Archäologen zu folgen. Linien, ja. Aber wie gehören sie zusammen? Man muss schon sehr viel Phantasie besitzen, in den Linien etwas zu erkennen, was zusammengehört.

Mal angenommen die Linien wären tatsächlich vom Menschen gemacht. Was weiß man sonst noch? Die Linien sind älter als 3.500 Jahre. Ein Erdrutsch in der Gegend hatte zu lokalen tektonischen Bewegungen geführt. Diese haben auch die Linien betroffen; sie waren also vorher da. Natürliche Felsformationen wurden ergänzt. Aber zu was? Das war es aber dann auch schon. Mehr wissenswertes ist nicht zu nennen. Ohne eine technische Analyse der Linien gemacht zu haben, ist es zu diesem Zeitpunkt reine Spekulation, von steinzeitlicher Höhlenkunst zu sprechen.

Nun gut, lassen wir mal die Kritik bei Seite: die Mäanderhöhle ist mit Lascaux oder Altamira nicht zu vergleichen. Unter von der Universität Mainz gezählten ca. 12.000 registrierten Höhlen in Deutschland ist bislang nicht vergleichbares gefunden worden. Wir brauchen uns nicht zu schämen, dass wir in Deutschland kein Lascaux haben. Die eiszeitlichen Wildbeuter die durch unser heutiges Land streiften hatten mit Höhlen nichts weiteres im Sinn, als den sich bietenden Schutzraum zu nutzen. Dennoch war vieles aus Alltag und Kultur mit den benachbarten Gruppen identisch. Zeichnungen wurden auf beweglichen Objekten gemacht. Davon gibt es genug Belege.

Fazit: das spannende an der Entdeckung in der Mäanderhöhle sind nicht die möglichen neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Das spannende ist vielmehr die Diskussion um das Thema Höhlenkunst in Deutschland. Und das soll von Schaden nicht sein.

Mit besten Grüßen,

Andreas Pastoors