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Barrierefreiheit im Museum – Interview mit dem Blinden- und Sehbehindertenverein Mettmann

Ich heiße Kevin Tabaka, bin Auszubildender beim Blinden- und Sehbehindertenverband Nordrhein e.V. (BSVN) und unterstütze seit dem 17.08.2020 unser Kooperations-Projekt NMsee. “NMsee” ist ein Projekt, bei dem eine inklusive App entsteht, die sehende, blinde und sehbehinderte Menschen durch das Spielen einer Story mit dem Handy durch das Neanderthal Museum führt.

Am 2. September 2020 habe ich mit unseren Unterstützer/innen Tamara Ströter und Jörg Moses vom BSV Mettmann ein Interview zum Thema NMsee und Museen geführt. Gesprochen haben wir unter anderem über ihre Tätigkeit für und Meinung über das Projekt, über die Erfahrungen, die sie bei Prototypen-Tests gemacht haben, und welche Art von Museen die beiden interessant finden.

Tamara Ströter im Neanderthal Museum

Tamara Ströter (rechts im Bild, gelber Pullover) und Jörg Moses (links im Bild mit Smartphone) bei einem Workshop in der Dauerausstellung.

Wegen der aktuellen Lage durch COVID-19 haben wir uns dazu entscheiden, das Interview per WhatsApp abzuhalten, um alle Hygiene-Maßnahmen einhalten zu können.   

Kevin Tabaka: Wie beratet Ihr das Museum? Beziehungsweise wobei beratet Ihr das Museum?

Tamara Ströter:Wir beraten das Museum zum Thema Barrierefreiheit. Das hat damit begonnen, dass es erstmal um das Gebäude ging; wie man sich dort als blinder Mensch selbstständig bewegen kann. Dort fehlen eben Leitlinien zur Orientierung und auch tastbare Beschilderungen. Der Audio Guide beziehungsweise die Stationen sind für Blinde auch nicht gut auffindbar. Daraus ist eben die Idee mit dem Spiel über die App entstanden. Dieses Projekt begleiten wir jetzt durch verschieden Workshops und Testungen, durch Jörg und mich. Bei den Workshops wird auch von anderen blinden Mitspielern getestet und bewertet. Dazu kommt eben die Kompetenz der verschiedenen anderen Teilnehmer, die du, Kevin wahrscheinlich besser mit Namen kennst als wir.“ 

Kevin Tabaka: Ok! Ihr beide investiert ja ziemlich viel Zeit mit dem Museum und der Hilfe bei dem NMsee-Projekt, mit euren Rat- und Vorschlägen und mit der Einbringung eurer Ideen.
Was motiviert euch beide dazu, so intensiv das Museum mit dem Projekt zu unterstützen?

Jörg Moses:Meine Motivation ist (…) natürlich die, dass es sich lokal natürlich anbietet. Also, dass das Museum in unserem Kreis ist, in dem wir auch beraten und (…) Es macht ja auch Spaß, weil man hat ja auch nette Kollegen, die man schon kennt. (…) Es ist bestimmt ein schönes Spiel, wenn es fertig ist, und dann auch interessant für jedermann. Das finde ich am interessantesten und spannendsten, dass wir was machen, das jedem Besucher helfen kann. Das finde ich, ist die größte Herausforderung und Motivation.“

Tamara Ströter: „Als erste Vorsitzende des Blinden- und Sehbehindertenverein Mettmann ergibt sich die Motivation schon automatisch, und ich finde es toll, dass wir überhaupt Einfluss nehmen dürfen. Genauso wie Jörg sehe ich das auch. Es ist eben für alle, es ist vor Ort und es macht auch Spaß. Ist mal was anderes als trockene Verwaltungsarbeit, die so ein Verein mit sich bringt.“

Kevin Tabaka: Was gefällt euch beiden am NMsee Projekt besonders gut?

Tamara Ströter: „Ich finde es interessant mal in so einem Museumsbetrieb hinein schauen zu können, so hinter den Kulissen! Es ist spannend, dass man eben schon mal so analog Sachen machen soll, die später digital umgesetzt werden können. Eben auch so spannend, wie eine App entsteht. Also doch erstmal auf Papier, und nicht, dass dauernd irgendwas umprogrammiert werden muss.“

Jörg Moses: „Zu der Frage hat Tamara eigentlich schon alles gesagt. Dem ist nichts hinzuzufügen!“

Kevin Tabaka: Wenn wir jetzt schon mal hinter den Kulissen der App-Entwicklung sind: Ihr habt ja bestimmt schon mal den ein oder anderen Prototyp-Test mitgemacht. Habt Ihr da Spaß daran die Entwicklung zu testen, oder findet ihr das anstrengend?

Jörg Moses:Ja, natürlich hat es viel Spaß gemacht! Die Entwicklung, (…) die Projektmanager (…) von der Firma, die das Projekt betreuen bzw. auch die App entwickeln, (…) die haben es schon nicht leicht. Denke ich mal mit den Anforderungen, und es ist sicherlich auch schwer, alles umzusetzen. Das hängt auch bestimmt mit dem Budget zusammen, das man da hat. Ansonsten macht das riesig Spaß da mitzuwirken, und wie Tamara da schon sagt, „hinter die Kulissen zu schauen“ und wie so eine App entwickelt wird. (…) Es macht einfach Spaß, mit jungen Menschen zusammen zu arbeiten, die das des Geldes wegen machen müssen *lacht*. Und wir machen es, weil wir Spaß haben. (…)“

Tamara Ströter: „Ich habe da auch Spaß dran. Es wird ja auch Rücksicht auf unsere Bedürfnisse genommen und es wird uns wirklich leicht gemacht mit Kaffee und Keksen ;-)“

Neanderthal Museum Gebäude

Das Neanderthal Museum mit seiner markanten Fassade aus hellblauem Glas steht mitten im grünen Neandertal.

Kevin Tabaka: Was, findet Ihr, ist am Neanderthal Museum unterstützenswert?

Tamara Ströter: „Naja, immerhin sind wir ja alle ein bisschen Neandertaler 😉 Und es wertet unsere Gegend auch auf, dass so ein wunderbares Museum hier angesiedelt ist. Wir haben auch schon mal mit unseren Mitgliedern einen Ausflug gemacht und haben eine tolle Führung bekommen.“

Kevin Tabaka: Wenn Ihr einen Museumsbesuch macht, was wünscht Ihr euch von dem Museum? Und was muss es haben, damit Ihr für euch persönlich sagen könnt, dass das ein guter Museumbesuch war?

Jörg Moses:Also ehrlich gesagt, bin jetzt nicht der Große Museumbesucher (..). Es muss interessant sein, es muss irgendwo (…) lebendig gemacht werden (…) es darf nicht so tot sein. Das finde ich am Neanderthal Museum schon gut, weil die Exponate aus lebendigen Zeiten stammen. Es wird ja von einer Zeit gesprochen, die es mal gegeben hat. (…) Letztendlich komm ich glaube ich aus einem Zeitalter, wo Burgen, Schlösser und Museen für mich nicht so ganz interessant waren, aber ich mich dann immer eines Besseren belehren habe lassen. Und es gibt ja auch interessante Museen, keine Frage! Ich war ja auch schon in ein paar Museen, die wirklich schön und Interessant waren. Unter anderem auch das Neanderthal Museum!   

Tamara Ströter: „Da ich voll blind bin, ist es für mich wichtig, dass ich akustische Mitteilungen über die Ausstellung bekomme und dass es möglichst viel zum Anfassen gibt. Und das Thema muss mich natürlich interessieren. Wenn es gerade passt, nehme ich auch immer gerne eine Führung in Anspruch, so von Mensch zu Mensch.“

Kevin Tabaka: Ok, alles klar! Auch wenn Jörg jetzt nicht gerade der Museumsgänger ist, würde mich interessieren welche Themen euch persönlich interessieren. Also: Welche Themen müsste ein Museum haben, damit Ihr sagt, da würde ich gerne mal hingehen?

Jörg Moses: „Also mein Leben haben zwei Themen geprägt. Das war einmal die Technik, sprich einmal die Computer-Technik, Netzwerk-Technik, Telekomunikations-Technik- und die Musik! Das waren die zwei großen wichtigen Themen in meinem Leben, die mich geprägt haben und mit denen ich viel in meiner Vergangenheit zu tun hatte. Das heißt natürlich, dass wenn ich (…) solche Museen oder Ausstellungen (…) zufällig mitbekomme, dann (…) schaue ich schon gerne mal da rein. Was mich natürlich auch interessiert, da ich aus den neuen Bundesländern komme, (…) die alten Relikte aus unserer Zeit, mit denen ich auch großgeworden bin. Die heute auch noch in vielen Ostalgie Museen zu sehen sind (…) Da guck ich natürlich auch gerne mal rein, um in alten Zeiten zu schwelgen.

Tamara Ströter: „Ich bin auch so eher für die technischen und die Alltags-Museen. Nicht nur Computer und Musik, sondern auch Schiffe, Schlösser, Haushaltsgeräte (…) Alles, was man eben anfassen kann, und wie sich das über die Zeit so entwickelt hat. Mit Gemälden kann ich eher weniger was anfangen.“

Kevin Tabaka: Würdet Ihr beide andere Museen beraten und unterstützen? Und wenn ja, wie kann man euch beide erreichen?

Jörg Moses: „Ja, natürlich, (…) würde ich von meiner Seite her auch gerne andere Museen beraten (…) In Sachen Barrierefreiheit oder bei Spiele-Apps, die mit dem Museum zu tun haben. Auch natürlich, wenn sie jetzt nicht im Kreis Mettmann sind. Muss man dann natürlich (…) speziell sehen, inwieweit ist das machbar, umsetzbar? Wie kommen wir dahin? Wird das finanziert? Und so weiter und sofort. Also wenn die Punkte alle gegeben sind, warum nicht? Klar! Und (…) wie ihr uns erreichen könnt: Am besten über unsere Homepage, die immer aktuell gepflegt ist. Und über die bekannten Kontaktmöglichkeiten wie Facebook, Instagram; oder über unsere Handynummer, die ja auch über viele unserer Kanäle bekannt sein dürfte. (…) Einfach probieren (…)!“

Tamara Ströter: „Ich stehe für den Verein auch noch im Kontakt mit dem „Schloss- und Beschläge- Museum“ in Velbert, was ja auch gerade neu gebaut wird. Da sind wir über den Arbeitskreis Inklusion auch mit involviert. Naja, die Kanäle, die Jörg schon gerade gesagt hat, und die Homepage: www.bsvnkme.de . Ich denke mal, wir beschränken uns schon hier auf dem Kreis Mettmann, denn in anderen Städten gibt es ja auch Vereine, die ihre Museen beraten (…). Außer, es ist eine größere Ausschreibung zum Testen vorhanden, wie auch beim Neanderthal Museum. Da wurde öffentlich aufgerufen, dass blinde Tester teilnehmen.“ 

Kevin Tabaka: Das war´s dann auch schon! Danke, dass Ihr euch die Zeit genommen habt!

 

Tamara und Jörg werden das NMsee-Projekt auch in den weiteren Monaten mit ihren Ratschlägen und ihrer Teilnahme an User-Tests unterstützen.

Das inklusive App Game im Neanderthal Museum erscheint zum Jahresende für Android und iOS.  

Interview und Beitrag von Kevin Tabaka

Fragen zum Projekt? Melde dich bei:
Anna Riethus
Wissenschaftliche Projektleitung NMsee
Anna.riethus@bsv-nordrhein.de
02104 97 97 18

Inklusives Mobile Game – made in Neanderthal

Wenn blinde oder sehbehinderte Menschen die Ausstellung im Neanderthal Museum besuchen, werden sie von zahlreichen kleinen und großen Hürden vom Bildungsangebot ausgeschlossen.

Deswegen arbeitet das Neanderthal Museum seit 2019 gemeinsam mit dem Verband blinder und sehbehinderter Menschen in NRW, dem BSVN e.V am Forschungsprojekt NMsee.

Unser wichtigstes Ziel ist, dass im Neanderthal ab 2021 alle Gästen unabhängig vom Sehvermögen das Museum besuchen, genießen und unser Informationsangebot nutzen können.

Mittel der Wahl ist eine Kombination aus taktilem Bodenleitsystem, neuen Tast-Objekten, tastbaren Schildern und einem inklusiven Mobile Game.

3D-Drucke Neanderthaler und Neanderthal Museum
Renderings der 3D-Drucke

Im Mobile Game begleiten User*innen während des Museumsbesuchs den Hauptcharakter Nami, Älteste einer eiszeitlichen Jäger*innen- und Sammler*innen-Gruppe, auf einer lebenswichtigen Wanderung durch das Neandertal. Die Bedienung im Game orientiert sich an gängiger Screenreader-Software. Wie so ein Screenreader am Smartphone funktioniert, könnt ihr beispielsweise hier erfahren.

Das inklusive Mobile Game entwickeln wir gemeinsam mit Profis aus der Games-Branche sowie blinden, sehbehinderten und sehenden Tester*innen. Das Game Development übernimmt Wegesrand aus Mönchengladbach:

Game-Designer auf der Dachterrasse im Büro Wegesrand Mönchengladbach
Die Dachterrasse im Büro Wegesrand in Mönchengladbach

Wegesrand bildet den Querschnitt an interaktiver Technologie ab. Ob Serious Games oder Gamification-Konzepte zur Schulung von Mitarbeiter*innen, interaktive Erlebnisse in Museen oder digitale Plattformen für den Schulunterricht – wir machen Informationen interaktiv erlebbar. Im Projekt NMsee sind wir für die Entwicklung des inklusiven App Games mit Beacon-basierter Indoor-Navigation verantwortlich. Inklusion in Museen ist noch längst keine Selbstverständlichkeit – umso wichtiger ist es uns, den Weg in eine inklusive Museumslandschaft proaktiv mitzugestalten, indem auch bei der Medienproduktion alle Menschen mit ihren individuellen Bedürfnissen in den Blick genommen werden.“

Software-Entwickler Mathias inklusives AppGame NMsee
Software-Entwickler Mathias

Software-Entwickler Mathias beschreibt seine Tätigkeit für NMsee: „Meine Aufgaben im NMsee-Projekt sind die Entwicklung der Software mit Schwerpunkt Anforderungsanalyse, Qualitätssicherung und Koordination. Besonders motiviert mich die Herausforderung, Game-Design und Museumsbesuch zu einer einfachen und lehrreichen Spielerfahrung zu vereinigen.”

Wegesrands Projekt-Managerinnen Jana und Carolin organisieren und koordinieren zwischen den verschiedenen Fachleuten, damit alles rund läuft.

Projektmanagerin Jana inklusives AppGame NMsee
Projektmanagerin Jana

Projektmanagerin Jana: “Als Projektmanagerin und Konzepterin im Bereich „Playful Learning“ freut mich dieses Projekt ganz besonders: Ein weiterer Schritt, das Vorurteil des angestaubten Museums aufzubrechen. Durch spannende Geschichten und das interaktive Einbeziehen der Besuchenden wird Wissen spielerisch und nachhaltig vermittelt – das ist die Zukunft!

Projektmanagerin Carolin inklusives AppGame NMsee
Projektmanagerin Carolin

Projektmanagerin Carolin: “Als Projektmanagerin fasziniert mich an diesem Projekt, wie wir nicht nur die Wissensvermittlung, sondern auch die (für uns alltägliche) Nutzung einer App grundlegend umdenken und Inhalte damit auch für blinde und sehbehinderte Besucher*innen zugänglich werden.”

Das neue inklusive Mobile Game von BSVN e.V. und Neanderthal Museum wird Anfang 2021 in den App Stores (Android, Apple) kostenlos zum Download zur Verfügung stehen. Ende des Jahres wird der Einbau der neuen Tast- und Orientierungs-Elemente abgeschlossen.

Kommt zum Testen vorbei!

Anna Riethus

 

Mehr aktuelle Informationen zum Forschungsprojekt NMsee, dem BSVN e.V. und Wegesrand findet ihr unter:

https://twitter.com/ARiethus

www.bsv-nordrhein.de

www.wgsrnd.net

Das inklusive Mobile Game wird ermöglicht von:

Stiftung Wohlfahrtspflege
Kämpgen Stiftung
Neanderthaler Gesellschaft e.V.

Die neue inklusive Infrastruktur wird ermöglicht von:

LVR
NRW Stiftung

“NMsee” Workshop – Pitchen, Testen, Prototypen bauen

Wie kann ein inklusives Museums-Spiel aussehen? Welche Info will ich von einer App wo & wann im Museum haben? Und was für Prototypen bauen 21 Betroffene, Designer & Fachleute an einem Nachmittag? Um die Antworten auf diese Fragen zu kriegen, fand vergangene Woche ein Konzept-Workshop des Projekts „NMsee“  im Neanderthal Museum statt.

Bei der Vorstellrunde steht schnell fest: die Teilnehmer*innen spielen privat mit Vorliebe Monkey Island, Brettspiele wie Das Spiel des Lebens & das unsterbliche Uno.

Der Hintergrund: bis 2021 wird hier im Museum an einem inklusiven App Game für die Dauerausstellung gearbeitet. Dafür wollen wir unsere Ideen und Ansätze von Anfang an mit Betroffenenverbänden und Fachleuten unterschiedlicher Disziplinen diskutieren.

Von links nach rechts: Bernd Buchholz, Neanderthal Museum. Annalena Knors, Corporate Inclusion. Tamara Ströter, BSV Mettmann. Daniel Wagner, Monokel. Tina Malburg, Kreema Design/PBSA Düsseldorf. Gregor Strutz, Inkl. Design. Michel Roever, Visually Impaired Person Simulator. Linda König, LVR Zentrum für Medien und Bildung. Astrid Bormann, Neanderthal Museum.

Der Vormittag war Pitches gewidmet: Vortragende von Betroffenenvereinen, Game- & Designstudios, dem Museum und dem LVR-Zentrum für Medien und Bildung stellten ihre Perspektiven zu den Themen Inklusion, inklusives Design, Inklusion im Museum sowie Games & Apps vor. Die Bestenliste bei der Einhaltung der Vortragszeit führt Tamara Ströter vom BSV Mettmann mit unschlagbar kompakt-informativen zwei Minuten über ihre Museumserfahrungen. Chapeau!

Im Anschluss folgte eine Führung durch die Dauerausstellung sowie das Probieren unserer Teststation für den geplanten Rundgang. Die Teststation wurde auf der Basis des bestehenden Grundkonzepts von unserer fabelhaften Praktikantin Lisa Skripic gebaut. Parallel dazu stellte das Büro Inkl. Design verschiedene taktile Exponate und Druckmethoden zum Testen zur Verfügung.

An der Teststation im Museum wird getestet & getastet. Die Begleitung auf vier Pfoten wartet derweilen geduldig auf die Mittagspause.

Nach der Mittagspause ging es endlich ans Eingemachte: den Prototypen-Bau! Aufgeteilt in drei Teams, erstellten die Teilnehmer*innen auf Basis der im Vormittag gesammelten Informationen Prototypen zu den drei Themen „Gameplay“, „Hörwelten“ & „Informationen“.

Ende der Prototypen-Time! Die Ergebnisse:

Team „Die Informanten“ präsentiert ein Prototypen-Konzept, bei dem anklickbare Info-Ebenen in einer App dem Gast die Möglichkeit bieten, zwischen Rundgängen mit und ohne Spielerlebnis zu wählen. Je nach Info-Bedarf bietet die App dann immer detailliertere Ebenen, die beginnend mit allgemeinen Fakten zu einem Ausstellungsobjekt bis hin zu weit gefasster Kontextinfo eine individuell wählbare Info-Tiefe bieten. An Stationen im Museum werden dazu Audio-, Video- und Audiodeskriptions-Inhalte angeboten. Für Spieler-Naturen bietet die App nach einem Tutorial die Möglichkeit, einzeln oder in Teams an den Stationen in unterschiedliche Spielcharaktere (Jägerin, Sammler, Archäologin etc.) zu schlüpfen. Für Kinder und Erwachsene gibt es unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Station für Station erspielen sich die Gäste somit die unterschiedlichen Themenbereiche. All das soll außerdem in verschiedenen Sprachen angeboten werden.

„Die Ohren“ schlagen eine klassische Audioführung vor, die per App zu Hause oder im Museum heruntergeladen und dann im Museum gestartet wird. In jedem Themenbereich der Ausstellung gibt es einen passenden Audiobeitrag. Für Erwachsene & Kinder gibt es zwei unterschiedliche Audio-Führungen. Nach dem Anhören des Beitrags kann der Gast ein kleines Sound-Game spielen: der Gast errät die abgespielten, zum jeweiligen Themenbereich & dem Audiobeitrag passenden Sounds und ordnet sie richtig zu. Diese können im Anschluss gesampelt und zu einer Art Song zusammengesetzt werden. So sammelt der Gast beim Besuch mit der App eine ganze „Sound-Kollage“, die er im Anschluss mit nach Hause nehmen, verändern und auf dem Social-Media-Screen am Ende der Dauerausstellung posten kann.

„Die Gameplayer“ stellen ihren Entwurf für ein sehr interessantes Audioerlebnis vor. Ihr angezielter Prototyp sollte multisensorisch, multiperspektivisch & vielschichtig sein. Die allererste Entscheidung der Spieler in diesem Erlebnis besteht darin, die gewünschte Erzähler*in unter den Neanderthalern & Homininen des Museums auszusuchen. Im Sinne der „branching narratives“ unterscheiden sich die daraufhin gehörten Erzählungen, je nach gewählter Antwort- oder Fragemöglichkeit. Zusätzlich existiert eine „Anekdoten-hafte“ Ebene, welche die Lebensrealität unserer Vorfahren anhand einzelner Exponate erklärt. Ziel ist, kein klassisches Spiel zu kreieren, sondern ein „aus verschiedenen Perspektiven erzähltes Hörerlebnis“. Mechaniken wie Multiple-Choice oder kleine Quiz-Elemente bieten Spieler*innen dabei die Möglichkeit, sich in die Erzählung miteinzubringen und in den Dialog mit der/dem Erzähler*in treten. Dabei muss die Geschichte nicht in einem Stück durchgehört werden: vielmehr wird erwartet, dass Besucher*innen immer wieder Pausen & Unterbrechungen einlegen. Zwecks Immersion – also Vertiefung in das Erlebnis – werden Aufmerksamkeits-Spots geplant, zwischen denen der Rundgang auch mal für eine Kaffeepause unterbrochen werden kann.

Im Anschluss an den Workshop bot Michel Roever die Möglichkeit an, den „VIP Simulator“ – eine Virtual Reality-Simulation mit einer ganzen Bandbreite von Sehbehinderungen & Hilfsmitteln – selbst auszuprobieren. Trotz leichtem Schwindelgefühl in der VR-Welt und dem unwiderstehlichen Drang, in den absolut „echt“ wirkenden, virtuellen Raum fröhlich hineinzulaufen, fand sich eine große Gruppe an willigen Testern. Einen kleinen Einblick in die spannende Simulation erhaltet ihr in folgendem Video: www.youtube.com/watch?v=nZr0Sh1oNYA&t=1s

Ich bedanke mich ganz herzlich bei allen Workshop-Teilnehmer*innen für ihren tollen, kreativen Input zu diesem Projekt und freue mich auf unsere ersten spielbaren Prototypen – geplant für diesen Sommer!

Anna Riethus

Wissenschaftliche Projektleitung „NMsee“