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SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Neanderthaler in den südlichen Voralpen

Das dritte Jahr mit Ausgrabungen in der Rio Secco Höhle bei Clauzetto in Nordost-Italien sind gerade zu Ende gegangen. Auf den ersten Blick erscheinen die bisherigen Ergebnisse enttäuschend: wenig Fundmaterial und problematische Fundumstände lassen spontan keine Euphorie aufkommen. Dieser erste, flüchtige Eindruck täuscht, denn beim genaueren Hinsehen entpuppt sich die Rio Secco Höhle als herausragender Beleg für die Tötung und Schlachtung von Höhlenbären im Mittelpaläolithikum. Die wenigen Steinwerkzeuge und die lockere Fundstreu passen sehr gut zu diesem spezialisierten Camp mit eingeschränkten Tätigkeiten. Schnitt- und Schlagspuren an Knochen von Höhlenbären sind eindeutige Belege für die hier durchgeführten Aktivitäten. Mit der Rio Secco Höhle ist sicherlich der Rand des für den Neanderthaler nutzbaren Territoriums in den südlichen Voralpen erfasst. Ein schönes Ergebnis nach 3 Jahren Grabungsarbeit: 2013 werden die Arbeiten mit dem Neanderthal Museum in der Co-Direktion weitergehen. Darüber hinaus werden die wichtigsten Funde der Rio Secco Höhle bald in NESPOS als 3D-Modelle der Wissenschaft zur Verfügung stehen.

Mit besten Grüßen, Andreas Pastoors

Zu Besuch bei italienischen Neanderthalern

Gestern sind wir aus San Felice Circeo zurückgekehrt. Dort liegt die Grotta Guattari, in der 1939 ein Neanderthalerschädel gefunden wurde (http://it.wikipedia.org/wiki/Grotta_Guattari). San Felice Circeo ist Partnerstadt von Mettmann. Die dortigen Verantwortlichen planen, der regionalen Bevölkerung ihren besonderen Fund mittels einer kleinen Ausstellung samt Besuch der Höhle näher zu bringen. Man war dort sehr interessiert daran, von unseren Erfahrungen und unserer Einschätzung zu ihrem ersten Konzept zu hören. Wir wünschen dem Projekt viel Erfolg!

Beste Grüße aus dem Neandertal

Bärbel Auffermann und Beate Schneider

 

Ötzi – Das Jubiläum geht weiter

Montag Abend war ich zur Eröffnung der großen Ötzi-Jubiläumsausstellung in Bozen. Das Südtiroler Archäologiemuseum (http://www.iceman.it/) , das die Original-Mumie beherbergt, hat zu Ehren des 20jährigen Jubiläums der Entdeckung seine gesamte Dauerausstellung ausgeräumt und präsentiert auf 4 Etagen Ötzi: Entdeckung, Erforschung und Rezeptionsgeschichte http://oetzi20.it/ . Adrie und Alfons Kennis (http://home.kpn.nl/alad/index2.html) , die auch unseren „N“ erschaffen haben, haben nach stereolithographischen Daten eine lebensechte Rekonstruktion des Ötzi hergestellt: ein graziler, sehniger Alpenbewohner mit niederländischem Charme. S. auch http://www.facebook.com/OetziTheIceman .

Ein besonderer Moment war es, Ötzi „leibhaftig“ in seiner metallenen Tiefkühlvitrine zu sehen.Ein kleines Fenster bietet die Möglichkeit, einen Blick auf ihn zu werfen. Dabei drängen sich Fragen auf wie wer er war und was er sagen würde, wenn er sein großes Museum und all den Rummel um ihn sehen könnte…

Beste Grüße aus dem Neandertal 

Bärbel Auffermann

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Besuch aus Norditalien

In der vergangenen Woche war Dr. Marco Peresani von der Università di
Ferrara zu Gast im Neandertalk. Einmal im Monat treffen sich hier die
Wissenschaftlerinnen des Neanderthal Museums, um aktuelle Themen der
archäologischen Forschung zu diskutieren. In diesem Forum berichtete Dr.
Peresani über offene Fragen zur Forschung der Steingerätetechnologie in
der Zeit des frühen modernen Menschen. Hier ist Dr. Peresani ein
ausgewiesener Kenner; er leitet die wohl bedeutendste Grabung aus der Zeit
des Neanderthalers und frühen modernen Menschen in Italien (Grotta di
Fumane). Im kommenden Jahr wollen wir in Kooperation mit der Università di
Ferrara einen Workshop durchführen, in dem Aspekte dieser offenen Fragen
erstmals intensiv beleuchtet werden sollen. Hierzu werden international
renommierte Wissenschaftlerinnen eingeladen.

Mit besten Grüßen, Andreas Pastoors