Schlagwort-Archive: Marokko

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Ausgrabungen in der Höhle des Löwen “Ifri N’Etsedda”

Die diesjährige Grabungskampagne des SFB 806 (Projekt C2) im östlichen Rif in Marokko fand in der 2008 entdeckten Höhle Ifri N’Etsedda vom 1. März  bis zum 16. April 2012 statt. Die in der Kebdana liegende Höhle konnte nur über einen teils steilen und stark mit dornenbewehrten Pflanzen bewachsenen „Weg“ erreicht werden, sodass der spätere Abtransport des vollständig geschlämmten Sediments nur mit Hilfe eines Maultiers zu bewältigen war. Begleitet wurde die Kampagne von schönem sommerlichem Wetter mit bis zu 35°C, aber auch von anderthalb Wochen schlechtem kalten Wetter mit teilweise kräftigen Regenschauern.

Insgesamt wurde eine 2 x 2 Meter große Sondage angelegt. Dabei wurden Schichten von der Neuzeit bis ins Frühneolithikum angeschnitten. Die stark mit Schnecken versetzten Schichten des Neolithikums erschwerten das spätere Sortieren erheblich und lösten bei der Ausfuhr von fünf 100 Liter Säcken, gefüllt mit Schnecken zur Untersuchung im Museum König, bei verschiedenen Behörden starke Verwunderung aus.

Besonders erfreulich waren die sehr engagierten und durchweg freundlichen Bewohner der umliegenden Gehöfte, welche die Grabung an einem Sonntag mit großem Interesse besuchten. Da die diesjährige Kampagne in der Ifri N’Etsedda ein voller Erfolg war, harrt sie nun weiterer Ausgrabungen in den kommenden Jahren, bei denen hoffentlich in noch ältere Zeiten vorgestoßen werden kann.

Manuel Broich

Studentischer Mitarbeiter

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Steinzeitforschung des SFB 806 in Marokko

Anfang März haben die ersten Archäologen des Marokko-Teams mit Fahrzeug und Fähre von Andalusien aus das Mittelmeer überquert. Mitte März bin ich per Flugzeug zum Team gestoßen. Im östlichen Riff südlich von Nador und Melilla liegen die Fundstellen an denen unsere Ausgrabungen durchgeführt werden. Neben dem Team des SFB 806 ist ein Team der Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen (KAAK) der DAI und ein Team des Institut Nationale des Science Archéologique et Patrimoine (INSAP) in der Region aktiv. Gemeinsam nutzen wir ein Basiscamp bei Afsou. Unterstützt werden wir von Geowissenschaftlern der Universität Aachen, die mit Georadar und Laserscanner die Architektur der Höhlenfundstellen untersuchen. Mit dem Georadar kann auch das Potential neuer Fundstellen, die wir auf unseren Prospektionen entdecken, abgeschätzt werden.

 

Unser Basiscamp liegt in einem Opuntienhain fernab städtischen Lebens. Von hier aus schwärmen jeden Morgen bei Tagesanbruch Teams zu den verschiedenen Fundstellen und Prospektionsgebieten aus. Das SFB-Team gräbt in Ifri Oudadane (Ifri steht im Marokkanischen für „Höhle“). Eine Schlüsselfundstelle in der Region ist die Ifri N’Ammar, die vom Team der KAAK ausgegraben wird. Aus dieser Fundstelle stammen die bisher ältesten Schmuckstücke der Welt – durchbohrte Muscheln mit einem Alter von fast 90.000 Jahren. Bei den archäologischen Forschungen ergeben sich jeden Tag auch enge Kontakte zu der reichen Pflanzen- und Tierwelt Marokkos.

Mit den besten Grüßen aus Marokko, Gerd-Christian Weniger