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Jagdsaison!

 

Das ganze Rheinland scheint diesen Herbst im (steinzeitlichen) Jagdfieber zu sein.

Zum hundertsten Mal (1914-2014) jährt sich der berühmte Fund des späteiszeitlichen, 15.000 Jahre alten Doppelgrabes (mit Hund!) von Bonn-Oberkassel.

Das Bonner LVR-LandesMuseum nimmt das Jubiläum zum Anlass und feiert seine Funde mit einer brandneuen, großen Sonderausstellung:

„Eiszeitjäger – Leben im Paradies. Europa vor 15.000 Jahren“

Wir waren natürlich gespannt! Beate Schneider und ich reisten zur Ausstellungseröffnung am vergangenen Mittwoch.

Schon der Eröffnungsvortrag von Ralf W. Schmitz, der gemeinsam mit Liane Giemsch die Sonderausstellung kuratierte und seines Zeichens Fachreferent für Vorgeschichte am LVR-LandesMuseum Bonn ist, legte die Messlatte hoch.
Ganz klar, hier geht es nicht um die kargen Reste irgendwelcher altsteinzeitlicher Knochen. Es sind Superlative. Zu sehen sind die überdurchschnittlich gut erhaltenen Überreste einer Frau von etwa 25 Jahren und eines etwa 50-jährigen Mannes, in Begleitung des ältesten Hundeskeletts Europas. Die Menschenskelette gehören zu den am besten erhaltenen, kaltzeitlichen Funden des Homo sapiens in Europa. Etwa 15.000 Jahre alt das Ganze (14C-datiert, spätestes Magdalénien / Federmessergruppe).

Gefunden hat man die drei Skelette im Februar 1914 bei Steinbrucharbeiten. Man war sich früh der Bedeutung jenes Fundes bewusst, sicherte die Relikte und versuchte, leider weitestgehend erfolglos, weitere Knochen und Artefakte zu finden. Zwar erschließt sich die genaue Lage der Toten heute nicht mehr aus dem Grabungsbericht, klar ist jedoch, es handelte sich um eine Bestattung mindestens zweier Toter, die darüber hinaus komplett mit rotem pulverisiertem Hämatit bestreut wurden.

Spannend! Und da lag das Gespann nun vor uns. Der Schädel des Mannes wirkt merkwürdig breit. Die junge Frau dagegen eher grazil. Mit modernsten Verfahren – wir im Neanderthal kennen uns ja damit aus – hat man ihre ehemaligen Gesichter rekonstruieren können und den leeren Augenhöhlen wieder etwas Leben eingehaucht. Trotz alledem, ihr Aussehen wirkt archaisch.
Die Toten erhielten auch Beigaben. Darunter ein 20 cm langer Knochenstab mit Tierkopfende, der nach Angabe der Finder am Kopf der Frau lag, dessen Funktion jedoch bis heute unverstanden bleibt. Eine weitere aus Rengeweih geschnitzte Tierfigur hat Ähnlichkeit mit Objekten aus Frankreich und Spanien, die als das verzierte Widerhakenende von Speerschleudern interpretiert werden.

Wie muss man sich ihr Leben nun vorstellen, vor 15.000 Jahren?

Die letzte Kaltzeit neigt sich dem Ende zu. Das eiszeitliche Europa hat jedoch noch wenig mit dem Kontinent gemein, den wir heute kennen. Der Meeresspiegel lag etwa 70 m unter dem heutigen Stand, das Wasser gebunden in gigantischen Gletschern. Zwischen Schottland und Norddeutschland erstreckte sich eine riesige Grassteppe, auf der sich Wildpferde, Rentiere, Wisente, Wollnashörner und Mammuts tummelten. Auch den Zusammenfluss von Themse und Rhein muss man sich als spannende Landschaft vorstellen. Und mittendrin Wildbeuter. Jäger und Sammler. Die Menschen jener Zeit (es handelt sich um den Homo sapiens, unsere Menschenart, während der Neanderthaler als solcher zu jener Zeit schon lange von der Erdoberfläche verschwunden war) ernährten sich von den Pflanzen, die sie gezielt sammelten und den Tieren, die sie jagten. Bewaffnet waren sie dabei mit Speerschleudern, einer typischen und äußerst effektiven Jagdwaffe. Abgelöst wurde diese Technologie erst durch Pfeil und Bogen, deren Erfindung sich spätestens zu etwas jüngerer Zeit vollzogen haben muss. Gejagt wurde sicher auch mit Hunden, die zu diesem Zeitpunkt auf eine lange, uns jedoch bisher unbekannte Zuchtlinie zurückblickten, und deren Äußeres noch stark dem des Wolfes ähnelte (erinnert Ihr Euch an unsere „Wölfe“-Ausstellung? Wir hatten jene Hundeknochen zu Gast). Das Fell und Leder der erlegten Tiere wärmte nun als Kleidung die Menschen in dieser phasenweise außerordentlich kalten Zeit. Das Fleisch ernährte sie, die Knochen, das Geweih und das Horn der Tiere nützte zur Herstellung von Werkzeugen aller Art. Feuerstein, gesammelt an Flüssen, dem Meer oder an der Erdoberfläche, diente als Werkstoff zur Herstellung verschiedenster technisch anspruchsvoller Schneide- oder Schabewerkzeuge und stellte damit eine existenzielle Lebensgrundlage dar.

Und rund 15.000 Jahre ist es nun her, dass dort im rechtsrheinischen Bonn-Oberkassel, im direkten Vorfeld einer Basaltsteilwand, eine junge Frau, ein Mann und ein Hund gemeinsam in einem Grab beerdigt wurden, das anschließend mit rotem Hämatit bestreut worden ist. Der Grund für diesen Ritus, der übrigens immer wieder in der Urgeschichte auftritt, ist bis heute unbekannt.

Die Sonderausstellung…

…lässt die BesucherInnen eintauchen in diese Welt. Zu sehen sind neben den originalen Funden aus Bonn-Oberkassel auch weitere Artefakte benachbarter Fundstellen. Darunter die berühmten Fundstellen von Andernach-Martinsberg und Neuwied-Gönnersdorf. Die in Gönnersdorf gefundenen, figürlich verzierten Schieferplatten, die teilweise ausgestellt sind, sorgten weltweit für Aufsehen. Ebenso der ausgegrabene Zeltgrundriss. Bisher nur in Zeichnungen rekonstruiert, kann man eine halbseitige, mit Leder verkleidete Jurte nun in der Ausstellung bewundern. Zum Ausprobieren lädt hier eine späteiszeitliche Kochstelle ein. Die Aufgabe scheint simpel, die Kochgrube muss mit Zutaten gefüllt werden. So sorgt ein hinzugefügtes Plüsch-Rentier für zufriedene Stille, während eine Tomate, die ursprünglich aus Amerika stammt und erst in der Neuzeit nach Europa gelangte, dem Besucher seinen „Kochfehler“ mit einem Signalton verdeutlicht. Und während man durch die beleuchteten Vitrinen mit Artefakten und Tierpräparaten wandelt, gelangt man immer wieder an interaktive Stationen. Mal müssen mit Markasit („Katzengold“) und Feuerstein Funken geschlagen, mal mit einer Feuersteinklinge Leder geschnitten werden und mal kann man an Birkenpech, dem beliebten prähistorischen Kleber schnuppern. Spektakulär auch die Möglichkeit die Speerschleuder praktisch im Museum auszuprobieren und in steinzeitliche Lederkleidung zu schlüpfen.

Ob es sich nun damals um ein „Paradies“ für die Menschen gehandelt hat, wie der Untertitel der Sonderschau verheißt, oder, ob es sich nicht viel mehr um unsere moderne, zivilisationsmüde Projektion handelt, muss dahingestellt bleiben. Sicher ist jedoch, dass das LVR- LandesMuseum in Bonn mit ihren „Eiszeitjägern“ eine erfrischende Vielseitigkeit an den Tag legt, die Spaß an der Steinzeit macht.

Umso mehr freuen wir uns – das Team vom Neanderthal Museum – auf unsere eigene, kommende Sonderausstellung „Fleisch! Jäger, Fischer, Fallensteller in der Steinzeit“, die am 22. November 2014 startet und bis zum 15. März 2015 alles bereithält, was das steinzeitliche Jagdleben mit seiner ganzen Kulinarik zu bieten hatte.

Das Bonner LVR-LandesMuseum hat Appetit gemacht. Das Neanderthal Museum liefert den großen Nachschlag, ab dem 22. November 2014. Wir freuen uns drauf!

 

Mit besten Grüßen aus der Steinzeitwerkstatt

Till Knechtges

Abteilung Bildung und Vermittlung

 

 

Auf Schatzsuche in Kalkriese

Letzte Woche haben wir, das heißt Mitarbeiterinnen der Museumspädagogik und Volontärinnen des Neanderthal Museums, uns auf große (Zeit-)reise begeben: nach Kalkriese in das Museum und Park Kalkriese!

 Im Museum dreht sich alles um die Varusschlacht, zentrales Symbol ist eine vor Ort gefundene eiserne Maske. Zudem läuft gerade die spannende Sonderausstellung „BodenSchätze-Geschichte[n] aus dem Untergrund“. Für uns Volontärinnen war diese von ganz besonderem Interesse, da sie von Jana Hugler mit gestaltet wurde, die vor uns als Volontärin im Neanderthal Museum war.

 Eine Ausstellung rund um den Boden, auf dem wir jeden Tag laufen und dem wir doch so wenig Beachtung schenken. Langweilig? Mitnichten: es gibt eine Menge verborgener Dinge zu entdecken! Wir fanden viele Stationen zum Mitmachen und erforschen vor, z.B. eine Bodenzaubermaschine die uns zeigte, wie kompliziert die Entstehung von Boden ist. Ganz besonders toll fanden wir die Stimmen, die in der Ausstellung zu jedem Besucher sprechen –  zum Beispiel das Moor mit seiner tiefen, schaurigen Stimme, das aber trotzdem einen weichen Kern hat.

Gezeigt wird aber nicht nur der Boden an sich, sondern auch das, was im Boden lebt oder verborgen liegt. So findet sich zum Beispiel in der Mitte der Ausstellung eine große Ausgrabungslandschaft in der Überreste vergangener Kulturen zu finden sind – vielleicht auch ein Skelett? Mit Pinsel und Spachtel in der Hand können sich kleine und große Archäologen auf Grabung begeben. Mit Erdfarben malen, Tierknochen raten oder Erdschichten puzzeln – alles haben wir mit viel Spaß ausprobiert.

Auch in der Dauerausstellung, die erst 2009 anlässlich des 2000-jährigen Jubiläums der Varusschlacht umgestaltet wurde, gibt es für jeden etwas zu entdecken. Wir freuten uns besonders über Original-Rezepte der Römer und der „Germanen“, und über ein fiktives Gespräch zwischen Varus und Arminius im Himmel. Eines der spannendsten Objekte ist jedoch das Museumsgebäude selbst. Von Anette Gigon und Mike Guyer entworfen und 2002 fertig gestellt, ist es sehr auffällig und hat uns beeindruckt. Vom Turm aus hatten wir einen wunderbaren Blick über den weitläufigen Park und konnten die Pavillons und den Wallverlauf wieder finden, die wir zuvor am Boden gesehen hatten.

Im Außengelände fanden wir schließlich eine merkwürdige Werkstatt. In ihr wurde eine SchatzSuchMaschine gebaut – ausschließlich aus Schrott! Gemeinsam mit dem Künstler Wolfgang Seitz haben viele Kinder und Erwachsene lange an diesem unkonventionellen Gerät  geschraubt, das jetzt noch bis Ausstellungsende am 18. November dort zu sehen ist. Was die Maschine in den nächsten Wochen wohl noch alles an Schätzen zu ans Licht bringen wird?

Schöne Grüße

Nina Kliemke, Freya Köhler, Kerstin Pannhorst, Beate Schneider

Schüler forschen, Experten begleiten

Sie wundern sich, dass die Schülerinnen und Schüler das Mikrofon selbst in der Hand haben und nicht mehr der Pädagoge? “Schüler forschen, Experten begleiten” heißt das neue Programm, dass wir Schulklassen jeglichen Alters und Fachrichtung in der Dauer- und Sonderausstellung anbieten. Hier werden die Schülerinnen und Schüler zu Fachleuten und Guides. Sie präsentieren in der Ausstellung die relevanten Inhalte ihren Mitschülern. Die begleitende Museumspädagogin regt im Anschluß an den Kurzvortrag zum genaueren Nachdenken über bestimmte Inhalte an, stellt Fragen und korrigiert gegebenenfalls.  
Ralph Kohn, ehemaliger Referendar an der Goetheschule Essen suchte 2011 die Zusammenarbeit mit der Museumspädagogik. Im Rahmen seiner Zweiten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen arbeitete er ein Konzept aus, das den Ansprüchen einer kompetenzorientierten Unterrichtsreihe gerecht werden sollte. Sein Thema: Integration des außerschulischen Lernortes ‘Neanderthal Museum’ in eine kompetenzorientierte Unterrichtsreihe zur Evolution des Menschen für die Sekundarstufe I auf der Grundlage des neuen Kernlehrplanes am Beispiel einer Klasse 7. Gerne stiegen wir in diese Projekt ein und schlugen vor, die Schüler selbst in die Rolle von Guides schlüpfen zu lassen. Erste positive Erfahrungen hatten wir damit bereits gesammelt und mit der neu ausgearbeiteten Unterrichtsreihe von Herrn Kohn war auch die damalige Klasse 7 begeistert. Die anschließende Analyse zeigte, dass sowohl prozess- als auch konzeptbezogenen Kompetenzen erworben werden konnten.

Heute kam Herr Kohn wieder. Diesmal als Biologielehrer am Dietrich Bonhoeffer Gymnasium in Hilden und diesmal in Begleitung der Schülerinnen und Schüler aus der 9. Klasse. Sie hatten sogar Plakate dabei, die die zusätzlich zu den Objekten in der Ausstellung zeigten. Wir haben viel von Ihnen zur Evolution des Menschen gehört und mir hat es wieder richtig Spaß gemacht.

Ich freu mich schon auf den nächsten Besuch – und vielleicht wird ja die ein oder der andere mal Museumsführerin oder Museumsführer für jüngere Schulklassen. Ich würde mich freuen.

Beate Schneider M.A.

 

PS: Im Anhang finden Sie die Hausarbeit von Ralph Kohn. Sie beeinhaltet die Angliederung an den Lehrplan, den Ablauf, Arbeitsblätter, Evaluation und Literaturhinweise

 Erster Teil:

Hausarbeit 2803.pdf
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Zweiter Teil:

Anhang neu2.pdf
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Archäologie, Schule und Museum im Spannungsfeld kultureller Bildung

Mit 27 Vorträgen und 2 Exkursionen bot die diesjährige Tagung der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte in Dresden viele Anregungen.
Beispiele aus Museums- und Vermittlungspraxis gaben eine Einblick auf welchen unterschiedlichen Ebenen Archäologie in das Bewusstsein der Gesellschaft gerückt werden kann.
Darüber hinaus beschäftigten sich die Vorträge mit der Analysen von Geschichts-Lehrwerken  [Dr. Miriam Sénécheau, Freiburg] mit der Archäologischen Denkmalpflege [Prof. Dr. Raimund Karl, Bangor] sowie wichtigen geschichtsdidaktischen Grundlagen [Prof. Wolfgang Hasberg, Köln und PD Dr. Christoph Kühberger, Salzburg].
Selbstverständlich war das Neanderthal Museum auf einer dieser Tagung ebenfalls vertreten. Wir präsentierten den Workshop “Humanevolution trifft Religion” als Beispiel einer dauerhaften Kooperation von Schule und Museum und analysierten in einem zweiten Vortrag verschiedene Formate der Wissenschaftskommunikation auf ihre Vor- und Nachteile.

Wenn Sie an mehr Details interessiert sind, empfehle ich Ihnen die nächsten Ausgabe der Zeitschrift “Archäologische Informationen”. Hier werden die Tagungsbeiträge veröffentlicht.

Herzlichen Gruß

Beate Schneider M.A.

 

SCHULTERBLICK FORSCHUNG: Von der Ausgrabung in die Öffentlichkeit

Forschung muss nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden: Dies beweist das Archäologenteam der Rio Secco-Höhle unter der Leitung von Marco Peresani (Universität Ferrara). Anlass für die Aktivitäten ist die neue Grabungskampagne in der Rio Secco Höhle am Südrand der italienischen Alpen (Pradis, Gemeinde Clauzetto). Hier fanden sich Spuren der Neanderthaler und prähistorischer moderner Menschen. Das Neanderthal Museum in Mettmann ist als Kooperationspartner an den Ausgrabungen beteiligt.

Der Einsatz der hier arbeitenden Archäologen ist extrem vielseitig. Wer in der zwar idyllischen, jedoch abseits gelegenen Bergregion die Aufmerksamkeit der Bewohner und Touristen auf die Urgeschichte lenken möchte, muss kreativ werden. So wird während der laufenden Ausgrabungen interessierten Laien die Möglichkeit geboten, die Fundstelle zu besuchen und an Führungen teilzunehmen. Für Grundschulklassen organisieren die Archäologiestudenten der Grabung zusätzlich auch einen Mitmach-Workshop direkt bei der Höhle. Die Arbeit der Archäologen wird anhand der laufenden Grabung erklärt. Dann wird nach „prähistorischen Funden“ gesucht: Knochen, Werkzeuge aus Stein, Schnecken oder Muscheln. Die Funde werden fachgerecht in kleinen Tüten verpackt und dürfen – zusammen mit einem „Archäologen-Diplom“ – mit nach Hause genommen werden.

Anfang Oktober strömten mehrere hundert Kinder mit ihren Eltern zu den „giornate della preistoria“, den „Urgeschichtstagen“ nach Pradis di Sotto, einem kleinen Bergdorf in der Nähe der Rio Secco Höhle. Hier vermischen sich Aktionen, Öffentlichkeitsarbeit und aktuelle Forschungsfragen.

Das Programm der Urgeschichtstage wurde anhand neuester Forschungsergebnisse von Marco Peresani und zwei seiner Doktoranden, Rossella Duches und Matteo Romandini, gestaltet. So lag dieses Jahr ein Schwerpunkt auf der Verwendung von Ockerpulver durch Neanderthaler. Erst vor kurzem wurde nachgewiesen, dass Neanderthaler Ockerpulver herstellten und sogar in Muscheln aufbewahrten. Es gibt bislang allerdings keinen direkten Nachweis für seine Verwendung – ganz im Gegensatz zu den zahlreichen Höhlenmalereien des frühen modernen Menschen.

Neben dem Angebot, selber Speere zu basteln und das Holz mit Ocker zu bemalen, gab es einen „Jagdausflug“ in den Wald. Die erfolgreichen Jäger wurden anschließend durch Ockerbemalung in neanderthalerzeitliche Jäger verwandelt.

Ein weiteres Thema entsprang dem brandneuen Forschungsergebnis des italienischen Teams. Demnach hatte bereits der Neanderthaler ein Interesse an den langen Schwungfedern großer Greifvögel. Dies ließ sich anhand von Schnittspuren auf den Flügelknochen nachweisen. Aber wofür wurden sie verwendet? Der Workshop ging auf verschiedene Möglichkeiten ein. Eine davon war die Bemalung der Federn mit Ocker.

Diese und auch andere Verwendungsmöglichkeiten von Ocker durch Neanderthaler werden jedoch in Zukunft archäologisch schwierig nachzuweisen sein. Nichts desto trotz hatten die anwesenden Kinder und Erwachsenen der Gattung Homo sapiens sapiens viel Freude bei den angebotenen Aktivitäten. Und auch die aktuellen Forschungsfragen werden vielen in Erinnerung bleiben.

Mit vielen Grüßen zurück aus den italienischen Alpen,

Isabell Schmidt 
Doktorandin

“Erlebe die Evolution – spielerisch!” Jeden Dienstagvormittag im Neandertal

Seit September 2010 heißt es an jedem Dienstagvormittag in der Dauerausstellung des Neanderthal Museums: Erlebe die Evolution – spielerisch!

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In einem etwa 10 minütigen Spiel kann jeder – ob jung oder alt – die Prinzipien der Evolution selbst entdecken. Gemeinsam mit bis zu 5 Mitspielern geht man selbst als Räuber auf die Jagd nach Beutetieren. Auf diese Weise erfährt man spielerisch und anschaulich, was unter den sonst so verwirrenden Begriffen wie „Selektion“, „Mutation“, „Rekombination“, „adaptive Radiation“ usw. gemeint ist.

Ein Spiel für alle unabhängig von Alter und Vorwissen mit garantiertem AHA-Effekt J!!!

Bis hoffentlich zum nächsten Dienstagvormittag, 

Anne-Katrin Hagemann, abgeordnete Lehrerin

Eine weite Reise: IGS Aurich West meets Neanderthal Museum

Da staunten wir nicht schlecht, als wir in unserer Buchungsübersicht sahen, dass sich zwei Gruppen aus Aurich in Ostfriesland angekündigt hatten: Am letzten Donnerstag nahmen etwa 40 Schülerinnen und Schüler mit ihren drei begleitenden Lehrkräften von der IGS Aurich West eine 3,5-stündige Busfahrt auf sich, um unser Museum zu besuchen. Es handelte sich dabei um zwei Biologiekurse des 13. Jahrgangs – ein Grund- und ein Leistungskurs.

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Beide Gruppen erhielten eine Fachführung zum Thema Humanevolution. Der Leistungskurs hatte zusätzlich einen Workshop „Abguß-Sammlung” gebucht. Im Anschluss fand im Auditorium eine dreiviertelstündige Diskussionsrunde statt. Hier konnten die Schülerinnen und Schüler ihre noch offenen Fragen zum Thema, aber auch Fragen zum Berufsfeld „Archäologie“ und „Anthropologie“ stellen. Christian Hildebrandt, Archäologe und freier Mitarbeiter in der Museumspädagogik, hat diese Diskussion geleitet!

Zwei der drei Lehrerinnen und Lehrer waren zum zweiten Mal mit ihren Oberstufen hier im Haus und kommen hoffentlich wieder. Wir hoffen, alle Beteiligten konnten eine Menge mitnehmen und hatten Spaß bei uns!

Viel Erfolg beim Abitur und vielleicht bis bald mal wieder,

Claudia Pingel, Museumspädagogik

EVOLUTIonTOUR tourt 2011 wieder durch NRW

Zur Erinnerung: Ende des Darwin-Jahres 2009 hatten wir zusammen mit der NRW-Stiftung die Wanderausstellung EVOLUTIonTOUR ins Leben gerufen. Die Ausstellung tourte 2010 in zwei bunten Überseecontainern durch ganz NRW, wo sie an insgesamt 15 Stationen zu bestaunen war. Weil sie den bisherigen Besuchern sehr gut gefallen hat, soll die Tour im Jahr 2011 nun weitergehen.

Bildquellen: Bild 1: Neanderthal Museum, Bild 2: Fiege Magazin

Bei einem Besuch der EVOLUTIonTOUR können Besucher einen spielerischen Einblick in die Mechanismen der Evolution gewinnen. Die Evolutionslehre gilt heute als die zentrale Theorie der Biologie, die uns die Zusammenhänge allen Lebens auf der Erde erschließt. Wir laden ein, zentrale Mechanismen der Evolution im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen. In der Ausstellung kann man dazu zum Beispiel den Urknall hören, die Zeit rückwärts drehen, sexuelle Gewohnheiten verschiedener Tiere bestaunen, Bakterien bei der Evolution beobachten oder den Vorteil von Fehlern entdecken.

Speziell für Schulklassen haben wir Begleitmaterial entwickelt, das eine Integration der Container in den Unterricht ermöglicht. Nicht nur für Kinder sondern auch für erwachsene Besucher ist ein Besuch in der Ausstellung allerdings ganz bestimmt nicht langweilig.

Möchten Sie die EVOLUTIonTOUR 2011 in ihre Stadt holen? Melden Sie sich bei uns!

Mehr Infos unter: www.evolutiontour.de

Beste Grüße aus dem verschneiten Neandertal

Kerstin Pannhorst, wissenschaftliche Volontärin

“Let’s talk about science!” – das 3. Forum Wissenschaftskommunikation

Das 3. Forum Wissenschaftskommunikation fand letzte Woche in Mannheim statt. Vom 29. November bis 1. Dezember wurden Plenarvorträge, Panoramabeiträgen, Sessions und interaktive Workshops über aktuelle Trends und Strategien der Wissenschaftskommunikation diskutiert (www.wissenschaft-im-dialog.de)

Ein persönlicher Rückblick:

Bereits die Auftaktveranstaltung des World Café im Technoseum (www.technoseum.de) war sehr anregend. In einer Art Kaffeehaus entwickelten etwa 100 bis 150 Teilnehmer Visionen zu einer guten Wissenschaftsausstellung.

Awareness (Aufmerksamkeit) literacy (kognitiver Lerneffekt), involvement (Interesse am Thema, Einbindung) und participation (nachhaltige Beschäftigung mit dem Thema, Talentförderung) stellte Professor Ortwin Renn als die vier wesentlichen Lernziele von Wissenschaftskommunikation dar. In seinem Vortrag Wissenschaftskommunikation in der Praxis: Evaluation und Qualitätssicherung verdeutlichte er, welches Projekt für welches Lernziel geeignet sei.

So wären Events und Infotainment durchaus notwendig, um Aufmerksamkeit (awareness) für ein Thema zu erzeugen. Nachteil sei allerdings, dass diese Aufmerksamkeit relativ schnell wieder zusammenfiele, wenn man nicht durch andere Formate, wie beispielsweise Blogs Interesse und Einbindung (involvement) erzeugen könne.

Für mich als Wissenschaftsvermittlerin im Neanderthal Museum waren Praxisbeispiele von besonderem Interesse. Science-Center erleben in den letzten Jahren als Orte der Wissenschaftsvermittlung eine regelrechte Konjunktur. In der Session Science Center als Forum der Wissenschaftskommunikation wurde selbstkritisch über Anspruch und Wirklichkeit dieser Einrichtungen diskutiert. Ein sehr gelungenes Projekt schien mir auch die ROBOTIK-Tagung, der Hochschule Bremerhaven, die gerade erst vor wenigen Tagen stattfand (www.hs-bremerhaven.de/ROBOTIK-Tagung.html). Hier konnten Schülerinnen und Schüler selbst aktiv das Programm und den Ablauf der Tagung mitgestalten. Auch die Web 2.0-Anwendungen spielen in der Wissenschaftskommunikation eine zunehmend wichtige Rolle. Fti…remixed, eine Sammelplattform für Forschungsinhalte aus Österreich. Hier kann man beispielsweise im Rahmen von Speeddatings mit Forschern und Forscherinnen in Kontakt treten kann (www.fti-remixed.at).

Beate Schneider M.A., Leiterin Museumspädagogik

Bildungswoche „Entwicklung Mensch“ für Pädagogen, Referendare und Erzieher

Am Dienstag dem 14.9. und Mittwoch dem 15.9. fanden zwei Bildungstage für PädagogInnen, ReferendarInnen und ErzieherInnen statt. Insgesamt hatten sich für die zwei Tage etwa 50 TeilnehmerInnen angemeldet, denen das museumspädagogische Angebot und dessen Einbindungsmöglichkeit in den Unterricht vorgestellt wurde. An beiden Tagen konnten die TeilnehmerInnen verschiedene Führungen und Workshopangeboten, aus dem Programm wählen.

Nach einer Einführung, bei Kaffee und Keksen, durch Beate Schneider, Leiterin der Museumspädagogik, zum Angebot der Führungen und Workshops, lag dienstags der Schwerpunkt auf der Evolution und war daher besonders für LehrerInnen der Biologie in den Sekundarstufen I und II gedacht. Danach konnte man zwischen verschiedenen Führungen zum Thema Evolution wählen und im Anschluss an die Führungen, folgte ein kleiner Spaziergang zur Steinzeitwerkstatt. Hier versuchten sich einige LehrerInnen an der Bestimmung der Schädel im Workshop Abgusssammlung und eine zweite Gruppe ließ sich den noch recht neuen Workshop Fossiler Fund: Affe oder Mensch? erläutern.

Mittwochs ging es nach der Begrüßung und Einführung mit Führungen „Projekt Menschwerdung“ und „Neanderthaler und Co.“ weiter. Das Mittwochsangebot war vor allem für GeschichtslehrerInnen, aber auch BiologielehrerInnen der Sekundarstufe I vorgesehen. Nach den Führungen wurden deshalb in der Steinzeitwerkstatt eine große Auswahl unserer Workshops präsentiert. Die LehrerInne, die sich für das Thema Kriminalbiologie entschieden hatten, durften beispielsweise selber einmal ausprobieren, ob sie Geschlecht, Alter und Größe an den Knochen ablesen können.

Zum Schluss ist noch anzumerken, dass der Steinzeitkoffer, der erst ab1.10. für die Schulen zum Ausleihen bereit steht, schon die ersten Buchungen verzeichnet.

Die zwei Tage hinterließen den Eindruck, dass es den Lehrern und Lehrerinnen durchaus Spaß machte und sie Anregungen für den Unterricht mitnehmen konnten. Dieser deckt sich auch mit der abschließend durchgeführten Evaluation die sehr positiv ausfiel.

Wir würden uns freuen die Lehrer mit ihren Schülern wieder bei uns begrüßen zu dürfen.

Grüße aus dem Neanderthal,

Freya Köhler, Volontärin Museumspädagogik