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SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Internationale Konferenz zur Felsbildkunst

Anfang September fand in Cáceres (Extremadura, Spanien) die 19. International Rock Art Conference IFRAO 2015 statt. Vom 31. August bis zum 04. September trafen sich Spitzenforscher im Bereich der vorgeschichtlichen Fels- und Kleinkunst in der Universität der Kleinstadt und stellten die neusten Forschungsergebnisse aus aller Welt vor.

IFRAO steht als Abkürzung für „International Federation of Rock Art Organizations“. Es handelt sich dabei um einen Verband aus mehreren nationalen und regionalen Organisationen aus dem Bereich der prähistorischen Kunst. Zurzeit sind 52 Organisationen mit 7500 Spezialisten Mitglied der IFRAO. Das Ziel des 1988 gegründeten Bundes ist die Förderung der Studien prähistorischer Kunst und der Kommunikation zwischen den vielen Wissenschaftler und Organisationen, die bisher nur isoliert voneinander gearbeitet hatten und kaum etwas über Forschungen aus anderen Teilen der Welt wussten. Daher ist es bis heute ein Anliegen der IFRAO, Standards in der Methodologie, Terminologie, Ethik und in der Technik der prähistorischen Kunstforschung zu etablieren. Weiterhin kümmert sich der Verband um den Schutz und die Erhaltung der Kunstfundstellen weltweit.

Die neusten Erkenntnisse werden regelmäßig in der Zeitschrift „Rock Art Research“ veröffentlicht und alle paar Jahre wird eine Konferenz organisiert, bei der die Mitglieder der IFRAO und alle Forscher aus dem Bereich der prähistorischen Felskunst sich einfinden und die neusten Erkenntnisse austauschen.

Dieses Jahr also fand die Konferenz in Cáceres statt, einer sehr schönen Stadt mit mittelalterlichem Kern, der seit den 60er Jahren UNESCO Weltkulturerbe ist. Vorträge gab es von Montag bis Freitag, mit einer Ausnahme am Mittwoch, an dem mehrere Busse mit sehr neugierigen IFRAO Mitgliedern mehrere Kunstfundplätze in der Gegend auf einer Exkursion besichtigt haben.

Die Vorträge sind nach Sitzungsthemen aufgeteilt und dauern an die 20 Minuten. Danach können 10 Minuten lang Fragen gestellt werden und einzelne Punkte diskutiert werden. Der diesjährige Titel der Konferenz „Symbols in the Landscape: Rock Art and its Context” (Symbole in der Landschaft: Felskunst und ihr Kontext) vereinte über 30 Sitzungen u.a. zu folgenden Themen:

–          Tierdarstellungen in der Felskunst

–          Zeitgemäße Gedanken zur Bedeutung und Funktion der Felskunst: Krise und Perspektiven

–          „Watch your step!“ Füße und Sandalen in der Felskunst

–          Zeichen und Symbole. Felskunst und archäo-anthropologische Forschung

–          Pferde und Reiter in der Felskunst: Ikonografie vom Paläolithikum bis zum Mittelalter

–          Entscheidungen und Debatten: Felskunst als politisches Instrument

–          Existiert paläolithische Fels- und Höhlenkunst auch in Zentraleuropa?

–          Und viele mehr..

Das Neanderthal Museum und seine Wissenschaftler waren mit acht Vorträgen zur Felskunst in Sizilien, Afrika, Zentraleuropa und Deutschland und den gemeinsamen Projekten mit der Universität zu Köln „Tracking in Caves“ und „SFB-806 Our Way To Europe“ sehr präsent vertreten.

Eine der Exkursionen hatte den paläolithischen Freiland-Fundplatz Siega Verde und den mesolithisch/neolithischen Fundplatz Monfragüe zum Ziel. Auf ersterem können am Ufer des Flusses Águeda mehrere Abbildungen von in Schiefergestein gravierten Auerochsen, Hirschen und Pferden besichtigt werden, die auf ca. 20 000 – 13 000 Jahre alt geschätzt werden. Der zweite Fundort befindet sich in einem Nationalpark. Dort können an mehreren Stellen in schwer erreichbaren Felsöffnungen rote und schwarze Malereien aus der Mittel- und Jungsteinzeit bewundert werden.

Der Besuch der Tagung hat uns nicht nur archäologisch, sondern auch historisch begeistert. Neben archäologischen Exkursionen haben die Organisatoren auch Stadtführungen durch Cáceres angeboten. Die Altstadt von Cáceres ist seit sehr langer Zeit nicht mehr baulich verändert worden und man fühlt sich wie durch eine Zeitreise ins Mittelalter zurückversetzt. Ein sehr zu empfehlendes Reiseziel.

Viele Grüße

 

Viviane Bolin

 

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Kommende Ausgrabungskampagne in Südspanien

Wie bereits im Blogbeitrag vom 4. März 2015 berichtet, planen die Archäologen des Neanderthal Museums und der Universität zu Köln gemeinsam mit den spanischen Kollegen aus Südspanien eine Ausgrabungskampagne in Ardales und Teba (Malaga).

Nun ist es endlich soweit – am 02. September geht die Reise los! Mitsamt Gerät und Gepäck fährt ein Teil des deutschen Teams mit dem Minibus von Mettmann nach Ardales, über 2000 km! Das internationale Team wird bis zum 02. Oktober dort die Fundplätze Sima de Las Palomas de Teba und Cueva de Ardales erforschen. Bei über 30°C, Sonnenschein und strahlend blauem Himmel.

Das Ziel ist es, die Besiedlungsgeschichte der beiden Orte zu untersuchen. Denn wir wissen, dass Neanderthaler und moderne Menschen diese Gegend bewohnt haben – aber haben sie auch zur selben Zeit dort gelebt? Sind sie sich vielleicht sogar begegnet? Das sind einige der Fragen, mit denen sich die Forscher auf dieser Ausgrabung beschäftigen. Wichtig ist es, so tief wie möglich zu graben, die Schichtenabfolgen mit menschlichen Hinterlassenschaften genaustens zu dokumentieren und, wenn möglich, datierbares Material zu finden und zu analysieren, damit die Schichten auch besser chronologisch eingeordnet werden können.

Kurz vor Beginn der Ausgrabung fliegen zwei Kollegen aus dem Neanderthal Museum zur IFRAO-Tagung in Cáceres (Spanien). Auf dieser internationalen Konferenz zum Thema Felskunst treffen sich alle paar Jahre Experten aus der ganzen Welt und stellen die neuesten Forschungsergebnisse zur steinzeitlichen Kunst aus ihren Regionen vor. Dieses Jahr ist der Titel „Symbols in the Landscape: Rock Art and its Context” (Symbole in der Landschaft: Felskunst und ihr Kontext).

Natürlich berichten die Kollegen wieder live per Twitter von der Tagung und der darauffolgenden Ausgrabung aus Südspanien. Diesen Sonntag, am 30. August, geht’s los! Also nicht verpassen!

Viele Grüße

Viviane Bolin

PS: Mehr Infos zur Grabungskampagne hier: http://www.neanderthal.de/bildung-forschung/forschungsprojekte/spanien/index.html

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Neue Ausgrabungen in der Höhle Los Casares und unter dem Abri Peña Cabra

Dr. Manuel Alcaraz-Castaño ist Wissenschaftler im Neanderthalmuseum und arbeitet zurzeit an dem Marie Curie Projekt “Testing population hiatuses in the Late Pleistocene of Central Iberia: a geoarchaeological approach” (siehe Blogbeitrag vom 27. Januar 2015). Zusammen mit seinem spanischen Kollegen Dr. Javier Alcolea (Alcalá Universität, Spanien) und weiteren Teammitgliedern hat er kürzlich Ausgrabungen in der nördlichen Guadalajara Provinz in Spanien durchgeführt. Das Projekt wird außerdem von Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger, dem Direktor des Neanderthal Museums, unterstützt und findet in wertvoller Zusammenarbeit mit Dr. Martin Kehl vom Geographischen Institut der Universität zu Köln statt.

Das Team hat dieses Jahr an zwei Orten die Fundschichten des Mittelpaläolithikums ausgegraben: in der Höhle Los Casares und im Abri Peña Cabra.

Die erste Ausgrabung fand in der zweiten Maihälfte in Los Casares statt. Dies war bereits die zweite Kampagne an diesem Ort. Die erste fand bereits letztes Jahr im September statt (siehe Blogbeitrag vom 06. Oktober 2014). In Los Casares befinden sich Besiedlungsschichten aus dem Mousterien und der Kupferzeit, die bereits in den 1960er Jahren von Ignacio Barandiarán, einem bekannten spanischen Archäologen, ausgegraben wurden. Während seiner Kampagne kam der Mittelhandknochen eines Neanderthalers zum Vorschein.

Das Ziel der diesjährigen Kampagne in Los Casares war die Erfassung bisher fehlender Daten, z.B. Informationen zu Chronologie, Paläoökologie und moderner Geomorfologie. Daher lag der Fokus der Nachforschungen auf der Entschlüsselung des Bildungsprozesses der Höhle und ihrer Sedimente, der Chronologie der mittelpaläolithischen Besiedlung und der Beziehung zwischen Umweltveränderungen und Verhalten der Neanderthaler. Dafür hat das Team während dieser Kampagne das Ausgrabungsareal von 2014 vergrößert. So war es in der Lage, genug archäologisches Material (wie z.B. Steinwerkzeuge und Tierknochen) zu bergen, um das technologische und wirtschaftliche Verhalten der Neanderthaler in Los Casares zu erforschen. Weiterhin wurden auch Höhlenablagerungen und Holzkohleproben geborgen, die in naher Zukunft von den Laboren der Universität zu Köln analysiert werden, um an die chronologischen und ökologischen Informationen zu kommen.

Die zweite Ausgrabung fand unter dem Abri Peña Cabra während der ersten Junihälfte dieses Jahres statt. Dies war die erste Kampagne vom Neanderthal Museum und der Alcalá Universität an dieser Fundstelle, die bereits 1996 von Dr. Alcolea und seinen Kollegen gefunden und ausgegraben wurde. Dieser Abri liegt direkt am Fluss Sorbe und beinhaltet eine Ansammlung von Fundschichten aus dem Mousterien. Die Schichten sind von riesigen Felsbrocken bedeckt, die von der Abridecke heruntergefallen sind. Genauso wie der nahe gelegene, jungpaläolithische Fundplatz Peña Capón ist auch Peña Cabra von den ständigen Wasserstandsveränderungen des Flusses betroffen, daher gestaltet sich der Zugang zu dieser Fundstelle schwierig. Das Team musste mit einem Boot anfahren und dann den restlichen Weg zum Fundplatz erklettern. Ein spannendes Abenteuer!

Die Forschungsziele dieser Kampagne waren ähnlich derer in Los Casares. Das Team sammelte Proben für Mikromorfologie, OSL Datierung und Radiokarbondatierung. Die Dichte der archäologischen Funde war sehr hoch an diesem Fundplatz und daher erwartet das Team mit Spannung die sicherlich interessanten Ergebnisse der Laboranalysen, die zurzeit durchgeführt werden.

Liebe Grüße

Manuel Alcaraz-Castaño

(Übersetzt aus dem Englischen von Viviane Bolin)

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Quarzitforschung – von Spanien bis ins Neandertal

Mit Steinwerkzeugen haben Menschen sich verteidigt, sie haben gejagt und andere Werkzeuge produziert; sie nutzten Steinwerkzeuge zum Zerkleinern, zum Schneiden, zum Graben und für Vieles mehr. Im Laufe der Evolution haben auch die Steinwerkzeuge verschiedene Entwicklungsstadien durchlaufen. Aber was für Steine haben die Menschen benutzt und warum? Sie hatten eine große Variation lithischer Ressourcen zur Auswahl, die sie auch nutzten, z.B. Feuerstein, Quarzit, Sandstein, Obsidian und Quarz. Von Anfang an haben Archäologen die Steinwerkzeuge nicht nur formal beschrieben, sondern auch immer die Charakteristiken des Steinmaterials berücksichtigt.

Diese petrologischen Studien von Steinwerkzeugen konzentrierten sich hauptsächlich auf zwei Sorten: Obsidian und Feuerstein. Obsidian ist ein Stein vulkanischen Ursprungs, der normalerweise nicht auf der Erdoberfläche gefunden wird und somit auch nicht so häufig in den archäologischen Fundplätzen vorkommt. Seine Beschreibung und Bestimmung erlaubte es den Archäologen, weitreichende Handelsbeziehungen während des Holozäns in Europa und Amerika nachzuweisen. Feuerstein ist ein Sedimentsgestein, das viel häufiger als Obsidian auf der Erdoberfläche und daher auch öfter in den steinzeitlichen Fundstellen vorkommt. Seine Beschreibung und Bestimmung erlaubte es den Archäologen, interessante Arbeitsprozesse des Materials und Verbreitungsmuster der Menschengrippen zu erforschen und somit die Komplexität der vorgeschichtlichen Gesellschaften besser zu verstehen. Quarzit ist ein metamorphes Gestein, das auch häufig auf der Erdoberfläche vorkommt und oft in den Fundstellen der kantabrischen Region repräsentiert ist. Seine Erforschung ist noch nicht so weit gediehen, wie die der beiden Rohmaterialien Obsidian und Feuerstein, aber es gibt erste Ergebnisse bezüglich der Durchführung der Arbeitsprozesse und der Verbreitungsmuster der altsteinzeitlichen Gesellschaften.

In meinem Dissertationsprojekt vertiefe ich das Wissen über Quarzit als Rohmaterial. Der Titel lautet: Quartzite as raw material in the Cantabrian Region from the Middle to the Upper Palaeolithic (Quarzit als Rohmaterial in der Kantabrischen Region vom Mittel- bis zum Jungpaläolithikum). Das Ziel ist es, die Verbreitungsmuster anhand der Erforschung des Materials und seiner wirtschaftlichen Nutzung innerhalb der altsteinzeitlichen Gesellschaften besser zu verstehen.

Vor der Erforschung von Verbreitungsmustern oder Materialnutzung muss das Quarzitmaterial charakterisiert werden und eine geeignete Methodik ausgearbeitet werden, um bestimmte Typen zu benennen. In meiner Dissertation erarbeitet ich diese Methodik, basierend auf der petrologischen Charakterisierung des Materials, z.B. mithilfe von Petrografie (Gesteinskunde) in Dünnschliffen, geochemischen Analysen und Stereoskopen. Die geografische Beschreibung von Quarzit, basierend auf der Charakterisierung der Quarzit Aufschlüsse, Ansammlungen und Abgerungen, ist ebenfalls wichtig, besonders für die Verbindung zwischen den unterschiedlichen Steinfunden zu einem späteren Zeitpunkt.

Nach zahlreichen Analysen von Quarzit aus dem Deva Tal (Kantabrien und Asturien, Spanien), können wir endlich einen Teil des Materials charakterisieren. Zusätzlich erlauben geologische Studien und geografische Analysen der Region ein besseres Verständnis der geografischen Materialverteilung im Tal. Das Quarzitmaterial, das von Neanderthalern zu Fundstellen El Arteu und El Habario getragen wurde, ist schon teilweise analysiert und zeigt eine interessante petro-genetische Charakterisierung. Einige unterschiedliche metamorphe Strukturen tauchen hier auf, aber auch diagenetische Muster. Außerdem sind Unterschiede in beiden archäologischen Fundstellen erkennbar, obwohl beide Neanderthaler-Fundstellen sind und nah beieinander liegen.

Der kurze internationale Aufenthalt am Ur- und Frühgeschichtlichen Institut der Universität zu Köln und im Neanderthal Museum hat mir geholfen, die meisten meiner wissenschaftlichen Probleme zu lösen. Beide Institutionen haben mich unterstützt – ich habe Kontakte zu anderen Forschern aufnehmen können, die sich auch mit Verbreitungmustern während der Altsteinzeit beschäftigen, und konnte somit neue Ideen für mein Projekt sammeln. Außerdem war das Labor des Geografischen Instituts sehr hilfreich bei der Analyse, da es ein petrografisches Mikroskop besitzt. Zusätzlich konnte ich ein spezielles Mikroskop nutzen, um hochauflösende und große Fotos der petrografischen Dünnschliffe zu erstellen. Diese Fotos bieten mir weitreichende Möglichkeiten für die Analyse der Quarzit-Charakteristiken und sind eine wichtige Basis für meine Studie. Das Institut, das Museum und das europäische Projekt der Kölner Universität SFB-806 haben mir die Möglichkeit gegeben, an Konferenzen und Seminaren teilzunehmen und ich konnte einen Vortrag im Neandertalk halten, einer Vortragsreihe im Neanderthal Museum. Der Aufenthalt in Deutschland hat mich ohne Zweifel sehr bereichert, besonders auf wissenschaftlicher Ebene, mein Projekt vorangebracht und meine Fähigkeiten als Forscher weiterentwickelt.

Schlussendlich möchte ich Herrn Prof. Dr. Weniger und anderen Mitarbeitern des Museums und der Universität – María de Andrés, Viviane Bolin, Martin Kehl, Isabelle Schmidt und Manuel Alcaraz – für die herzliche Aufnahme danken.

Grüße

Alejandro Prieto

Doktorand in Geografie, Vorgeschichte und Archäologie an der Universität des Baskenlandes (Spanien). Die Forschungen wurden vom Stipendium der Regierung des Baskenlandes unterstützt.

Eiszeitkunst im Urwelt Museum

Letzte Woche hat im Urwelt-Museum Oberfranken die neue Sonderausstellung „Bilder im Dunkeln – Höhlenkunst der Eiszeit“ eröffnet. Diese Ausstellung wurde vor 10 Jahren vom Neanderthal Museum konzipiert und von Mai bis Oktober 2004 auch dort gezeigt. Bis heute tourt die Ausstellung durch ganz Deutschland. Das Thema, die hochqualitativen Fotografien Heinrich Wendels der berühmten französischen und spanischen Eiszeitkunst, wirkt als Publikumsmagnet. Sogar das Urwelt Museum in Bayreuth, das sich eigentlich mit der Urwelt, mit Dinosauriern, Ammoniten und Mineralien aus Millionen Jahren Erdgeschichte beschäftigt, konnte diese Ausstellung ihrem Publikum nicht vorenthalten. Auf zwei Etagen zeigen sie die großformatigen Bilder verschiedener Höhlenmalereien und Gravierungen aus der späten Altsteinzeit. Ergänzt werden die Fotografien durch Rekonstruktionen eiszeitlicher Kleinkunst, d.h. Frauen- und Tierfiguren aus Elfenbein, Knochen und Ton und von regionalen Feuersteinwerkzeugen.

Herr Dr. Rabold, der Museumsdirektor, lud mich zum Eröffnungsvortrag ein und ich habe freudig angenommen. Dem sehr interessierten Publikum konnte ich einen kleinen Überblick über die Eiszeitkunst geben und die Bedeutung des Wendel Archivs betonen. Heinrich Wendel war Bühnenbildner und Fotograf und hat in den 60er und 70er Jahren fast alle Höhlen in Südwestfrankreich und Nordspanien bereist, die Kunstwerke aus der Eiszeit fotografiert und somit die bedeutendste Fotografien-Sammlung geschaffen. Ohne seine Arbeit hätten die Archäologen keine so umfangreiche Dokumentation der Malerein und Gravuren dieser Periode.

Bei einem geselligen Beisammensein und in Gegenwart einiger ziemlich großer Dinos im Garten haben sie die Besucher noch angeregt und begeistert über das Thema Eiszeitkunst und ihre Interpretation unterhalten, bei kleinen Häppchen und Getränken und einer Demonstration des Steinzeit-Feuerzeugs. Alles in Allem ein sehr gelungener Abend und ein sehr empfehlenswertes Museum für alle Bayreuth Besucher, die dieses schöne Städtchen mal abseits von Wagner besuchen wollen… Tinka und Götz hatten auf jeden Fall ihren Spaß 😉

Sonnige Grüße

Viviane Bolin

#architecture MW – Das Neanderthal Museum

Das Neanderthal Museum in Mettmann wurde am 10. Oktober 1996 in dem gleichnamigen Tal bei Mettmann eröffnet und seine Ausstellung 2006 auf Basis neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse überarbeitet und aktualisiert.

Der architektonische Entwurf stammt von Günter Zamp Kelp, Julius Krauss und Arno Brandlhuber, die bei einem Architekturwettbewerb für die Neugestaltung des Neanderthal Museums den zweiten Platz belegten, mit ihrer langsam aus der Erde ansteigenden Rampe, die sich über vier Ebenen erstreckt und als spiralförmige Doppelhelix als Sinnbild allen Lebens steht, jedoch maßgeblich mehr überzeugten, als der erste Platz des Wettbewerbs.

Die spiralförmige Rampe, Schnittstelle zwischen Architektur und Ausstellung, ist Symbol für die Evolution und ihre Unendlichkeit. Sie führt oben zu einer Glasfront, die den Blick in Richtung Düssel und Fundstelle freigibt und durch ein Café zum Verweilen einlädt.

Neben dem modernen Menschen thematisiert das Museum in seinem Schwerpunkt den Neanderthaler. Zusätzlich jedoch auch humanbiologische und anthropologische Erkenntnisse zur Entwicklungsgeschichte des Menschen. Von den frühesten Anfängen in der Savanne bis zu den hochentwickelten Techniken des Jetzt-Menschen wird den Besuchern mithilfe von lebensechten Figuren, die auf Basis von Originalfunden rekonstruiert wurden, multimedialen Inszenierungen, Hörerlebnissen und den klassischen Meiden, wie Exponaten und Lesetexten, die Forschungsgeschichte aus Archäologie und Paläoanthropologie näher gebracht. Im Anschluss an die Dauerausstellung, die sich in die fünf Themengebiete „Leben und Überleben“, „Werkzeug und Wissen“, „Mythos und Religion“, „Umwelt und Ernährung“, „Kommunikation und Gesellschaft“ einteilen lässt, ist in dem Untergeschoss des Gebäudes die ca. drei- bis viermal jährlich wechselnde Sonderausstellung untergebracht.

Neben Dauer- und Sonderausstellung im Museumsgebäude bildet die Museumspädagogik, untergebracht in der ca. 200m vom Museum entfernt liegenden Steinzeitwerkstatt, einen weiteren Schwerpunkt der musealen Vermittlungsarbeit. Die parkähnlich gestaltete Fundstelle eröffnete im Jahr 2002 ihre Pforten, nachdem durch Ausgrabungen in den Jahren 1997 und 2000 die ehemalige Topografie des Fundgeländes (Feldhofer Grotte) rekonstruiert werden konnte. Der Kunstweg „Menschenspuren“ sowie das „Eiszeitliche Wildgehege“ ermöglichen es den Besuchern, auch außerhalb der Öffnungszeiten des Museums die Spuren der Evolutionsgeschichte im Neandertal zu verfolgen

Mit ca. 150.00-160.00 Besuchern jährlich und weit über 3.000 Veranstaltungen im Bereich Führungen und Didaktik schafft es das Neanderthal Museum als Stiftung bürgerlichen Rechts mit den Zustiftungen von Kreissparkasse Düsseldorf , Landschaftsverband Rheinland, der Stadt Mettmann und der Stadt Erkrath, sich vor allem aus Eintrittserlösen und eingeworbenen Drittmitteln zu finanzieren.

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Forschungsstipendiant aus Spanien

Ich bin Archäologe aus Madrid und mit Spezialisierung auf die paläolithische Forschung. Für die  nächsten zwei Jahre werde ich hier im Neanderthal Museum arbeiten. Meinen Bachelor und meinen Doktortitel habe ich an der Universität Alcalá de Henares (Madrid) absolviert. Mein Forschungsschwerpunkt liegt im Mittel- und Jungpaläolithikum in Zentralspanien, mit Fokus auf die lithische Technologie, Populationsdynamik und Felskunst. Außerdem befasse ich mich mit dem Bereich Geschichte und Philosophie der Wissenschaft und in meiner Doktorarbeit habe ich einen systemischen, histographischen Ansatz für die paläolithische Forschung entwickelt und interne (erkennungstheoretische und empirische) und externe (ideologische und sozio-politische) Analysen integriert. Ich besitze mehrjährige Erfahrungen im Ausgraben paläolithischer Fundplätze auf der Iberischen Halbinsel. Als Student habe ich bereits in Tito Bustillo (Asturien), Lezetxiki (Guipúzcoa), Cuesta de la Bajada (Teruel) und Gorham’s Cave (Gibraltar) gegraben. Kürzlich war ich Co-Direktor mehrerer Ausgrabungskampagnen auf dem Solutréen-Freilandfundplatz Las Delicias (Madrid).

Mein Aufenthalt im Neanderthal Museum ist mit dem Marie Curie Stipendium von der Europäischen Kommission möglich geworden. Ich habe mich mit Hilfe von Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger für dieses außergewöhnliche Stipendium für Doktorabsolventen beworben und nach langer und intensiver Vorbereitung des Antrages habe ich es glücklicherweise erhalten. Unser Projekt „Testing population hiatuses in the Late Pleistocene of Central Iberia: a geoarchaeological approach“ basiert auf geoarchäologischen Studien von Daten aus drei ausgesuchten zentralspanischen Fundstellen (im Norden der Guadalajara Provinz): die Höhle Los Casares und das Abri Peña Cabra waren im Mittelpaläolithikum besiedelt, das Abri Peña Capón hingegen im Jungpaläolithikum. Zusammen bilden diese Fundstellen eine ausgezeichnete Stichprobe, um die Interaktionen zwischen Mensch und Umwelt zu untersuchen und die zurzeit akzeptierten Modelle bezüglich der Populationsdynamik in diesem bisher schlecht erforschten Gebiet der Iberischen Halbinsel zu testen.

Unser methodischer Ansatz umfasst verschiedene Methoden der paläolithischen Archäologie und der Geowissenschaften, z.B. Mikromorphologie, Sedimentologie, Uranium/Thorium-Datierung, Radiokarbon-Datierung, OSL-Datierung, Pollenanalyse, Anthracology, lithische Technologie, Taphonomie und Zooarchäologie. In diesem interdisziplinären Projekt arbeiten nicht nur Forscher des Neanderthal Museums, sondern auch von anderen deutschen und spanischen Insitutionen, u.a. die Universität zu Köln und die Universität Alcalá de Henares. Außerdem ist unser Projekt in das interdisziplinäre Projekt des Sonderforschungsbereich (SFB-806) „Our Way to Europe“, Abteilung C1 „The Western Mediterranean – Bridge or Barrier?“, der Universität Köln eingegliedert.

Eine erste Kampagne hat bereits letztes Jahr in Los Casares stattgefunden und die Ergebnisse werden bald zur Verfügung stehen. Im Laufe des Jahres 2015 werden wir weitere Kampagnen in Peña Cabra and Peña Capón angehen.

Meine Arbeit in Deutschland, besonders in dieser außergewöhnlichen Forschungsabteilung des Neanderthal Museums, das zurzeit in einigen interdisziplinären Projekten mitwirkt, ist bisher eine außergewöhnliche Erfahrung für mich persönlich und für meine wissenschaftliche Laufbahn. Sitten, Zeitpläne und Regeln sind anders in Deutschland als in Spanien, aber die Kollegen sind sehr nett und hilfsbereit und unsere Arbeit ist bisher sehr produktiv, sodass ich mich einfach anpassen konnte. Ich habe mich von Anfang an wie zu Hause gefühlt. Vielen Dank dafür.

Grüße

Manuel Alcaraz-Castaño

 

(aus dem Englischen übersetzt von Viviane Bolin)

Die Reste der Giganten….

Inzwischen kann man sie bei Ebay und anderen Anbietern sogar Privat erwerben. Und das für kleines Geld. Ob in den Taiga Landschaften Sibiriens, in den Kiesgruben des Rheinlandes oder bei Bauarbeiten mitten in Düsseldorf. Es scheint als wären sie überall:  Mammutzähne.

Und dass, obwohl ihre Träger schon seit geraumer Zeit nicht mehr unter uns verweilen.

Der Hülle aus hartem Zahnschmelz und der darunterliegenden Schicht aus Dentin (http://de.wikipedia.org/wiki/Dentin) sei dank.

Zu Lamellen aneinandergereiht und mit Zahnzement zusammen gekittet, waren die Backenzähne der Mammuts widerstandsfähiger als die meisten Knochen.

Als Pflanzenfresser Zähne mussten sie das auch, denn faserarme Steppengräser bzw. kleine Bäume mussten gut zerkleinert werden, bevor sie als Brei hinuntergeschluckt und verdaut werden konnten.

Eine Besonderheit bei den Mammutbackenzähnen war dabei der horizontale Zahnwechsel: die neuen Zähne drückten die alten nach vorne, sodass sie abgenutzt wurden und dann ausfielen.Während eines Mammutlebens  gab es insgesamt sechs Backenzähne pro Kieferhälfte, wovon nur zwei immer gleichzeitig genutzt wurden. War der letzte Zahn ausgefallen, musste das Tier verhungern.

Anders als die Backenzähne waren die Stoßzähne der Mammuts, die sich aus den oberen Schneidezähnen entwickelt haben, fest im Schädel verankert und reichten fast bis zu der Nasenwurzel hinauf. Auch aus Dentin bestehend und mit einer dünnen Schicht Zahnzement überzogen, wuchsen sie, anders als die Backenzähne, durch Übereinanderlagerung von kegelförmigen Schichten (innerste Schicht bildet sich zuletzt). Pro Jahr sind sie ca. 2,5 cm bis 15 cm gewachsen und konnten bei ausgewachsenen Tieren eine Länge von 2,7m und ein Gewicht von 50 bis 90 kg erreichen.

Vorweihnachtliche Grüße aus der Mediathek

wünscht Saskia Hucklenbruch

 

 

Jagdsaison!

 

Das ganze Rheinland scheint diesen Herbst im (steinzeitlichen) Jagdfieber zu sein.

Zum hundertsten Mal (1914-2014) jährt sich der berühmte Fund des späteiszeitlichen, 15.000 Jahre alten Doppelgrabes (mit Hund!) von Bonn-Oberkassel.

Das Bonner LVR-LandesMuseum nimmt das Jubiläum zum Anlass und feiert seine Funde mit einer brandneuen, großen Sonderausstellung:

„Eiszeitjäger – Leben im Paradies. Europa vor 15.000 Jahren“

Wir waren natürlich gespannt! Beate Schneider und ich reisten zur Ausstellungseröffnung am vergangenen Mittwoch.

Schon der Eröffnungsvortrag von Ralf W. Schmitz, der gemeinsam mit Liane Giemsch die Sonderausstellung kuratierte und seines Zeichens Fachreferent für Vorgeschichte am LVR-LandesMuseum Bonn ist, legte die Messlatte hoch.
Ganz klar, hier geht es nicht um die kargen Reste irgendwelcher altsteinzeitlicher Knochen. Es sind Superlative. Zu sehen sind die überdurchschnittlich gut erhaltenen Überreste einer Frau von etwa 25 Jahren und eines etwa 50-jährigen Mannes, in Begleitung des ältesten Hundeskeletts Europas. Die Menschenskelette gehören zu den am besten erhaltenen, kaltzeitlichen Funden des Homo sapiens in Europa. Etwa 15.000 Jahre alt das Ganze (14C-datiert, spätestes Magdalénien / Federmessergruppe).

Gefunden hat man die drei Skelette im Februar 1914 bei Steinbrucharbeiten. Man war sich früh der Bedeutung jenes Fundes bewusst, sicherte die Relikte und versuchte, leider weitestgehend erfolglos, weitere Knochen und Artefakte zu finden. Zwar erschließt sich die genaue Lage der Toten heute nicht mehr aus dem Grabungsbericht, klar ist jedoch, es handelte sich um eine Bestattung mindestens zweier Toter, die darüber hinaus komplett mit rotem pulverisiertem Hämatit bestreut wurden.

Spannend! Und da lag das Gespann nun vor uns. Der Schädel des Mannes wirkt merkwürdig breit. Die junge Frau dagegen eher grazil. Mit modernsten Verfahren – wir im Neanderthal kennen uns ja damit aus – hat man ihre ehemaligen Gesichter rekonstruieren können und den leeren Augenhöhlen wieder etwas Leben eingehaucht. Trotz alledem, ihr Aussehen wirkt archaisch.
Die Toten erhielten auch Beigaben. Darunter ein 20 cm langer Knochenstab mit Tierkopfende, der nach Angabe der Finder am Kopf der Frau lag, dessen Funktion jedoch bis heute unverstanden bleibt. Eine weitere aus Rengeweih geschnitzte Tierfigur hat Ähnlichkeit mit Objekten aus Frankreich und Spanien, die als das verzierte Widerhakenende von Speerschleudern interpretiert werden.

Wie muss man sich ihr Leben nun vorstellen, vor 15.000 Jahren?

Die letzte Kaltzeit neigt sich dem Ende zu. Das eiszeitliche Europa hat jedoch noch wenig mit dem Kontinent gemein, den wir heute kennen. Der Meeresspiegel lag etwa 70 m unter dem heutigen Stand, das Wasser gebunden in gigantischen Gletschern. Zwischen Schottland und Norddeutschland erstreckte sich eine riesige Grassteppe, auf der sich Wildpferde, Rentiere, Wisente, Wollnashörner und Mammuts tummelten. Auch den Zusammenfluss von Themse und Rhein muss man sich als spannende Landschaft vorstellen. Und mittendrin Wildbeuter. Jäger und Sammler. Die Menschen jener Zeit (es handelt sich um den Homo sapiens, unsere Menschenart, während der Neanderthaler als solcher zu jener Zeit schon lange von der Erdoberfläche verschwunden war) ernährten sich von den Pflanzen, die sie gezielt sammelten und den Tieren, die sie jagten. Bewaffnet waren sie dabei mit Speerschleudern, einer typischen und äußerst effektiven Jagdwaffe. Abgelöst wurde diese Technologie erst durch Pfeil und Bogen, deren Erfindung sich spätestens zu etwas jüngerer Zeit vollzogen haben muss. Gejagt wurde sicher auch mit Hunden, die zu diesem Zeitpunkt auf eine lange, uns jedoch bisher unbekannte Zuchtlinie zurückblickten, und deren Äußeres noch stark dem des Wolfes ähnelte (erinnert Ihr Euch an unsere „Wölfe“-Ausstellung? Wir hatten jene Hundeknochen zu Gast). Das Fell und Leder der erlegten Tiere wärmte nun als Kleidung die Menschen in dieser phasenweise außerordentlich kalten Zeit. Das Fleisch ernährte sie, die Knochen, das Geweih und das Horn der Tiere nützte zur Herstellung von Werkzeugen aller Art. Feuerstein, gesammelt an Flüssen, dem Meer oder an der Erdoberfläche, diente als Werkstoff zur Herstellung verschiedenster technisch anspruchsvoller Schneide- oder Schabewerkzeuge und stellte damit eine existenzielle Lebensgrundlage dar.

Und rund 15.000 Jahre ist es nun her, dass dort im rechtsrheinischen Bonn-Oberkassel, im direkten Vorfeld einer Basaltsteilwand, eine junge Frau, ein Mann und ein Hund gemeinsam in einem Grab beerdigt wurden, das anschließend mit rotem Hämatit bestreut worden ist. Der Grund für diesen Ritus, der übrigens immer wieder in der Urgeschichte auftritt, ist bis heute unbekannt.

Die Sonderausstellung…

…lässt die BesucherInnen eintauchen in diese Welt. Zu sehen sind neben den originalen Funden aus Bonn-Oberkassel auch weitere Artefakte benachbarter Fundstellen. Darunter die berühmten Fundstellen von Andernach-Martinsberg und Neuwied-Gönnersdorf. Die in Gönnersdorf gefundenen, figürlich verzierten Schieferplatten, die teilweise ausgestellt sind, sorgten weltweit für Aufsehen. Ebenso der ausgegrabene Zeltgrundriss. Bisher nur in Zeichnungen rekonstruiert, kann man eine halbseitige, mit Leder verkleidete Jurte nun in der Ausstellung bewundern. Zum Ausprobieren lädt hier eine späteiszeitliche Kochstelle ein. Die Aufgabe scheint simpel, die Kochgrube muss mit Zutaten gefüllt werden. So sorgt ein hinzugefügtes Plüsch-Rentier für zufriedene Stille, während eine Tomate, die ursprünglich aus Amerika stammt und erst in der Neuzeit nach Europa gelangte, dem Besucher seinen „Kochfehler“ mit einem Signalton verdeutlicht. Und während man durch die beleuchteten Vitrinen mit Artefakten und Tierpräparaten wandelt, gelangt man immer wieder an interaktive Stationen. Mal müssen mit Markasit („Katzengold“) und Feuerstein Funken geschlagen, mal mit einer Feuersteinklinge Leder geschnitten werden und mal kann man an Birkenpech, dem beliebten prähistorischen Kleber schnuppern. Spektakulär auch die Möglichkeit die Speerschleuder praktisch im Museum auszuprobieren und in steinzeitliche Lederkleidung zu schlüpfen.

Ob es sich nun damals um ein „Paradies“ für die Menschen gehandelt hat, wie der Untertitel der Sonderschau verheißt, oder, ob es sich nicht viel mehr um unsere moderne, zivilisationsmüde Projektion handelt, muss dahingestellt bleiben. Sicher ist jedoch, dass das LVR- LandesMuseum in Bonn mit ihren „Eiszeitjägern“ eine erfrischende Vielseitigkeit an den Tag legt, die Spaß an der Steinzeit macht.

Umso mehr freuen wir uns – das Team vom Neanderthal Museum – auf unsere eigene, kommende Sonderausstellung „Fleisch! Jäger, Fischer, Fallensteller in der Steinzeit“, die am 22. November 2014 startet und bis zum 15. März 2015 alles bereithält, was das steinzeitliche Jagdleben mit seiner ganzen Kulinarik zu bieten hatte.

Das Bonner LVR-LandesMuseum hat Appetit gemacht. Das Neanderthal Museum liefert den großen Nachschlag, ab dem 22. November 2014. Wir freuen uns drauf!

 

Mit besten Grüßen aus der Steinzeitwerkstatt

Till Knechtges

Abteilung Bildung und Vermittlung

 

 

Das Neanderthal Museum gratuliert der Zooschule Köln

50 Jahre, wenn das kein Anlass zum Feiern ist! Das dachte sich auch die Zooschule Köln und lud 100 Gästen in die neuen Räumlichkeiten des Clemenshof.

Wer die bisherigen Räumlichkeiten der Zooschule nach dem Brand von 2006 kannte, wird begeistert sein. Die Container gehören der Vergangenheit an. Stattdessen wird nun in drei großzügigen Klassenräumen mit Beamer und Smartboards unterrichtet. Weiterhin stehen den Zoopädagogen ein Medienraum und ein Lehrerzimmer zur Verfügung.

1964 brachte der damalige Zoodirektor Wilhelm Windecker die Idee einer Schule im Zoo aus den USA nach Köln! Dafür erhielt Windecker viel Lob.

Aber was ist eigentlich eine Zooschule? Die kleine Befragung von Irene Schiedges in der Kölner Innenstadt zeigt, die Irritationen, die der Begriff ‚Zooschule‘ auslöst: Ist eine Zooschule vielleicht eine Art Schule für die Tiere? …damit Tiere sich richtig verhalten und nicht die Besucher angreifen? Etwa 750.000 Schüler wissen es besser. Sie haben bereits an Programmen der Zooschule teilgenommen und bei der direkten Begegnung mit den Tieren viel über deren Verhalten gelernt.

Das Neanderthal Museum fühlt sich mit der Zooschule Köln seit 2007 sehr verbunden. Die jährlich im Herbst stattfindenden  Lehrerfortbildungen zur Humanevolution werden gerne von Lehrerinnen und Lehrern genutzt. Auch bei Ausstellungen, wie beispielweise bei der 2012 gezeigten Ausstellung „Wie Menschen Affen sehen“ http://www.neanderthal.de/museum-tal/sonderausstellung/vergangene-sonderausstellungen/index.html wurde das Neanderthal Museum vom Kölner Zoo unterstützt.

Das Team des Neanderthal Museum gratuliert dem Zoo Köln und seiner Zooschule ganz herzlich zum Jubiläum und wünscht weiterhin viel Erfolg!

Beate Schneider

Leiterin Abteilung Bildung und Vermittlung

PS: Die Neuauflage der gemeinsame Fortbildung zum Thema Humanevolution – Affe/Mensch ist für November/Dezember 2014 geplant. Infos dazu in Kürze auf unserer Homepage.