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Untertage im Bergwerk Auguste Victoria

Für mich als zugezogene Schwäbin war die Ruhrpott-Kultur schon immer etwas Besonderes und außergewöhnliches. War ich diese direkte und ehrliche „Pottschnauze“ nicht gewöhnt und mit dem ganzen Bergbau und Zechen konnte ich nicht so viel anfangen. Ja, die Fördertürme sind interessant anzusehen und der Landschaftspark in meiner neuen Heimat Duisburg ist auch ganz nett; aber mehr auch nicht.

Mich interessierte eher die Steinzeit und nicht die Steinkohle. Aber dies sollte sich an dem Tag ändern, als ein echter Bergmann aus meiner Bottroper Unterwasser-Rugby Mannschaft einen Ausflug Untertage ins Bergwerk Auguste Victoria in Marl einlud.

Am 26.04.2014 war es dann soweit: Mittags trafen sich zwölf „Kumpels“ vor dem Bergwerk Auguste Victoria in Marl. Man wurde von einem netten Mitarbeiter empfangen und bekam in einem nachgebauten Stollen eine Einführung und was uns heute alles erwarten würde. Auch, was es für die Menschen und das Ruhrgebiet für eine Bedeutung hat, dass nach und nach alle Zechen geschlossen werden, wurde erklärt. So spielen zum Beispiel die Grubenwasser-Pumpen eine wichtige Rolle: würde man diese ausschalten wäre das ganze Ruhrpott ein einziges Sumpfgebiet.

Die Mission war klar: wir fahren ca. 1100m Untertage und können im laufenden Betrieb beim Steinkohleabbau zusehen. Von der Unterbuxe bis zur Stirnlampe wurde man mit der originalen Bergmannskleidung ausgestattet. Wegen der Explosionsgefahr Untertage war es strikt verboten eigene Sachen mitzunehmen, geschweige denn Handy oder eine Kamera dabei zu haben. Im Förderkorb fuhren wir dann mit ca. 40km/h in die Tiefe. Unten angekommen ging es mit der „Diesel-Katze“ (eine Schwebebahn im Miniformat) ca. 3 Kilometer in den Stollen hinein. Es war dunkel, laut, warm und einfach unglaublich was tief unten in der Erde passiert und geleistet wird. Von allen Kumpels wurden wir mit einen freundlichen „Glück Auf“ gegrüßt. Nach einen kleinen Fußmarsch, begleitet von unseren drei Betreuern, gelangten wir zu dem Ort wo das schwarze Gold abgebaut wurde. Zwischendurch gab es immer wieder Erklärungen dazu, was genau passiert und was die Bergmänner zu tun haben.

Vor uns arbeitete sie: die große Fräse die aus dem Gestein die Steinkohle abhobelt. Mit was für einer Kraft und Leistung das Gerät arbeitet, einfach unglaublich! Viel Platz gab es Untertage nicht: der Körper passte so gerade zwischen Gestein und den mächtigen Maschinen.

Nach drei Stunden Untertage ging es im Förderkorb wieder nach oben. Sehr beeindruckt und etwas geschwärzt vom Kohlestaub kamen wir wieder oben an. Bevor es unter die Dusche ging, bekamen wir alle eine kleine Stärkung im Pausenraum und konnten all unsere Fragen und Eindrücke loswerden. Nach fünf Stunden war der einmalige Ausflug zu Ende. Für mich und die anderen war es wirklich ein unglaublich spannendes und beeindruckendes Erlebnis. Ich kann jetzt sagen, dass ich die Ruhrpott-Kultur wirklich erlebt habe. Obwohl es nur für ein paar Stunden war, denke ich, dass ich die Mentalität und die Menschen jetzt einfach besser verstehe. Die Menschen und das Ruhrgebiet sind wirklich etwas ganz Besonderes!

Glück Auf!

Nadine Griebl

Infos zum Bergwerk Auguste Victoria:

Das Bergwerk Auguste Victoria im Kreis Recklinghausen zählt zu den modernen und leistungsfähigen Bergwerken der RAG Deutsche Steinkohle. Mit etwa 3.400 Mitarbeitern und einer Jahresförderung von rund 3,0 Millionen Tonnen ist es ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region.

http://www.rag-deutsche-steinkohle.de/rag-deutsche-steinkohle/betriebe/bergwerk-auguste-victoria/