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Wie Menschen Affen sehen

Bei unserem öffentlichen Symposium am vergangenen Freitag haben wir einige Aspekte der Menschenaffen-Ausstellung vertieft. Es ging um unsere wechselhaften Blicke auf diese beeindruckenden Lebewesen, um spannende Freilandforschung, Kultur von Menschaffen, ihre Grundrechte und vieles mehr.

Die Referenten waren zum Teil von weit her ins Neandertal gekommen.  Den Auftakt machte Franz Wuketits aus Wien, der über den Affen in uns Menschen und seine Suche nach Sinn sprach. Kraft seines Bewusstseins ist der Mensch in der Lage, Bilder von der Welt so zu entwerfen, dass ihm die Welt selbst erträglich erscheint. Die Sinnsuche auch dort, wo objektiv keiner auszumachen ist, kennzeichnet den Menschen und der Glaube an eine höhere Gesetzmäßigkeit oder Vorherbestimmung hat größtes Elend über die Menschheit gebracht. Wuketits würde uns wünschen, in dem Bewusstsein, dass alles endlich ist dennoch glücklich zu leben.

Hans-Werner Ingensiep, Universität Duisburg-Essen, ließ unsere recht junge Entdeckungsgeschichte der Menschenaffen Revue passieren. Erste Menschenaffen wurden in unserem Kulturkreis ab dem 16./17. Jahrhundert (wieder) bekannt. Aber die Gorillas z.B. wurden erst 1853 entdeckt. In dem Vortrag legte er anschaulich dar wie sich das Bild, das wir Europäer uns von den Menschenaffen gemacht haben, durch die Jahrhunderte grundlegend gewandelt hat. Druckfrisch ist auch sein lesenswertes neues Buch zu diesem Thema.

Auch Marianne Sommer, Luzern, befasste sich mit wechselvollen Blicken auf die Menschenaffen: Es ging um die Blicke der National Geographic-Fotografen. Die National Geographic Sociey spielte bei der Finanzierung von Freilandstudien ab den 1960er Jahren eine zentrale Rolle. Die Fotografen zogen mit den Forscherinnen (z.B. Jane Goodall, Dian Fossey, Biruté Galdikas) ins Feld. Auch aktuell nimmt National Geographic eine zentrale Rolle in der Forderung nach Grundrechten für die Menschenaffen ein. Der Artikel von Jürgen Nakott hat eine breite Diskussion ausgelöst.

Thomas Geissmann, Zürich, erforscht die Gibbons. Er rief in seinem Vortrag engagiert dafür auf, sie ebenso wichtig zu nehmen wie die großen Menschenaffen. Da sie klein sind und hoch in den Baumkronen leben, ist es schwer, medienwirksame Fotos von ihnen zu machen. Einige Arten werden sicher ausgestorben sein, bevor sie überhaupt ansatzweise erforscht sind. Die von ihm initiierte Gibbon Conservation Alliance setzt sich daher für den Schutz dieser Affen ein.

Alexander Sliwa vom Kölner Zoo berichtete von der Haltung von Menschenaffen im Kölner Zoo von den Anfängen bis heute. Die einfachen Gitterkäfige für isolierte Affen sind heute großen Gehegen mit Kletter- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Menschenaffen in größeren Gruppen gewichen. Colin Goldner führte aus, dass dies längst nicht an allen deutschen Zoos Standard sei. Das Great Ape Project fordert Grundrechte für die großen Menschenaffen und entsprechend ein Ende ihres Lebens in Gefangenschaft.

Barbara Fruth vom MPI Leipzig räumte mit Bonobo-Vorurteilen auf. Ihre Freilandforschungen belegen, dass sie nicht die sexbesessenen Hippies sind, als die sie nach den Zoobeobachtungen des Frans de Waal galten und als die sie in den Medien immer noch dargestellt werden. Auch die Bonobos sind von Wilderern auf der Suche nach Buschfleisch bedroht. Die Forscher haben eine Organisation, Bonobo Alive, gegründet, um sich für ihren Schutz zu engagieren.

 

Miriam Haidle, Tübingen, gab einen umfassenden Überblick über die materielle Kultur vor allem von Orang Utans und Schimpansen. Bei Orang Utans wurden 41 Werkzeugverhalten beobachtet und eine neue Beobachtung bei Schimpansen ist, dass sie sogar mit Grabstöcken nach Knollen und Wurzeln graben und diese zur Ernährung und für medizinische Zwecke einsetzen.

Bärbel Auffermann zeigte in ihrem Beitrag, was Gorillas und Neanderthaler gemeinsam haben: Unsere Rezeption der beiden zeigt deutliche Parallelen.

Für ein amüsantes Zwischenspiel sorgte der WDR – Reporter Ede Wolff, der im Gorilla Kostüm unterwegs war und Vortragende wie Teilnehmende über seine Rechte befragte.

Im Foyer stellte das Projekt AffenBRUT Affenkunst vor: ausdrucksstarke Gemälde des Orang-Utans Barito, die das Projekt zugunsten der Affen des Krefelder Zoos verkauft.

Es hat uns besonders gefreut, dass die sehr interessierten Zuhörer die Gelegenheit zur Diskussion genutzt haben. Dieses ganztägige Format eines Austauschs zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit werden wir sicher zu einem anderen Thema wieder aufgreifen.

Beste Grüße aus dem Neandertal 

Bärbel Auffermann, Kerstin Pannhorst