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Archäologie, Schule und Museum im Spannungsfeld kultureller Bildung

Mit 27 Vorträgen und 2 Exkursionen bot die diesjährige Tagung der Deutschen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte in Dresden viele Anregungen.
Beispiele aus Museums- und Vermittlungspraxis gaben eine Einblick auf welchen unterschiedlichen Ebenen Archäologie in das Bewusstsein der Gesellschaft gerückt werden kann.
Darüber hinaus beschäftigten sich die Vorträge mit der Analysen von Geschichts-Lehrwerken  [Dr. Miriam Sénécheau, Freiburg] mit der Archäologischen Denkmalpflege [Prof. Dr. Raimund Karl, Bangor] sowie wichtigen geschichtsdidaktischen Grundlagen [Prof. Wolfgang Hasberg, Köln und PD Dr. Christoph Kühberger, Salzburg].
Selbstverständlich war das Neanderthal Museum auf einer dieser Tagung ebenfalls vertreten. Wir präsentierten den Workshop “Humanevolution trifft Religion” als Beispiel einer dauerhaften Kooperation von Schule und Museum und analysierten in einem zweiten Vortrag verschiedene Formate der Wissenschaftskommunikation auf ihre Vor- und Nachteile.

Wenn Sie an mehr Details interessiert sind, empfehle ich Ihnen die nächsten Ausgabe der Zeitschrift “Archäologische Informationen”. Hier werden die Tagungsbeiträge veröffentlicht.

Herzlichen Gruß

Beate Schneider M.A.

 

SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Ausgrabungen in Guadalteba

Seit dem 14. März ist ein Team im Rahmen unserer Forschungen des SFB 806 in Andalusien. Wir setzen die im Herbst vergangenen Jahres begonnenen Arbeiten in zwei Höhlenfundstellen fort. Las Palomas de Teba ist ein Höhlensystem mit mehreren Etagen nördlich von Ardales. Im höchsten Bereich des Systems untersuchen wir einen Schacht, die sogenannte Sima. In historischer Zeit wurde an der Rückwand des Felsens ein fast sieben Meter tiefer und etwa drei Meter breiter Schacht ausgehoben. Dabei wurden auf der gesamten Distanz Schichten mit Besiedlungsspuren des Neanderthalers angeschnitten. Für uns Archäologen wurde unbeabsichtigt ein großes Fenster in die Fundstelle geöffnet. Wir nehmen Proben aus dem Profil um das Alter der verschiedenen Phasen datieren zu können. Mit Sediment- und Pollenproben wollen wir die Klimageschichte der Region rekonstruieren und natürlich interessieren uns die vielen Steinartefakte, die wir aus dem Profil geborgen haben.

In der Cueva Ardales haben wir mit Hilfe unserer Kollegen aus der Geoinformatik fast den gesamten Höhlenraum und außen den gesamten Vorplatzbereich und Teile der Bergkuppe mit einem Laserscanner erfasst. Außerdem nehmen wir in der Höhle die Höhlenmalereien und Gravierungen an den Wänden mit einem Streifenlichtscanner auf. Dieses Verfahren wird von uns erstmals zur Dokumentation paläolithischer Höhlenkunst eingesetzt. Die Ergebnisse sind hervorragend. Die Auflösung der Scans reicht bis 0,03 mm. Wir können jetzt schon sagen, dass in Zukunft eine Bearbeitung von Höhlenkunst ohne Streifenlichtscanner nicht mehr sinnvoll sein wird. Dazu testen wir noch andere Scanverfahren, um „mehr“ auf den Wänden sehen zu können.

Die spanischen Medien haben sich inzwischen des Themas angenommen und umfangreich über unsere Arbeiten berichtet.

Die Zusammenarbeit in unserem Team klappt ausgezeichnet und die Kooperation mit unseren spanischen Partnern „es una maravilla“. Wegen des für morgen angekündigten Generalstreiks in Spanien, reisen wir heute schon ab, um zur Eröffnung der Jubiläumsausstellung „Wie Menschen Affen sehen“ rechtzeitig im Museum zu sein.

Saludos cordiales desde Ardales

Gerd-Christian Weniger und Andreas Pastoors

 

Menschliche Körperteile im Museum?

Heiß diskutiert wurde Ende letzter Woche im Wien Museum. Bei dem Workshop „Ja, nein, gegebenenfalls. Gehören menschliche Überreste ins Museum?“, den die in Graz ansässige Museumsakademie organisiert hatte, trafen viele verschiedene Perspektiven aufeinander. Anthropologen und Ethnologen, Archäologen und Juristen, Biologen und Historiker kamen zusammen, um sich zwei Tage lang ausgiebig diesem Thema zu widmen.

Was zunächst makaber klingen mag, erklärt sich schnell. Zu den „menschlichen Überresten“ gehören ziemlich viele Kategorien von Ausstellungsstücken: Schädel, archäologische Skelette, Mumien, medizinische Präparate, Schrumpfköpfe oder auch religiöse oder künstlerische Objekte, die menschliche Körperteile enthalten. Zu letzten gehören beispielsweise knochenhaltige Objekte aus dem Voodoo Kult Haitis, tibetische Flöten aus menschlichen Langknochen oder christliche Reliquien.

Workshop_wien

Fragen über Fragen taten sich auf. Soll ein Museum solche Exponate ausstellen? Und wenn ja, was ist eine angemessene Ausstellungsform? Sollte man sich entscheiden, sie nicht auszustellen, was tut man dann damit? Was ist eine geeignete Aufbewahrungsform? Möchte man sie nicht aufbewahren, sondern zurückgeben: an wen gibt man sie zurück? Und Wie?

Gerade bei historischen Sammlungen menschlicher Überreste werden diese Fragen noch durch damalige, häufig fragwürdige Sammelpraktiken verkompliziert. Wie geht ein Museum mit einer solchen Sammlung verantwortungsbewusst um? Es waren keine einfachen Fragen, denen wir uns stellten, weshalb sich auch keine einfachen Antworten finden ließen. Die Gespräche in Wien bieten allerdings eine Grundlage, auf der nun weitergedacht und -gearbeitet werden kann.

Fragende Grüße aus dem Neandertal

Kerstin Pannhorst

Vorfreude

Jahresende ist ja eine Zeit für Rückblicke, aber auch eine Gelegenheit, Vorfreude zu teilen: Wir sind hier eifrig mit unserer kommenden Sonderausstellung beschäftigt: Wie Menschen Affen sehen. Sie wird am 30. März eröffnet und wir sind überzeugt, dass sie sehr abwechslungsreich und spannend wird. Es wird vor allem eine kulturhistorische Ausstellung, die unsere Wahrnehmung der Menschenaffen hinterfragt. Unglaublich eigentlich, dass wir unsere nächsten Verwandten bis heute in „lustigen“ Kostümen peinliche Vorstellungen geben lassen, dass Menschenaffen als Haustiere gehalten werden oder auch dass ausgerechnet der Gorilla als sanfter Pflanzenfresser in unserer Vorstellung zum King Kong mutierte.

Wir denken natürlich auch daran, dass es rund um die Ausstellung spannend wird: vom öffentlichen Symposium mit zahlreichen Experten, über die KinderAffenNacht bis zum Affengeburtstag und zum biologischen Workshop ist alles dabei, s. auch schon im Programm fürs nächste Halbjahr.

In diesem Sinne wünsche ich schöne Feiertage und freue mich auf 2012,

Bärbel Auffermann 

 

Forum Wissenschaftskommunikation

Beate Schneider und ich waren diese Woche in Köln beim Forum Wissenschaftskommunikation. Wir haben unsere Evolutiontour als Best Practice Beispiel für Kommunikation in die breite Öffentlichkeit vorgestellt. Dazu bekamen wir viel positives Feedback, so dass wir über eine Fortführung der Tour in 2012 nachdenken.

Das Forum bot Austausch mit vielen Kommunikatoren aus z.B. Stiftungen, Gesellschaften, Universitäten und Ausstellungshäusern. Es wurden interessante Aspekte vorgestellt: web 2.0, Mangel von Lernkonzepten in Wissensformaten im Kinder TV, Möglichkeiten der Platzierung aktueller Wissenschaftsthemen in Unterhaltungsformaten  im TV.

Beste Grüße aus dem Neandertal 

Bärbel Auffermann

 

Archäologen besetzen Bremen

Alle drei Jahre versammeln sich Archäologen aus dem ganzen deutschsprachigen Raum zum intensiven fachlichen Austausch auf dem Archäologenkongress. Dieses Jahr war es wieder so weit: Vom 3. bis 7. Oktober fand der 7. Deutsche Archäologenkongress in Bremen statt. Gut 200 Vorträge in ca. zehn Arbeitsgemeinschaften wurden mit einer breiten Vielfalt an Themen gehalten.

Die AG Theorie tagte zwei Tage zum Thema “As time goes by: Zeitkonzepte – >Zeiterfahrung – Zeitgeist” dabei wurde das Thema von verschiedenen Seiten angegangen. Auch das Neanderthal Museum konnte zum Gelingen dieser Sektion beitragen: Kerstin Pannhorst, wissenschaftliche Mitarbeiterin, hielt einen Vortrag zum Thema “Jenseits der Chronologie – Zeit im Museum”.

Museen waren Thema auch am Donnerstag beim Treffen der AG “Archäologie im Museum”. Der Tag begann mit einer Führung und anschließenden Diskussion in der neu gestalteten Wissenswerkstatt Archäologie des Focke-Museums in Bremen. Darauf folgte eine bunte Reihe von Vorträgen. Besonders eindrücklich und erschreckend war der Bericht über die dramatischen Raubgrabungen, z.B. im Irak, von Dr. Michael Müller-Karpe vom Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz. Er appellierte an die Verantwortung deutscher Museen, solche Taten weder direkt noch indirekt zu unterstützen. Ebenfalls von großer Bedeutung ist die an diesem Tag beschlossene Gründung einer Fachgruppe Archäologische Museen beim Deutschen Museumsbund.

Ein weiteres historisches Ereignis stand ebenfalls auf dem Programm der Tagung: die Gründungsversammlung des “Deutschen Verbandes für Archäologie” (DVA), siehe Fotos. Bisher ist die Archäologie in Deutschland stark regional geprägt. Der Dachverband soll dieVernetzung zwischen Archäologen und so den Schutz des kulturellen Erbes des Landes verbessern. Als Präsident wurde Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Parzinger gewählt.

Zwischen den Vorträgen blieb Zeit für organisatorische Treffen einzelner Fachverbände sowie für rege Diskussionen. Auch das soziale Miteinander kam nicht zu kurz: so tafelten beispielsweise mehrere hundert Archäologen am Dienstagabend gemeinsam und ausgiebig im historischen Bremer Ratskeller.

Archäologisch inspirierte Grüße

Bärbel Auffermann
Kerstin Pannhorst
Claudia Pingel

Höhlenkunst in Franken. Was ist dran an der Geschichte ?

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‘Die Lusthöhle in Franken’ sei eine « der spannendsten Fundorte Deutschlands » berichtet die ZEIT diese Woche. In der engen Mäanderhöhle haben Menschen « natürlich entstandene Genitalienkollektionen künstlerisch » verziert. Nach ersten Untersuchungen sollen die Linien ein Alter von 14.000 Jahren vor heute haben. So die Meldungen in der Presse.

‘Na und?’ könnte man sagen, oder auch ‘sensationell’. Was macht die Entdeckung in der Mäanderhöhle eigentlich so spannend ?

In einer Höhle in Franken wurden Linien gefunden, die als vom steinzeitlichen Menschen gemachte Gravierungen interpretiert werden. Das wäre eine einzigartige Entdeckung, denn bislang gibt es nichts vergleichbares in Deutschland. Zunächst ist diese Ausgangsvermutung aber nicht belegt, schon gar nicht untersucht. Man geht einfach davon aus. Wären unter den Motiven Mammut, Rentier, Nashorn oder Pferd müsste man sich nur die Mühe machen, die Linien genau unter die Lupe zu nehmen, um eine Fälschung auszuschließen. Gibt es überhaupt eindeutige Motive? Hier wird es schwierig, den Interpretationen der untersuchenden Archäologen zu folgen. Linien, ja. Aber wie gehören sie zusammen? Man muss schon sehr viel Phantasie besitzen, in den Linien etwas zu erkennen, was zusammengehört.

Mal angenommen die Linien wären tatsächlich vom Menschen gemacht. Was weiß man sonst noch? Die Linien sind älter als 3.500 Jahre. Ein Erdrutsch in der Gegend hatte zu lokalen tektonischen Bewegungen geführt. Diese haben auch die Linien betroffen; sie waren also vorher da. Natürliche Felsformationen wurden ergänzt. Aber zu was? Das war es aber dann auch schon. Mehr wissenswertes ist nicht zu nennen. Ohne eine technische Analyse der Linien gemacht zu haben, ist es zu diesem Zeitpunkt reine Spekulation, von steinzeitlicher Höhlenkunst zu sprechen.

Nun gut, lassen wir mal die Kritik bei Seite: die Mäanderhöhle ist mit Lascaux oder Altamira nicht zu vergleichen. Unter von der Universität Mainz gezählten ca. 12.000 registrierten Höhlen in Deutschland ist bislang nicht vergleichbares gefunden worden. Wir brauchen uns nicht zu schämen, dass wir in Deutschland kein Lascaux haben. Die eiszeitlichen Wildbeuter die durch unser heutiges Land streiften hatten mit Höhlen nichts weiteres im Sinn, als den sich bietenden Schutzraum zu nutzen. Dennoch war vieles aus Alltag und Kultur mit den benachbarten Gruppen identisch. Zeichnungen wurden auf beweglichen Objekten gemacht. Davon gibt es genug Belege.

Fazit: das spannende an der Entdeckung in der Mäanderhöhle sind nicht die möglichen neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Das spannende ist vielmehr die Diskussion um das Thema Höhlenkunst in Deutschland. Und das soll von Schaden nicht sein.

Mit besten Grüßen,

Andreas Pastoors

“Let’s talk about science!” – das 3. Forum Wissenschaftskommunikation

Das 3. Forum Wissenschaftskommunikation fand letzte Woche in Mannheim statt. Vom 29. November bis 1. Dezember wurden Plenarvorträge, Panoramabeiträgen, Sessions und interaktive Workshops über aktuelle Trends und Strategien der Wissenschaftskommunikation diskutiert (www.wissenschaft-im-dialog.de)

Ein persönlicher Rückblick:

Bereits die Auftaktveranstaltung des World Café im Technoseum (www.technoseum.de) war sehr anregend. In einer Art Kaffeehaus entwickelten etwa 100 bis 150 Teilnehmer Visionen zu einer guten Wissenschaftsausstellung.

Awareness (Aufmerksamkeit) literacy (kognitiver Lerneffekt), involvement (Interesse am Thema, Einbindung) und participation (nachhaltige Beschäftigung mit dem Thema, Talentförderung) stellte Professor Ortwin Renn als die vier wesentlichen Lernziele von Wissenschaftskommunikation dar. In seinem Vortrag Wissenschaftskommunikation in der Praxis: Evaluation und Qualitätssicherung verdeutlichte er, welches Projekt für welches Lernziel geeignet sei.

So wären Events und Infotainment durchaus notwendig, um Aufmerksamkeit (awareness) für ein Thema zu erzeugen. Nachteil sei allerdings, dass diese Aufmerksamkeit relativ schnell wieder zusammenfiele, wenn man nicht durch andere Formate, wie beispielsweise Blogs Interesse und Einbindung (involvement) erzeugen könne.

Für mich als Wissenschaftsvermittlerin im Neanderthal Museum waren Praxisbeispiele von besonderem Interesse. Science-Center erleben in den letzten Jahren als Orte der Wissenschaftsvermittlung eine regelrechte Konjunktur. In der Session Science Center als Forum der Wissenschaftskommunikation wurde selbstkritisch über Anspruch und Wirklichkeit dieser Einrichtungen diskutiert. Ein sehr gelungenes Projekt schien mir auch die ROBOTIK-Tagung, der Hochschule Bremerhaven, die gerade erst vor wenigen Tagen stattfand (www.hs-bremerhaven.de/ROBOTIK-Tagung.html). Hier konnten Schülerinnen und Schüler selbst aktiv das Programm und den Ablauf der Tagung mitgestalten. Auch die Web 2.0-Anwendungen spielen in der Wissenschaftskommunikation eine zunehmend wichtige Rolle. Fti…remixed, eine Sammelplattform für Forschungsinhalte aus Österreich. Hier kann man beispielsweise im Rahmen von Speeddatings mit Forschern und Forscherinnen in Kontakt treten kann (www.fti-remixed.at).

Beate Schneider M.A., Leiterin Museumspädagogik

SCHULTERBLICK FORSCHUNG: NESPOS on Tour – Workshop in Faro/Portugal

Am heiligen Kölner Feiertag, dem 11.11., sind wir, d.h. Marcel Bradtmöller und Yvonne Tafelmaier (beide wiss. Mitarbeiter des Museums) mit einem lachenden (wg. des schlechten Wetters) und einem weinenden Auge (wegen des Karnevals) ausgezogen, um den Portugiesen im weit entfernten Faro die Datenbank NESPOS näher zu bringen. Bei NESPOS handelt es sich um die europaweit größte Datenbank zur Archäologie und Anthropologie des Pleistozäns. Eine Besonderheit dieser Datenbank ist mit Sicherheit die große Sammlung von 3D Daten und 3D Modellen von Humanfossilien und prähistorischen Artefakten. Die Datenbank wird von den wissenschaftlichen Mitarbeitern des Museums betreut. Da der für den Workshop vorgesehene Raum am Freitag noch nicht zugänglich war, hatten wir die Möglichkeit, uns mit den dortigen Archäologen zu treffen. Das war für uns deshalb sehr wichtig, weil wir beiden über das Paläolithikum der Iberischen Halbinsel im Rahmen des großen Sonderforschungsbereiches an der Uni Köln promovieren und ein Gedankenaustausch mit Kollegen vor Ort für beide Seiten immer sehr wertvoll ist.

Am 13.11 fand dann der Workshop in den Gebäuden der Universität von Faro statt. Zunächst gab es eine generelle Einführung in die Thematik wissenschaftlicher Datenbanken. Anschließend waren die portugiesischen Kollegen aufgefordert, den praktischen Umgang mit NESPOS zu erlernen und die Möglichkeiten dieser Datenbank zu erfahren. Anschließend standen dann die 3D Daten und deren Visualisierung und Verarbeitung im Mittelpunkt. Besonders beeindruckt zeigten sich die Kollegen von den Möglichkeiten des neuen 3D Oberflächenscanners der Firma Breuckmann, der dem Museum seit Mai diesen Jahres zur Verfügung steht und mit welchem die Digitalisierung und damit Konservierung archäologischer Hinterlassenschaften eine ganz neue Qualität gewinnt.

Nach diesem doch sehr anstrengenden Tag hatten wir uns das gemeinsame Abendessen in der schönen Altstadt von Faro mehr als verdient und ließen den
Tag mit einem guten Essen und wunderbarem Wein ausklingen. Unser Fazit: Alles in allem war es zwar ein sehr arbeitsreiches, aber
dennoch schönes Wochenende in Portugal, bei welchem wir die Kooperation mit unseren Kollegen der Iberischen Halbinsel weiter vertiefen konnten.

Yvonne Tafelmeier, wissenschaftliche Mitarbeiterin

‘Rumänische Höhlenmalerei entpuppt sich als älteste Mitteleuropas’ – Ein Kommentar

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Jede neue Entdeckung einer Höhle mit Bildern aus der Steinzeit wird zu Recht als eine Sensation gefeiert: auch die in Coliboaia in Rumänien (spektrumdirekt). Eine weitere Kostbarkeit aus der Zeit unserer Vorfahren dürfen wir bestaunen.

 Aus Rumänien ist meines Wissens nur eine weitere Bilderhöhle bekannt (Cucuilat); darüber hinaus gibt es im Ural mit Kapova und Ignatievka zwei weit über das Land hinaus bekannte eiszeitliche Bilderhöhlen. Dass so weit entfernt vom Zentrum der Bilderhöhlen in Südwesteuropa überhaupt Fundstellen mit einem vergleichbaren Motivspektrum gefunden werden, ist etwas Besonderes. Es zeigt, dass die eiszeitlichen Jäger und Sammler über einen langen Zeitraum ähnliche Konventionen in ihrer bildlichen Ausdrucksweise besaßen. Dies ist nichts Neues. Auch lässt sich aufgrund der Neuentdeckung in Coliboaia keine verbesserte Vernetzung der Eiszeitjäger über ganz Europa postulieren. Mit welchem Argument? Überraschend ist zudem die Geschwindigkeit, mit der die Bilder als die ‘ältesten Mitteleuropas’ eingestuft werden. Gerade Jean Clottes, den ich als sachorientierten Kollegen schätze, hat doch mit Chauvet die Erfahrung gemacht, wie sehr man sich bei der Alterseinschätzung täuschen kann, wenn man sich allein auf den Stil der Bilder verlässt. Denn die vermeintlich ältesten Höhlenbilder der Welt, könnten stilistisch deutlich jünger sein – doch das ist ein ganz anderes Problem.

Alterseinschätzungen mit Hilfe des Stils funktionieren nur in gut erforschten kleinräumigen Regionen wie den Pyrenäen zuverlässig. Nun soll die Datierung eines Bärenknochens das hohe Alter der Bilder in Coliboaia bestätigen. Es bleibt zu hoffen, dass der gewählte Knochen mit dem Aufenthalt des eiszeitlichen Menschen in Verbindung zu bringen ist (z. B. durch Schnittspuren).

Noch ist meines Erachtens das genaue Alter der Bilder ungeklärt. Die Motive und die Platzierung im Innern der Höhle sprechen für einen eiszeitlichen Kontext. Neben der alleinigen Beschäftigung mit den Bildern und der Höhle wäre wichtig zu erfahren, ob es weitere archäologische Funde in der Höhle gibt und wie der archäologische Kontext im Umfeld der Höhle (Apuseni-Gebirge) aussieht. Nur so ist es möglich, sich einen guten Eindruck von der Bedeutung der neu entdeckten Bilderhöhle in Coliboaia zu machen.

Mit besten Grüßen, Andreas Pastoors

P.S. Das Foto stammt von Andrei Posmosanu, rumänische speleologische Föderation (FRS) und stellt möglicherweise einen Nashornkopf dar.