SCHULTERBLICK FORSCHUNG – Die Höhle der vergessenen Träume

…, so lautet der Titel des neuen Herzog Films. Gestern Nachmittag habe ich ihn in einem Kölner Kino gesehen und – als Fazit vorneweg – es war ein angenehmes Erlebnis.

Das Motiv, die Grotte Chauvet , ist einfach atemberaubend. Und das wird durch den Film in 3-D in besonderer Weise transportiert. Die räumliche Anordnung der Bilder ist unmittelbar zu erfassen – viel besser als in jedem Buch.

Herzogs Inszenierung hat mich positiv überrascht. Es wird erfrischend wenig über die Bedeutung von Höhlenbildern spekuliert; nur notwendige Informationen zum Kontext und den Arbeitsbedingungen werden gegeben. Dank der restriktiven Auflagen zum Schutz der Höhle und ihrer Wände durfte nur eine kleine Grundausstattung zum Dreh mitgenommen werden. Dies ist für den Film ein Glücksfall, denn nur so erlebt der Zuschauer den Höhlenbesuch, wie er tatsächlich ist: Nur kleine Ausschnitte sind zeitgleich ausgeleuchtet, der Rest verschwindet im Dunkeln. Licht und Schatten machen aus einer statischen Höhle eine Bühne mit unzähligen dynamischen Effekten.

Aber ich verstehe überhaupt nicht, warum Herzog dem Film durch die begleitenden Geräusche und Musik eine so große Schwere gegeben hat. Kann eine solch tolle Höhle nicht vor allem Freude und Leichtigkeit geben? Die agierenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermitteln dies auch nicht. Für sie scheint die Arbeit in der Höhle eher ein schwer zu ertragendes Schicksal zu sein: Sie wirken unlustig und deprimiert. Ausnahmen sind die Verantwortlichen der Arbeitsgruppe um die Grotte Chauvet Jean Clottes und Jean-Michel Geneste. Beiden ist anzumerken, dass sie Spaß an der Sache haben und sie es als großes Privileg empfinden, sich mit der archäologischen Erforschung dieser Höhle beruflich zu beschäftigen. So geht es mir übrigens auch in den Höhlen des Volp (Tuc d’Audoubert, Les Trois-Frères und Enlène).

Weiterhin ist mir sehr positiv aufgefallen: Es gibt kein reenactment. Dadurch hebt sich der Film von dem Trend des Sonntagabendkulturprogramms ab.

In Summe ist Herzog etwas Gutes gelungen; eine wertvolle, schnörkellose Dokumentation und Reise in die Welt der Grotte Chauvet. Ähnliches hat vor ihm der Bühnenbildner Heinrich Wendel geschaffen. In einem einzigartigen Projekt fotografierte er in den 1970er Jahren die Welt der Höhlenbilder Frankreichs und Spaniens aus seiner künstlerischen Perspektive heraus und hat dadurch etwas Fantastisches geleistet: Durch Fotostrecken näherte er sich den Bildern und gab ihnen so Raum und das in rund 50 Höhlen. Es ist ein sehr großes Glück, dass diese Sammlung im Besitz des Neanderthal Museums ist und noch vor Ablauf des Jahres in der Datenbank NESPOS der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen wird.

Mit besten Grüßen, Andreas Pastoors


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